Schweine-Schubserin

16 Jun

Ich schubse zwar am liebsten Muscheln, aber gestern sollten es zur Abwechslung mal Schweine sein. Da geht man als mittlerweile Großstädterin auf einen Mittelaltermarkt und nachdem der Abbau des eigenen großen Lagers wie meistens reibungslos und in guter Teamarbeit gefluppt hat, bittet einen die kleine Gruppe nebenan, beim Einfangen und Laden der Schweine zu helfen. Ich bin zwar in ländlicher Gegend aufgewachsen, aber ein Schwein hab ich noch nie in der Hand gehabt und stand dem entsprechend recht ratlos vor diesem kleinen Gehege. Wie fängt man so ein dickes fettes Ferkel?

Als Studentin mit Psychologie im Nebenfach freundete ich mich erstmal mit einem der schwarz-rosa gefleckten Viecher – genannt „Torte“ an. Dachte ich zumindest. Grunz grunz, Steckdosen-Nase stups, streichel und hinter den Ohren kraul. So ein bissl psychologische Kriegsführung als Einstieg sozusagen. Süßes, ulkiges Vieh, dachte ich schon. Dann zu zweit rein ins Gehege und das bereits skeptisch blickende und grunzende Ferkel mit einer handvoll Futter angelockt. Dass man sich zu zweit in einem zwei Quadratmeter kleinen Gehege eine regelrechte Verfolgungsjagt mit einem Ferkel liefern kann, hatte ich schon geahnt. Mein Schatzi kriegte das Tier irgendwann bei den Hinterpfoten zu packen, was einen schier unglaublichen Schreikrampf seitens des Borstenviehs auslöste. Mein Job war es, dass Vieh unterm Bauch zu packen und auf den Arm zu nehmen. Leichter gedacht, als getan. Man glaubt kaum, wie viel so ein lebendiger, zappelnder saftiger Schinken wiegen kann! Während es schon in meinen Ohren klingelte vor lauter Schweine-Geschrei, schleppte er das Vieh dann in den Lkw. Meine Herren! Was für ein Akt! Schön, dass die Besitzer sich mal zuschauender Weise außerhalb aufhielten und uns die Arbeit machen ließen.

Die beiden anderen Ferkel waren während des Marktes ausgebrochen und befanden sich daher mitsamt zweier meckernder Ziegen, einer ziemlich großen Kuh und einem muhenden Kalb in einem größeren Gehege. Groß, mit Strom umspannt und voller Kuhfladen, um genau zu sein. Außerdem war „Tussi“ noch viel fetter und größer als „Torte“ und als wir das flink flüchtende Vieh endlich gepackt hatten, hab ich mir daran fast nen Bruch gehoben. Also hingen wir zu dritt – mein Schatz, „Tussi“ und ich – ineinander verknotet zwischen Ziegen und Kühen und rangen mit aller Kraft und alle drei um Hilfe schreiend, bis endlich ein drittes paar Hände zur Hilfe kam. Wie um Himmels Willen wollen die Besitzer das machen, wenn die Ferkel mal ausgewachsen sind? „Tussi“ ist jetzt schon so fett und schwer, dass ich sie beim besten Willen nicht in diesem wehrhaften und um ihr Leben schreienden Zustand gehoben kriegte.

„Stupsi“, das kleinste und leichteste der drei Schweinchen wurde dann endlich vom Besitzer selbst eingefangen. Der hielt ihm zu unser aller akustischer Erleichterung auch gleich die Schnauze zu, so dass nur noch ein dumpfes Gegrunze und Gequieke zu hören war.

Das Einfangen der Gänse, Kühe und Ziegen haben wir am Ende den Besitzern überlassen. Die Gänse konnten nämlich ganz schön böse Fauchen.

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4 Antworten to “Schweine-Schubserin”

  1. daniel Dienstag, Juni 17, 2008 um 09:17 #

    wie lustig! gibt’s da nen video von? das wäre dann bitte bei youtube einzustellen. das ist bestimmt witzig!!!
    🙂

  2. Stromfrau Dienstag, Juni 17, 2008 um 11:15 #

    *lol* das hätte ich ja zu gerne gesehen. Auch wenn Mittelaltermärkte nicht gerade mein größtes Hobby sind ;o), so stelle ich mir das Finale des Marktes einfach nur herrlich vor und hätte dem gerne beigewohnt! Wäre ich mal doch vorbeigekommen ich faule Kuh …!

  3. Kassiopaia Dienstag, Juni 17, 2008 um 11:20 #

    Die Schweinchen haben ja echt versaute Namen. 😉

  4. Muschelschubserin Dienstag, Juni 17, 2008 um 11:43 #

    Nee, keine Videos von mir im Ferkelkampf. 😀

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