„Akte X – Jenseits der Wahrheit“ … und des guten Kinos

11 Aug

Mysteriös! Nee, nicht die Story, sondern dieser Film an sich. Den kann ich wirklich nur in die Schublade „merkwürdig“ stecken. Und würde ihn am liebsten nie wieder raus holen. Okay, ein einziges Mal, hier und jetzt in Form einer Kritik. Wer nun weiter liest, könnte einige „Film-Geheimnisse“ erfahren und tut dies somit auf eigene Gefahr. Macht aber nix, denn es lohnt wirklich nicht, sich im Kino den Hintern für teures Geld platt zu sitzen, um diese dort live und in Farbe zu ergründen.

Ich bin weder eingefleischter Akte X-Fan, noch kenne ich die Serie besonders gut. Den ersten Kinofilm habe ich auch nicht gesehen. Ein paar Dinge wusste ich trotzdem, bevor ich mich am Samstag in „Akte X – Jenseits der Wahrheit“ wagte. Erstens geht es um die mysteriösen X-Akten des FBI, ungeklärte Fälle, die mit einer gehörigen Portion Übersinnlichem aufwarten, ohne dass jemals endgültig geklärt wird, wie viel Übersinnlichkeit diese Filmwelt wirklich für uns bereit hält. Und zweitens knistert es gewaltig zwischen der auf dem Boden der Tatsachen stehenden Dana Scully und dem intuitiven, von Übersinnlichem angezogenen Fox Mulder, ohne dass sie sich jemals kriegen. Dies waren immer die beiden erfolgversprechendsten Zutaten von Akte X – und doch hat man sie im neuen Film durch neue Zutaten ersetzt, mit meiner Meinung nach herzlich wenig Erfolg.

Schon nach wenigen Filmminuten erlebt der Zuschauer die erste große Enttäuschung: Mulder hat nicht nur einen Vollbart, den er sich zum Glück wenig später abrasiert (eine der seltenen guten Wendungen im Film, behaupte ich mal sarkastisch), sondern seine deutsche Synchronstimme ist eine andere. Der Zuschauer ist irritiert und darf dieses Gefühl ruhig als Omen für den Rest des Films verstehen.

Es geht um rätselhafte Entführungen mitten in der verschneiten amerikanischen Pampa. Eine FBI-Agentin ist unter den Vermissten und ein vermeintlicher Hellseher behauptet, er hätte Visionen, die mit diesem Fall zu tun haben. Dieser Hellseher, dem das FBI nicht so recht glaubt, ist Priester. Und – ich hätte gleich drauf kommen können – pädophil. Die Entführungen und die Story um den Hellseher entwickeln sich zum ersten Handlungsstrang des Films.

Um heraus zu finden, was dran ist an seinen Visionen, kontaktiert das FBI Dana Scully, die mittlerweile Ärztin in einem katholischen Krankenhaus ist und dort mit Stammzellentherapie an einem totkranken Jungen rumexperimentiert. Viel Ahnung scheint sie nicht zu haben von ihrem Metier, muss sie doch erstmal nach „Stammzellentherapie“ googlen, bevor sie sich für diese Behandlungsmethode entscheidet. Dieses ist der zweite, ethisch ansatzweise anspruchsvolle Handlungsstrang des Films.

Scully kontaktiert Fox Mulder, um den offenbar in Isolation lebenden Vollbärtigen im Auftrag des FBI um Hilfe zu besagtem Fall zu bitten. Kurze Diskussion und Erinnerung an seine seiner Meinung nach von Aliens entführte Schwester, dann willigt er ein. Scheinbar hat er in der Zeit zwischen dem ersten Akte X-Kinofilm und diesem zweiten auch in einiges andere eingewilligt, was den Zuschauer überraschen dürfte: Als wäre es das Normalste vonne Welt, liegen Dana und Fox kuschelnd im Bett („Häh? Hab ich einen Teil von Akte X verpasst?“), deuten kurz an, dass sie einen gemeinsamen Sohn verloren haben („Oh ja, wenn nicht sogar zwei Teile!“) und machen kurz darauf Schluss („Geht’s noch?“). Was sich in anderen Filmen zu einem stundenlangen Drama entwickelt, wird in „Akte X – Jenseits der Wahrheit“ im Rekordtempo abgewickelt. Ich fragte mich, ob ich die einzige in diesem Kino bin, die ahnt, dass dieser Film nicht hält, was er verspricht. Die Romanze zwischen „I want to believe“-Fox und „Ich probier’s mal mit Stammzellen“-Dana bildet den dritten Handlungsstrang des Films, der durch lange Liebes-, Schlussmach- und Schnulzen-Szenen zu einer zweitklassigen Romanze absteigt. Ich versuch’s mit Gähnen, ungeduldigem auf dem Kinositz Rumrutschen und Popcorn-Frustessen. Aber das hilft nix, da muss ich nun durch.

