Tagestour zum Nambung National Park und der Pinnacles Desert

12 Jun

Haette ich die Tagestour zu den Pinnacles im Prospekt gesehen, haette ich sie vermutlich nicht gebucht. Wo man mit nem Bus faehrt und nicht mit nem Jeep oder sowas, wo standardmaessig Wildlife Parks angepriesen werden (man kommt ja nicht drumherum, um Kaengurus und Koalas und dergleichen, die einem als Must-See vor die Nase gehalten werden) und wo actionmaessige Touribespassung inklusive ist, bin ich normalerweise skeptisch. Ich will intensiv das eigentliche Ziel erleben, ich will nicht von A nach B nach C fahren, ich will nicht ueberall nur 20 Minuten Zeit haben und ich will mich nicht in einem Rudel Touris zum Affen machen. Ich hab die Tour aber ungeprueft gebucht, weil sie mir im Hostel empfohlen worden war. Im allradangetriebenen 27-Sitzer ging’s dann Richtung Nambung National Park und den Pinnacles.

Vorher Zwischenstopp im Wildlife Park. Schubsen und Schieben, damit auch jeder sein Koala- und Wombat-Foto bekommt. Ignorieren des Rangers, um noch ein paar Kaengurus mehr zu begrapschen. Nunja, ein paar nette Fotos hat’s ergeben und ich hab meine Haende auch nicht ganz komplett bei mir halten koennen bei der Kaenguru-Bettelbande.

Von Tagestour zu den Pinnacles
Von Tagestour zu den Pinnacles

Weiterfahrt zu den Pinnacles. Schnuckelige vier Quadratmeter Wuestenlandschaft. Grillengezirpe, gelber Sand, strahlend blauer Himmel und so weit das Auge reicht aus dem Boden ragende Kalkstein-Finger. Stimmt nicht ganz, am Horizont sind manchmal mit Busch bewachsene Duenen zu erkennen, dahinter ein schmaler Streifen Ozean. Wir spazieren durch diese Formationen (ich mag nicht so gerne „mystisch“ schreiben, aber das ist wirklich nicht ganz unpassend) und unser Guide Stuart erklaert uns deren Zusammensetzung und Entstehungsgeschichte. Im Sand hier und da Spuren von Kaengurus oder komischen Insekten, die Ameisen in die Falle locken und deren Namen ich leider vergessen habe. Es war sowas wie Ameisenloewe oder so. Keine Schlangen, keine Riesenspinnen und auch sonst bis auf eine hoechst penetrante Outback-Fliege und meine asiatischen Reisepartner kein sichtbares Leben.

Von Tagestour zu den Pinnacles
Von Tagestour zu den Pinnacles
Von Tagestour zu den Pinnacles

Zurueck im Bus fragt Stuart: „Ready for some Rock’n’Roll?“ Verhaltenes „Yeah.“ Ich denk, jetzt kommt der alberne Bespassungsteil der Tour. Stuart laesst Reifendruck ab. Es zischt und zischt eine viertel Stunde lang. Dann befahren wir auf einmal Sand. Viel Sand. Riesige Duenen, die im beginnenden Sonnenuntergang ebenso riesige Schatten werfen. Sogar die kleinen Sandwellen auf der Duenenoberflaeche schlagen Schatten. Wir fahren durch diese Mini-Sahara, erst zurueckhaltend, dann immer groessere und steilere Duenen rauf und runter. Die ersten fangen an zu japsen. Ich grinse. Rockt. Ich sitze irgendwo in der Mitte und bekomme gar nicht mit, was fuer ein Megateil wir gerade rauf fahren. Ploetzlich sind wir auf der Kuppe, Stuart sagt was von „Aaaachtung“ oder so, und der Bus kippt langsam nach vorne. Erst sehe ich nur Himmel durch die wohnzimmerfenstergrosse Windschutzscheibe, dann kippt das ganze nach unten. Ich blicke durch den halben Bus wie durch eine Roehre runter auf die Windschutzscheibe, die auf einmal nur noch Sand zeigt, von oben bis unten. Stuart bremst abrupt. Alle japsen, ich auch. Wir stehen beinahe senkrecht mit diesem Bus kurz hinter der Duenenkuppe, es fuehlt sich an, als wuerde die Schwerkraft uns niemals halten koennen, als wuerden der Bus das Gleichgewicht verlieren und aufs Dach fallen. Rockt noch mehr. Wir bleiben ein Weilchen so haengen, ich kann nicht fassen, dass das physikalisch so moeglich ist und dann brausen wir in tiefen Fahrspuren die Duene runter. Beifall fuer Stuart. Verdienter Weise.

