Carnarvon: Alternatives Campen und fauchende Blowholes

16 Jul

In Carnarvon haelt der Westkuesten-Reisende, wie in einigen anderen Orten auch, eigentlich nur, weil man dort im Woolworths oder Coles seine Lebensmittel-Vorraete auffuellen und halbwegs guenstig tanken kann. Manchmal auch mit ein bisschen Hoffnung auf guten und bezahlbaren Internetzugang. Mehr als 300 oder 400 Kilometer am Tag zu fahren benoetigt erstens eine Tankstelle und ist zweitens so anstrengend, wie 800 Kilometer Autobahn. Ausserdem wird es zwischen fuenf und sechs Uhr dunkel (eine Sache, an die wir uns partout nicht gewoehnen koennen) und vom Fahren bei Dunkelheit ist dringend abzuraten, da es nachts nur so wimmelt vor Kaengurus und anderem Wildlife. Und wir moechten gerne ohne Roadkill auskommen. Naja, so gut wie. Einen Vogel habe ich leider auf dem Gewissen…

Carnarvon ist bekannt fuer seine Obst- und Gemueseplantagen. Somit haben wir unsere Vorraete auch direkt von der Plantage aufgefuellt. Nach einer Nacht in der Stadt raus zum „Quobba Point“, einem trotz Rentnern alternativ angehauchten Campground direkt in den Duenen. Keine Duschen, kein laufendes Wasser, keine Kueche, nur selbstgezimmerte (und wie immer bisher: saubere) Buschtoiletten. 5,50 AUS-Dollar pro Nacht, also ca. 3 Euro. Pro Fahrzeug, nicht pro Person. Dem Ranger kann ich an den Augen im vom Wetter zerfurchten Gesicht ansehen, dass er ein feiner Kerl und ehrliche Seele ist. Gerne wuerde ich mich laenger mit ihm unterhalten, manche Menschen haben interessante Lebensgeschichten ins Gesicht geschrieben. Und immer sieht man Rangern, Crewmitgliedern und sonstigen nahe an der Natur Arbeitenden hier an, dass ihr Herz fuer das schlaegt, was sie tun. Bewunderung.

Hinter den Duenen liegt geschuetzt vorm tosenden, brausenden Meer eine kleine Lagune. Traumhaftes Schnorchelgebiet, steht im Reisefuehrer und sagt der Ranger. Angeblich, so hat er es von Reisenden bestaetigt bekommen, steht die Lagune dem Ningaloo Reef in nichts nach.

Von Canarvon: Blowholes Reserve
Von Canarvon: Blowholes Reserve

Leider wachen wir am naechsten Tag in eisig kaltem Sturm auf – an Schnorcheln mag ich nicht denken. Wir reisen ohne Fruehstueck ab und holen es spaeter in einer etwas windstilleren Parkbucht am Strassenrand nach. Ich merke: Ich bin reif fuers Tauchen, will meine Nase unter Wasser halten und Stickstoff im Blut ansammeln.

Das Camp liegt allerdings im „Blowholes Reserve“, einem kleinen Gebiet auf der Halbinsel, wo man Blowholes bestaunen kann. Durch Loecher in den Klippen jagt die gewaltige Brandung riesige Fontaenen in die Hoehe. Fauchend, als saesse unter den Felsen ein wuetender Drache. Der ein oder andere Fischer hat hier schon durch King Waves sein leben verloren.

Von Canarvon: Blowholes Reserve

Ich dachte, man koenne sich das ja mal angucken, es sei bestimmt „ganz nett“. Statt dessen empfanden wir beide die Blowholes neben dem Kalbarri Nationalpark als zweiten Hoehepunkt der Reise. Haben etliche Fotos gemacht und einige Videos gedreht (siehe unten). Und mussten uns regelrecht lossreissen von diesem grollenden Kampf Fels gegen Wasser. Wieder mag ich es: Grosse Natur, kleiner Mensch.

Von Canarvon: Blowholes Reserve
Von Canarvon: Blowholes Reserve
Von Canarvon: Blowholes Reserve

In bewegten Bildern sieht das so aus (Update, 10. August 2010):

Mehr Fotos wie immer im Album.

3 Antworten to “Carnarvon: Alternatives Campen und fauchende Blowholes”

  1. Torsten Freitag, Juli 16, 2010 um 09:06 #

    Wow…!!!
    Da sage ich einfach nur D A N K E , dass due deine Erlebnisse mit uns teilst. Ich bin schwer beeindruckt und wünsche dir weiterhin eine schöne Zeit.
    LG

  2. spinpoint Samstag, Juli 17, 2010 um 11:28 #

    ich kann mich Torsten nur anschließen. Nachdem ich weiß, wer mir zu komischen Zeiten SMS schreibt mit noch viel seltsameren Absendernummen lese ich mit einem Schauer auf dem Rücken die Berichte, weil ich mir so gut vorstellen kann, wie toll das sein muss. Lg

Trackbacks/Pingbacks

  1. Schluchten-Hopping im Karijini Nationalpark « Muschelschubserin - Dienstag, August 3, 2010

    […] mehr richtig geduscht. Seit 2500 Kilometern standen wir nicht mehr an einer Verkehrsampel. Seit Carnarvon hatte ich keinen Handy-Empfang mehr. Wir sind von unserem naechsten Aufenthalt nach Exmouth mal eben […]

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