Ich empfehle… (wird nach 18.45 Uhr, Montag, nicht mehr aktualisiert)

18 Jun

Update: Ich werde diese Liste nun nicht weiter aktualisieren. Interessante aktuelle Texte zu diesem und anderen Themen gibt es wie vorher auch unter „Fremdlesen“.

… einen ausführlichen Blick in die Sidebar, unter „Fremdlesen“ und folgende Linkliste. Bitte.

Weitere Links zu guten Quellen bitte in die Kommentare (ich bin sicher, morgen gibt’s sehr viel dazu, Gutes wie Schlechtes). Wenn ich Zeit habe, update ich hier auch, aber das kann ich leider nicht garantieren.

Zur aktuellen Entwicklung hier Meinungen, Aktuelles und auch noch einmal Quellen mit Argumenten, Fragen / Antworten:

Zensur-Euphoriefetzen

Demo-Teilnehmerin in Berlin. Foto: "Euphoriefetzen", CC-Lizenz

Die Argumente

  • AK Zensur stellt die Argumente gegen das Gesetz anschaulich und übersichtlich dar.
  • Warum es sehr wohl um Zensur geht – Ein Text mit Fragen und Antworten für alle, die sich im Internet nicht so gut auskennen

Fakten & Entwicklung (in chronologischer Reihenfolge)

Meinungen

Weiterführende Links:

Bin für Tipps und Links dankbar, da ich das Thema aus Zeitmangel nur bedingt selber verfolgen kann in diesen Tagen. Danke dafür!🙂

16 Antworten to “Ich empfehle… (wird nach 18.45 Uhr, Montag, nicht mehr aktualisiert)”

  1. truetigger Freitag, Juni 19, 2009 um 06:07 #

    Was *für mich* für die nächste Wahlentscheidung wichtig ist: Auch ohne Ahnung vom Internet zu haben fallen diverse Punkte in diesem Gesetz OFFENSICHTLICH ins Auge, da hätte es die 134.000 Unterzeichner nicht gebraucht:

    – keine Infos, was das eigentlich bewirken kann („Bundesregierung hat keine Ahnung“): wie kann man solch einem Gesetz zustimmen?
    – das Gesetz ignoriert die Gewaltenteilung (BKA definiert _und_ kontrolliert): Grundgesetz-Konflikt!
    – keine ernsthafte Kontrolle der Sperreinträge möglich: Grundgesetz-Konflikt!
    – keine Idee, wie man als versehentlich betroffener Webhoster wieder von der ominösen Liste „runterkommt“ (und es reicht ja, dass der Account gehackt wird und dort KiPo hochgeladen wird)
    – alle Bedenken, dass die Infrastruktur ausgeweitet werden könnte, in den Wind geschlagen

    Wer da zustimmt, beweist in meinen Augen ein niedriges Demokratieverständnis, und wer sich dort ENTHÄLT (egal ob die 18 Stimmenthaltungen oder diejenigen, die NICHT mitgestimmt haben) ebenso. Entweder nehmen sie ihren Job nicht ernst („wird schon passen“), und das deckt sich nicht mit meinem Anspruch an parlamentarische Arbeit – oder die Grundpfeiler der Demokratie sind diesen Abgeordneten wurscht.

    CDU/CSU: kein Kommentar
    SPD: kein Kommentar
    Grüne: 33 dagegen, 18 Enthaltungen (15 + 3 Nichtanwesende) => das sind immerhin 1/3, die den Scheiss mittragen
    FDP: 54 dagegen, 7 Enthaltungen (ok, die 7 waren nicht da – vielleicht folgen sie dem Beispiel ihrer Koch-Mehrin und haben besseres zu tun?)
    Linke: 36 dagegen, 17 Enthaltungen (auch 1/3 schweigende Zustimmung)

    Unter denen, die gar nicht erst mitgestimmt haben, finden sich erstaunlich bekannte Namen:

