Muscheln sammeln, strandspazieren und das Auto zerkratzen

9 Aug

Das Schoene als Selbstfahrer ist die Unabhaengigkeit. Kein langes Vorausplanen, kein abhaengig sein von Touren-Veranstaltern, Hostelbelegungen, Abfahrtszeiten. Wenn man will, kann man einfach am Wegesrand parken, dort kochen und schlafen. Oft sind wir einfach gen Norden losgefahren, mit einem Ziel im Kopf, aber ohne Plan, was wir da genau machen, wo wir schlafen und ob wir nicht vielleicht doch vorher noch irgendwo bleiben. So war es auch in der Gegend um den „Eighty Mile Beach“, einem laut Wikipedia 220 Kilometer langen Sandstrand zwischen Port Hedland und Broome. Hier trifft die Great Sandy Desert direkt auf den Indischen Ozean. Bekannt ist der Strand als Vogelgebiet, in der Geschichte der Perlenfischerei und als Paradies fuer Liebhaber von langen Strandspaziergaengen. Und fuer Muschelsammler. Das klang ganz nach uns.

Zwei Naechte haben wir auf dem Campingplatz verbracht, da es hier richtige Orte gar nicht gibt. Erstmal haben wir einen ganzen Haufen staubiger Waesche gewaschen (und uns schon sehnsuechtig auf die Waschmaschinen gefreut nach unserer Tour im Karijini Nationalpark). Dann hiess es Muscheln sammeln bis zum Umfallen. Bewaffnet mit ner Zip-Bag hab ich mich daran gemacht. Und alles gefunden, was ich finden wollte. Dazu noch merkwuerdige, grosse Knochen ueberall, von denen wir bis heute nicht wissen, von welchem Wesen die wohl stammen.

Am naechsten Tag war der Strandspaziergang dran. Ewig kann man da am Strand entlang laufen. Mehrmals hab ich gedacht, ach, bis da oben an die Biegung noch, dann drehen wir um. Aber die Biegung war gar keine Biegung, es ging einfach endlos weiter. Ich schaetze, es war einfach die Erdkruemmung, der wir da nachgelaufen sind.😉 Wahnsinn. Erst nach 3,5 Stunden Sandlaufen waren wir wieder zurueck. Und dank schmerzender Beine, Fuesse und Ruecken der Meinung, dass wir da ein ganz klein wenig uebertrieben haben.

Am dritten Tag ging es weiter Richtung Broome. Wir hatten ueberlegt, vorher noch eine Nacht lang einen Zwischenstopp einzulegen. Wussten aber nicht wo. 130 Kilometer vor Broome lasen wir ein kleines Schild, auf dem was von Farm und Camping stand und sind spontan links abgebogen. Durch ein Gatter durch auf eine bis an den Horizont reichende Gravel Road, die Farmzufahrt. Etwas mulmiges Gefuehl, da auf Privatgelaende rumzugurken. Nach ein paar Kilometern grosse Wasserloecher. „Schaffen wir“, dachte ich. Und fing an zu lotsen. Nur dass da etliche Wasserloecher hintereinander kamen, deren Tiefe und Beschaffenheit man ueberhaupt nicht abschaetzen konnte. Und dass da nur noch ein sehr, sehr kleiner, sehr, sehr schraeger uns sandiger Rand an der Seite uebrig blieb, der zu allem Uebel auch noch mit dicken Straeuchen und Baeumchen bewachsen war. Aber es war laengst zu spaet zum Umkehren, wir steckten schon inmitten der Riesenpfuetzen.

Ganze Baeume hab ich zur Seite gehalten, waehrend Sabine den Bulli zitternd und in gefaehrlicher Schraeglage am Rande der Wasserloecher entlang balaciert hat. Und waehrend mich gleichgueltig kauende Rinder anglotzten. Man sitzt ja recht hoch im Bulli. Es fuehlt sich wirklich an, als wuerde der Wagen kippen. Riesige Schrammen haben die Baeume und Straeucher im Lack hinterlassen. Alleine das Geraeusch, wenn der Lack geschunden wird. Schlimmer als Fingernaegel auf Tafel. Die Radkappen waren nach diesem Manoeuver mit dicken Schlammkrusten verdreckt, rostrote Spritzer zogen sich seit dem ueber die Seiten. Ich fing an zu bezweifeln, dass wir der Vermieterfirma am Ende wirklich erzaehlen koennen, dass wir niiiiiiemals offroad gefahren sind – was wir offiziell nicht durften… (Und nein, die Fotos zeigen ueberhaupt nicht, wie knifflig das Ganze war…)

Letzten Endes sind wir aber doch auf der Farm gelandet. Surreales Bild: Auf gruenem Rasen Boule spielende, australische Rentner, mit Cappies und Sportbekleidung, die Sachen rufen wie „Nice line“ oder „Lovely!“, wenn einer nen besonders gelungenen Wurf hinlegt. Mitten in der Pampa. Auf ner Rinderfarm, zu der man sich durch Dreck und Matsch erst hinkaempfen muss.

Barn Hill wuerde ich als Geheimtipp bezeichnen. Es gibt ein bisschen Geschichte zu entdecken, einige der 8.000 Rinder laufen ungehindert durchs Camp (stehen dann ploetzlich hinter oder neben einem – nicht gerade unimposant fuer nen Stadtmenschen wie mich), es gibt viel Schatten, einen grossartigen Strand mit tollem Sonnenuntergang. Gibt’s eigentlich noch Single-Australier mit so nem Privat-Grundstueckchen?? Kann das mal bitte jemand recherchiern?😉

Ausserdem hat das Campen nur sehr wenig gekostet und sowohl die Anfahrt, als auch die Duschen und Toiletten waren den Nervenkitzel wert. Einmal mit Wellblech nur vage blickdicht umgeben duschen, ohne Decke, sondern mit freiem Blick gen Himmel. Und mit nem Opa unter der Dusche nebenan, der ein froehliches Liedchen pfeift. Hatte was.

Sabine hat die Zitterpartie im Bulli bei der Anfahrt zur Farm ebenfalls verbloggt.😉 Meine Fotos sind auch im Album zu finden.

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