Keine weiteren Fragen.

29 Apr

Wisst ihr immer, wirklich immer, was sich hinter einem Link, den ihr im Begriff seid anzuklicken, verbirgt?

Ich nicht.

Und mit jedem Tag sogar noch weniger.

In Spam-Mails bekomme ich ständig Links zugeschickt, die so tun, als würden sie woanders hinführen als es wirklich der Fall ist. zensursula-2Zum Beispiel zum angeblichen Login-Bereich meines Bank- oder Auktionshaus-Kontos. Ich hab auch schon öfter versehentlich auf Werbe-Links geklickt, weil ich stumpf „daneben geklickt“ habe oder in dem Moment, wo es klick machte, ein Werbefenster aufging.

Bei Twitter sorgen zahlreiche Dienste gezielt für die Kürzung sämtlicher URLs, weil sonst die 140 zugelassenen Zeichen zu schnell gesprengt werden. Auch ich benutze diese Dienste, zur Kürzung meiner URLs und ich klicke sie an, wenn mich ein Tweet neugierig auf den Inhalt gemacht hat. Diese Kürzung führt aber dazu, dass nicht mehr zu erkennen ist, wohin ein Link führt…

So führt zum Beispiel https://muschelschubserin.wordpress.com/ zum gleichen Ziel wie http://tinyurl.com/c6t6u8.

Was, wenn mir nun jemand böswillig oder weil er es „lustig“ findet oder weil er mich nicht mag einen solchen, nicht erkennbaren Link vor die Nase setzt, mir vorgaukelt, er würde zu einem interessanten Beitrag führen? Was, wenn er auf eine kinderpornografische Seite führt? Was, wenn ich ihn, weil ich einen völlig anderen Hintergrund erwarte, anklicke? Nun, dann werde ich zukünftig als Verbrecher betrachtet:

„Falls das Gesetz wie geplant in Kraft tritt, sollte sich allerdings jeder Internetnutzer genau überlegen, ob er noch unbekannte Webadressen ansurft. Geriete man etwa versehentlich oder durch böswillige Hinweise provoziert zu einem Stoppschild, würde dann de facto eine Hausdurchsuchung oder Schlimmeres drohen.“

Sagt der Sprecher des Bundesjustizministeriums. Keine weiteren Kommentare nötig, oder?

→ Zahlreiche Beiträge zum Thema gibt’s u.a. bei Netzpolitik.org.

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4 Antworten to “Keine weiteren Fragen.”

  1. Chikatze Donnerstag, April 30, 2009 um 01:02 #

    auf jeden fall ein wichtiges thema!!!

  2. truetigger Donnerstag, April 30, 2009 um 10:29 #

    Interessant ist hier der Aufbau einer Angst-Kulisse.

    „Der Link KLINGT verdächtig, ich schau ihn lieber nicht an“ => vorauseilender Gehorsam, eine Gesellschaft die sich selbst zensiert aus Angst, sich sonst verdächtig zu machen.

    Mein Reden: die geplante Zensur des Internet wird unsere Gesellschaft ändern, wir verraten stückchenweise unsere eigenen Überzeugungen.

    Und die Politik spielt mit den Ängsten. Bei den Zahlen, die als Begründung für eben diesen Gesetzesvorschlag oder bei Schäuble für Online-Trojaner und Vorratsdatenspeicherung herhalten müssen, werden nie Polizeistatistiken über VERURTEILUNGEN, sondern immer die grossen Zahlen der Ermittlingsverfahren benützt: Operation Himmel findet sich sogar WÖRTLICH zusammen mit der Zahl „12.000 FÄLLE“ im Gesetzesvorschlag. Dabei kam es zu so gut wie keiner einzigen ANKLAGE, geschweige denn zu einer Verurteilung.

    Ähnlich wird es nun mit dem Stoppschild laufen: wer einen Link erwischt, der auf die Stoppseite verweist, ist ein Fall. Computer wird beschlagnahmt, der kann dann zur Beweisssicherung Jahre weg sein und kaputt zurückkommen. Hausdurchsuchung, Befragung der Nachbarn, der Ruf ist nachhaltig ruiniert, in den Polizeiakten ist man dann „der Kinderschänder, dem man nur nichts nachweisen konnte“ und für die Statistik eine 1a-Begründung, wieviel Kipo man ja durch die Sperre verhindert hat.

    Ob da eine Seite gesperrt war, die NICHTS mit Kipo zu tun hat („bedauerliche Einzelfälle“), oder ob IRGENDWO ein Kipo-verdächtiges Bild bei „wordpress.com“ auftaucht und damit jeder Klick auf JEDES Blog zu einem Anfangsverdacht führen kann, ob man auf den Link aus Versehen geklickt hat oder weil man seit Jahren dort Infos liest (und nie KiPo konsumiert hat), all das wird dann entweder erst nach Jahren oder gar nicht geklärt.

    Hier öffnen sich völlig neue Möglichkeiten: bei der Bahn musste man Mitarbeitern, die man rausekeln wollte, noch Pornos und Nazi-Schund heimlich auf die Festplatte kopieren. In Zukunft einfach diese Mitarbeiter per Email/Twitter/in Foren dazu verleiten, einen Link anzuklicken, dem man nicht sieht, was sich dahinter verbirgt, und schon kann man DIESEN EKLIGEN KINDERSCHÄNDER aus dem Job prügeln, ohne dass der Betriebsrat was dagegen hat. Praktisch! Würd so übrigens auch bei Sorgerechts-Streits funktionieren, denn welcher Richter übergibt das Kind ruhigen Gewissens einem Elternteil, gegen den Ermittlungen im Zusammenhang mit KiPo laufen?

    Genau sowas mein ich mit Missbrauchs-Potential. Die Gesellschaft an sich wird sich ändern, es wird mehr gekuscht, weniger aufbegehrt und Überwachung akzeptiert. Da werden tatsächlich Erinnerungen an die Stasi wach.

  3. Muschelschubserin Freitag, Mai 1, 2009 um 12:37 #

    Ja, du hast Recht. Dass Potenzial des Missbrauchs ist immens. Wir müssten alle längst auf der Straße stehen. Und trotzdem schafft es das Thema nicht raus aus dem Internet (wo es überall präsent ist) in die Köpfe der Menschen. Wir sind ein komisches Volk. Manchmal glaube ich, mit uns kann man alles machen, wir lassen uns alles gefallen.

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  1. Petition mitzeichnen und unsere Grundrechte sichern « Muschelschubserin - Montag, Mai 4, 2009

    […] Ich habe auch schon zwei Mal drüber gebloggt: hier und […]

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