Sich nen Wolf bloggen

16 Jul

So, wir sind seit fuenfeinhalb Stunden online. Seit Wochen haben wir uns darauf gefreut, wie man es sich nur vorstellen kann, wenn man 1,5 Monate nicht vernuenftig online gehen kann, obwohl man doch sooo viel zu erzaehlen haette. Richtig ausgemalt haben wir uns, was wir alles zu erzaehlen haben und wie toll das wird, wenn wir endlich mal laenger online bleiben koennen als nur fuer kurze Facebook-Updates. Aber langsam muss gut sein. Lesestoff gibt’s da unten genug, bis etwa zur Haelfte unserer bisherigen Reise, gestopft in vier Beitraege. That should keep you busy for a while. Wer ansonsten immernoch nicht genug hat: Meine liebe Reisepartnerin Sabine verbloggt das Ganze aus ihrer Sicht, mit vielen lustigen Details, die ich euch verschwiegen habe und mit weniger kitschigen Auslassungen ueber die Landschaft, zu denen ich mich immer hinreissen lasse. ;)

Als naechstes kommen das Tauchen in Exmouth sowie unsere absolut wahnsinnige Walhai-Tour dran (von der ich „nur“ eine DVD habe, keine Fotos, weil mir ja – meeeega-frust – die UW-Kamera kaputt gegangen ist). Und der Karijini Nationalpark mit der wohl schoensten Landschaft, die ich je gesehen habe. Und es liegen noch einige tolle Dinge vor uns.

Bis dahin liebe Gruesse aus Broome und viel Spass beim Lesen! :)

Coral Bay und Exmouth – Schnorcheln, Nationalpark und Sonnenuntergaenge

16 Jul

Weiterreise nach Coral Bay. Dort zunaechst mal herausgefunden, warum der Tee, den wir mit dem Wasser aus unserem „Frischwasser-Tank“ im Auto gemacht haben, so „komisch“ schmeckte. Wir dachten, es laege daran, dass wir das Wasser wochenlang mit uns herum gefahren haben und der Tank einfach seinen ranzigen Plastik-Geschmack ans Wasser abgegeben hat. Naja, stimmte auch. Nur dass vor uns irgendjemand diesen „Frischwasser-Tank“ als Ersatzkanister fuer Benzin benutzt hat. Beim Erneuern des Wassers war das eindeutig zu riechen. Grosses Kino. In ein paar Jahrzehnten wird sich diese Tasse Tee raechen fuerchte ich…

Nur kurz in Coral Bay geblieben, zum Schnorcheln. Eine zweite, widernatuerliche Algenbluete hat die Korallen dieses Jahr – so wurde es mir gesagt – erstickt. Lasterweise wurden Algen-Spermien und -Eier weggekarrt, um dies zu verhindern, aber gebracht hat es nicht viel. Wir konnten noch sehen, wie bunt es gewesen sein muss. Ganze Korallenwaelder sind wenige Meter vom Strand entfernt zu sehen, leider aber recht grau und abgestorben. Dennoch flitzt einiges Fischiges durch die Windungen. Ich freue mich auf Exmouth und das Ningaloo Reef. Bin reif fuers Tauchen, obwohl das Wasser eisig ist.

Von Exmouth und Coral Bay

Erst einmal stehen in Exmouth aber einige Schnorchel- und Strandtage an. Wir haben einiges zu organisieren und das dauert und die Zeit dazwischen ueberbruecken wir mit Schnorcheln ohne Ende. Das geht in Exmouth nur im angrenzenden Cape Range Nationalpark, in den wir dank Nationalparkpass beliebig oft ohne Bezahlung rein und raus fahren koennen. Lohnt sich, aber man muss unbedingt auf den Spritverbrauch achten, die hunderte Kilometer summieren sich wie nix! Wir sehen einen Blaupunkt-Stachelrochen, jede Menge bunter Fische, winzige weisse Muraenen, Oktopusse, Welse und lebendige, farbenreiche Korallen. Eine Schnorchel-Bucht ist schoener als die andere. Das Ningaloo-Reef reicht hier bis zum Ufer. Besonders zu empfehlen: Oyster Stacks und die bekannte Turquoise Bay.

