
Bald ist es eben nicht vorbei
Donnerstag, Juni 25, 2009“Bald ist es ja vorbei.” Das wird mir in diesen Tagen ständig um die Ohren gehauen, von allen Seiten. Und das sage ich mir auch selbst andauernd. Noch acht Wochen, dann ist Abgabe. Zum ersten Mal während der Diplomarbeit habe ich das Gefühl, dass da ein Ende in Sicht ist. Die Freude darüber hält sich allerdings in Grenzen.
Mit dem näher kommenden Abgabetermin steigt Panik auf, es bis dahin nicht zu schaffen. Ja ja, ich weiß. So ist es immer. Und man schafft es doch irgendwie. Und das werde ich auch. Aber es wird wesentlich knapper, als ich gedacht hatte und da kann man reden, wie man will, das macht nervös. Das würde jeden nervös machen. Floskeln hin oder her.
Aber das ist es eigentlich gar nicht, was die Freude auf das Ende trübt. Der Stress mit der Arbeit, das monatelange sich zurückhalten, sich disziplinieren, sich motivieren… das alles gehört nunmal dazu. Es ist anstrengend und stressig, ja. Aber so ist das halt und – ich hab’s schonmal geschrieben – ich mag mein Thema nach wie vor, stehe voll und ganz dahinter, stecke sehr viel Herzblut da rein. Es ist kein stumpfes hinter sich bringen von Pflichterfüllung. Diese Arbeit ist mir persönlich wichtig und das nicht bloß, weil ich damit endlich die Hürde nehme, auf die ich unter denkbar schlechten Umständen hingearbeitet habe.
Die Dinge, die mir wirklich zu schaffen machen, die hören eben nicht am 23. August auf. Die werden sich dann noch viel mehr in mein Bewusstsein ätzen als sie es jetzt tun. Und sie tun es jetzt schon. In jeder der wenigen freien Minuten. In dem Moment, in dem ich meine Ordner und Tabellen schließe, brechen sie über mich herein. Und es fällt mir zunehmend schwer, das zu verdrängen. Deshalb möchte ich am liebsten nur arbeiten und anschließend übergangslos einschlafen. Weil die Zeit dazwischen nicht nur kurz, sondern schmerzhaft ist.
Diese Dinge fangen nach der Abgabe erst richtig an. Und deshalb weiß ich nicht, was ich mit diesem “Bald ist es ja vorbei” überhaupt anfangen soll. Ich hab Angst vor der Zeit.
Wie singt Brian Molko? “No one can take it away from me. And no one can tear it apart. Cause a heart that hurts, is a heart that works.” Na. Immerhin.

Ich empfehle… (wird nach 18.45 Uhr, Montag, nicht mehr aktualisiert)
Donnerstag, Juni 18, 2009Update: Ich werde diese Liste nun nicht weiter aktualisieren. Interessante aktuelle Texte zu diesem und anderen Themen gibt es wie vorher auch unter “Fremdlesen”.
… einen ausführlichen Blick in die Sidebar, unter “Fremdlesen” und folgende Linkliste. Bitte.
Weitere Links zu guten Quellen bitte in die Kommentare (ich bin sicher, morgen gibt’s sehr viel dazu, Gutes wie Schlechtes). Wenn ich Zeit habe, update ich hier auch, aber das kann ich leider nicht garantieren.
Zur aktuellen Entwicklung hier Meinungen, Aktuelles und auch noch einmal Quellen mit Argumenten, Fragen / Antworten:
Die Argumente
- AK Zensur stellt die Argumente gegen das Gesetz anschaulich und übersichtlich dar.
- Warum es sehr wohl um Zensur geht – Ein Text mit Fragen und Antworten für alle, die sich im Internet nicht so gut auskennen
Fakten & Entwicklung (in chronologischer Reihenfolge)
- Ursula von der Leyen hat gelogen. Für den schnelleren Überblick guckt hier: Die Bundesregierung hat keine Kenntnis, will aber sperren.
- Das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten zum Thema Internetsperren (für mich ist damit klar, wen ich nicht wählen werde)
- “Hat mein Abgeordneter für Netzsperren gestimmt?” – Suche nach Bundesländern
- Nach Beschluss des Gesetzes: Verfassungsklagen angekündigt.
- Es wird die Sperrung von Killerspielen geprüft. Auch SpOn berichtet darüber. Was kommt als nächstes? Wollen wir Wetten abschließen?
