Ich steh auf Kriegsfuss mit Geraldton

15 Jun

Noch einmal bin ich in Geraldton, der Stadt, mit der ich offenbar ein wenig auf Kriegsfuss stehe. Geraldton ist neben Perth die einzige Grossstadt in Westaustralien. Sagen die hier so und meinen das ernst. Geraldton hat 27.500 Einwohner.

Wir haben die zweite Nacht und zweite Halbtagestour im Campervan hinter uns und ich muss sagen, waere das Wetter nicht so beschi**en, waere es bestimmt ganz toll. Bei strahlendem Sonnenschein sind wir in Perth losgefahren, aber seit gestern Morgen regnet es staendig, es ist grau, wir sind durch eine nasse Pinnacles Desert gelaufen, haben staendig den Regenschirm dabei und Jacken mit Kapuzen auf. Und die bisher besuchten Straende waeren auch ohne Regen nicht besonders schoen gewesen. Allerdings hatte ich in Perth bisher massig Glueck mit dem Wetter, hier ist schliesslich Winter undjetzt ist es halt mal ein paar Tage doof. Wir haben noch viel Sonne vor uns.

Ich war letzte Woche schonmal fuer eineinhalb Tage hier, weil ich die Abrohol Islands betauchen wollte und ich die Fahrt und Unterkunft gebucht hatte, bevor ich Sabine kennengelernt habe. Tauchen war aber ausgebucht. Mein Hostel hatte online einen schlechten Ruf (wegen Einbrechern), aber hier gibt’s halt keine grosse Auswahl. Dort angekommen fand ich es sehr dreckig. Ueberall Staub, gewischt oder gefegt wurde da schon mindestens seit Monaten nicht mehr. Die Kueche sah einfach nur aus wie ein kleiner Saustall, nix, wo ich kochen wuerde. Ok, kann ich trotzdem fuer 2 Naechte mit leben. Auf dem Zimmer dann ein Warnschild: „Achtung, Bedbugs“. Man solle sofort melden, wenn man Bettwanzen entdecken wuerde, solle sich nicht schaemen, es wuerden dann Massnahmen ergriffen. Waehrend ich auf dem Bett sass und Tagebuch schrieb, dabei die Hoffnung aeusserte, bitte keine Bettwanzen oder deren Bisse entdecken zu muessen, arbeitet sich wohl schon das erste Vieh gen Bettdecke. Als ich mich hinlegen wollte und die Decke zurueck schlug, sass es in einer Falte. Ich koennte schwoeren, es hat mich angegrinst.

Fuer mich stand fest: Auf KEINEN Fall schlafe ich darin. Bettwanzen beissen, setzen sich in die Klamotten, gelangen so in den Rucksack und man schleppt sie ueberall mit hin und hat sie nachts staendig am Leib. Nur was tun, die Rezeption war laengst geschlossen… Ich wollte irgendwo auf dem Flur oder Balkon schlafen, denn da standen Sofas und Sessel. Aber alles war so dreckig und ich konnte mir gut vorstellen, wie da nachts die Kakerlaken ueber einen drueber krabbeln. Ich hab mir warme Sachen angezogen, alle meine Habseligkeiten wieder verstaut, meine im Flugzeug geklaute Decke gekrallt und wollte mir gerade eine Bank suchen, da kam meine Zimmernachbarin. Ich fragte sie, ob sie schon mal  Bedbugs bemerkt haette im Zimmer und sie meinte „Nein“ – meinte aber auch, sie haette sich die Tage ueber Bisswunden gewundert…

Wir haben dann einer im Hostel wohnenden Verantwortlichen Bescheid gesagt. Halbherziges „Sorry, kann mal passieren, morgen wird das Zimmer mit Gift behandelt“. Ob ich in das andere Bett im Zimmer ziehen will oder in ein anderes Zimmer. Ich hab das andere Zimmer genommen. Ein Jungs-Zimmer. Das konnte ich schon beim Reingehen riechen. Dann noch ein paar Panik-Sms verschickt und ganz schnell ohne grosse Sucherei ins Bett und versucht zu schlafen. Iiiiirgendwann ging das auch. Ich war einfach muede. Stunden spaeter hab ich mich auch mal getraut, mich zu bewegen. Die ganze Nacht hatte ich ein Kribbeln auf dem Koerper. Am naechsten Morgen Absuchen des eigenen Koerpers. Mit ner Mischung aus absolutem Ekel und wissenschaftlicher Neugier. Erstaunlicher Weise nichts gefunden, offenbar war dieses miefige Chaos-Zimmer nicht verseucht. Am Tag dann trotzdem eine neue Unterkunft gesucht, trotz bereits bezahlter Nacht in besagtem Hostel. Ich war nur noch fies vor dem Gebaeude. Im Endeffekt ueber einem Irish Pub geschlafen. Laut, aber sauber, Einzelzimmer, toller Balkon zum schreiben.

Geraldton. Es ist recht haesslich, hat nur weniger kleinere „Attraktionen“ neben den Abrohol Islands zu bieten, auf die wir auch dieses Mal nicht kommen, dank schlechtem Wetter. Es soll irgendwie nicht sein mit dieser Stadt. Heute Nachmittag reisen wir weiter. Und morgen soll auch das Wetter besser werden.

Ich hab die Bettwanze fotografiert. Mehr schlecht als recht, aber ich reiche das Foto irgendwann mal nach.😉

6 Antworten to “Ich steh auf Kriegsfuss mit Geraldton”

  1. wortteufel Dienstag, Juni 15, 2010 um 08:29 #

    Ich finde, Du musst diese Bettwanzen nicht zeigen. Nein. Neeeeihen!😉

    Gute Weiterfahrt Euch und habt bald wieder schönes Wetter!

  2. eyeIT Dienstag, Juni 15, 2010 um 18:49 #

    Absolut zeigen! Ein muss. Und ich schwöre: Ich werd‘ Dich auch irgendwann mal angrinsen😉

  3. Torsten Dienstag, Juni 15, 2010 um 22:55 #

    Und ich sag noch: „Nimm dich vor wilden Tieren in acht…!!!“
    Auf jeden Fall zeigen das grinsende Tier, falls das hier ´ne demokratische Veranstaltung ist.
    Gute Fahrt,
    Torsten

  4. M+P Sonntag, Juni 20, 2010 um 11:20 #

    Danke für Deine Informationen,so wissen wir wenigstens was läuft und wo Du bist.Alles Gute.

    M+P

  5. Muschelschubserin Donnerstag, Juni 24, 2010 um 04:37 #

    Brauche demnaechst mal ein paar Stunden vor nem Computer zum Fotos sichern, hochladen und Geschichten erzaehlen. Dauert aber noch ein paar Tage. Stoff haette ich schon genug fuer ein Buechlein.🙂 Fuehlt euch gedrueckt!!

Trackbacks/Pingbacks

  1. Kalbarri – Weiiiiitblick und Schluchtenwandern « Muschelschubserin - Freitag, Juli 16, 2010

    […] kleinen Oertchen vorgelagerten Buchten. Von Geraldton aus haben wir – um schnell aus dieser haesslichen Stadt herauszukommen – in Northbridge uebernachtet, nur wenige Kilometer noerdlich. Bis Kalbarri […]

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