Into the Wild: Mir fehlen beinahe die Worte

2 Mrz

Ich hab keine Ahnung, wo ich anfangen soll. Und ich hab auch keine Ahnung, wo ich aufhören soll oder was dazwischen kommt. Aber ich muss zu dem Film, den ich gerade gesehen habe, etwas schreiben und ich muss es jetzt tun. Jetzt, wo mir das Herz noch bis zum Halse klopft und ich innerlich zittere vor Aufruhr und Berührung und wo mir die Tränen noch in den Augen stehen. Ich hab mir einen Fingernagel abgekaut und ein Taschentuch voll geheult. Ich habe wohl noch nie einen Film gesehen, der mir intothewildso nahe ging. Dabei hatte ich vorher noch nie davon gehört und mich im Prinzip einfach aus einem Bauchgefühl heraus für diesen Film entschieden.

Ich dachte, es wäre so eine Art Reise-Abenteuer. So eine Mischung aus Doku und Fiktion. Bestimmt ganz spannend, mit netten Bildern und für mich als alte Fernweh-Tante und Doku-Liebhaberin genau das richtige. Das ist der Film auch alles. Und gleichzeitig noch so viel mehr. Wenn ich schreibe, dass es in diesem Film um all die Fragen geht, die sich viele von uns stellen und die sich vor allem diejenigen stellen, die ihr Leben hinterfragen und die wie ich von einer Sehnsucht und von Fernweh getrieben sind, dann ist das genau so. Es geht um Sehnsucht. Um Fernweh. Um Freiheit. Um die Erfüllung des Lebens. Darum, seinen eigenen Weg zu finden, auch, wenn er nicht in die vorgegebene Richtung führt. Um Familie. Darum, sich abzunabeln. Es geht um Liebe, um Freundschaft, um Einsamkeit, um Träume, ums Scheitern – und es geht um Vergebung. Und was klingt, als hätte die Muschelschubserin gerade ihre pathetischen fünf Minuten, wurde hier verpackt in einen Film, der so authentisch ist, dass mich die Geschichte auch ohne viele Dialoge, auch ohne Action, auch ohne Special Effects und ohne viel Tamtam von innen nach außen aufgerüttelt hat.

Nicht alle Menschen haben genau die gleichen Träume, Ziele und Ängste und nicht alle haben so eine Sehnsucht nach Ferne. Aber ein bisschen von diesem Film steckt in uns allen. Wir alle kämpfen mit Dämonen, mit Lebenserfahrungen und damit, wie wir damit umgehen sollen. Und wir alle haben irgendeinen Weg gewählt. Darum geht es auch in diesem Film. Und ich finde es beinahe verstörend, wie viele Parallelen der Film zu meinem Leben oder zumindest zu meinen Fragen, Ängsten, Wünschen hat. Wie sehr er sie bestärkt und unterstützt.

Und wie sehr er sich am Ende dramatisch wendet und noch einmal aufs Neue alles hinterfragt.

Was für ein grandioser Film. Ich bin baff. Einfach nur baff, geradezu körperlich spürbar perplex. Und hab noch mehr Fragen im Kopf als ich es vorher schon hatte. 😀

Bei dem Film handelt es sich um „Into the Wild“ von, aber nicht mit Oscar-Preisträger Sean Penn. Hauptdarsteller ist Emile Hirsch. Der Film beruht auf dem gleichnamigen Bestseller-Roman, den Jon Krakauer nach einer wahren Begebenheit geschrieben hat und der ganz offenbar unbedingt auf meine Buch-Liste gehört.

Hier der Trailer:
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14 Antworten to “Into the Wild: Mir fehlen beinahe die Worte”

  1. Claudia Montag, März 2, 2009 um 10:03 #

    Ich werde den Film nicht gucken, denke ich. Denn ich habe das Buch gelesen. Vor vielen Jahren. Und mir ging es wie Dir.

    Während man liest, ist es ergreifend. Und trotzdem darf/kann man die ganze Zeit das Hirn nicht ausschalten und fragt sich ständig „Warum?“
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Film so detailreich ist wie das Buch. Im Buch werden Abenteuerlust, Mitgefühl UND wissenschaftliche Neugier befriedigt. Das Buch ist einfach grossartig!

    Ich hätte nicht gedacht, dass man das verfilmen kann. Aber neugierig bin ich ja jetzt schon …

  2. Kassiopaia Montag, März 2, 2009 um 10:40 #

    Den Film wollte ich auch schon immer mal gucken, au ja! Und das klingt ja auch ganz phantastisch, dramatisch, traurig. Hach! Aber wahrscheinlich werde ich dann doch lieber noch vorher das Buch lesen. *es auf meine Wunschliste setz*

  3. Muschelschubserin Montag, März 2, 2009 um 11:40 #

    @Claudia
    Ui, das überzeugt mich noch mehr, auch das Buch zu lesen. 🙂 Die wiss. Neugier kommt am Rande auch im Film vor. Nicht sonderlich stark hervor gehoben, aber doch latent und wiederkehrend vorhanden. Trotzdem wird es sicher einen Unterschied geben. Auf der DVD sind auch ein paar Specials, u.a. ein Interview mit Sean Penn, der das Buch wohl damals in einer Bücherei entdeckt hat, es zwei Mal hintereinander durchgelesen hat und dann zehn Jahre lang vor Gericht um die Filmrechte gekämpft hat! Am Ende des Films wird ein Originalfoto gezeigt von dem Mann, um den es eigentlich geht. Wie er vor dem „Magic Bus“ sitzt. Und zumindest die Details auf diesem Foto sind zu unglaublicher Genauigkeit in den Film übernommen worden. Die Specials hab ich allerdings noch nicht richtig geguckt, das war mir zu spät gestern. Hole ich evtl. heute noch nach. Jedenfalls scheint Sean Penn auch mit der Familie des Mannes zusammen gearbeitet zu haben, denn dieser wird am Ende gedankt.