    – Zypries (SPD), die ja das ganze mit entworfen hat
    – Merkel (CDU), Kanzlerin
    – Nahles (SPD), sonst so streitsüchtig
    – Westerwelle (FDP), wie immer keine Meinung
    – Guttenberg (CSU), ebenfalls wie Zypries verantwortlich für dieses Gesetz
    – Schäuble (CDU), dem es wohl nicht hart genug ist
    – Merz (CDU), der hochbezahlte Nebeneinkünfte-Mann
    – Lafontaine (Linke), Chef der Linken
    – Bisky (Linke), der Europa-Mann der Linken
    – Beck (Grüne)

  2. Fantasma Freitag, Juni 19, 2009 um 08:50 #

    Hallo Ihr Blogger,
    ich hab das Ganze bisher auch noch nicht ganz verstanden, vielleicht helft Ihr mir auf die Sprünge. Was ist schlimm daran, wenn man KinderPornos sperren lässt?
    Gibt es die Befürchtung, dass die Sperren, wenn sie erst einmal prinzipiell gesetzlich zulässig sind, ausgeweitet werden – so wie bei einem Vertreter, der schonmal den Fuß in der Tür hat, aber nciht dort lassen will?
    Und wenn ja, würde es sich nicht lohnen das Risiko einzugehen, um den KiPo-Ärschen einen reinzuwürgen?

  3. danielfahr Freitag, Juni 19, 2009 um 10:16 #

    hallo muschelschubse!

    ich freue mich sehr über dein politisches arragement. und natürlich freue ich mich noch mehr über die parteien, die du nicht wählen wirst. da bleibt ja nur noch eine übrig, die du wählen wirst!🙂
    liebe grüße

  4. truetigger Freitag, Juni 19, 2009 um 10:35 #

    Hi Fantasma,

    es gibt bei dem Thema mehrere Probleme:

    (1) Was ist Kinderpornographie?

    In Grossbritannien wurde vor kurzem Wikipedia gesperrt, denn von den hunderttausenden Einträgen war einer über die Band „Scorpions“ (eine deutsche Band übrigens), deren Album-Cover „Virgin killers“ aus den 70ern abgebildet war und ein nacktes Mädchen zeigt.

    Während Frau von der Leyen blumig von „unerträglichen Gräueltaten“ spricht, lässt das gestern beschlossene Gesetz offen, welche Maßstäbe bei der Bewertung angelegt werden. In Deutschland sind auch Comics von Kindern verboten (was ja mit dem Quälen von Kindern nix zu tun hat), wohingegen das erwähnte Scorpions-Album in jedem grösseren Plattenladen zu erwerben ist und auch NIE nur eine Anzeige bekam.

    (2) Missbrauchs-Gefahr

    Nehmen wir mal an, jemand würde *meine* Domain hacken und dort ein KiPo-Bild ablegen. Dann lande ich auf der Sperrliste (denn das BKA sorgt ja nicht fürs Löschen, es versteckt einfach nur meine Domain), und schon bin ich aus dem Verkehr gezogen. Nebenbei sehen alle Besucher ein Stoppschild und kommen NIE wieder.

    Ich erwarte genau hier massive Betätigung: wer einen lästigen Konkurrenten oder ein Bürgerforum mit unangenehmen Produkt-Tests loswerden will, engagiert einen Ganoven, der solche Hacks kann – und das Problem ist erledigt.

    (3) Was passiert mit den Daten der Stoppschild-Besucher?

    Wer auf ein gesperrtes Angebot zugreift, ist zumindest verdächtig. Doch wie kommt er darauf? Ist das vielleicht eine ihm untergeschobene URL (Spam), benützt jemand seine IP-Adresse (Botnetze), will er eigentlich auf meine Domain, die aber siehe (1) vielleicht gerade zu Unrecht auf der Sperrliste steht?

