„So’n Zacki zum 300. wäre schon schön“ (Tamariu-Reisebericht Teil 3)

7 Aug

„Ob es an den Boots-Tauchplätzen auch Zackis gibt“, fragte ich mich eines Tages auf dem Boot. Wir hatten so ziemlich alles gesehen, was typisch für das Mittelmeer ist (Conger, Muränen, Oktopusse und Co.) und eigentlich fehlten nur noch Zackenbärsche, mit die größten Bewohner des Mittelmeeres, denen man halbwegs wahrscheinlich begegnen kann. Schon vor ein paar Tagen hieß es, wir würden an der „Cala Nova“ tauchen gehen. Der Tauchgang fand jedoch spontan woanders statt, weil „Cala Nova“ bereits von einem anderen Tauchboot belegt war. Irgendwie hatten wir – Niko, Ursula und ich – das Gefühl, dass „Cala Nova“ ein schöner Tauchplatz sein muss. Drei parallel verlaufende Canyons hatte man uns beschrieben, unterschiedlich tief, zum Teil stark mit gelben und blauen Gorgonien bewachsen und mit verschiedenen Routen zur Auswahl. Zu meinem 300. Tauchgang sollte es allerdings doch noch die „Cala Nova“ werden. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Zackiiiii!

Beim Briefing vor der Riffkarte sah ich, dass es an einer bestimmten Stelle des Riffs „Zackis“ geben soll. Allerdings waren die an einem Riffteil eingezeichnet, den wir nicht betauchen würden. „So’n Zacki zum 300. wäre schon schön“, meinte ich noch. Wir hatten uns entschieden, uns zu meinem 300. Tauchgang einen Guide zu leisten. Weil ich dann erstens statt zu navigieren gemütlich jemandem hinterher tauchen könnte und weil der Guide zweitens mit Niko und Sebastian, die vermutlich mehr Luft verbrauchen würden als Ursula und ich, eher auftauchen könnte und wir zu zweit noch eine Zusatzrunde drehen könnten. Ich war nicht ganz sicher, ob es die richtige Entscheidung war, als ich erfuhr, dass wir insgesamt zu acht in einer Gruppe tauchen würden. Trotzdem blieben wir dabei.

Bei der Ankunft am Tauchplatz wurde klar, dass uns eine recht starke Strömung erwarten würde, die jedoch unter Wasser nachlassen sollte. Also nach dem Sprung ins Wasser möglichst zügig zur Ankerleine und direkt abtauchen. Nun war ich froh, nur hinterher tauchen zu müssen, denn Strömung flößt mir immer Respekt ein. Zwar hab ich zum Beispiel am Wrack der „SS Yongala“ in Australien schon viel extremere Strömung erlebt, als sonderlich strömungserfahren würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Wie angekündigt ließ das Ziehen und Drücken jedoch auf 15 bis 20 Metern nach und obwohl es von einer Sprungschicht, auf die kaltes Wasser folgte, abgelöst wurde, freute ich mich einfach nur noch auf meinen 300. So ein Jubiläum wird unter Tauchern gerne gefeiert, zumal seit meinem 200. Tauchgang bereits fünf Jahre vergangen sind.

Wir tauchten kurz durch einen der Canyons und bogen dann um einen Felsen herum ab. Dieser war dicht bewachsen mit blauen, gelben und schwarzen Gorgonien. Um uns herum Schwärme von Mönchsfischen und Fahnenbarschen. In der Tiefe löchrige Felsen, Spalten und Canyons. „Na, kein Wunder, dass in diesem Gebiet Zackis leben, bei dem Gelände“, dachte ich. Wir hatten den Felsen gerade einmal umrundet, da zeigte Sebastian nach links. Ich ahnte, was dort sein sollte, wagte es aber kaum zu hoffen. Und dann sah ich ihn. Sofort musste ich an meinen letzten Tauchgang in Australien denken, bei dem Neptun mir unerwarteter Weise meinen geheimen Wunsch erfüllte und zwei Mantas zu uns schickte, die eine ganze Weile direkt vor unserer Nase kreisten. Tatsächlich erfüllte er mir erneut meinen Wunsch.

