Meine teuflischen Nachbarn?!

29 Mrz

Manchmal gehen unheimliche Dinge vor. Ich sitze gerade hier im Dunkeln, nur Anne Will und ihre Gäste flackern über meinen Monitor. Plötzlich höre ich ein Poltern DIREKT hinter mir. Mein Herz rutscht in die Hose, ich gucke mich um. Nichts. Was war das? Ich geh mit Herzpochern in die Nebenzimmer – nichts. Ich suche und suche, nirgends ist etwas runtergefallen oder so. Ich gucke aus den Fenstern, alles gut. Sehr merkwürdig, es war so deutlich, als wäre es sogar im selben Zimmer gewesen wie ich. Dann nochmal ein komisches Geräusch, wie ein Schleifen, aber weiter weg. Ich registriere das so nebenbei und suche weiter.

Ich gehe in die Küche – und mein heute gebackener Kuchen hat auf einmal meine volle Aufmerksamkeit. Keine Ahnung, was das war, mir doch egal, Schokokuchen hilft! Genau in dem Moment, in dem ich das Messer an den Kuchen ansetze, wieder dieses Schleifen. Hab ich das nicht eben schon gehört? Dieses Mal war es DIREKT ÜBER MIR. Und nochmal. Dazwischen Rumpeln. Ich erstarre in meiner Bewegung, blicke an die Decke. Herrje, ich hatte gehofft, es würde einfach aufhören, ich könnte es einfach vergessen. Aber es ist eindeutig: Irgendjemand schleift in der Wohnung über mir, direkt über meinem Kopf, etwas Schweres über den Boden. Da gibt es beim besten Willen keinen Interpretations-Spielraum. Mir wird ganz anders und ich hab sofort die Bilder im Kopf, die ihr wohl auch gerade im Kopf habt. Wie hieß nochmal der uralte Film mit Tom Hanks und seinen verrückten Nachbarn? Uah, ich komme mir vor, als hätte man mich mitten in diesen Film versetzt. Das Schleifen geht weiter, direkt über meinen Kopf hinweg, Richtung Flur. Ich kann dem Geräusch hinterher gucken. Und ich ahne, was kommt.

Schon höre ich, wie die Wohnungstür ein Stockwerk höher auf geht. Oje, das passt alles so dermaßen, das Kopfkino geht weiter. Ich mache mein Licht aus, ziehe meine Schluffen aus und gehe auf Socken zur Tür, blinzle durch den Spion. Durch die Spiegelung im gegenüber liegenden Flurfenster kann ich sehen, was auf dem Treppenabsatz über mir abgeht. Ich sehe, wie jemand den Aufzug beläd, offenbar mit etwas Schwerem. Zwei Leute. Einer hält die Aufzugtür auf, der andere schleift etwas aus der Wohnungstüre in den Flur und dann in den Aufzug. Das Licht im Treppenhaus machen die beiden nicht an. Nur das kleine Aufzuglicht brennt. Ich sehe nur Umrisse. Und ich weiß, diese Situation habe ich GENAU SO schon einmal erlebt. Vor Monaten hab ich schon einmal an diesem Spion geklebt und genau die gleiche Szene beobachtet, nachdem ich komische Geräusche gehört hatte. Und schon damals hat es mir ein wahnsinnig mulmiges Gefühl eingejagt.

Tatsächlich. Vor dem Haus steht wieder diese grüne Kombi-Van in zweiter Reihe. Im Treppenhaus poltert es, der Fahrstuhl fährt nach unten und nach einer gefühlten Ewigkeit schließt jemand die Tür der Wohnung über mir von außen ab. Noch immer kein Licht im Treppenhaus. Warum machen die das Licht nicht an, es ist stockfinster? Kurz darauf erscheinen zwei grauhaarige ältere Männer am Van und schleifen dieses schwere Etwas zum Wagen. Es ist etwas Verschnürtes. Mit so Packgurten, wie sie für schwere Ladungen benutzt werden. Es sieht ein bisschen aus wie eine sehr fest verschnürte Matratze. Könnte auch ein Teppich sein, denke ich, klar. Und es muss richtig schwer sein, einer alleine kriegt es kaum in das Auto gehoben. Die beiden Männer habe ich noch nie gesehen. Bis auf das letzte Mal, als sie genau das gleiche taten. Auch nachts, auch alles im Dunkeln, auch mit diesem Van und auch mit irgendwas Schwerem. Mehrere verpackte Säcke waren das letztes Mal. „Damals“ ging sogar einer der beiden zu Fuß die Treppe runter. Durchs Dunkle. Vermutlich auch heute, nur dass ich schon am Fenster stand um den Van zu beobachten. Letztes Mal ging er keuchend direkt an meiner Wohnungstür vorbei, während ich an der anderen Seite am Spion hing – und mein Herz kurz aussetzte, denn ich hatte im Dunkeln gar nicht gesehen, dass er in meine Richtung kam… Es war, als könnte ich seinen Atem spüren, so hat er gekeucht. Ansonsten habe ich die beiden hier noch nie gesehen.