    Ganz so einfach, wie sich dass die Familienministerin vorstellt, ist es nun mal nicht. Nur der Innnenminister profitiert, denn er will ja eine Überwachungsstruktur, denn für ihn ist JEDER Bundesbürger ein potentieller Terrorist. Er hört aber das Wort Stasi nicht so gern, auch wenn man sich langsam fragt, wo genau die Unterschiede sind.

    (4) nicht ganz unwichtig: es hilft NICHT

    Kindesmissbrauch findet überwiegend in den Familien statt, für die Story von den bösen Porno-Produzenten und deren gewerbsmässiger schwerer Kindermissbrauch ist bisher NIRGENDS belegt, da gibt es nicht einen bekannten Fall. Oft innerhalb der Familien, manchmal auch einfach so auf der Strasse werden also Kinder eingesammelt und dann im Hinterkämmerchen missbraucht – dagegen hilft ein Internet-Stoppschild NULL. Diese Täter machen dann Fotos, die sie per Post (DVD in Kuvert, fertig), per MMS oder in geschlossenen Netzwerken untereinander tauschen – dagegen hilft ein Internet-Stoppschild NULL.

    Die Menge an echter Kinderpornographie, die im öffentlichen WWW verfügbar ist, ist minimal – bei der Auswertung der finnischen Sperrlisten fiel auf, dass von über 1000 Einträgen NUR EINER dabei war, der wirklich hartes Material enthält – statt ewig Sperren zu verwalten hätte man diesen einen Anbieter (und dessen Konsumenten) einfach festnehmen können.

    (5) Schon jetzt Ausweitung gefordert

    Aktuell redet die CDU von Ausweitung auf „Killerspiele“. Denn nicht Waffen töten, sondern die bösen Killerspiele. Hier spielt sich der Staat als Wächter von Grundsätzen auf: darf man im Internet über Bulemie reden, über Seitensprünge, über legale Steuertricks?

    (6) Demokratische Grundprinzipien verletzt

    Gewaltentrennung: das BKA soll festlegen, WAS Kinderporno ist und was nicht. Dabei ist das BKA eine Polizeibehörde und hat mit Absicht bisher keine legislative Macht.

    Keine Kontrolle: selbst Geheimdienste unterstehen einer parlamentarischen Kontrolle, wenn die auch oft eine Farce ist. Das BKA wiederum kann hier nahezu schalten und walten, denn wer immer die Sperrliste in Zweifel zieht darf sie nicht sehen (sie enthält ja Kinderporno-Links, darum darf man sie nicht einmal verbreiten, um zu kontrollieren, ob die ihre Arbeit machen).

    Eingriff in Artikel 5 Grundgesetz „Eine Zensur findet nicht statt“ durch Herumtricksen an irgendwelchen Telemedien-Gesetzen. Das ist Missachtung der Grundrechte, das ist unterstes Niveau.

    Zusammenfassend:

    Natürlich will niemand FREIHEIT für Kinderpornos. Doch die sollten aus dem Netz genommen werden, gegen Anbieter und Konsumenten mit Polizeiarbeit ermittelt und vom Gericht auch bestraft werden. Ein Stoppschild ist für den Kinderschutz UNTAUGLICH und nur Wahlkampf-Propaganda, dem Innenminister erlaubt es mehr Rechte beim Überwachen der Bevölkerung, und neue Ideen tauchen schon jetzt auf.

  5. Muschelschubserin Freitag, Juni 19, 2009 um 12:59 #

    @truetigger
    Herzlichen Dank für das anschauliche Antworten und Auflisten der Argumente!!!🙂

    @ Fantasma
    Zusätzlich zu Truetiggers Antwort habe ich oben auch doch noch einmal ein paar Quellen verlinkt, die die Argumente ebenfalls anschaulich und kurz auflisten. Ich denke, da wirst du viele Antworten finden. Ich freue mich, dass du fragst!

