Tauchen im Roten Meer? Eher nicht.

2 Okt

Puh, da läuft gerade eine Doku auf Phoenix über die Schäden, die der Tauchtourismus in einigen Teilen Ägyptens anrichtet. Ich war noch nie in Ägypten und im Roten Meer und nachdem ich das gerade sehe, muss ich da auch nicht hin. Dass so viele Touristen, auch Taucher (die von Beginn der Ausbildung an beigebracht bekommen, wie sie sich umweltgerecht verhalten), so verantwortungslos handeln hätte ich nicht gedacht. Da werden Korallen abgerissen, Schildkröten für ein Foto massiv bedrängt, hunderte oder tausende Taucher und Schnorchler beschädigen bestimmte Gebiete durch ihre schiere, gleichzeitige (!) Anwesenheit, Wracks werden geplündert… Von den Umweltschäden an Land ganz zu schweigen.

Offensichtlich fehlt es da an Aufklärung und Ausbildung. Ich stand einem Tauchurlaub am Roten Meer schon immer skeptisch gegenüber. Ich hab zu viel gehört, das nicht abschreckend gemeint war, auf mich aber absolut so gewirkt hat. Südlich von Hurghada gibt es der Sendung zufolge eine „Öko-Bucht“, in der auch die Tauchtouristen explizit auf die Umwelt achten und strenge Regeln einhalten müssen. Das wäre vielleicht noch was. Ansonsten steht für mich fest: An die völlig überlaufenen Standard-Spots krieg mich kein Mensch. Dann verzichte ich lieber ganz aufs Rote Meer.

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16 Antworten to “Tauchen im Roten Meer? Eher nicht.”

  1. Kat Donnerstag, Oktober 2, 2008 um 23:19 #

    man man, das hört sich richtig brutal und traurig an, schade dass es Menschen gibt, die so verantwortungslos handeln 😦 da kann ich vollkommen verstehen, dass du darauf keine Lust hast…
    apropos Phoenix, seit wann schaust du wieder Fern?^^

  2. spinpoint Freitag, Oktober 3, 2008 um 01:25 #

    ..hab die Sendung von einiger Zeit schon mal gesehen. Hat meine persönliche Entscheidung, dass ich Agypten auch nicht zu meinen Favoriten zähle, da also in den nächsten 20 Jahren erstmal nicht hin muss, nur unterstützt…. Also absolute Zustimmung und dann lieber zu einem Tauchspot an dem ich nur 2 % der Fische sehe… aber auch nur 2 % der Taucher 😉

  3. Muschelschubserin Freitag, Oktober 3, 2008 um 10:35 #

    @Kat
    Ich gucke alle paar Tage mal übers Internet Fernsehen. Dann, wenn ich eine interessante Doku finde und die Tagesschau. Ansonsten so gut wie nix. Und dann halt auch nicht lange, denn am Schreibtisch ist das relativ unbequem. 😀 Die Privaten Sender empfange ich übrigens überhaupt nicht.

    @spinpoint
    Jap, genauso sehe ich das auch. 🙂

  4. Babs Freitag, Oktober 3, 2008 um 10:38 #

    Ist das nicht total hirnrissig, einen „ÖKO-Tauchspot“ anzubieten? Das ist Realsatire.
    Traurig, echt!

  5. Muschelschubserin Freitag, Oktober 3, 2008 um 10:46 #

    Wieso? In dieser Bucht wird wohl wirklich explizit auf die Umwelt geachtet: Die Zahl der Taucher, die gleichzeitig ins Wasser gehen, ist reglementiert, die Anweisungen bezüglich Riffberührung und so sind strenger. In der Sendung sah es so aus, als sei die UW-Welt da wirklich noch wesentlich besser intakt. In den anderen Taucherhochburgen war der Meeresboden massenweise mit großen, abgebrochenen Korallenstücken bedeckt.
    Schade ist, dass so viele Taucher so schlecht ausgebildet werden, auch was den Umweltschutz angeht. 😦

  6. Sven Freitag, Oktober 3, 2008 um 11:30 #

    Irgendwann wird es dann soweit kommen das ALLE Taucher darunter leiden werden. Nämlich dann, wenn gesagt wird das nur noch der tauchen darf, der es auch wirklich muss. Ist zwar nur Fiktion, aber wäre ja ne logische Konsequenz.