Von Exmouth und Coral Bay

Auch eher grosse Fische bekommen wir zu sehen, wie bunte Papageienfische, Makrelen und ich weiss nicht, was noch alles. In der Turquoise Bay geht man am einen Ende rein und laesst sich von der starken Stroemung zum anderen Ende treiben. Und guckt einfach nach unten. Toll! Wenn man am Ende angekommen ist, gleich nochmal von vorne. :)

Von Exmouth und Coral Bay
Von Exmouth und Coral Bay

Als wir am Strand liegen, schwimmen ein Riff- und spaeter sogar ein Hammerhai DIREKT am Strand entlang. Entgegen aller meiner bisherigen Erfahrungen in Queensland und New South Wales, was die Hai-Panik der Australier angeht, hoert man keine Schreie und sieht man keine Menschen aus dem Wasser eilen, sondern nur ein lachendes „Put your bloody head down“, gerichtet an die Schnorchler, die den direkt hinter ihnen her schwimmenden Hammerhai uebersehen. Im Wasser sehen wir beim Schnorcheln keine Haie. Dafuer schnorchle ich einmal nichts ahnend vor mich hin, bin auf dem Rueckweg zum Strand. Auf einmal wird es vor mir rabenschwarz dunkel, wie eine Wand sieht das Meer auf einmal aus. Unheimlich, ich kapier’s fuer Sekunden nicht… Dann sehe ich hunderte Augenpaare, die mich anglotzen – und naeher kommen! Bauchkribbeln! Ein riesiger Schwarm dicht gedraengter Fische schwimmt auf mich zu und das Kopfkino suggeriert mir, dass die gejagt werden und dahinter ein riesiges, hungriges Maul auf mich wartet. Aber da wartet nichts und der Schwarm weicht kurz bevor er mich streifen wuerde, endlich aus. Und es wird wieder hell. Hui!

Ein anderes Mal ist ploetzlich Sabine weg. Gerade war sie noch neben mir. Ich sehe sie einfach nicht mehr, nicht ueber und nicht unter Wasser. Sie hat gerade erst mit dem Schnorcheln angefangen. Oh Gott! Ich male mir aus, wie ich ihrer Familie und der Polizei das erklaeren soll, waehrend ich mich im Wasser drehend die Oberflaeche absuche. Minutenlang nichts. Viel zu lange, um davon auszugehen, dass sie nur mal kurz abgetaucht ist. Stroemung? Haie? Mir pfeift ein Wind um die Ohren und mein gerufenes „Sabiiiineeee?“ klingt wie ein im Wind zerlaufendes Fluestern. Herzklopfen. Und dann sehe ich sie ploetzlich am Ufer. Erleichterung ohne Ende. Spaeter erzaehlt sie mir eine aehnliche Geschichte, denn auch sie hat mich aus den Augen verloren. Wie auch immer wir das hinbekommen haben…

An einem Tag wandern wir morgens durch die „Mandu Mandu Gorge“. Wir schwitzen und springen anschliessend wieder mit Maske und Schnorchel ins Meer. So koennte es ewig weitergehen. Und wird es, wie ich mittlerweile weiss. Westaustralien ist Kontrastprogramm und genau deshalb so toll.

Wir uebernachten auch eine Nacht im Nationalpark, wieder nur mit Bush-Toilette und sonst nichts.