    @Daniel
    Ich habe bewusst geschrieben, dass ich (lediglich) weiß, wen ich NICHT wähle. Ich verspüre bisher keinen Drang, hier breit zu treten, wen ich wähle. Fest steht, dass ich dieses Jahr anders wähle als sonst, auch bei der Europawahl schon. Aber die FDP, die hat von mir noch nie eine Stimme bekommen und steht bisher auch nicht in meiner engeren Auswahl.😉

  6. kblog Sonntag, Juni 21, 2009 um 16:21 #

    Ich danke als Aussenstehender (Schweizer) truetigger ebenfalls für die übersichtliche Erklärung. Zum Teil habe ich das so schon lesen können, aber so richtig mitgekriegt, was da so läuft, habe ich bislang nicht, auch wenn ich von Muschelschubserin und anderen Blogs bereits Links gesehen habe. Ich habe zum Teil solche Links gelesen, aber so richtig begriffen, worum es geht, habe ich bislang nicht. Mir wird schon Angst und Bange, wenn ich daran denke, welche Auswirkungen dies auf die Schweiz haben könnte…:-/

  7. Muschelschubserin Montag, Juni 22, 2009 um 12:05 #

    @kblog
    Ich glaube, truetigger hat ganz ähnliche Sorgen, dass es in Österreich demnächst die gleiche Diskussion geben wird. Und es gibt ja, wie oben mittlerweile verlinkt, aus Deutschland schon die ersten Forderungen, das Ganze auf Europa auszuweiten… Hoffentlich sind eure Politiker – und auch die Bürger! – internet-affiner oder zumindest weniger beratungsresistent als unsere. Ich bin mittlerweile auch über den Unwillen (oder was auch immer es ist) in meinem persönlichen Umfeld frustriert und erschrocken, sich überhaupt mal zu informieren über das Thema.

  8. truetigger Montag, Juni 22, 2009 um 12:41 #

    Politiker: Österreicher haben bisher noch jedes dumme Gesetz aus Deutschland übernommen, und vor ein paar Monaten erst haben im Bundesland Oberösterreich ALLE Parteien zusammen einen Initiativ-Antrag FÜR Sperren beschlossen, grob übersetzt heisst das „He Bundesregierung, wir ALLE wollen auch Zensur wie in Deutschland“.

    Da es in Österreich keine Liberalen (und so gut wie keine Linken) gibt, ist hier mit einer noch viel deutlicheren politischen Mehrheit FÜR Zensur zu rechnen, ich würd sogar wetten, dass dies mit einem einfachen Minister-Erlass wie bei der Online-Durchsuchung (Innenministerium: „Machen wir auch. Ab heut. Punkt.“) statt mit einer parlamentarischen Debatte eingebaut wird.

    Im Umfeld herrscht übrigens allgemein „Aber es hilft doch den Kindern!“ vor, ich bin mir sicher, dass eine Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland und in Österreich (und wahrscheinlich auch in der Schweiz) jederzeit FÜR Zensur ist. Schade.

  9. Fantasma Montag, Juni 22, 2009 um 17:13 #

    Was mir immer so Schwierigkeiten macht, ist, den Politikern sagen zu müssen, was machbar ist und was nicht. Wenn sie so ein klares Statement abgeben, dann sollte man sich doch darauf verlassen können, dass die auch Ahnung davon haben und nicht einfach was übers Knie brechen. Ist doch irgendwie beängstigend, dass dann erst ein Volksaufstand mit Unterschriftenlisten her muss, um das Schlimmste zu vermeiden. Hilfe…

  10. Muschelschubserin Montag, Juni 22, 2009 um 19:14 #

    Ich habe noch weitere, interessant zu lesende Quellen oben verlinkt. Unter anderem fragt sich dort auch ein (als Kind misshandelter) Schauspieler, warum bloß alle schweigen?

    @truetigger
    Das lässt alles nichts Gutes ahnen.