Von Tagestour zu den Pinnacles
Von Tagestour zu den Pinnacles
Von Tagestour zu den Pinnacles

Am Ende mit Sandboards eine andere grosse Duene runter. Ich wollte erst kneifen, aber ich hab mich dann doch getraut. Durch tiefen Sand die Duene hoch, das Board unter den Hintern geklemmt, Arme ausgestreckt und jubelnd gen Sonnenuntergang die Duene runter gebrettert. Am Ende Sand-Dusche. Dann die Arme hochgerissen!

Wie gut, dass ich die Tour nicht im Prospekt gesehen hatte. 🙂 Mehr Fotos gibt’s im Pinnacles-Album.

Zur Tour geht’s hier entlang. Die Pinnacles werde ich morgen noch einmal sehen, denn die werden unsere erste Station mit dem Campervan sein und wir planen, im naechst gelegenen Campground die erste Nacht im Auto zu verbringen. Ab morgen sind wir dann nicht mehr viel in Hostels unterwegs, haben nur in Ortschaften Handyempfang und kommen nicht mehr so einfach ins Internet. Mal sehen, von wo aus die naechste Meldung kommt. Tschuess, Perth! 🙂

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5 Antworten to “Tagestour zum Nambung National Park und der Pinnacles Desert”

  1. Kassiopaia Samstag, Juni 12, 2010 um 17:50 #

    Hihi, das Känguru auf dem zweiten Bild sieht aus wie ein alter Opa! 😀

    Die Story mit der Sanddüne ist ja graoßartig! Da möchte ich auch mal runterfahren. ^^

  2. Babs Samstag, Juni 12, 2010 um 19:09 #

    wwwwwwwwoooooooooooooooooooooooooowwwwwwwwwwwwwwwww geil

  3. conny Sonntag, Juni 13, 2010 um 14:42 #

    wooohoooo – sonja, dit rockt wirklich! habe (zwecks stress und dadurch internetabstinenz) erst an deinem abreisetag mitbekommen dass du aufm weg zu den aussies bist, und fiebere seitdem wieder -wie immer- total mit!!! kängurus, koalas, seelöwen, buckelwale (i looove it!!! NEID..), campervan…wie geil und aufregend is dat denn!!! es freut mich dass es dir sooo jut jeht und danke dir wie verrückt dass du uns daran teilhaben lässt und sicher nicht nur mich zum staunen und grinsen und luft-anhalten (die tauch-loch-geschichte *schock* und sanddünen-story) bringst und immer wieder haut-von-gans machst….janz viele liebe knuddelzzzzzzz zu dir am anderen ende der welt vonna conny

  4. Muschelschubserin Dienstag, Juni 15, 2010 um 05:23 #

    Ich dachte erst, die weissen Roos seien Albinos, aber die werden tatsaechlich so gezuechtet. So isse, die Wildnis. 😀

    @conny
    Freu mich, von dir zu lesen! Ich hoffe, dir geht’s auch gut! Und natuerlich danke fuers Mitfiebern!! :))

Trackbacks/Pingbacks

  1. Ich steh auf Kriegsfuss mit Geraldton « Muschelschubserin - Dienstag, Juni 15, 2010

    […] losgefahren, aber seit gestern Morgen regnet es staendig, es ist grau, wir sind durch eine nasse Pinnacles Desert gelaufen, haben staendig den Regenschirm dabei und Jacken mit Kapuzen auf. Und die bisher besuchten […]

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