Von Exmouth und Coral Bay

Ich gucke mir vom steinigen Strand aus den Sonnenuntergang an. Grosses Kino. Der Himmel glueht orange, minuetlich aendern sich die Farben. In der Ferne prallt die Brandung auf das Ningaloo Reef, vor dem gluehenden Himmel spritzt die Brandung auf. Wie Flammen lodert die Gischt nach oben. Und weil das noch nicht perfekt genug ist, sehe ich ploetzlich 20 Meter vor mir, wo wir vor wenigen Stunden noch schnorcheln waren, Haiflossen aus dem Wasser gucken. Ruhig, aber gezielt patroullieren Riffhaie im nicht einmal einen Meter tiefen Wasser, beginnen ihre naechtliche Jagd in der Daemmerung. Ich bin geruehrt, bin in diesem Moment angekommen in diesem Land, habe diesen Moment fest eingebrannt ins Herz. Kann ein Sonnenuntergang aufregender sein?

Von Exmouth und Coral Bay

Mehr Fotos im Album.

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Carnarvon: Alternatives Campen und fauchende Blowholes

16 Jul

In Carnarvon haelt der Westkuesten-Reisende, wie in einigen anderen Orten auch, eigentlich nur, weil man dort im Woolworths oder Coles seine Lebensmittel-Vorraete auffuellen und halbwegs guenstig tanken kann. Manchmal auch mit ein bisschen Hoffnung auf guten und bezahlbaren Internetzugang. Mehr als 300 oder 400 Kilometer am Tag zu fahren benoetigt erstens eine Tankstelle und ist zweitens so anstrengend, wie 800 Kilometer Autobahn. Ausserdem wird es zwischen fuenf und sechs Uhr dunkel (eine Sache, an die wir uns partout nicht gewoehnen koennen) und vom Fahren bei Dunkelheit ist dringend abzuraten, da es nachts nur so wimmelt vor Kaengurus und anderem Wildlife. Und wir moechten gerne ohne Roadkill auskommen. Naja, so gut wie. Einen Vogel habe ich leider auf dem Gewissen…

Carnarvon ist bekannt fuer seine Obst- und Gemueseplantagen. Somit haben wir unsere Vorraete auch direkt von der Plantage aufgefuellt. Nach einer Nacht in der Stadt raus zum „Quobba Point“, einem trotz Rentnern alternativ angehauchten Campground direkt in den Duenen. Keine Duschen, kein laufendes Wasser, keine Kueche, nur selbstgezimmerte (und wie immer bisher: saubere) Buschtoiletten. 5,50 AUS-Dollar pro Nacht, also ca. 3 Euro. Pro Fahrzeug, nicht pro Person. Dem Ranger kann ich an den Augen im vom Wetter zerfurchten Gesicht ansehen, dass er ein feiner Kerl und ehrliche Seele ist. Gerne wuerde ich mich laenger mit ihm unterhalten, manche Menschen haben interessante Lebensgeschichten ins Gesicht geschrieben. Und immer sieht man Rangern, Crewmitgliedern und sonstigen nahe an der Natur Arbeitenden hier an, dass ihr Herz fuer das schlaegt, was sie tun. Bewunderung.

Hinter den Duenen liegt geschuetzt vorm tosenden, brausenden Meer eine kleine Lagune. Traumhaftes Schnorchelgebiet, steht im Reisefuehrer und sagt der Ranger. Angeblich, so hat er es von Reisenden bestaetigt bekommen, steht die Lagune dem Ningaloo Reef in nichts nach.

Von Canarvon: Blowholes Reserve
Von Canarvon: Blowholes Reserve

Leider wachen wir am naechsten Tag in eisig kaltem Sturm auf – an Schnorcheln mag ich nicht denken. Wir reisen ohne Fruehstueck ab und holen es spaeter in einer etwas windstilleren Parkbucht am Strassenrand nach. Ich merke: Ich bin reif fuers Tauchen, will meine Nase unter Wasser halten und Stickstoff im Blut ansammeln.

Das Camp liegt allerdings im „Blowholes Reserve“, einem kleinen Gebiet auf der Halbinsel, wo man Blowholes bestaunen kann. Durch Loecher in den Klippen jagt die gewaltige Brandung riesige Fontaenen in die Hoehe. Fauchend, als saesse unter den Felsen ein wuetender Drache. Der ein oder andere Fischer hat hier schon durch King Waves sein leben verloren.