    @Fantasma
    Ehrlich gesagt glaube ich langsam, dass es bei vielen politischen Entscheidungen genau so abläuft: Abgeordnete haben erschreckend oft keine Ahnung von den Dingen, die sie entscheiden. Und mir wurde neulich gesagt, das sei auch nicht zu ändern, sie könnten sich ja nicht überall einarbeiten.
    Heutzutage gibt es „da draußen“ aber sehr viele Leute, DIE sich auskennen. Und die mit dem Internet Mittel haben, ihre Kenntnisse zu verbreiten. Und die diese Mittel nutzen. Und die sich obendrein vernetzen – eben so, wie es die letzten Wochen eindrucksvoll passiert ist. Alle Argumente, alle Fakten, alle Zahlen wurden haarklein vorgekaut, analysiert, abgewogen, diskutiert.

    Wenn Politiker sich nun als komplett resistent gegenüber solchen Dingen zeigen, derartige Stimmen aus Prinzip ignorieren – weil sie ja von „diesen Spinnern (vermutlich alles Pädophile!!) aus diesem komischen Internetz da“ kommen – dann unterschätzen sie die Wirkung, die so eine Ignoranz auf Dauer hat, massiv. Die Politik könnte enorm profitieren von dieser Entwicklung!! Statt dessen wird blindlinks und ohne jeglichen Verstand weitergemacht.

    Ich glaube, die Wirkung der Gegenwehr aus dem Internet hat selbst die daran Beteiligten überrascht. „Wir“ werden zukünftig noch mehr Lärm veranstalten. Denn eins ist klar: Solche Dinge werden noch öfter passieren.

    Das Ganze ist für mich Symbol für die Kluft zwischen Onlinern und Offlinern aller Altersgruppen diesen Landes. Und diese Kluft ist gerade noch einmal ein ganzes Stück gewachsen.

  11. Fantasma Dienstag, Juni 23, 2009 um 09:22 #

    Ich sehe das Problem, dass Politiker, die ihre Meinung ändern, als schwach angesehen werden. Was natürlich kompletter Unsinn ist. Gerade die finde ich überzeugend und stark, genauso wie Politiker, die einfach mal sagen: Weiß ich nicht. Die werden aber dann leider nicht nur von den Kollegen, sondern auch von den Bürgern in Stücke gerissen und können genauso schnell abdanken, wie ein Fußballtrainer, unter dem ein wichtiges Spiel verloren wurde – was ich genauso schwachsinnig finde. Da muss mal ne neue, realistische Denkweise her.
    Die Kluft zwischen Off- und Onlinern…
    Meinst Du damit zwischen gut Informierten und schlecht Informierten? Werden die Themen in den Printmedien denn nicht genauso kontrovers diskutiert – und von den Offlinern rege genutzt?
    Aber es gibt natürlich online mehr Spielraum für eine gemeinsame Meinungsbildung, klar. Offliner möchten über ein Thema diskutieren und finden manchmal keinen, der darüber informiert ist. Onliner lesen über ein Thema (wie hier) und können sofort ihren Senf dazu abgeben, auf den dann auch noch von anderen Interessierten adäquat geantwortet wird. Das ist natürlich von Vorteil.

  12. truetigger Dienstag, Juni 23, 2009 um 11:13 #

    Die Kluft zwischen Off- und Onlinern ist nicht AUTOMATISCH eine Grenze zwischen schlecht Informierten und gut Informierten. Immerhin gibt es auch im Netz einen starken Herdentrieb: wenn ein Thema hip ist, stürzen sich alle drauf (ist zum Teil ja auch bei „Zensursula“ zu sehen), und nicht jeder macht sich die Mühe, sich eine eigene Meinung zu bilden.

    Manche Themen werden in Printmedien durchaus kontrovers beleuchtet, man denke an die Frage der Opel-Rettung und Guttenbergs „wir können nicht um jeden Preis ein Staatsunternehmen draus machen“. Doch speziell jetzt bei der Grundsatz-Debatte, ob Eingriffe in das Internet, die wir anderen Staaten wie China als Zensur vorwerfen (man erinnere sich an Olympia), wirklich SINNVOLL sind oder die Debatte um Kinderpornographie nur vorgeschoben ist, um das neue Medium Internet stärker unter Kontrolle zu bringen, DIESE Grundsatz-Debatte fand in den Printmedien erst sehr spät statt.