Der Zacki beobachtete uns mindestens genauso neugierig wie wir ihn. Zugegeben, ich hab schon wesentlich größere Exemplare gesehen, die mich selbst an Körperlänge und -umfang deutlich übertrafen. Aber ich freute mich wie ein kleines Kind und tanzte und jubelte unter Wasser. Er kam einfach genau zum richtigen Zeitpunkt, schwamm schön frei und gut zu erkennen seitlich von uns. Von Zackis sieht man nämlich manchmal kaum mehr als eine graue Silhouette. Kurz nach dieser Begegnung zeigte die Tauchlehrerin an, dass sie mit den weniger Fortgeschrittenen auftauchen würde. Ich übernahm die Führung für uns übrig gebliebenen vier Taucher. „Ich will den nochmal sehen“, dachte ich. Zackis sind bekannt für ihre Neugierde und ich wusste, dass es durchaus sein kann, dass das Tier uns noch immer von irgendwo beobachtet. Also noch eine Runde um den Felsen, entschied ich.

„Er muss einfach hier irgendwo sein“, dachte ich und guckte mich suchend um. Ich hatte den Eindruck, dass die beiden Taucher hinter uns den Zacki gar nicht gesehen hatten und wollte auch für sie, dass wir ihm noch einmal begegnen. Links, rechts, nichts. 24 Meter zeigte mein Tauchcomputer an. Tiefer wollte ich nun nicht mehr gehen, also hoffte ich, dass er nicht weiter abgetaucht war. „Komm schon, wo bist du?“ Ich drehte mich zu Ursula um, doch auch sie schien ihn nicht zu sehen. Doch als ich mich wieder nach vorne umdrehte, schwebte der Zacki vielleicht zehn Meter vor uns von oben den Felsen hinunter – fast so, als hätten wir ihn dabei erwischt, wie er uns von oben beobachtete. „Juhuuu“, freute ich mich innerlich und zeigte für alle sichtbar in seine Richtung. Danke, Neptun, schon wieder.

Durch erneut heftige Strömung tauchten wir langsam auf, kämpften uns aufs Boot und schipperten zurück. Niko, Ursula und ich hatten ein breites Dauergrinsen im Gesicht. Nur Sebastian konnte die Bootsfahrt nicht ganz so erfreut auskosten, denn er war kreideweiß im Gesicht. Sein Magen wollte nicht Boot fahren. Noch vom Boot aus zeigte ich den an Land Wartenden an, dass wir einen Zacki gesehen hatten. Babsis Kinnlade klappte gen Boden. 🙂 Sie und die anderen begrüßten mich mit einer Flasche Sekt und Glückwünschen – danke, ihr Lieben! – und ich war einfach nur happy und bereit für den 301. Tauchgang am Nachmittag…

Zu Teil 2.

Zu Teil 1.

Fotos: © Verena G. / Barbara H.

Advertisements

10 Antworten to “„So’n Zacki zum 300. wäre schon schön“ (Tamariu-Reisebericht Teil 3)”

  1. Daniel Donnerstag, August 7, 2008 um 16:56 #

    bin neidisch… nicht mehr und nicht weniger…
    herzlichen glückwunsch zum 300ten!!!

  2. Stromfrau Donnerstag, August 7, 2008 um 17:53 #

    Von mir aus auch Glückwunsch zum 300. Tauchgang; ich wusste bis heute nicht mal, dass man als Taucher jeden einzelnen Tauchgang zählt; bin ja auch kein Taucher – also woher auch? Find ich aber super und nett, dass ne Flasche Sekt zum 300. gereicht wurde. Zu nem Geburtstag würde man das ja leider nicht schaffen!!!