Von Canarvon: Blowholes Reserve

Ich dachte, man koenne sich das ja mal angucken, es sei bestimmt „ganz nett“. Statt dessen empfanden wir beide die Blowholes neben dem Kalbarri Nationalpark als zweiten Hoehepunkt der Reise. Haben etliche Fotos gemacht und einige Videos gedreht. Und mussten uns regelrecht lossreissen von diesem grollenden Kampf Fels gegen Wasser. Wieder mag ich es: Grosse Natur, kleiner Mensch.

Von Canarvon: Blowholes Reserve
Von Canarvon: Blowholes Reserve
Von Canarvon: Blowholes Reserve

Mehr Fotos wie immer im Album.

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Monkey Mia, Denham und Francois Peron Nationalpark

16 Jul

Monkey Mia – das ist einer der Ortsnamen, die einem am haeufigsten und als erstes begegnen, wenn man sich ueber die australische Westkueste informiert. Wegen den in der Shark Bay lebenden Delfinen, die taeglich mehrmals als grosses Touri-Spektakel gefuettert werden – freiwillig allerdings, denn ob sie in die Bucht kommen oder nicht zur Fuetterungszeit, „entscheiden“ sie selbst. Mich hat das Ganze schon von zu Hause aus nicht gereizt, auch wenn ich das gar nicht genau begruenden kann, und habe diesen „Pflichttermin“ ohne schlechtes Gewissen ausgelassen. Sabine allerdings war da und kam Freude strahlend zurueck.

Monkey Mia ist, zu unserer Enttaeuschung, kein Ort, sondern ein Touri-Ressort. Vermutlich nicht sehr beliebt bei den Locals des nahe gelegenen Oertchens Denham, das ebenfalls stark vom Tourismus lebt und Massen von Touristen an Monkey Mia verliert. Wir waren sowohl in Monkey Mia als auch in Denham zwei Naechte, haben am Strand gelegen (unspektakulaer), ich hab endlich mein lang ersehntes Seafood bekommen, wir sind am Strand spazieren gegangen, haben tolle Sonnenuntergaenge gesehen.

Von Monkey Mia und Denham
Von Monkey Mia und Denham (inkl. Shell Beach und Stromatolithen / Hamelin Pool)

Und wir haben eine von der Organisation und Durchfuehrung her mittelpraechtige Tour zum Francois Peron Nationalpark auf der Halbinsel in der Shark Bay gemacht. Tolle Landschaften, aber leider auch wegen der Rentner an Board groesstenteils im Auto gesessen – und von tausenden von Sandfliegen zerstochen worden, die uns noch mehrere weitere Tage versaut haben. Die Viecher sind die absolute Pest von Australien.

Von Monkey Mia und Denham (inkl. Shell Beach und Stromatolithen / Hamelin Pool)
Von Monkey Mia und Denham (inkl. Shell Beach und Stromatolithen / Hamelin Pool)

Was mir am besten gefallen hat: Die Fahrt auf die Halbinsel sowie die Aussichten auf das spiegelglatte, klare Meer, so dass wir darin Schildkroeten, Mantas und Adlerrochen sehen konnten. Mit etwas Glueck kriegt man sogar Dugongs zu sehen.

Von Monkey Mia und Denham (inkl. Shell Beach und Stromatolithen / Hamelin Pool)
Von Monkey Mia und Denham (inkl. Shell Beach und Stromatolithen / Hamelin Pool)

Auch Kanu fahren in Monkey Mia ist nett, wenn einen die Delfine ein Stueckchen begleiten. Haette ich auch richtig dolle genossen, wenn wir nicht genau in dem Moment verzweifelt versucht haetten, eine Kurve zu paddeln, um die Viecher nicht zu streifen, was uns mehr schlecht als recht geglueckt ist. Wir sind mit unserem buchstaeblich doespaddeligen Manoever auf etlichen Touri-Fotos abgebildet, denn sobald Define auftauchen, werden die Knipsen gezueckt. Aber an derartige peinliche Touri-Momente gewoehnt man sich mit der Zeit. :D