    Ja, wir „onliner“ sind im Vorteil, weil wir neben klassischen Medien (Tagesschau, Pressemeldungen, Magazine, mehrere Tageszeitungen) eben auch andere Quellen zu Rate ziehen, um uns eine Meinung zu bilden. Ob wir diese Möglichkeiten nutzen, ob wir Internet-Informationen auch KRITISCH sehen (denn ja, es steht auch viel Blödsinn im Netz), das liegt am Ende an uns.

    Ich freu mich, dass Du Dir soviel Gedanken machst und eben nicht fertige Meinungen anderer einfach übernimmst. Denn so sehr ich bei diesem Thema mit der Muschelschubserin überein stimm, beim nächsten Thema kann das ganz anders sein. Weiter so, Fantasma!

  13. Muschelschubserin Mittwoch, Juni 24, 2009 um 14:41 #

    @Fantasma
    Das mit dem „Weiß ich nicht“ und seine Meinung ändern dürfen etc. sehe ich ganz genauso! Und nicht nur in der Politik (wie war das nochmal mit der Neuverschuldung!?), auch z. B. in der Wissenschaft könnte man mehr Leute gebrauchen, die einfach mal sagen „Wir wissen es nicht“, anstatt ständig Zahlen und Studien durch die Weltgeschichte zu schmeißen – nur um sie später zu verwerfen (oft ins Gegenteil).

    Von wegen Onliner und Offliner… Ich würde nicht von gut Informierten und schlecht Informierten sprechen, nein. Das geht mir zu weit. Eher von Informierten und kritischer Informierten oder so etwas in der Art (mir fallen grad keine besseren Begriffe ein). Die Fakten holen sich ja auch Onliner aus den klassischen Quellen. Weil Blogs aber v. a. Meinungen bieten, Analysen, Diskussionen und man seine eigene Meinung so ständig messen kann und muss, helfen sie ungemein bei der Einordnung und Bewertung von Themen (allerdings: längst nicht bei allen wichtigen Themen!!). Der Journalismus kann das auf Grund der Objektivität und Faktentreue als Hauptmerkmale (derzeit) gar nicht bieten.
    Von daher sind gerade kontrovers diskutierte Themen gut im Netz zu recherchieren – grundsätzlich. Und wenn es dann noch ums Netz selber geht, wie in diesem Fall, dann bin ich der Meinung, dass man in Blogs und Co. nicht nur gut, sondern besser (weil umfangreicher, fundierter) informiert werden kann. Über das Thema Internetzensur kann man sich derzeit meiner Meinung nach nur im Internet und dort v. a. in Blogs (oder zumindest nicht nur in den klass. Online-Medien) ein vernünftiges Bild machen. Außerdem hat es das Thema überhaupt erst über Blogs und Co. (Twitter wäre da definitiv noch zu nennen) in die klass. Medien geschafft.

    Was ich aber eigentlich meinte war auch das (Des)Interesse an diesem Thema. Ich denke, viele „Offliner“ (ich würde sie lieber Web-1.0-er nennen, weil Emails und Co. sind ja doch überall angekommen und mir ist wichtig, mit „Offlinern“ nicht nur alte Menschen zu meinen) denken, das ganze Thema hätte nichts mit ihrem Leben zu tun – und haben dann einfach kein Interesse / keine Lust / keine Zeit, sich zu informieren. Ist ja auch einfacher. Ich bin sicher, würden mehr Leute überhaupt verstehen, was Sache ist (und im Prinzip muss man ja nur mal googlen oder die ersten beiden Links oben anklicken), hätten wir den Mist jetzt nicht. Es haben viel zu wenige Menschen erkannt, welches Potenzial das Internet hat und dass es nicht nur Klimbim-Spaß-Gesurfe und Profilierungsgeilheit bei MySpace ist. Oder wahlweise einfach böse, kriminell, abtrünnig. (Aber das verstehen die meisten auch noch nicht einmal beim Fernsehgerät, wenn man mich fragt…).

