Wale, Seeloewen und Wobbegongs – Tauchen vor Rottnest Island

11 Jun

Wie schon angedeutet, war ich am Montag tauchen – mit der Perth Diving Academy. Zum ersten Mal seit unglaublichen zwei Jahren. Endlich! Als Tauchplatz hatte ich mir Rottnest Island ausgesucht, eine vor Perth liegende Insel. Mit einem recht grossen Boot und ungefaehr zehn Leuten an Board ging’s los. Ich hatte vorher eine Tablette gegen Seekrankheit genommen, die man hier problemlos kaufen kann und die ich dank hoellenmaessiger Erfahrung mit Seekrankheit hier immer dabei habe und nutze. Auf dem Boot war also erstmal alles gut. Wir wurden in Gruppen eingeteilt und ich sollte zwei Maedels fuehren. Ok, hatte ich mit gerechnet. Trotzdem waere es mir lieber gewesen, einfach hinter einem Dive Master her zu tauchen, denn ich war selbst zwei Jahre lang nicht im Wasser gewesen, kannte weder Boot, noch Ausruestung, Tauchplatz oder ueberhaupt dieses Meer oder meine Tauchpartner etc. Dazu kam eine recht fiese Stroemung im Wasser. So richtig entspannen konnte ich beim ersten Tauchgang nicht. Die Stroemung zerrte an uns, das Wasser war mittelmeermaessig von der Sicht und der Temperatur her. Bis auf das recht lange, im nassen Wind wehende Seegras. Kennt ihr diese Kelpwaelder? So sah das aus, nur wesentlich kuerzer. Der ganze Boden voll davon. Durch das ewige Hin und Her dieser Pflanzen, waehrend der Boden darunter bewegungslos war, hat mich dann unter Wasser doch noch seekrank gemacht. Oh, joy. Dazu die Stroemung. Strampeln und Paddeln und selbst mit den Armen noch nachhelfen – und trotzdem keinen Zentimeter weiter kommen. Mein Ding ist das nur bedingt… Wir sind dann aber noch durch nette Hoehlensysteme im Boden getaucht, mit einigen Schwarmfischen, Langusten und einem riesigen Wobbegong (Teppichhai) drin und haben beim Auftauchen an der Ankerleine (das mit der Orientierung hab ich ganz gut hinbekommen) noch zwei grosse Stachelrochen gesehen. Alles in allem ganz nett, aber ich war nicht sehr entspannt und sowas truebt den Spass an der Sache. Und auf dem Boot war mir ab da fuer ein paar Stunden ziemlich schlecht.

Von Perth: Skyline, Kings Park & Fremantle

Ploetzlich heisst es an Board, wer mit Seeloewen schnorcheln wolle, der solle sich mal bereit machen! Hallo!? Ich denk, wie geil ist das denn jetzt, Dekopause mit Seeloewen, Tauchausfahrt mit diesen drolligen Viechern inklusive, ich werd bekloppt. Also trotz Uebelkeit wieder rein ins Gummi und raus an die Felsen, wo die Seeloewen ihre Flossen aus dem Wasser hielten, um sich aufzuwaermen (s. Foto, da links neben dem Felsen gucken die Flossen raus). Durch boese Stroemung zu den Seeloewen hin geschnorchelt. Ich war fix und alle, als ich da war. Ich konnte nicht einmal mehr abtauchen, gar nix. Waehrend ich mir einen abgepustet hab und dachte, auf dem Rueckweg werde ich ersaufen, guckten mich die Viecher mit ihren dunklen Knopfaugen neugierig von unten an, schwammen fidel und neugierig um uns herum. Mir war speiuebel, ich war k.o., aber ja, doch, das war witzig. Auf dem Rueckweg wurden wir gnaedigerweise von einem Beiboot eingesammelt. Ich war echt drauf und dran, den zweiten Tauchgang abzusagen, ich war einfach platt.

