Vom Tod und einer Bücherdiebin

31 Jan

Ich hab mal wieder ein ganz tolles Buch entdeckt: „Die Bücherdiebin“ von Markus Zusak. Der Roman und Spiegel-Bestseller handelt von Liesel Meminger, einer jungen Bücherdiebin mitten im Deutschland des Zweiten Weltkrieges. Das kleine Mädchen fängt an zu stehlen und gleicht damit so manchen erlittenen persönlichen Verlust aus. Sie stiehlt Bücher. Auf der Buchrückseite steht: „Dann stiehlt sie weitere Bücher. Äpfel und Kartoffeln. Das Herz von Rudi. Das von Hans und Rosa Hubermann. Das von Max. Und das des Todes. Denn selbst der Tod hat ein Herz.“ Es klingt etwas merkwürdig: Aber genau deshalb wird Liesels Geschichte vom Tod höchstselbst erzählt. Auf den zweiten Blick scheint mir das logisch: Es war wohl niemand anwesender im Deutschland der Nazis als der Tod.

Wer in mein Bücher-Archiv guckt, wird sehen, dass ich bis auf (vor einem wahren Hintergrund stattfindende) Mittelalter-Romane so gut wie nie Romane lese. Ich mag die Realität und finde wahre Geschichten spannend genug, als dass ich mich in ausgedachte flüchten müsste. Ab und an mache ich aber eine Ausnahme. Und in diesem Fall hat es sich gelohnt. „Die Bücherdiebin“ ist ein sehr ungewöhnliches, unvergleichliches, dennoch großartiges Buch. Die ersten Seiten fordern eine gewisse Umgewöhnung im Lesefluss, direkt merkt man, dass dies kein Buch wie alle anderen ist. Wer sich drauf einlässt, wird belohnt. Es „menschelt“ trotz der Allgegenwärtigkeit des Todes mit einer Wärme, die mich angerührt hat. Der sympathisch erzählende Tod bewegt nicht nur das Herz, er lässt einen trotz der Thematik durchaus auch lachen und erzählt aus dem Leben von Liesel mit einer Wort- und Bildwahl, die ich so noch nirgends gefunden habe.

Das Buch hat im einschlägigen Online-Shop hunderte, sehr positive Bewertungen bekommen – zu recht. Auch von mir gibt’s fünf Sterne. Trotz einem Ende, bei dem ich mir die Augen aus dem Kopf geheult hab.  Markus Zusak ist erstaunlich jung – Jahrgang 1975 – und lebt in Sydney. Bisher hat er äußerst erfolgreich Kinder- und Jugendbücher geschrieben. „Die Bücherdiebin“ ist sein erster Roman für Erwachsene. Sollten weitere folgen, habe ich vielleicht schon meine nächste Autoren-Entdeckung gemacht.

→ Weitere Meinungen zum Buch:

„Es ist ein Gänsehaut-Buch“ – Besprechung auf WDR 2 von Christine Westermann, inklusive Audio-Beitrag (3:23 Min.)

„Der Tod als Erzähler“ – Rezension bei Deutschlandradio Kultur

Bei hr-Online stellt eine 15-Jährige das Hörbuch zur „Bücherdiebin“ vor

„Die Bücherdiebin“ – Buchtipp im Literaturblog

Mein Bücher-Archiv 2010 ist wieder auf aktuellem Stand.

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6 Antworten to “Vom Tod und einer Bücherdiebin”

  1. tinkerbella712 Montag, Februar 1, 2010 um 11:09 #

    Ich habe das Buch zum Geburtstag geschenkt bekomm es aber immer noch nicht gelesn. Ich freu mich aber schon jetzt darauf.

  2. Anika Montag, Februar 1, 2010 um 14:23 #

    das buch ist eines meiner lieblinge. wie auch „joker“ von ihm. sehr lesenswert! es ist einfach wunderbar, wie andere mit sprache gefühle in deinen kopf jonglieren können.

  3. Muschelschubserin Montag, Februar 1, 2010 um 22:12 #

    @tinkerbella712
    Dann wünsche ich viel Spaß beim Lesen!

    @Anika
    Oh, dann sollte ich mir „Joker“ wohl auch mal auf die Wunschliste packen, was? Und, auch wenn sich das schleimig anhört: Ich finde ja, du bist auch so eine ganz tolle Jongleurin.
    Genau, und weil das so ist, und weil du wieder öfter Wort-Bälle wirfst, gehört das Knallrosa Tagebuch auch wieder in meine Blogroll.

  4. Anika Montag, Februar 1, 2010 um 22:56 #

    ich nehm auch schleim. gern. für so nette worte 😉

  5. Kassiopaia Mittwoch, Februar 3, 2010 um 10:00 #

    Oh, ich glaube, dieses Buch werde ich mir auch mal auf meine Wunschliste schreiben. Die Geschichte klingt toll.

  6. Muschelschubserin Mittwoch, Februar 3, 2010 um 20:01 #

    Viel Spaß beim Genießen. 😉

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