    Das ist mangelnde Medienkompetenz und das führt zu solch fatalen Fehlentwicklungen wie wir sie jetzt haben. Die Frage ist also auch: Wie schafft man es denn überhaupt, solche Themen an diese Leute zu bringen? (Ich finde ja, ganz großartig macht das im Moment der oben schon verlinkte Michael Jäger mit seiner „Frau Huber“. Sind mittlerweile 4 Teile. Das find ich klasse. Ist aber eben auch „nur“ online. http://www.michaeljaeger.tv/frau-huber-versucht-die-internetsperren/)

  14. Fantasma Donnerstag, Juni 25, 2009 um 17:04 #

    Ehrlich gesagt, musste ich mich auch erst durchringen, mich für dieses Thema zu interessieren. Ich dachte mir aber, wenn die Muschelschubserin darauf so viel Wert in ihrem Blog legt, dann muss da doch was hinterstecken.

    Zur Formulierung mit den gut Informierten und schlecht Informierten. Ich bin der Meinung, dass man niemals gut informiert sein kann, ohne die Meinungen der anderen zu kennen. Auf manche Sichtweisen kommt man einfach nicht von alleine, auch wenn man alle Fakten kennt. Ich hab schon manchmal bei einer Diskussion gedacht: Hey, die Meinung des Anderen gefällt mir aber irgendwie viel besser als meine eigene! ;+) Wenn ich mit demjenigen nicht darüber gesprochen hätte, wäre ich trotz meines umfassenden Wissens vielleicht nie darauf gekommen.
    Allerdings kostet es manchmal Überwindung das dann zuzugeben.

    Frau Huber finde ich in dem Zusammenhang gut, auch wenn mir der Beigeschmack nicht gefällt, dass die Desinteressierten ein bischen wie dusselige Kinder behandelt werden; erinnert ja auch verdächtig an „klingt komisch… ist aber so.“
    Eine vernünftige Schlagzeile und ein gut geschriebener Bericht in Spiegel und Bild würden bestimmt denselben Erfolg bringen (hoffe ich) und das Desintersse vertreiben. Das wäre doch prinzipiell ein Projekt für truetigger und Muschelschubserin, oder?

    „Medienkompetenz“: Eins dieser Fächer, das man noch vor Englisch an der Grundschule einführen sollte, neben „Kritisches Denken und/trotz Toleranz“ sowie „Grundzüge des Steuerrechts“. ;+)
    Dabei war nur das Letzere nicht ganz ernst gemeint.

    @truetigger: Danke fürs Anfeuern. Ich bin auch immer froh, wenn ich auf Leute treffe, die bereit sind sich Gedanken zu machen, auch wenns anders leichter ist und man bestimmt unbeschwerter lebt.

  15. Muschelschubserin Donnerstag, Juni 25, 2009 um 22:54 #

    Ich hab das anfangs auch nicht verstanden. Ich stand genau so „-“ (oder eher so „.“) kurz davor, einen entsprechenden Beitrag zu bloggen oder zu twittern. Warum sich jetzt bitte alle künstlich über Zensur aufregen, wenn es um Kinderpornografie geht… Ich kann mir bildlich vorstellen, wie ich dann in den Kommentaren zu truetiggers Kreuze gekrochen wäre.😀

    Es ist schön, wenn man Leute um sich hat, mit denen man konstruktiv diskutieren kann. Und ich freue mich sehr, dass mittlerweile auch hier im Blog Reaktionen auf ernste Themen kommen. Das war lange anders und das fand ich oft schade. (Auch, wenn ich bei politischen Themen aus verschiedenen Gründen eigentlich lieber zurückhaltend bin. In diesem Fall war’s mir zu wichtig.)

    Bei der Medienkompetenz bin ich ganz bei dir. Besser heute als morgen.

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