Aber nee, so nicht. Doch wieder ins Wasser, trotz Ansage, es gebe auch am zweiten Tauchplatz Stroemung und einiges Wanken und Schwanken im Wasser. Erstaunlicher Weise ging’s mir unter Wasser richtig gut. Alles paletti, fast wieder in alter Tauchform unterwegs. Bis auf diesen Idioten, der meinte, er muesse diesen Tauchgang fuehren und bei dem ich auf den ersten Blick gemerkt hab, dass der nicht koscher ist. War er auch nicht. Irgendwann spielte er Jojo, tauchte staendig von 8 auf 3 Meter, wieder runter, wieder hoch, das Ganze sicher vier Mal. Ich denk „Wat macht der hier?“ und frage mich, ob er auftauchen muss wegen seinem Luftvorrat, warum er nicht mit uns vergleicht, warum er nicht kommuniziert, warum er staendig auf und ab taucht… Und irgendwann war er einfach futsch nach oben hin, also offenbar schon an der Leiter. Safety Stop? Hallo?! Das war mir dann zu bloed. Ignorant kann ich auch und bin dann mit dem zweiten Maedel noch eine Weile unten geblieben. Solche Leute mag ich ja… Angeben, weil man ja so’n toller Macker ist und sich dann riskant verhalten. Wir zwei sind also noch ein bisschen weiter, sie hatte aber einen Moment nicht auf mich geachtet und tauchte in die verkehrte Richtung. Ich hinterher, will sie zurueck rufen. Da seh ich so’n Loch und denk, guckste mal rein. Lohnt sich ja oft. Und ploetzlich: Ein affenartiger Sog zieht mich rein in dieses Loch, durch das ich so gerade durchpassen wuerde! Mit beiden Armen und aller Kraft hab ich mich dagegen gestemmt wie bekloppt!  Zum Glueck hielt das nur ein paar Sekunden an – ich waere ohne Zeugen von jetzt auf gleich vom Erdboden verschluckt gewesen! Sowas hatte ich bisher auch noch nicht!

Zurueck auf dem Boot komm ich aus dem Klo – und alle stehen an der Reling und fotografieren. Wat denn nu schon wieder? Delfine? Hatten wir doch eben schon. „Wales“, sagt einer. WALE??? Und tatsaechlich, da blasen sie! Zwei Buckelwale (sagt ein anderer). Herrlich. Ich schnapp mir meine Kamera und erklaere unglaeubigen Australiern, dass ich im ganzen Leben noch keine Wale gesehen habe. Wie schoen.

Von Perth: Skyline, Kings Park & Fremantle

Australier gehen uebrigens bei 19 Grad Wassertemperatur bevorzugt im Trockenanzug tauchen. Ok ok, ich hab beim zweiten Tauchgang auch gefroren, aber so insgeheim hab ich mir doch einen gegrinst. Bei 4 Grad, da geh ich auch trocken, aber bei 19? Ich schaetze, sie amuesieren sich ebenso, wenn wir Europaer uns hier „mitten im Winter“ in kurzen Sachen an den Strand legen. Waerme und Kaelte sind halt relativ. Und nochwas: Unter Wasser hatte ich einen der Locals mit einer Art Tuete gesehen. Tatsaechlich: Auf dem Boot haelt er uns auf einmal sein Abendessen vor die Nase – eine riesige, rote Languste. Hier ist naemlich Langusten-Saison. Auch zum Mittagessen auf dem Boot gab’s am Vortag beim Tauchen gefangene Langusten. Waere mir nicht so schlecht gewesen, ich haette direkt mal ein paar Bissen genommen…

Von Perth: Skyline, Kings Park & Fremantle
Von Perth: Skyline, Kings Park & Fremantle

Der Rest folgt die Tage mal. Ich muss jetzt mal eben einen Abenteuerurlaub planen. Ab Sonntag geht’s per Campervan zu zweit weiter, Wagen ist schon gemietet. Ab da is nix mehr mit Handy und Internet, oder nur noch ab und an mal in kleinen Ortschaften, aber ich versuch, die Pinnacles-Tour, mein absolutes Entzuecken ob der Landschaft um uns herum und mein erstes Bettwanzen-Erlebnis bis dahin noch zu verbloggen.😉

(Drueckt mir mal die Daumen: Mein Ladegeraet fuer die Kamera ist kaputt gegangen, oje. Hoffentlich bekomme ich ein neues! Und nochwas: Kann mir einer der evtl. mitlesenden Taucher sagen, ab wie viel Prozent Batterie ein Aladin Tauchcomputer gewartet werden muss und ob er einen ERROR anzeigt, wenn man den Zeitpunkt verpasst? Meiner ist mitten im Tauchgang auf Error umgesprungen und seitdem tut sich nix mehr…)