- Unter dem Motto “Löschen statt Sperren” finden Samstag bundesweit Demos statt (organisiert von der Piratenpartei, von der wir noch viel hören werden).
- SPD verliert Tauss und den Onlinebeirat. MdB Tauss denkt noch bis morgen Mittag darüber nach, die SPD zu verlassen und zur Piratenpartei zu wechseln. (Zur Erinnerung: Gegen Tauss läuft ein Verfahren wegen des Besitzes von Kinderpornografie.)
- Samstag Mittag: Gerade veröffentlichte Jörg Tauss seine Erklärung: Nach fast 40 Jahren in der SPD tritt er aus der Partei aus und kündigt seine Mitgliedschaft und Unterstützung für die Piratenpartei an (s. auch Foto und 2. Beitrag von Stefan Laurin u. Beitrag von David Schraven unter Meinungen). Sein Bundestagsmandat will er behalten.
- SPD-Politikerin Angela Kolb plädiert für europaweite Netzsperren.
- Mittlerweile kursieren im Netz Fotos von den heutigen Demos und Mahnwachen. Hier mal nur diese und diese aus Berlin.
- Hier ein Interview mit Jörg Tauss zu seinem Austritt aus der SPD, dem Eintritt in die Piratenpartei und darüber, was er über die Grünen und die FDP denkt (gefunden beim Oeffinger Freidenker):
Meinungen
- Anke Gröner: Der letzte Tag
- Zweipunktnull: Na denn man Tauss!
- Thomas Knüwer: Warum die Diskussion um Internet-Sperren Deutschlands Politikern (…) Angst machen sollte
- Christian Bahls (MOGIS): Handelt die Regierung wie ein Täter?
- John F. Nebel (Metronaut): Freiheit ist es wert, niemals zu resignieren
- Stefan Laurin (Ruhrbarone): Symbolpolitik 2.0 - “bringt nichts, kostet nichts, aber man hat den Anschein des Handelns geweckt”
- Christoph Thurner (Wir sind das Volk): Vielen Dank Ursula v. d. Leyen! (ernst gemeint) – Dieser Beitrag spricht (nicht nur) mir aus der Seele!
- Chris (F!XMBR): SPD – dem Fisch das Fliegen beibringen? Unmöglich!
- Noch einmal Stefan Laurin (Ruhrbarone): Tauss – Chance und Risiko für die Piraten.
- David Schraven (Ruhrbarone): Offener Abschiedsbrief an die Piratenpartei.
- Nilzenburger: Eine extrem lose Gedankensammlung zum Zustand dieses Landes nach dem Beschluss des Internet-Zensur-Gesetzes.
- Schauspieler Michael Jäger (u. a. Marienhof) fragt sich in einem lesenswerten Text das gleiche wie ich mich seit Wochen frage und was mich von Tag zu Tag verständnisloser werden lässt: Warum schweigen denn alle? Außerdem hat er auf der Demo “Löschen statt Sperren” die Tage eine bewegende Rede gehalten. Er weiß, wovon er redet, auch er ist Opfer von Kindesmissbrauch und Kinderpornografie – und ist GEGEN die Internetsperren:
Weiterführende Links:
- Kommentierte Zensursula-Linkliste und unzählige weitere, fundierte Berichte zum Thema bei Netzpolitik.org.
- AK Zensur mit weiterführenden und aktuellen Infos.
- Verein: Missbrauchsopfer gegen Internetsperren (MOGIS)
- Bei 3D-Supply gibt’s Zensursula-Shirts (auch als Girlie) – zum Selbstkostenpreis (bzw. erhöhte Versandkosten)! Wofür? Dafür. Und hier gibt’s ein weiteres Aktions-Shirt.
- Es gibt nun auch ein Zensursula-Lied. Ich find’s ja viel zu albern (dafür hilft’s bei der Überwindung der Wut), aber der Vollständigkeit halber sei es hiermit verlinkt (zum Einbetten ist mir das ehrlich gesagt zu blöd).
Bin für Tipps und Links dankbar, da ich das Thema aus Zeitmangel nur bedingt selber verfolgen kann in diesen Tagen. Danke dafür! ![]()

Moby: Haben! Müssen!
