Flugangst? Saftschubsen-Angst!

27 Mai

Ich geb denen nochmal ne Chance. Dabei hatte ich mir 2007 geschworen: „Nie wieder mit denen.“ Aber geldgeil wie ich bin, war ich nicht bereit, hunderte Euros mehr auszugeben, um meiner Ansage treu zu bleiben. 17 Stunden werde ich mit „denen“ fliegen. „Die“, das ist die australische Fluggesellschaft Qantas. Letztes Mal waren’s nur 2 Stunden mit „denen“ – danach hatte ich die Schnauze voll bis obenhin. Jetzt werden sie 17 Stunden lang Zeit haben, das wieder gut zu machen oder mich erneut zu malträtieren.

Als ich 2007 nach einer letzten Horror-Woche in Sydney (diese tolle Stadt verabschiedete sich von mir so ähnlich, wie sich mich auch begrüßt hatte, nämlich ganz schön feindselig) für knapp 24 Stunden zum Uluru flog, hatte ich nicht nur persönlichen Stress zu verarbeiten, sondern kriegte obendrein Stress mit dieser Fluggesellschaft. Und zwar gleich doppelt. Über die erste Sache hatte ich damals gebloggt: Qantas hatte mein Gepäck in Sydney gelassen, ich saß ohne Klamotten im Outback und wusste nicht, ob ich meine Tasche vor meinem Weiterflug wiederbekommen würde. Und war „bewaffnet“ mit einem reichlich nutzlosen Qantas-Survival-Paket für Gepäckverlustige.* Die zweite Sache hatte ich damals aber nur angedeutet: Eine der Stewardessen im Flieger hatte mich gewaltig auf dem Kieker und ließ ihren Alltagsfrust an mir aus. Dabei glaube ich, dass ich ohne schlechtes Gewissen behaupten kann, ein äußerst friedliebender Mensch zu sein.

Beim Boarding wusste ich nur, dass ich einen Fensterplatz haben würde. Ich freute mich nach drei Monaten Arbeit und dem Abschluss-Stress in Sydney auf die anstehende Reise und eine wunderschöne Aussicht auf das australische Outback. Als ich mich hinsetzte, nahm ich einen roten Zettel von meinem Sitzplatz und steckte ihn, wohlgemerkt ungelesen, in das Netzfach vor meinem Sitz. Während ich mich anschnallte und meine Handtasche verstaute, fielen mir Aufkleber und Hinweise sowie ein großer Hebel an meinem Fenster auf. Und genau in dem Moment, in dem ich mich fragte, warum die alle da sind, sprach mich die Stewardess an. Diese hatte ich kurz zuvor dabei beobachtet, wie sie über ein paar temperamentvoll sprechende Brasilianer oder Spanier die Augen gerollt hatte. Sie kam auf mich zu und fragte, ob ich den roten Zettel gelesen hätte. Ganz sicher hatte sie gesehen, dass ich dies nicht getan hatte. Ich sagte ohne groß nachzudenken „Ja“. Blöde Idee. Sie meinte daraufhin, dann könne ich ja sicher aufsagen, in welchem Fall ich den Notriegel für den Notausstieg nicht betätigen dürfte. „Äh… Notriegel? Notausstieg? Öhm… Könnte ich den Zettel vielleicht nochmal lesen?“, stotterte ich doof grinsend dahin, nahm das aber alles nicht so wirklich ernst. Ich war mir ja gerade erst in dieser Sekunde bewusst geworden, dass ich überhaupt am Notausgang sitze und auf dem Zettel wohl nicht bloß das Bord-Menü stehen dürfte.

„Ich glaube, ich setze Sie lieber um“, meinte die blöde Kuh dann ohne Umschweife und mit toternstem Blick. Und so, dass alle um mich herum das hören konnten. Ich sah aus dem Augenwinkel, wie sich die Köpfe in meine Richtung drehten – und sämtliche Ohr-Zeugen ihre roten Zettel nahmen und auswendig lernten. Und dann fügte sie – ich würde fast sagen genüsslich – hinzu: „An diesem Platz dürfen nur verantwortungsvolle Personen sitzen.“ Damit hatte sie mir nen riesengroßen Stempel aufgedrückt. Und dann fing sie tatsächlich an, die in der Nähe am Gang Sitzenden zu fragen, wer bereit wäre, den Platz mit mir zu tauschen! Kanns eigentlich noch viel peinlicher werden im Flieger? Ich musste aufstehen, meine Sachen mitnehmen und den Platz mit jemandem tauschen, der eigentlich lieber bei seinen Bekannten gesessen hätte. Sie beruhigte ihn dann damit, dass der Tausch nur für Start und Landung gedacht wäre. Ich wartete allerdings vergeblich auf einen erneuten Tausch , saß den Rest des Fluges gebrandmarkt am Gang – und bekam vom Outback aus der Vogelperspektive rein gar nichts zu sehen.

Als dann zehn Minuten vor Landung die Durchsage kam, dass vermutlich die meisten Passagiere ohne Gepäck ankommen würden – musste ich laut lachen. Ich hatte es bereits im Gefühl gehabt, denn in Sydney herrschte großes Chaos in der Check-in-Halle. Ich stand glaube ich kurz vor einem hysterischen Lachanfall. Aber dann hätte die olle Saftschubse vermutlich ne Notlandung ausgelöst, deshalb hab ich mir den verkniffen.