    @Kassiopaia
    Auf meiner steht’s auch, ganz klar. Ganz weit oben denk ich sogar. Wäre ohnehin ein netter Nachfolger, ich lese nämlich grad „Walden“ von Thoreau. Und da gibt’s gewisse Parallelen zwischen den Geschichten. „Walden“ kommt sogar im Film vor. 😀

  4. wordpixie Montag, März 2, 2009 um 12:57 #

    Ich hab mir das Buch auf englisch gekauft (aber bisher noch nicht gelesen) und der Film steht schon ewig auf meiner Wunschliste bei amazon 😉 Dann muss ich diese Geschichte wohl doch bald anfangen.
    Bin gespannt!

  5. Gabi.G Montag, März 2, 2009 um 13:10 #

    Habe das Buch vor ein paar Jahren (nach meinem Kanada/alaska-Abenteuer) gekauft und angefangen zu lesen, aber irgendwann hab ich es einfach zur Seite gelegt.

    Seitdem ich nun regelmäßiger, ausdauernder lese und bei Tauschticket ( http://www.tauschticket.de/c/?rec=707233304 :-P) angemeldet bin, liegt das Buch bei mir am Fehrnseher rum und hat ein Post-it „nochmal lesen, dann evtl. tauschen“.
    Mal schauen wann ich dazu komme.

    Dass es nun auch einen Film dazu gibt wusste ich gar nicht, aber da bin ich dann doch schon gespannt drauf.

  6. Homer Montag, März 2, 2009 um 16:01 #

    That movie is one of the best – and I am surprised that you haven`t seen it until now.

    Hope you are well.

  7. Annabell Montag, März 2, 2009 um 20:06 #

    Ich fand den auch sehr schön, vor allem auch den Soundtrack. Mir ging die Frage nach dem WARUM (warum macht der das? Warum isst der das? Warum macht der das nicht?) auch nicht aus dem Kopf und ich hatte noch lange das Bild vom Ende vor den Augen. Ich denke, das Buch werde ich auch mal lesen.
    Viele Grüße!

  8. Muschelschubserin Montag, März 2, 2009 um 21:02 #

    @wordpixie
    Ich auch! 🙂 Stimmt, ist ne gute Gelegenheit für Englisch, wollte ich eh mal wieder machen.

    @Gabi G.
    Dann bin ich ja mal gespannt, ob du beim nächsten Mal mehr Durchhaltevermögen hast. Oder was du zum Film sagst. 😉

    @Homer
    Ja, mittlerweile überrascht mich das selbst. 😀 Wobei sich das eher aufs Buch bezieht, den Film gibt’s hier „erst“ seit August 2008.

    @Annabell
    Ja, der Soundtrack würde mich auch reizen, hast Recht! Viele Grüße zurück und viel Erfolg beim Fasten! 🙂

  9. Muschelschubserin Montag, März 2, 2009 um 23:15 #

    Ich hab gerade das Bonusmaterial gesehen. Die Eltern und Schwester von Chris Mc C. waren bei den Dreharbeiten dabei und standen in Kontakt mit Sean Penn und dem Hauptdarsteller, viele der Nebenfiguren sind nicht von Schauspielern gespielt, sondern zB von Menschen, die wirklich an den Schauplätzen leben etc. Oder die echten Leute waren am Set mit dabei. Der Film kommt der Realität also tatsächlich ungewöhnlich nahe, könnte man sagen.
    Was bin ich gespannt auf das Buch!

  10. Anika Dienstag, März 3, 2009 um 17:26 #

    ach ja, der film war echt gut. aber schon ne weile her. muss man unbedingt in ganz groß gucken..

  11. Muschelschubserin Dienstag, März 3, 2009 um 21:06 #

    @Anika
    Puh, im Kino hätte ich mich glaub ich entweder blamiert oder ich wäre angespannt gewesen. Hier konnte ich mich da so richtig emotional reinfallen lassen. Ich glaub, in meinem Fall war das besser. 😀

  12. Muschelschubserin Mittwoch, März 4, 2009 um 11:41 #

    @Annabell
    Wusstest du, dass Eddie Vedder (Pearl Jam) die Musik extra für den Film geschrieben hat? Sean Penn hat ihm den Film gezeigt und gesagt „Mach mal was, bitte.“ Und das hört man auch raus. 🙂

Trackbacks/Pingbacks

  1. Long nights « Muschelschubserin - Samstag, Mai 30, 2009

    […] “Long nights” gehört zum Soundtrack von “Into the Wild“. […]

  2. Into the Wild DVD - Abenteuer - Gimahhot - Donnerstag, August 27, 2009

    […] es sicher einen Unterschied geben. Auf der DVD sind auch ein paar Specials u.a. ein Interview … muschelschubserin.wordpress.com Blog Into the Wild | Carolin Neumann – […]

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