  7. Muschelschubserin Freitag, Oktober 3, 2008 um 11:46 #

    Glaube ich nicht. Dafür verdient man mit Tauchern und Touristen, egal wie schlecht ausgebildet und rücksichtslos, viel zu viel Geld. :/

  8. Daniel Freitag, Oktober 3, 2008 um 12:51 #

    tja. dann mal mein outing…
    ich war vor 4 jahren im roten meer tauchen. also dass da natürlich extrem viele taucher gleichzeitig unterwegs sind und waren ist irgendwie klar. ist schießlich recht günstig und einfach wunderschön dort. aber wo viel geld zu verdienen ist, wird leider tatsächlich wenig in ausbildung investiert. einen tauchschein zu machen und mit diesem verantwortungsvoll umzugehen ist leider nicht das selbe. somit sollte man nicht der branche den vorwurf machen sondern ganz alleine den tauchern, die sich so rücksichtslos benehmen.
    leider sind das aber auch die, die ihre kippen auf dem parkplatz entsorgen…
    und ich kann mich über so deppen einfach nur aufregen. so das musste mal gesagt werden!

  9. Patricia Freitag, Oktober 3, 2008 um 13:19 #

    jap diese doku hab ich auch gesehen … und mir hat auch die schuhe ausgezogen, was die da alles berichtet haben, in diese touri-hochburgen in agypten würde ich sowieso nicht fahren, auch als nicht-taucher nicht …

  10. kblog Samstag, Oktober 4, 2008 um 19:07 #

    Ich war vor ca. 8 Jahren in Hurghada und vor ca. 5 Jahren in Sharm El Sheik. Beide Orte haben mir sehr gut gefallen, allerdings ging ich nicht Tauchen, sondern Schnorcheln (ich darf wegen Asthma leider nicht tauchen *schnief*.) Ich muss sagen, es gibt solche und solche Orte. Ich hatte ein besseres Hotel gebucht, die in beiden Fällen eher abgelegen waren, vor allem in Hurghada, aber das war mehr Zufall denn mit Absicht. Die Hausriffe waren in beiden Fällen wirklich toll, wenn auch schon zum Teil beschädigt. In den dortigen Tauchschulen wurde auch in der Schnorchelausbildung eindringlich darauf hingewiesen, dass man die Korallen schützen soll.

    Ich weiss leider nicht, wie es heute aussieht, aber ich ging damals in die Stadt und habe dort ein Hotel nebeneinander sthehen sehen und war auch einmal in einem solchen Touristen-Uboot. Was man dann da zu sehen bekommt, hat mich wirklich schockiert: man hat gesehen, wie die Strände eigentlich überfüllt und mit Schiffen gefüllt waren.

    Aber in den beiden Hotels muss ich sagen, dass ich wirklich Glück hatte, ein gutes Händchen zu haben, in Hurgarda ein besseres, in Sharm El Sheik ein wenig schlechteres Händchen, aber insgesamt hat es mir wirklich gut gefallen.

    Wie es in den Wracks etc. aussieht, kann ich als Schnorchler leider nicht sagen.

  11. Babs Samstag, Oktober 4, 2008 um 19:11 #

    Ich meinte mit meinem Kommentar auch eigentlich eher, dass ALLE Tauchgebiete Öko-Spots sein sollten und dass es extrem schade ist, dass einzelne Spots damit werben bzw. so ausgezeichnet werden. Warum achtet man nur da auf Schutz und nicht überall? Das sollte doch die Regel sein und nicht die Ausnahme!!!

  12. Muschelschubserin Sonntag, Oktober 5, 2008 um 15:20 #

    @Daniel
    „…einen tauchschein zu machen und mit diesem verantwortungsvoll umzugehen ist leider nicht das selbe.“ Wohl wahr, leider! Wobei es meiner Meinung nach auch in der Hand der Ausbildungsorganisationen, Tauchbasen und Tauchlehrer liegt, Beginnern von Anfang an beizubringen, wie Taucher sich umweltgerecht verhalten. Und Taucher, die gegen die allgemein gültigen Regeln verstoßen, auch zu ahnen, zum Beispiel mit Tauchverboten. Aber das geht ja auf’s Geld…

    @Patricia
    Ich glaub, ich auch nicht.

    @kblog
    Ich glaub sofort, dass es dort wirklich schön ist. Das sieht man ja auch auf Aufnahmen. Und es gibt sicherlich verschiedene Abstufungen von Verantwortungsbewusstsein und Verantwortungslosigkeit. Alle Basen kategorisch zu verteufeln liegt mir fern, zumal ich noch nie da war. Aber ich hätte, nachdem was ich bisher gesehen und gehört habe, gerade dort Angst, Teil der Zerstörung zu sein.

    @Babs
    Schön wär’s. :/

    Wie sieht das eigentlich mit so ’ner Art Öko-Siegel aus? Gibt’s sowas in Ägypten? In Australien zB bin ich fast nur mit ökozertifizierten Unternehmen unterwegs gewesen… Ich mein, es wäre ja schön, wenn man bei der Urlaubsplanung überall bewusst auf Umweltverträglichkeit achten könnte.

