Schmerzminton

14 Aug

Wie war das nochmal? So grob geschätzt ab nem Alter von 30 Jahren lässt alles Körperliche nach? Männer werden reif, während Frauen welken? Nunja, dass das nicht so arg weit hergeholt ist, wie ich mir wünschen würde, sehe ich zum Beispiel beim Blick auf diverse beulige Stellen an meinem Körper. Die waren alle mal glatt, ich war mal super schlank, mein Hintern hatte mal die Form eines Apfels, meine Haut glich einem Pfirsich. Heute sehe ich Orangen, Birnen und einen Tag alten Obstsalat.

In diesen Tagen fühle ich jedoch obendrein mit jeder Faser meines Körpers, dass da ein Prozess eingesetzt hat, der möglicherweise eines Tages damit endet, dass ich mein Essen laut schmatzend zu mir nehme, meine Blase sich nur noch schwer kontrollieren lässt, die Adern gen Außenwelt sprießen und ich mir Dinge angewöhne, die ich schon immer abstoßend fand. Alles, was dazu notwendig war, mir diesen Prozess jetzt schon einmal vor Augen zu führen, hab ich mir letzte Woche im Sportkaufhaus beschafft: Einen Badminton-Schläger und drei Federbälle.

Genau fünf Minuten mit diesen beiden Utensilien hat es gedauert, bis sich die ersten Schwachstellen meines Körpers trotz regelmäßigem Sport bemerkbar machten. Der Schläger fühlte sich schon sehr bald eher nach einem Kilogramm Gewicht an als nach hundert und ein paar zerquetschten Gramm. Kurz darauf folgte das obligatorische Schwitzen. Ich bin eine von denen, die beim Sport echt scheiße aussehen: hochrotes, fleckiges Gesicht, das auch nach einer halben Stunde Bewegungslosigkeit nicht wieder zur Normalfarbe zurückgekehrt ist, der Schweiß rinnt in salzigen Bahnen die Schläfen entlang und die Haare gehen schnell in einen fettig-nassen Zustand über. Sobald das T-Shirt hochrutscht, quillen zwei halbwegs normalgroße, aber deutlich zu erkennende Fettwabbeln darunter hervor, was ein ständiges Zuppeln an Shirt und Hose auslöst.

Die fast krampfartigen Schmerzen im rechten Unterarm schaffte ich zwar die gesamte Stunde lang, die wir den Platz angemietet hatten, runterzuschlucken, aber nach 20 Minuten ohne Pause kam ich trotzdem kurz ins Zweifeln, ob wir diese Stunde durchhalten würden. Meine Herren, ist Badminton anstrengend! Da rennt man sich auf den paar grünen Quadratmetern nen Wolf, hechtet diesem blöden Ball hinterher, der gar kein Ball ist, kämpft sich von einem Ausfallschritt zum nächsten, schafft es sogar, den Ball in relativ großer Regelmäßigkeit zu treffen, seinen Gegenspieler auch mal auszutricksen und nicht wie der totale Vollhonk dazustehen, und wofür? Damit direkt neben einem zwei Badminton-Spezies ihren Platz betreten und lockerflockig alles in den Schatten stellen, worauf man gerade stolz sein wollte.

Jetzt sitze ich hier Magnesium schlürfend mit dem Muskelkater meines Lebens, im Arm, in der Schulter, im Rücken, in den Füßen und im Hintern und frage mich, ob ich damals in der Oberstufe, als ich regelmäßig Badminton gespielt habe, am Anfang auch so leiden musste. Oder ob es die seitdem etwa zwölf vergangenen Jahre sind, die mir jetzt so weh tun?

Foto: © „Klicker“ / Pixelio
Advertisements

15 Antworten to “Schmerzminton”

  1. Sven Donnerstag, August 14, 2008 um 20:31 #

    ich hätte die bezeichnung „madminton“ bevorzugt -.-

    es tut noch mehr weh als gestern … dafür wird es beim nächsten mal wesentlich weniger schmerzen geben =) hoffe ich *seufz*

  2. Muschelschubserin Donnerstag, August 14, 2008 um 20:47 #

    Madminton – wie geil! 😀

    Ich werde mein Bestes tun, damit es nicht wieder 12 Jahre dauert bis zum nächsten Mal. Dann klappt’s vielleicht auch mit weniger Schmerzen…

  3. andre Freitag, August 15, 2008 um 08:31 #

    abwarten herr rohde ich komm nächstes mal mit und dann werden wir den begriff schmerzen nochma schön neu für dich definieren hehe 😛