Die drei Handlungsstränge sind dermaßen schlecht ineinander verwoben, dass ich mich bis heute frage, warum man sie überhaupt so eingebaut hat. Okay, es geht um den Konflikt zwischen Glaube und Wissen, zwischen „Dunkelheit“ und Wissenschaft, zwischen Wahrheit und Vermutung – so viel hab ich verstanden. Sonderlich geschickt und glaubwürdig verpackt wurde das meiner Meinung nach allerdings nicht. Die Stränge verlaufen viel zu parallel, bis auf wenige, kurze Berührungspunkte viel zu stark voneinander getrennt.

Und was ist eigentlich mit Mystery? Schließlich sind wir hier bei „Akte X“ und nicht in irgendeinem durchschnittlichen Thriller mit einem Hauch „Lovestory“. Oder etwa doch? Meinen Sitznachbarn ging es am Ende genau wie mir: Vergeblich haben wir den berühmten X-Faktor gesucht, auf Aliens gehofft, wenigstens auf Zombies oder sowas ähnliches. Weit und breit keine Spur von Mystery, UFOs und Geisterwesen. Nicht einmal andeutungsweise, wie es für Akte X üblich gewesen wäre. Nix, nada, niente. Kleiner Trost: Auch in dieser Folge gibt es keine Hinweise auf Fox’s verschwundene Schwester. Immerhin eine Sache, die einen überhaupt daran erinnert, dass man sich gerade in einem Akte X-Film befindet.

Mir würden auf der Stelle etliche Dinge einfallen, in die ich mein Geld besser investiert hätte. Bier, Bier und Bier zum Beispiel.

Notenskala (von 1-5, wobei 5 die höchste Punktzahl ist):

  • Spannung: 2
  • Gefühl: 3
  • Action: 2
  • Mystery: 1
  • Story: 2

Macht 2 von 5 möglichen Punkten als Gesamtwertung. Gähn!

Weitere Filmkritiken gibt’s zum Beispiel bei Spiegel Online (mit klasse Überschrift!), bei Süddeutsche.de (ebenfalls sehr passend geschrieben), bei der TAZ („Glaubst du noch oder weißt du schon?„- herrlich!) und bei Stern.de.

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7 Antworten to “„Akte X – Jenseits der Wahrheit“ … und des guten Kinos”

  1. Kassiopaia Dienstag, August 12, 2008 um 10:05 #

    Ich habe den Film nicht gesehen, aber auch schon von anderer Stelle gehört, dass er mit der Serie und dem ersten Film keineswegs mithalten kann.
    Schade, dass sich die Filmemacher keine Ideen überlegt haben, sondern wohl eine abgedroschene Schnulze gedreht haben. Das ist bei Akte X so schlimm wie in anderen Filmen ein Ende mit Aliens, wo sie gar nicht hingehören.
    Und das mit der falsche Stimme habe ich in meinem Blog auch schon bemängelt. Wie kann man nur??? Schweinebande!!! *grummel*

  2. Sven Dienstag, August 12, 2008 um 12:59 #

    Der synchrosprecher wollte anstelle der üblichen 5000 euro gage immerhin 20000 euro haben. das war den filmemachern zuviel. daher die neue stimme.

    meine vermutung …
    … er hat den film gesehen und sich gesagt, um so einen mist zu synchronisieren muss man mir schon wat mehr zahlen. 😀 aber nur ne vermutung *flöt*

  3. Muschelschubserin Dienstag, August 12, 2008 um 15:36 #

    Jau, die Vermutung liegt nahe. *g*

  4. reviersternchen Mittwoch, August 13, 2008 um 15:50 #

    Wenn die Synchronstimme schon nicht diesselbe ist, ist es irgendwie auch nicht Mulder und schon ist das gewisse Etwas weg.

    Gesehen habe ich den aktuellen Film noch nicht, aber ich denke, wir sparen uns das…

    LG
    reviersternchen

  5. oko Donnerstag, Oktober 30, 2008 um 00:49 #

    warum in gottes namen schaust du dir einen fil im kino an wenn du weder ahnung von der serie noch von dem ersten film hast?
    bei sex in the city geht auch keiner rein der keine ahnung davon hat.
    das hätte ich mal gerne näher erläutert

    mfg jeiko

  6. Muschelschubserin Sonntag, November 2, 2008 um 15:21 #

    Wenn du eine andere Meinung zum Film hast, darfst du die gerne hier kundtun.

Trackbacks/Pingbacks

  1. MINDTIME The Online Show » Akte X Jenseits der Wahrheit - Donnerstag, August 14, 2008

    […] ich einige Filmkritiken zum neuen Akte X Film gelesen hatte, wollte ich mir doch mein eigenes Urteil bilden. Somit regen […]

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