Litchfield Nationalpark – Schoen, aber laengst kein Geheimtipp mehr

5 Sep

Der Litchfield Nationalpark kommt uns sehr gelegen. Hier geht’s ums Baden. Den ganzen Tag lang. Von einem Pool in den Fluss in den naechsten Rockpool, unter einen Wasserfall und von da in den naechsten Pool. Bis sich meine Haut wellt und ich – kaum zu glauben bei den Aussentemperaturen – zu frieren anfange.

Die Wangi Falls sind umgeben von ein wenig Regenwald, in dem sich die Flughunde ankeifen.

Wir schwimmen im darunter liegenden Pool und entdecken im linken Wasserfall eine von unten unsichtbare Aushoehlung im Fels, in der man ein warmes Bad nehmen kann. Privates Spa. Ich verstecke mich darin eine Weile ungesehen von den zahlreichen anderen Touris im Pool.

Die Tolmer Falls fallen 100 Meter in die Tiefe. Baden ist hier verboten. Aber gucken darf man.

Immer wieder huepfen wir in Baeche. Ich kann nicht einmal zwei Kilometer durch den Busch laufen, ohne total zu ueberhitzen – obwohl ich weiss, dass am Ende Abkuehlung wartet. Ich laufe im Bikini zu den Florence Falls. Auf dem Weg dorthin sehen wir eine Baumschlange, unsere erste und einzige Schlange auf der gesamten Reise.

Im Pool gehen wir Schnorcheln. Die Unterwasserlandschaft ist gruenlich, am Grund liegen grosse Felsen und abgestorbene Baumstaemme, dazwischen schwimmen rabenschwarze Fische und Welse. Von unten sieht man buntes Laub auf der Wasseroberflaeche treiben.

Am zweiten Tag baden wir stundenlang in den Buley Rockholes. Toll! Ueber mehrere hundert Meter kurvt das Wasser kaskadenartig in kleine Becken, durchsetzt von Felsen, Wurzeln und Wasserfaellen. Auf Anhieb finde ich meinen Lieblingsplatz. Auf dem Bauch liege ich im flachen Wasser, stuetze die Haende auf eine Wurzelbarriere und schlafe grinsend fast dabei ein, wie mir das Wasser ueber die Schultern einen kleinen Wasserfall hinunter laeuft. Urlaub!

Im Litchfield nerven mich zum ersten Mal auf dieser Reise die australischen Fliegen so richtig an. Summend verfolgen sie einen ueber hunderte Meter, fliegen penetrant und gezielt Augen, Mund, Nase und Ohren an, in der Hoffnung auf ein bisschen Koerperfluessigkeit. Australien ist der trockenste Kontinent, das merken auch diese Drecksviecher. Ich bin bisher gut mit ihnen klar gekommen, aber im Litchfield rauben sie mir jeden Nerv. Allerdings ist dies nicht der einzige Grund, warum mir dieser Nationalpark nicht so gut gefaellt wie erwartet.

Als ich 2007 bei einem Reisemagazin in Sydney ein Praktikum gemacht habe, hatten wir den Litchfield Nationalpark als einen von 100 Geheimtipps in Australien empfohlen. Das ist er eindeutig nicht mehr oder nie gewesen. Im Vergleich zu allem, was wir in Westaustralien und im Northern Territory bisher gesehen haben, ist Litchfield (wohl auf Grund seiner Naehe zu Darwin) hoffnungslos ueberlaufen.

Alle Pools und auch die Campsites waren sehr voll. Dabei muss man sich an den Anblick von im Wasser stehenden, Bier saufenden Maennern oder mit Plastik-Wasserspielzeug, Luftmatratzen und ganzen Kuehlboxen voller Alkohol beladenen Teenager-Horden gewoehnen, die die Pools in Anspruch nehmen. Dazu Sonnenbrille und tussihafte Modenschau im Wasser. Und immer und ueberall trotz Verboten angeberisches Klippenspringen. An den Florence Falls steht den ganzen Tag lang ein Ranger, um Uebermutige von selbstmoerderischen Spruengen abzuhalten und zur Not auch des Pools zu verweisen. Und der die ueberall verteilten Zigarettenkippen einsammeln darf. Muelsammler koennten auch einige der anderen Pools gut vertragen.

Es ist vielleicht typisch deutsches Gemecker, aber man kann sich meiner Meinung nach an solchen Orten kaum unpassender verhalten als viele der Leute, die wir sehen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man solch eine Landschaft geniessen und sich gleichzeitig so ignorant verhalten kann. Aber ich werde in Darwin noch weitere, erschreckende Dinge hoeren, die manch Reisende so machen, um Spass zu haben oder Geld zu sparen…

Am letzten Tag im Litchfield heisst es Sachen packen. Wir koennen kaum glauben, dass wir zum letzten Mal im Auto schlafen.

Wir raeumen das Auto auf und vernichten die deutlichen Spuren unserer Reise auf Gravel Roads und unwegsamem Gelaende, das wir eigentlich nicht haetten befahren duerfen. Haben wir ja auch gar nicht, aehem. Wir sind keine Wasserloecher in gefaehrlicher Schraeglage entlang balanciert, haben das Auto nicht auf Waschbrettpisten geschunden bis an seine Grenzen, sind nicht in rostroten Staubwolken versunken, dass wir davon Schnupfen bekommen haben, haben keine Baeume halb mitgenommen mit dem Auto, haben keine riesige Schramme auf der Beifahrertuere hinterlassen – neiiiiin! Tatsaechlich: Nach unserer Waschaktion sieht man dem Bulli all das nicht mehr an. Und die Schramme, die verschweigen wir erstmal und warten ab, was passiert…

Wehmuetig fahren wir nach Darwin. Wir haben 50 Tage lang im und am Auto gelebt, geschlafen, gekocht und 7.300 Kilometer zurueck gelegt. Mit einem Kilometerstand von rund 330.000 geben wir unser zu Hause in Darwin ab.

Mehr Fotos im Album. Sabine war vom Litchfield Nationalpark mehr begeistert als ich, hat aber aehnliche Punkte kritisiert.

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