So, großes Q. Ich hoffe, beim nächsten Versuch in ein paar Tagen weißt du, dass Fluggesellschaften sich ihren Passagieren gegenüber verantwortungsbewusst benehmen sollten. Sonst muss ich leider penetrant eine von deinen Stewardessen für diverse Annehmlichkeiten durch die Gänge jagen. 17 Stunden können ja sooo lang sein!

*Zur Verteidigung der Airline sei gesagt: Eine der Mitarbeiterinnen am Flughafen Ayers Rock hat sich damals rührend und höchst persönlich darum gekümmert, dass ich meine Tasche wenige Minuten vor meiner Abreise noch abfangen und wieder einchecken konnte, bevor sie zur Unterkunft transportiert wurde, aus der ich schon wieder ausgecheckt hatte.
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3 Antworten to “Flugangst? Saftschubsen-Angst!”

  1. Gabi.G. Freitag, Mai 28, 2010 um 07:32 #

    Wenn ich das so lese kribbelts bei mir…. Ich möchte dir nochmal eine wundervolle Reise wünschen und eben all das was ich dir Letztends schon gewünscht habe.
    Mich überkommt es, mit einem tiefen Zeufzer und einem lächeln im Gesicht, dich virtuell zu drücken.
    Wie mögen sich jetzt erste deine Freunde und Verwandten fühlen? Nur noch wenige Tage, dann beginnt das nächste Abenteuer deines Lebens… ähh… nee das hat je schon längst begonnen. 🙂

    Ist es nicht auch irgendwie komisch zu wissen, dass man so ein Abenteuer nicht nur für sich macht, sondern dass da draußen noch viele Menschen warten nur um gebannt zu verfolgen was du alles erlebst?
    Hmm…
    Viel Spaß, viel Glück, viele Erinnerungen, Erlebnisse, Erfahrungen, Bekanntschaften, Gesundheit. Einfach eine tolle Zeit, an die man sich gerne immer und immer wieder zurückerinnert und daraus Kraft schöpfen kann.

    DU kannst schon jetzt stolz auf dich sein weil DU die traute hast.
    Unser eins labert immer, schafft es aber nicht sich aufzuraffen.

    In diesem Sinne: Du machst das schon…und sei dabei stolz auf dich!

    *notiz an mich* neues Motto abspeichern, um mir in den Hintern zu treten und mich aufzuraffen: „Just do it!“(http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/441011)*notiz ende*

  2. askvor Freitag, Mai 28, 2010 um 09:29 #

    Hahaaa, ist ja witzig. Als ich letzten Juli nach Australien flog, hatte ich eine Anreise von insgesamt 32 Stunden. OHNE Stop Over versteht sich. Zürich – Frankfurt – Hong Kong – Sydney – Cairns.

    Alles in allem war es eine überraschend angenehme Reise. Ich fand auch, dass die Zeit ziemlich schnell vorüber ging. Nunja, durch die schönen Monitore an den Vordersitzen und einer Unmenge von Movies zum selbst auswählen. Auch das Essen war lecker.

    Aber der letzte Flug von Sydney nach Cairns war auch einer von Qantas. Bis dahin nie eine Erfahrung mit denen gemacht.

    Die letzten über drei Stunden durfte ich mit einer Schulklasse voller lautstarken Teenagern verbringen. Irgendwann bestellte ich mir einen schönen heissen Tee, um meine gefrorenen Glieder – die Klimaanlage funktionierte hervorragend – etwas aufzuwärmen. Von diesem hatte ich dann allerdings nicht viel, die Stewardess war wohl der Meinung, dass seine Bestimmung die Zierde meiner Hose sei. Dies tat sie kund, indem sie aus dem Handgepäckfach über mir eine Decke herauszufischen versuchte, und somit gleichzeitig eine weitere auf mein halbleeres Tableau fallenliess, wodurch der heisse Tee aus dem noch vollen Becher den Weg auf eben meine Beine fand. Hat schon jemand mal versucht, erschrocken vom Sitz eines Flugzeuges aufzuspringen, während er wie jeweils empfohlen angeschnallt war?

    Das war meine kleine Geschichte zur Qantas.

    Ich wünsche Dir, dass Du dieses Mal eine gute Erfahrung machen wirst.

    LG*Andrea

  3. Muschelschubserin Sonntag, Mai 30, 2010 um 19:02 #

    @Gabi
    Danke du Liebe! Ich hab überhaupt ganz komische Gefühle, von Tag zu Tag mehr gemixt. Und auch den Leuten gegenüber. Manche Abschiede sind ok, andere fallen doch arg schwer. Dass doch einige Leute hier oder auch privat stark mitfiebern und gespannt warten auf die ersten Beiträge, freut mich einfach nur von Herzen. So ein ganz kleines bisschen gibt einem das das Gefühl, nicht so ganz alleine zu sein. Und für all die Dinge, die nicht in ein Blog gehören, gibt es Mails, Telefone und mein Tagebuch. 🙂 Ansonsten: Du weißt ja, ich finde, ihr seid ganz genauso mutig! Von daher auch euch nochmal alles Gute!

    @askvor
    32 Stunden! Das hab ich bisher nur von Brasilianern gehört, die nach OZ gereist sind. Das ist ja mal richtig heftig. Ich fand allerdings meinen Flug beim letzten Mal auf wesentlich weniger ätzend, als ich erwartet hatte. Ich hoffe, das ist auch dieses Mal so. Aber nen Tee, den bestell ich nicht. 😀

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