Tauchen in Exmouth: Navy Pier – Top-Tauchtag mit Tuecken

2 Aug

Friedliches Tauchen gut und schoen, es war Zeit fuer ein bisschen Adrenalin. So wie damals, als ich die SS Yongala in Queensland betaucht habe. Den Navy Pier in Exmouth hatte ich mir schon von Deutschland aus als Tauchplatz vorgenommen. Laut Werbung ebenso wie die SS Yongala einer der weltweiten Top-10-Tauchplaetze. Laut Eigenwerbung besser als die SS Yongala. Das wollte ich genau wissen.

Das mit dem Adrenalin ging gewissermassen schon vor dem Tauchen los. Der Navy Pier liegt naemlich auf einer Militaerbasis. (Interessantes Detail: Die Militaerbasis ist benannt nach dem australischen Premierminister Holdt, dem wohl einzigen Staatsoberhaupt, das jemals beim Schwimmen spurlos verschwunden ist; bis heute ist sein Schicksal ungeklaert.) Nur ein Tauchveranstalter in Exmouth hat die Genehmigung dort Tauchgaenge durchzufuehren und es muessen strenge Sicherheitsvorkehrungen beachtet werden. Man muss einiges an Papierkram ausfuellen, einen Lichtbildausweis mitfuehren und wird vor Einfahrt aufs Gelaende von einem – bewaffneten – Militaerangestellten ueberprueft. Bewaffnet ist obendrein nicht nur dieser Herr, sondern auch ein Mitglied der Tauchcrew, dessen einzige Aufgabe es ist, waehrend unserer Tauchgaenge mit einem langen Speer territorial reagierende Zackenbaersche von Angriffen auf die Taucher abzuhalten. Dabei dringt man als Taucher hier staendig in das Revier der Zackis ein, weil hinter jeder Verstrebung und Saeule ein dickes Exemplar sitzt – oft mit aufgestelltem Kamm – und man direkt dran vorbei tauchen muss…

Auch der Einstieg ins Wasser verursacht einen kleinen Adrenalinstoss: Er findet durch einen Sprung von einer drei Meter hohen Plattform statt. Zwischen Bodengitter und Wasser liegt genug Luft, um beim freien Fall im Bauch ein ordentliches Kribbeln zu verursachen. Ich fuehlte mich direkt in die Grundschulzeit zurueck versetzt. Bibbernd auf dem Drei-Meter-Brett stehend… Endlich im Nass angekommen, die halb verlorene Flosse wieder richtig zerrend, krieg ich kaum Luft – vor Kaelte! Geschockt japse ich vor mich hin, ziehe nur schlueckenweise Luft aus der Flasche, weil ich etliche Sekunden brauche, um diese Kaelte zu begreifen.

Dann geht es eine Stunde lang durch Fischsuppe vom Feinsten. Riffhaie kreisen, Barrakudas ziehen in grossem Schwarm vorbei, bis zu zwei Meter lange, hochgiftige Seeschlangen schlaengeln sich um die Beine eines tauchenden Fotografen, wir sehen eine ganze handvoll giftiger Feuerfische auf einmal, giftige Steinfische, Frogfish und viele, riesige, das Licht schluckende Schwaerme von Makrelen, Snappern und anderen Fischarten. Der Navy Pier besteht auch unter Wasser aus einem verwirrenden Labyrinth aus metallenen und kreuz und quer verlaufendenVerstrebungen, durch die wir hindurchtauchen. Das Metall ist stark bewachsen mit Korallen, Schwaemmen und glitschigem Zeugs und von winzigen farbenfrohen Plattwuermern und Schnecken bevoelkert. In scheinbar jeder freien Ecke der Verstrebungen lauert ein Zackenbarsch. Naehert sich ein Taucher, warnt unser Guide direkt per Schlag mit dem Messer auf die Flasche, nicht zu nahe ran zu gehen. Silhouettenartig sehe ich immer den bewaffneten Taucher irgendwo ueber uns. Ich kann gar nicht so viel gucken, wie da Zeug rumschwimmt.

Zu meiner grossen Freude sehen wir auch zwei oder drei Sandtigerhaie – meine Lieblingshaie seit den Tauchgaengen in der Fish Rock Cave und am Wolf Rock 2007 an der australischen Ostkueste. Diese Haiart ist wie so viele andere Haiarten extrem stark bedroht und eine Begegnung ist daher etwas ganz besonderes. Ausserdem sind Sandtiger sehr, sehr neugierig und kommen richtig nahe. So auch diese beiden. Sehr fein.

So bibbere ich mich durch zwei Tauchgaenge. Und wenn ich bibbern sage, dann meine ich bibbern. Ich bin in Deutschland im Schnee tauchen gegangen, in vier Grad kaltes Wasser. Ich weiss, was kaltes Wasser ist, was Frieren heisst. Aber ich habe wohl noch niemals zuvor so gefroren wie bei diesen beiden Tauchgaengen. Und ich muss sagen, ich habe so dermassen gefroren, dass es mir den Spass an der Sache ein wenig getruebt hat. Ich habe bis zum naechsten Morgen nicht mehr aufgehoert zu frieren, trotz 20-minuetiger heisser Dusche. Ich hatte am ganzen Koerper einen massiven Nesselsucht-Anfall vom Frieren. Blaue Lippen. Schlotternde Beine und eine trotz dringendem Beduerfnis total eingefrorene Blase – Qual!