    By the way: Gruß an Babs zurück 😀

  3. Babs Donnerstag, August 7, 2008 um 19:54 #

    Jammer*Wehklagen*Haare rauf*Seufz*Wimmer*
    Zaaaaaaaaackiiiiiiiiiiiiiiii
    *schluchz*

    …aber für Sonni zum 300sten ist uns ja nix zu teuer. Die Viecher zu mieten ist unglaublich teuer, zähe Verhandlungen, das kann ich euch sagen, aber nachdem die Mola-Fraktion abgesagt hatte…
    :o))

  4. traeumerin Freitag, August 8, 2008 um 16:42 #

    hört sich ja nach einem tollen urlaub an müsst ihr mir in neustadt umbedingt mehr von erzählen =)(muss nur noch schauen wie ich da hin komme 😉 )

    und alles gute zum 300sten <:-)

  5. Sebastian Freitag, August 8, 2008 um 17:04 #

    Sehr schöne Berichte… die kann ich nun Verwandten und Freunden zum lesen geben wenn sie wissen wollen wie der Urlaub war. 😀
    Und dein 300ster Tauchgang war ja auch zugleich mein erster Bootstauchgang. Einfach traumhaft da unten, eine Welt die man mit der Oberfläche nicht im geringsten vergleichen kann. Leider reicht die Luft nicht ewig so dass man immer irgendwann wieder hoch muss. Das war ja auch mein Problem, oben auf dem Boot ging es mir nach meinem Sturz (fieser Wellengang und so n DTG macht einen… Hecklastig) auf dem Boot war es schlagartig vorbei. Der Magen hat sich gedreht, der Kopf ward weiß und ich hab nur noch aufpassen wollen das niemand die Küstenlinie klaut. Mit dem Fuß an Land und ner kalten Dusche ging es mir aber auch schnell wieder besser und ich konnte mit Sonja und den anderen diesen letzten Bootstauchgang so richtig feiern. Glückwunsch dir nochmal nachträglich Sonja!

  6. Muschelschubserin Samstag, August 9, 2008 um 12:02 #

    @Stromfrau
    Meine Logbücher sind mir heilig! Erstens macht es Sinn, jeden Tauchgang zu dokumentieren, damit man glaubhaft nachweisen kann, wie viel Erfahrung man auf welchen Gebieten hat. Und zweitens sind sie eine unbezahlbare Erinnerung an jeden einzelnen Tauchgang. Ich führe meine Logbücher ziemlich akribisch. 🙂

    @Babs
    Danke, was würde ich unter Wasser nur tun, ohne dein Verhandlungsgeschick! 😉

    @Sebastian
    Danke dir! Es war kaum zu übersehen, wie es dir ging. Zum Glück dauerten die Ausfahrten ja immer nur sehr kurz. Ist ja nicht so, als wäre uns anderen dreien nicht auch mal schummerig geworden bei manchen Bootsfahrten. Der Knoblauch, der Knoblauch sag ich da nur. 😉

  7. Babs Samstag, August 9, 2008 um 12:48 #

    ??? Wie? Gibt es ein Problem mit der mediteranen Küche?

  8. Muschelschubserin Samstag, August 9, 2008 um 13:12 #

    Nein, im Gegenteil. Unsere Mägen sind an solch himmlische Kost einfach nicht gewöhnt. Verwöhnung pur war das! 😉

  9. Sebastian Sonntag, August 10, 2008 um 18:06 #

    Völlerei! 😀

  10. Margarita Flores Donnerstag, Juni 17, 2010 um 12:25 #

    Tamariu ist ein toller Ort zum Tauchen. Und die Nähe zu Barcelona ist sicher auch ein Pluspunkt. Tauchkurse gibt es an ganz vielen Orten an der katalanischen Küste, auch in Barcelona. Wer mehr Infos und Tipps über die Mittelmeermetropole und die Costa Brava sucht, kann einen Blick in den PDF-Reisführer von Ferienwohnung Barcelona werfen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s