8 Antworten to “Wale, Seeloewen und Wobbegongs – Tauchen vor Rottnest Island”

  1. Daniel Freitag, Juni 11, 2010 um 18:59 #

    ich bin neidisch!!! da wäre unser tauchgang in duisburg ja total langweilig gewesen… obwohl der typ wäre sicher genau so getaucht…

  2. spinpoint Samstag, Juni 12, 2010 um 10:41 #

    …moa, hört sich super an. Nach so richtigem Tauchen, keinem Touri-Sughtseeing. Herzlichen Glückwunsch! Aladin musste vorsichtig sein, hab mal was von 50% gehört, google aber nochmal… Lg

  3. Fantasma Samstag, Juni 12, 2010 um 10:42 #

    Das ist ja echt sagenhaft, was Du da so alles erlebst. Hab gerade bemerkt, dass ich mir ein bischen mehr Zeit fürs Bloglesen nehmen muss. Liest sich wie ein Abenteuerbuch. Wenn Du aus Deiner Reise eins machst, verspreche ich, eins zu kaufen. Ich freu mich jedenfalls für Dich – unbekannterweise – aber egal.
    Die australische Hilfsbereitschaft habe ich letztens im Essener Süden bei der Suche nach einem Schachtzeichen kennengelernt. Drei ansässige Autofahrer blieben nacheinander auf der Feldwegkreuzung stehen und haben mit zwei Karten und Ausdrucken den Weg erklärt. Ist wirklich sehr selten hier und erschien uns auch ziemlich irreal.
    Viel Spaß weiterhin! :+)

  4. spinpoint Samstag, Juni 12, 2010 um 10:50 #

    … hat sich bestätigt. Einige Foren schreiben 50-52%, empfohlen wird meist schon ab 65%. Hab meinen damals auch bis ca. 50 runtergetaucht, allerdings ohne einen Error zu erzeugen. Jetzt muss der eh in die Revision😉. Kannst aber einfach zum Laden geben und die sollten durch einen Wechsel wieder die normale Funkionstüchtigkeit herstellen können. Kann aber teilweise etwas dauern, vielleicht haben die da unten ja einen Express-Service. Lg

  5. Muschelschubserin Samstag, Juni 12, 2010 um 12:53 #

    @Daniel
    Ja, das waere auch mein Verdacht gewesen.😉

    @Fantasma
    Danke! Ich glaub, wenn ich diese Reise durch hab, hab ich zusammen mit dem letzten Mal Stoff fuer ne ganze Reihe.😉

    @spinpoint
    Danke sehr! Das hatte ich befuerchtet. Meiner lag glaub ich unter 50%. Ich hab da gar nicht drueber nachgedacht, ist mir durch die Lappen gegangen. Da ich gerade schon ein neues Ladegeraet fuer die Kamera kaufen durfte (was’n los mit meiner Technik, alles streikt oder wie), werd ich dann wohl die Konsolen der Basen nutzen und meinen in D einschicken.

  6. eyeIT Sonntag, Juni 13, 2010 um 19:46 #

    *neid neid neid*

    Mehr gibts nicht zu sagen, ausser: Ich gönn’s Dir🙂

  7. Kassiopaia Donnerstag, Juni 17, 2010 um 15:16 #

    Wow, ich mag auch mal Wale und Seelöwen sehen, die kleenen mit die Knoppoogen (dit war Berlinerisch😉.
    Das mit dem Loch klingt voll riskant! Da kriegt man ja echt Herzklopfen. Puh, dass das nochmal gut gegangen ist.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Tauchen in Exmouth: Lighthouse Bay « Muschelschubserin - Montag, August 2, 2010

    […] waren. Riffhaie ohne Ende, Wobbegongs (Teppichhaie), viel Buntes Allerlei und schoene Korallen. Im Gegensatz zu meinen letzten Tauchgaengen in Perth waren dies zwei aeusserst entspannte Tauchgaenge. Auf dem Boot habe ich eine Gruppe netter Jungs […]

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