Und damit zu den Tiefpunkten dieses Tauchtages. Das Zeitfenster zum Tauchen ist auf Grund von Ebbe und Flut so klein, dass die Tauchgaenge direkt hintereinander stattfinden muessen. Das heisst, raus aus dem Wasser, die Plattform hoch, Flasche wechseln, vielleicht schnell ein paar Schlucke trinken, wieder rein ins Wasser. Und das heisst, endlich raus aus der Kaelte, nur um in noch groesserer Kaelte umzuroedeln, vielleicht einen eiskalten Schluck trinken und wieder zurueck ins kalte (sich dann fuer fuenf Minuten warm anfuehlende) Wasser zu huepfen. Zumindest einen Schluck Tee haette es geben muessen und wir waren alle meiner Meinung nach viel zu schlecht ausgeruestet: Keine Fuesslinge, keine Kopfhauben, Handschuhe verboten, nur duenne Anzuege von wenigen Millimetern. Ging gar nicht. Vielleicht war es auch kaelter als sonst, ich weiss es nicht.

Ausserdem wurde ich als Buddyteam mit einer Taucherin zusammengesteckt, die sechs Tauchgaenge hatte und schon an der Oberflaeche allerlei Probleme hatte. Abtauchen klappte auch nicht. War klar, dass da im Wasser auch was kommt. Jeder, der sich ein bisschen auskennt, ahnt das schon. Kopfsache. Zwar hat sich unser Guide dann auch verstaerkt um sie gekuemmert, aber sie mir nicht komplett abgenommen. Warum nicht? Ich musste staendig nach ihr sehen, musste ihr beim Abtauchen helfen, beim Anroedeln und sie mitten im Tauchgang runterziehen, weil sie nicht tarieren konnte. Das auf nem weltweiten Top-10-Tauchspot, der einiges an Geld kostet. Find ich nicht ok. Hinter uns tauchte fast autark ein Zweierteam rum, das passend zusammengesteckt wurde und dem ich mich problemlos haette anschliessen koennen.

Auch wenn das Tauchteam ansonsten professionell war: Service, Ausruestung und die Sache mit den Buddyteams waren bei den anderen Tauchbasen wesentlich besser. Zudem geniesst die Tauchbasis („Ningaloo.Reef.Dreaming“) den Ruf, vom Ladenpersonal her sehr arrogant zu sein. Schaetzungsweise zehn Leute haben mir unabhaengig voneinander diesen leider auch bei uns entstandenen Eindruck bestaetigt. Alle reden schlecht ueber diesen Veranstalter, immer vor allem bezogen auf die Behandlung der Kunden im Laden. Nicht einmal habe ich eine positive Reaktion gehoert. Deshalb wuerde ich sagen: Beim Navy Pier hat man keine Wahl, alle anderen Touren sollte man lieber mit den hier und hier von mir empfohlenen Veranstaltern machen.

Fazit zum Tauchspot: Ist der Navy Pier besser als die SS Yongala? Ich finde: Nein. Ist er ebenso gut? Ja, zumindest aehnlich gut (bei der Yongala kommt noch die tragische Geschichte des Wracks hinzu und die recht grosse Tiefe und Stroemung, die fuer Aufregung sorgen) und definitiv ein Top Spot, der sich lohnt. Die Nachttauchgaenge hier sollen ebenfalls der Hammer sein. Dazu war’s mir aber sowas von zu kalt an unserem Tauchtag! Hier gibt’s ein Video zum Navy Pier.

Fotos? Die Jungs aus Perth, von denen ich geschrieben habe, ja, die haben ganz grossartige Fotos und Videos am Navy Pier gemacht. Ganz toll. Die hatten naemlich Kameras. FUNKTIONIERENDE KAMERAS!!😦

2 Antworten to “Tauchen in Exmouth: Navy Pier – Top-Tauchtag mit Tuecken”

  1. Stromfrau Montag, August 2, 2010 um 12:00 #

    Mahlzeit, habe mir zum Mittagessen deinen spannenden Bericht durchgelesen und den Film angesehen, damit wir wissen wo du steckst! Also rein von der Erzählungen her hätte mich wahrscheinlich auch eher der andere Tauchgang mit dem Wrack gereizt. Letzten Endes ist es ein Jammer, dass ich zwar vom Sternzeichen her Fisch bin, aber so ein Muffensausen unter Wasser habe, dass ich das nie erleben werde! Schade eigentlich!

    Der Gedanke ans Nachttauchen lässt mich hier am Tisch im warmen schon frösteln… ich bewundere deinen Mut, dass du das gemacht hättest, wenn es nicht zu kalt gewesen wäre. Aber du weißt ja eh, dass ich dich sehr mutig finde!!!

    Denk nicht zu viel an uns und genieß weiterhin die Reise! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen, wann auch immer das sein wird und verbleiben mit einem

    „take care and big hugs“,
    Mel

  2. Muschelschubserin Dienstag, August 3, 2010 um 05:54 #

    🙂🙂

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