Und wenn ihr denkt jetzt kommt (wie beim letzten Mal, als ich nachts Angst hatte) die große Auflösung, alles nur ein Scherz, es war, tadaaaa… dann irrt ihr. Ich weiß es nicht. Das verschnürte, schwere Etwas wird in den Wagen gehievt, nachdem der eine diesen ein paar Meter nach hinten geschoben hat (ohne Motor an wohlgemerkt), damit das Beladen einfacher wird. Die beiden blicken am Haus hoch, ich schrecke am Fenster nach hinten (oh Gott, sie haben mich bestimmt gesehen!) und dann fahren sie davon. Es ist etwa 22.45 Uhr. Und ich bin genauso ahnungslos, was hier gerade abgegangen sein könnte, wie ich Schiss inne Bux hab.

Süße Träume!

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9 Antworten to “Meine teuflischen Nachbarn?!”

  1. Kat Sonntag, März 29, 2009 um 23:17 #

    oha das hört sich nach Horror an, also wenn ich nun Albträume bekommen, nech? …
    Wünsch Dir aber ne gute Nacht ohne noch mehr Horror am Abend/in der Nacht

  2. truetigger Montag, März 30, 2009 um 09:39 #

    Wenn Du es das nächste Mal wieder poltern hörst – einfach den Fahrstuhl in Deiner Etage anhalten und denen gleich Dein Müllsackerl in die Hand drücken, idealerweise mit einem lässig gesprochenen „Könnt ihr des gleich mit verscharren?“ 🙂

    In heutigen Zeiten, in denen Familien in Österreich und Italien jahrzehntelang in Kellern und fensterlosen Räumen gehalten werden, in denen Mütter ihre toten Säuglinge in Blumenkästen oder in der Tiefkühltruhe aufbewahren, in denen es sich lohnt, verstorbene Verwandte noch eine Weile zumindest für die Rentenkasse weiterleben zu lassen – in diesen Zeiten würde einen nicht einmal ein Mafia-Mordzimmer direkt in der Wohnung über einem wundern. Aber die Statistik spricht letztlich dagegen, dass so etwas ausgerechnet DEINE Nachbarn durchziehen.

    Lass Dich zu Kurzgeschichten inspirieren, Poe und Lovecraft warten schon lang auf eine würdige Nachfolgerin 🙂

  3. Kat Montag, März 30, 2009 um 09:47 #

    oh ja Poe ist toll ^^

  4. traeumerin Montag, März 30, 2009 um 11:11 #

    omg
    grusel
    lass dich ja net klauen

  5. Kassiopaia Montag, März 30, 2009 um 12:02 #

    *schluck* Das ist ja nichts gegen das Scharren unter meiner Badewanne! (Darüber muss ich auch mal so einen gruseligen Blogeintrag schreiben *g*)

  6. Muschelschubserin Montag, März 30, 2009 um 18:08 #

    Juhu, ich hab’s überlebt. 😀 Ich hab sogar, todesmutig wie ich bin, im Bett meine superdichten Kopfhörer aufgesetzt, die Augen zugemacht und das „Krabat“-Hörspiel zu Ende gehört. Huiiii! (Ok, ok, ich hab das kleine Licht angelassen, aber da reden wir mal nicht drüber, hehe.)

    Muss ich nur noch rausfinden, warum heute Vormittag ein Bild von der Wand gefallen ist, dass es geklirrt hat. Obwohl Nagel und Halterung noch in der Wand stecken…

    @truetigger
    Schon wieder Poe. Das hab ich jetzt schon öfter gehört. Ich sollte mal was von ihm lesen. 😀

    @Kassiopaia
    Scharren ist auch ganz großes Kino! Das ist noch viel gruseliger als Schleifen. 😀 Her mit der Grusel-Badewanne!

  7. Fantasma Dienstag, März 31, 2009 um 10:32 #

    „Könnt ihr des gleich mit verscharren?“
    !!! :+)
    Endlich mal wieder Tränen gelacht. Danke truetigger.

    Aber davon abgesehen, mach ich mir jetzt wirklich ein bischen Sorgen, was da über Dir passiert ist…
    Ob der Nachbar es Dir wohl übel nimmt, wenn Du beim nächsten Mal die Polizei rufst?

  8. Muschelschubserin Dienstag, März 31, 2009 um 12:21 #

    Hihi, stimmt, ich musste auch sehr lachen! 😀
    Ich finde den Vorschlag gar nicht mal so schlecht, einen auf ganz doof zu machen. Überlege allerdings, wie ich dann das Ganzkörper-Zittern unterdrücken soll.

    Ich werde demnächst mal nachforschen, wer da überhaupt in der zweiten Wohnung über mir wohnen soll. Ich kenne nur den Nachbar aus der anderen Wohnung und ich dachte immer, seine Wohnung sei direkt über meiner (das trifft aber scheinbar nur auf mein Schlafzimmer zu).

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  1. Diplomarbeit ist… (3) « Muschelschubserin - Mittwoch, April 15, 2009

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