Dienstag, Juni 16, 2009Mein Herz geht gerade schon wieder auf, bumpert, tut weh, fühlt sich gut an, weint, freut sich, badet in Erinnerungen – alles gleichzeitig! Es gibt ein neues Moby-Album, “Wait for me”. Nun verbinde ich mit Moby unzählige tolle Momente und bin deshalb schon lange Moby-Fan. Sobald ich die Musik höre, kann ich mich in bestimmte Situationen zurück versetzen. Ich will ihn schon viele Jahre live sehen und krieg’s irgendwie nie hin. Moby ist für mich der Inbegriff dafür, niemals unscheinbare Menschen zu unterschätzen, immer einen zweiten Blick zu wagen. Ein Genie im Normalo-Pelz. Wie kann aus einer so grauen Maus so unendlich viel Tolles heraus kommen?
Sein Disco-Album gefiel mir allerdings nicht so gut. Ich mag von Moby eher die melodiösen Stücke, von mir aus auch ganz ohne Gesang. Das sind die Stücke, zu denen man tagelang Auto fahren kann, zu denen man sich in einer Hängematte die Nase von der Sonne kitzeln lassen und dabei tagträumen kann und die Stücke, für die der Sternenhimmel so aussieht, wie er aussieht. “Play” war für mich deshalb immer das beste Album und ich halte Lied Nummer 14 auf dieser Platte – “Everloving” – für eines der besten Musikstücke. Ever. (Loving.)
Mit “Wait for me” kehrt Moby meiner Meinung nach genau zu dieser Stärke zurück. Sorry, aber ich bin noch einmal wegen Musik ganz hin und weg.
Ach ja, es wäre irgendwie nicht Moby, gäbe es nicht irgendeinen ungewöhnlichen Fakt zum Album. Dieses Mal ist es dieser: Das Album wurde in Mobys Schlafzimmer aufgenommen. (Ich spar mir jetzt mal die dummen Schlafzimmer-Witze, die mir auf der Zunge liegen…)
Anhören! Das ganze Album, HIER. (Entdeckt via @coffeeandtv.)

Muschelschubserin mit Placebo-Effekt
Dienstag, Juni 9, 2009Beim allerersten Hören ging mir das Lied auf den Keks. I, I, I, I, I… You, You, You, You, You… Beim zweiten Mal hören fing die hypnotische Wirkung an und mittlerweile hab ich das Stück auch dann im Kopf, wenn es nicht läuft.
Ich fand Placebo mal ganz gut. Damals. Als Black Market Music rauskam und davor. Die Platte lief bei mir rauf und runter – bis ich sie tot gehört hatte. Bis mir Brian Molkos Stimme auf den Geist ging. Immer dieses Quäken, ich konnt’s nicht mehr hören. Und bis ich zu viele schmerzhafte Erinnerungen mit Placebo verband. “Battle For The Sun”, das frisch erschienene Album von Placebo, hab ich mir letzte Woche als Mp3-Album zugelegt. Ich dachte, ich könnte ja mal… Ich wünscht, ich hätte es mit allem drum und dran gekauft.
Ich tu mich wirklich schwer damit, etwas so subjektives wie Musik zu kritisieren und mache das deshalb so gut wie nie hier im Blog, aber dieses Album gefällt mir so gut, dass ich quasi nicht an mich halten kann. Mir kommt es so vor, als hätten Placebo seit Black Market Music einen riesen Sprung gemacht. Das ganze Album halte ich für dicht und ausgereift. Es gibt so gut wie kein Stück, das mir nicht gefällt. Alle sind typisch Placebo und doch sind überall kleine musikalische Gadgets und Leckerlis versteckt. Mal ist es der etwas andere Drumbeat, mal sind es gefühlsbetonte Flächen, mal lassen mir die Streicher und andere klassische Elemente eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Dabei gibt es nie ein zu viel oder zu wenig an Effekten. Brian Molko spielt meiner Meinung nach sehr viel mehr mit seiner Stimme als früher, setzt sie viel pointierter ein (ich mag’s ja, wenn er dunkel singt) und er singt mit einer Leidenschaft, die man hören kann. Man beachte zum Beispiel das Ende des folgenden Stückes – wer da keine Gänsehaut kriegt, der muss ein Fisch sein. Zudem kommen mir die Texte weniger kryptisch vor als früher und ich finde mich in etlichen Passagen wieder. (Wobei ich mich auch ein bisschen amüsiere: Ich habe bisher fünf Lebensweisheiten gefunden, mit denen Placebo da um sich schmeißen. Das find ich irgendwie süß. Placebo wisdom.)
Ich bin ja derzeit auf einem ziemlichen Richard Ashcroft / The Verve-Trip, aber den ersten Platz in meinem muskalischen Herzen teilen sich ab sofort zwei Bands. Hach!