Die Shark Bay ist Weltnaturerbe (und ja, dort gibt es viele Haie, unter anderem Tigerhaie) und die Anfahrt in die Bucht wird auf Schildern als „World Heritage Drive“ angekuendigt. Verdienter Weise. Hier IST der Weg das Ziel. Und hier reicht das Outback direkt bis ans Meer. Die Sicht vom Steuer aus: In der Mitte schlaengelt sich die asphaltierte Strasse, mal endlos geradeaus, mal ueber Huegel auf und ab. Beidseitig gesaeumt von rotem Sand. Dann bis zum Horizont Busch, rechts und links, vor und hinter uns. Viel trockener schon als weiter im Sueden. Wo es huegelig ist, wird die Strasse zur Sprungschanze Richtung Himmel. Kilometerweit faehrt man darauf zu, ich male mir aus, wie wir oben auf dem Huegel einfach abheben in die fluffigen Woelkchen und den strahlend blauen Himmel. Doch nach der Erhebung geht es genau so weiter wie vorher: Endlose Strasse, roter Sand und Buschland, so weit das Auge reicht, Richtung naechster Sprungschanze. Im grossen Rueckspiegel haargenau das selbe Bild. Unvergesslich. Windschutzscheiben-Blockbuster. Manchmal kurze Blicke auf den Ozean, immer ueber allem der blaue Himmel als Kontrast. Und immer wieder Kadaver von Kaengurus, Voegeln oder Rindern (die hier einfach so ueber die Highways laufen, in aller Seelenruhe) in unterschiedlichsten Verwesungsstufen. Wie schoneinmal geschrieben: Ich koentte noch viel mehr nur ueber das Autofahren schreiben. :) Habe einige Videos gedreht, vielleicht reiche ich die mal nach.

Als wir die Halbinsel Richtung Canarvon verlassen haben Zwischenstopp an den weltberuehmten Stromatolithen. Ohne sie waere keiner von uns am leben, gaebe es nicht einmal Sauerstoff in unserer Atmosphaere. Herrlich unspektakulaer sehen sie aus, aber nette Fotomotive geben sie her.

Von Hamelin Pool / Stromatolithen und Shell Beach

Zweiter Stopp am Shell Beach. Kilometerlanger Strand vor tuerkisblauem Meer, der einzig aus Muscheln besteht, 5-10 Meter tief. Muschelschubserin-Paradies. ;)

Von Hamelin Pool / Stromatolithen und Shell Beach
Von Hamelin Pool / Stromatolithen und Shell Beach

Mehr Fotos in Album1 und Album 2.

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Kalbarri – Weiiiiitblick und Schluchtenwandern

16 Jul

Das erste wirkliche Highlight und der erste Ort, an dem ich das abgelutschte Wort „atemberaubend“ benutzen muss, ist Kalbarri mitsamt seinem Nationalpark und den dem kleinen Oertchen vorgelagerten Buchten. Von Geraldton aus haben wir – um schnell aus dieser haesslichen Stadt herauszukommen – in Northbridge uebernachtet, nur wenige Kilometer noerdlich. Bis Kalbarri waren es dann nur noch 100 Kilometer, aber wir haben uns den ganzen Tag dafuer Zeit gelassen. Grund sind sechs Abzweige kurz vor Kalbarri, die man unbedingt mitnehmen muss. Zunaechst hat es gestuermt und leicht geregnet – eigentlich umso beeindruckender, weil das Meer unter den hohen Sandstein-Klippen tost und braust und faucht und wildes Wetter dazu einfach passt. Dann riss ploetzlich, genau als wir einen kleinen Walk entlang der Klippen machen wollten, der Himmel auf, die Sonne kam raus – und wir hatten einen Weitblick in saemtliche Richtungen, wie ich ihn noch nie erlebt habe. Cap de Creus an der Costa Brava (einige von euch wissen genau, was ich meine), mein bisheriger Weitblick-Lieblingsort, ist nichts dagegen. Man kann tatsaechlich deutlich die Erdkruemmung sehen (s. Foto 2). Jeder einzelne Abzweig vor Kalbarri eroeffnet tolle neue Aussichten und ist die kurzen Umwege wert. (Und mit kurz meine ich durchaus auch das europaeische „kurz“, nicht nur das australische…) ;)

