Vorsichtige Annäherung an den Frühling

2 Apr

Heute hab ich mir frei genommen. Ich kann beim besten Willen nicht konsequent auf meinem Hintern im Büro sitzen, wenn draußen so der Frühling abgeht. Sei die Migräne noch so nervig und im Gegensatz zu mir konsequent. Heute war mir alles wurscht und so bin ich zum ersten Mal seit ich weiß nicht wie vielen Tagen endlich wieder aus dem Haus, raus in den Park. In meinen Lieblingspark, ist klar. Der hat ja schon auf mich gewartet. Ich hab ihn rufen hören, ganz laut. Also rein in die Jacke – nur: in welche? Ist ja Frühling geworden, seitdem ich das letzte Mal draußen war. Ein Blick aus dem Fenster auf die Leute sagte mir: Sommerjacke, aber Schal. Und die Sonnenbrille, ja die musste auch auf die Nase. Schon alleine wegen meinem altbekannten Dauer-Lern-Matsch-Auge.

Im Park dann: Menschen! Ich hatte schon ganz vergessen, dass ich nicht alleine auf der Welt bin. Lauter fröhliche, Sonnenbrille und Schal tragende, genießerisch ihre Nase in die Sonne haltende Menschen. Und alle lächeln sich an! Hallo, seit wann machen wir das denn? Ich hatte mich gerade an das alles gewöhnt, da entdeckte ich: Tiere! Mit rauher Stimme schnatternde Gänseriche, die mit ihrem bunten Gefieder rumprotzten, als könnten sie MICH damit beeindrucken. Und lustige Huhn-Viecher mit überdimensionierten und in anderen Ländern sicher als Delikatesse geschätzten Spreizfüßen und Höckernasen (ähnlich meiner eigenen, wenn ich genauer drüber nachdenke). Und Bienen, die in mein Ohr krabbeln wollen, weil sie scheinbar über den Winter vergessen haben, was sie nochmal genau befruchten sollen – $§=)T%(?Z!!!

Und eine Fliege, die ungebremst in mein Matschauge gerast ist, als ich keine Sonnenbrille aufhatte. Wie ich das hasse, wenn in meinem Auge ein Leben zu Ende geht. Es war ein schneller, wenn auch etwas feuchter Tod. Und ich könnte schwören, die hat schon im Flug gebrannt, diese Fliege.

Ich find’s ja lustig, wie Natur und Mensch es gar nicht abwarten können, sich zu zeigen, zu präsentieren, einander mit voller Keule zu begegnen und wie sehr man sich doch erst wieder aneinander gewöhnen muss. „Eeeek! Biene! Notarzt! Ich sterbe“, dachte ich in etwa beim ersten Anflug auf mein Ohr. Bis mir wieder einfiel, dass gar keine Reaktion ja die beste Reaktion ist. Und der Biene ist beim ersten Anflug wahrscheinlich wieder klar geworden, wie das ist, von einer riesigen Hand plötzlich und unerwartet durch die Luft geschwurbelt zu werden, das einem schwindelig wird. Wahrscheinlich sitzt sie gerade auf irgendeinem Blatt und übt Stachel ein- und ausfahren. Ach nee, das waren ja die Wespen, oder wie war das nochmal?

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Ich bin mal wieder im Dreck rumgekrochen. In der Hoffnung, ein paar gescheite Fotos zustande zu bringen. Ganz tief im Dreck der Beete und Wiesen. Kopf auf’m Boden, Nase im Sand oder auch mit gequetschten Wangen direkt am Baum klebend und diesen umarmend („Wir sind Froooiiindeee!“). Popo in die Höhe, inklusive rausguckender Unterhose. Ja, meine lieben Rentner, wenn junge Leute wollen, können sie richtig Engagement zeigen, notfalls in Form von schneeweißchen-weißem Unterrücken, der schon seit einem halben Jahr keine Sonne mehr gesehen hat. Muss man ja nicht hingucken, wenn man’s nicht mag…

Und jetzt gucke ich mal, ob ich aus der Ausbeute eine Slideshow gebastelt kriege. Zumindest, wenn dieses Jucken aufhört. Alles kribbelt und krabbelt am Körper, Krabbel-Alaaaaarm!

Update: So, Stunden über Stunden später… Grrr… Grummel…. Brabbel… hier die Fotos (ja, mir geht das ganze Gezuppel und Gefrickel in und um die Slideshow herum auch tierisch auf den Keks, aber so isset nun – ich will ins Bett). Genießt! Gefälligst! 😀

Update 2: In groß und schöner geht das auch über diesen Link – lohnt sich. (Hab mir ja nicht umsonst die Kamera mit Blütenstaub versaut.)

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6 Antworten to “Vorsichtige Annäherung an den Frühling”

  1. Babs Donnerstag, April 2, 2009 um 20:08 #

    *Kicher*

    schööööön!!!!!!!!!!!!!!!!

  2. daniel Freitag, April 3, 2009 um 10:25 #

    So schön ist der Frühling. Tolle Fotos. Glaube da brauche ich mal nachhilfe. Habe zwar ne tolle Kamera, aber die Fotos klappen noch nicht so richtig… 😦

    Schönes sonniges Wochenende!

  3. fabs Freitag, April 3, 2009 um 13:45 #

    Tolle Fotos… ich hatte gestern auch einen Tag frei und konnte ähnliches genießen. Ein Traum!!

  4. spinpoint Freitag, April 3, 2009 um 16:49 #

    ..wirklich sehr schön. Frühling pur. Den zu genießen ist echt der Hammer. Fast genausogut ist der Sternenhimmel am Morgen (da dreh ich immer noch meine Runden; sternenklar und wunderschön ist es um 5:30 zur Zeit. Wenn man dann noch von einer Sternschnuppe wie heute morgen begrüßt wird, kann der Tag ja nur schön werden, oder??) und am Abend (was aber schon fast zu spät für mich ist)…. zudem die Ruhe so früh, die Natur hat die Welt irgendwie noch für sich (auch von der Geräuschkulisse). Eine Seite des Frühlings, die ich bisher auf jeden Fall noch nicht so wahrgenommen habe…. Lg

  5. Muschelschubserin Freitag, April 3, 2009 um 18:02 #

    @daniel
    Wenn’s um die „Theorie“ geht, bin ich fototechnisch absoluter Laie. Mehr als Rumprobieren kann ich auch nicht. Und wenn ich nicht so eine tolle Kamera hätte was die Bedienung angeht, sähe es ganz anders aus. 😉

    @fabs
    Ich könnt ja direkt schon wieder, ne?! 🙂 Muss aber am Wochenende noch was tun.

    @spinpoint
    Das kann ich mir gut vorstellen. Da beneide ich dich fast drum. Ich krieg’s im Moment nicht hin mit dem Aufstehen. Bin hundemüde morgens (auch wenn ich früh schlafen gehe) und hab obendrein seit einer Woche schon vorm Aufstehen Migräne… Freut mich aber, dass du das so genießen kannst. 🙂

    Schönes Wochenende euch!

Trackbacks/Pingbacks

  1. Tale of a walk on the ice* « Muschelschubserin - Sonntag, März 7, 2010

    […] Letztes Jahr im April hab ich mich im Rombergpark noch etwas holprig und fremdelnd an die ersten Frühlingsboten angenähert. […]

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