  4. Muschelschubserin Freitag, August 15, 2008 um 09:59 #

    Du kennst dich da ja aus mittlerweile. 😉

  5. Daniel Freitag, August 15, 2008 um 10:31 #

    freitag morgen und mal wieder was zu lachen…
    großartig!!!
    vielen dank

  6. Stromfrau Freitag, August 15, 2008 um 10:32 #

    Ihr habt dat gut und macht wenigstens Sport – ich habe Rückenaua nur schon vom rumsitzen und schlucke Magnesium, damit mir nicht Nachts die Hände einschlafen und ich keine Krämpfe kriege… immerhin hat so ein Wadenkrampf des Nachtens den Vorteil, dass ich ohne zu überlegen einfach aus dem Bett springe, so wie früher! Bevor Franka in mir drin war ;o)
    Jetzt hab ich mit diesen kleinen Schwangerschaftsbegleitungen zu kämpfen, aber nuja… auch das wird hoffentlich „danach“ wieder besser!
    Also ihr Lieben: immer schön sportlich bleiben! ;o)

  7. Gabi.G. Freitag, August 15, 2008 um 11:00 #

    großartiger Text.
    Ich fühle mit und kann das 100% verstehen.
    Ich habe gestern über eine Stunde den virtuellen Trainigngspartner auf unserer Wii getestet, den Hänger für den MA-Markt am Wochenende gepackt, danach noch ein paar Virtuelle Gegner k.o. geboxt, gebowled und gegolft.
    Heute spüre ich jedoch die Folgen sehr deutlich. Und das obwohl man hier in diesem Fall noch nicht einmal von „echtem“ Sport reden kann.
    Vielmehr raffte sich da gestern eine unförmige Couchkartoffel auf, bestieg ein mit ca.5 cm unglaublich hohes Podest, ruderte darauf ziemlich unkoordiniert ein bisschen mit Armen und Beinen und das alles nur, um eine kleine Comicfigur auf dem Bildschirm nicht föllig doof dastehen zu lassen 😉

  8. andre Freitag, August 15, 2008 um 14:40 #

    😀 sowohl mit schmerzen als auch mit badminton 😛 (zumindest hoffe ich dass ichs noch kann^^)

  9. Sebastian Samstag, August 16, 2008 um 10:39 #

    Andre, das klingt nach nem Angebot zu ner Schlacht… ich bin dabei. Schläger hab ich auch noch…

  10. Babs Sonntag, August 17, 2008 um 10:24 #

    *GRINS*

    Also ich find sporteln super, aber ich bin da auch nicht ganz objektiv. Irgendwann kommt der Punkt, wo der Körper Endorphine ausschüttet, damit nicht alles ganz so schlimm ist/wird und ab da ist es toll…find ich. Es gibt doch fast nichts schöneres als mit hochrotem Kopf, nassgeschwitzt aus einer Halle unter die Dusche zu kriechen und jeder Muskel im Körper tut weh, man zischt sich zig Liter Wasser rein und legt sich völlig erledigt auf die Couch, um am nächsten Tag mit schmerzverzerrtem Gesicht sein Leid zu ertragen. Tip, den ich dann immer bekomme/gebe: einen Tag Pause und dann von vorne :o)

  11. Muschelschubserin Montag, August 18, 2008 um 13:20 #

    Hab ich kein Problem mit und kann ich genauso unterschreiben. 😉

  12. andre Montag, August 18, 2008 um 15:38 #

    😀 alles klar angebot steht^^

  13. Sebastian Dienstag, August 19, 2008 um 19:22 #

    Hehe, tausch in deinem Text Babs sporteln mit Gartenarbeit und es kommt aufs selbe raus. Nur seh ich hinterher noch viel schlimmer aus weil ich von Kopf bis Fuß schlammig bin. Dafür machts mir noch mehr Spaß… und wenn am nächsten Tag die Knochen weh tun hilft auch nur weitermachen…

  14. Yvi Donnerstag, August 28, 2008 um 22:35 #

    Also, Sonja! Sport machen ist toll! Respekt dafür!!! Aber muss es denn unbedingt Affentennis sein? Such Dir doch was vernünftiges aus ;-)))

  15. Muschelschubserin Freitag, August 29, 2008 um 11:37 #

    Ich hätte da noch Fitnessstudio zur Auswahl (momentan pausiere ich da aber) und Joggen. Flossentraining hab ich schon lange nicht mehr gemacht, war alles ein bissl viel auf einmal. Yoga war zum Jahresanfang dran. Besser? 😀
    Wobei, früher war das doch toll, in der Schule, mit dem Badminton. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s