  13. Torsten Montag, Oktober 6, 2008 um 07:31 #

    Bedenkt man, dass Hurghada vor einigen Jahren von einem verschlafenen „natürlich“ gewachsenen Städtchen zu einer Touristenhochburg ausgebaut wurde und dass aus Platzmangel der Ausbau in das Meer , also die Buchten und Riffe hin stattgefunden hat, indem diese durch unmengen an Bauschutt dem Meer entrissen wurden und zu Festland mit Hotelgrundstücken umfunktioniert wurden halte ich es für sehr unwahrscheinlich, in diesem Land oder zumindest dieser Region irgendeinen Umweltgedanken anzutreffen, Hier wird alles dem Kommerz untergeordnet.
    Die Tauchausbildung vieler Verbände ist sicherlich auch ökologisch orientiert, aber auch hier entstehen durch die Verknüfung von Tauchbasen mit Hotels und Clubanlagen kommerzielle Verknüpfungen, die es schwierig machen beispielsweise jemandem, der die Ausbildung gebucht und bezahlt hat den Tauchschein zu verweigern. So etwas geht allenfalls noch, wenn ein Tauchschüler Gefahr läuft, sich umzubringen, wenn er ohne Tauchlehrer tauchen geht…!
    Wie jemand sich dann verhält, wenn er tatsächlich auf die Unterwasserwelt losgelassen wird ist ohnehin kaum abzuschätzen.
    Ökologisch orientierte Tauchbasen und -spots halte ich von daher für sehr sinnvoll und sie sollten für Taucher, wie wir es sind, auch bevorzugt gebucht werden. Ein weitere Anhaltspunkt kann sein, dass man Tauchbasen auswählt, die autonom sind, wo also der Tauchurlaub im Vordergrund steht und nicht der Cluburlaub.
    Aber machen wir uns nichts vor, jeder Taucher beeinflusst die Unterwasser- umwelt, jeder von uns zerstört Korallen (hoffentlich immer unbeabsichtigt),
    jeder von uns fährt mit einem Boot zum Tauchspot, dieses Boot muss ankern,…

  14. Muschelschubserin Donnerstag, Oktober 9, 2008 um 16:05 #

    @Torsten
    Ja, das sitmmt schon. So wie Urlaubsflieger viel Sprit verbrauchen, für den Bau von Resorts und Hotels die Natur zerstört wird und so weiter. Der Tourismus an sich kann unglaublich zerstörerisch sein. Ich lese gerade ein paar Bücher über Reisejournalismus, da kommen diese Dinge – wenn auch mit anderer Schwerpunktsetzung – auch vor (wie viel Verantwortung haben Reisejournalisten und -Autoren für derartige Entwicklungen und was kann man dagegen tun?)
    Ich mache mir als Taucherin heute auch noch mehr Gedanken über meinen Umgang mit der Unterwasserwelt als zu Beginn meiner Tauch-„Karriere“. Je mehr man sich mit etwas identifiziert, desto mehr ist man auch bereit, sein Handeln zu verändern und Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehört ja auch eine Menge Wissen, das man sich erstmal aneignen muss. Wichtig ist, sein Handeln und auch das der Organisationen, Verbände, Anbieter etc immer kritisch zu reflektieren. Einen Fehler kann jeder machen, aber das schlimmste ist, nicht darüber nachzudenken oder es gar nicht als Fehler zu erkennen. Oder wenn die Verantwortlichen, die eine solche Entwicklung aufhalten könnten, die Augen zumachen und schweigen, obwohl sie sich damit langfristig die eigene Existenzgrundlage vermiesen.

    Die Zeitschrift Tauchen hat aktuell einen „Streitpunkt“ online gestellt, der zum Thema passt: http://www.tauchen.de/dialog/streitpunkt/index.php – „Umgang mit Riff-Rüpeln: Auge zudrücken oder meckern?“ Ich bin gespannt, welche Meinungen es dort zu lesen geben wird.

  15. Ano Nym Freitag, Mai 7, 2010 um 19:13 #

    Hallo. Also ich referiere bald über genau dieses Problem der Taucher, und des Tauchtourismuses. Ich bin be meinen Recherche genau auf diesen Beitrag gestoßen und habe mich gefragt, ob ich mir genau diese Dokumentation auch ansehen könnte. Also wenn zufällig Zeit und Lust vorhanden ist, einige Links zu poosten, würde ich mich sehr darüber freuen!

    PS: Auch der Name der Dokumentation wäre schon sehr hilfreich!

    lg
    Ano Nym

  16. Muschelschubserin Samstag, Mai 8, 2010 um 20:44 #

    Hallo,

    spontan fiel mir der Name auch nicht mehr ein, aber ein paar Minuten Google-Suche „Rotes Meer Tauchtourismus Dokumentation“ lieferte Ergebnisse. Die Doku-Reihe heißt „Bedrohte Paradiese“ und es ging um die Folge „Ägypten – Letzte Tage im Paradies“. Die einzelnen Szenen, die zusammen die ganze Folge ergeben, gibt es beim WDR oder in etwas größerer Auflösung bei bei „Planet Schule“. 😉

    Viel Spaß damit!

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