Von Kalbarri und Kalbarri Nationalpark
Von Kalbarri und Kalbarri Nationalpark

Kalbarri an sich ist klein und beschaulich, wenn auch laut Reisefuehrer in der Hochsaison etwas ueberlaufen. Bei uns war’s noch beschaulich. Es ist ein guter Ausgangspunkt in den Kalbarri Nationalpark, der zu unserem Glueck auch per Zweiradantrieb erreichbar ist. Zwar haben wir fuer die 20 Kilometer harter Waschbrettpiste eine ganze Stunde gebraucht, unser Campervan hat gerappelt und geaechzt unter der Huckelpiste, aber der schon herbei gefuerchtete Achsbruch ist ausgeblieben. (Mittlerweile fahren wir solche Pisten ohne Angst und haben die wildesten Dinger mit dem Auto angestellt letzte Tage… In Kalbarri war das alles aber noch neu.)

Von Kalbarri und Kalbarri Nationalpark

Vom Parkplatz im Nationalpark geht’s einige hundert Meter ueber einen Sandweg und eine kleine Kletterpartie zum „Nature’s window“, das keinen anderen Namen als genau diesen verdient hat. Plichttermin Foto-Session, mit Anstehen. (Auf dem Foto Sabine und ich.)

Von Kalbarri und Kalbarri Nationalpark

Die meisten Touris drehen dann ab zurueck Richtung Parkplatz – mit Flipflops auch dringend ratsam. Tz. Wer halbwegs fit ist, Natur liebt und gerne wandert, sollte den ca. 8 Kilometer langen Walk „The Loop“ machen. Grandios, zumindest im Winter. Im Sommer bis zu 50 Grad heiss… Zunaechst vorbei am „Nature’s window“ am Rand der Schlucht entlang mit tollen Aussichten auf die Schlucht und den dahin plaetschernden Fluss. Keinen Zweifel hat man daran, dass Wasser alleine diese tiefen Furchen geformt hat. Dass Wasser alles formen kann. Im Stein Wellenstrukturen. Vogelrufe, ansonsten absolute Stille. Die Schlucht und die gewaltigen Kraefte, die sie geformt haben und beinahe noch immer vorstellbar sind, ruecken alles in neue Relation. Wie herrlich winzig ich mich fuehle.

Von Kalbarri und Kalbarri Nationalpark

Irgendwann Abstieg in die Schlucht, ueber das mal steinige, mal sandige Flussbett und teilweise unter Felsvorspruengen her um die Flussbiegung herum. Dann vorbei an irgendwann herangeschwemmten Wurzelgeflechten, vorbei an aschblau verkohlten Baumresten und Eukalyptus-Baeumen, immer umgeben von den roten, rostroten, braunen, curryfarbenen, orangenen Schluchtenwaenden und das ein oder andere am Gras mampfenden Kaenguru anschmunzelnd. Staendig wechselnde Landschaften und Farben. Am Ende auf kurzer Strecke Aufstieg zurueck zum „Nature’s window“.

Von Kalbarri und Kalbarri Nationalpark

Welche Reisenden man auch immer fragt: Alle sagen, wenn man gen Norden reist, wird nicht nur das Wetter besser (wir hatten viel Regen die ersten paar Tausend Kilometer und haben oft gefroren – beim Campen alles etwas anstrengend), sondern steigert sich auch die Schoenheit der Nationalparks. Kaum zu glauben, denken wir, nachdem wir den „Loop“ gelaufen sind.

Mehr Fotos wie immer im Album.

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