Vergessene Taucher gerettet

27 Mai

„Hast du’s schon gehört?“ Diese Frage hörte ich in den vergangenen Tagen mehrere Male. Am Great Barrier Reef hatte ein Tauchboot zwei Taucher „vergessen“, die nach langen 19 Stunden in haireichem Freiwasser nur mit viel Glück entdeckt und gerettet wurden. Ja, ich hatte schon davon gelesen, dank eines lieben Hinweises meines Brüderchens. Wer den Film „Open Water“ gesehen hat (und ich gehöre als alte Taucherin natürlich zu diesen Zuschauern), dem kommt diese Szene bekannt vor. Tatsächlich beruht dieser Film auf einer wahren Begebenheit von 1998, die vor einigen Jahren in Australien passiert ist. Ein Pärchen kam nach einem Tauchgang am Great Barrier Reef aus irgendwelchen Gründen nicht wieder zurück an Board, die Crew bemerkte das Fehlen der beiden nicht. Erst zwei Tage später fiel in dem Hostel oder Campingplatz, wo die beiden gewohnt hatten, auf, dass ihr Heim seit wenigen Tagen unberührt war. Eine groß angelegte Suchaktion blieb erfolglos – die beiden tauchten nie wieder auf. Lediglich wenige Ausrüstungsgegenstände wurden gefunden.

Je nachdem, wo man die Einzelheiten dieser Geschichte nachforscht, bekommt man andere Versionen zu hören. Die besten gibt’s wohl in Australien selbst. Warum kamen sie nicht wieder zurück an Board? War es ein Hostel oder Campingplatz? Welche Ausrüstungsteile wurden gefunden? In Australien hab ich die wildesten, absurdesten und spannendsten Versionen dieser Geschichte gehört. Sie geistern dort noch immer durch die Tauchszene. Überall, wo man hinkommt, weiß jemand, was damals passiert ist. Die beiden wurden von Haien gefressen, hörte ich anfangs. Dies legt auch das Ende des Films „Open Water“ nahe. Stimmt alles gar nicht, sagte jemand anderes. Man hätte in ihrem Gepäck Hinweise auf horrende Schuldenberge gefunden, ebenso einen Hinweis darauf, dass der Mann depressiv und selbstmordgefährdet gewesen sein soll. In einem Tagebuch hätte gestanden, dass er sterben wolle, und zwar unter Wasser und dass er seine Frau mitnehmen werde. Selbstmord also? Wieder andere Australier erzählten, die beiden hätten sich abgesetzt in die USA, wegen den Schulden. Sie säßen sicherlich gerade Cocktails schlürfend an einem amerikanischen Strand – oder im Kino, um sozusagen sich selbst in „Open Water“ zu bewundern. Es hätte viel zu viele Ungereimtheiten gegeben. So hätte man zum Beispiel an einem Strand das Jacket von einem der beiden gefunden. Das Jacket ist jedoch so ziemlich das letzte Ausrüstungsteil, das man ablegen würde, wenn man mitten auf dem Ozean rumirrt. Und das Jacket war völlig heile. Nix mit Haibissen oder so. Außerdem sei ein weiteres Tauchboot, welches in der Nähe des Bootes der beiden Vermissten geankert hätte, mit zwei Leuten zu viel an Board wieder an Land gegangen. Man sei der Sache nicht weiter nachgegangen, nach dem Motto „Besser zwei zuviel als zwei zuwenig“.

Was auch immer die Wahrheit ist, diese Geschichten regen die Fantasie an und so manch Australien-Reisende wird sich vielleicht auch aktuell wieder fragen, ob das Tauchen am Great Barrier Reef wirklich sicher ist und ob man dort Gefahr läuft, einfach mitten auf dem Pazifik vergessen zu werden. Ich weiß nicht, was das für eine Tour war, die die beiden da gebucht haben, aber ich kann nur Positives berichten in Sachen Sicherheit auf dem GBR. Seit dem damaligen Unfall wurden die Sicherheitsstandards enorm verbessert. Auf sämtlichen Booten, auf denen ich war, wäre niemals jemand im Wasser vergessen worden, da bin ich sicher. Besonders auf dem dreitägigen Trip mit Pro Dive Cairns waren die Bestimmungen, um den Verlust von Tauchern zu vermeiden, extrem hoch. Jeder bekam eine Sicherheitsnummer, sobald er einen Fuß an Board gesetzt hatte. Vorm Sprung ins Wasser musste man seinen Namen nennen und in eine Liste eintragen, nach dem Tauchen wurden noch auf der Plattform sowohl Finimeter, als auch Tauchcomputer abgelesen und die Ergebnisse aufgeschrieben, man musste unterschreiben und an Board seine Sicherheitsnummer nennen. Es wäre sicherlich sofort aufgefallen, wenn jemand gefehlt hätte.

Im aktuellen Fall war es laut Tauchen.de jedoch wohl so, dass das Buddyteam durch eine starke Strömung an der Oberfläche abgetrieben worden war und von der Bootscrew auch auf Grund des relativ hohen Wellengangs nicht mehr gefunden wurde. Die Suchaktion wurde scheinbar sofort eingeleitet – im Gegensatz zu dem Fall von 1998. Laut Heute.de wurde eine Untersuchung des Falls eingeleitet.

Ich bin gespannt, ob man davon noch was hört. Würde mich schon interessieren, wie so etwas noch einmal passieren konnte. Auch, wenn ich alle Zweifelnden auf Grund meiner eigenen Erfahrung am GBR vielleicht etwas beruhigen kann.

Meine Tauchberichte, auch aus Australien, gibt’s hier.

Foto: © Muschelschubserin – Great Barrier Reef und eins der Pro Dive Cairns Boote (von einem Prospekt abfotografiert).

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3 Antworten to “Vergessene Taucher gerettet”

  1. Willi Hope Mittwoch, Juli 28, 2010 um 16:16 #

    Ich war auch am Riff draussen und hatte einen defekten Inflator. Nach dem Unfall haben sie mir gesagt ich soll dem Tauchshopbetreiber sagen er soll das Ding reparieren weil es ist schon das dritte mal mit Gerät von Ihm! Habe als Antwort von dem nur ein No worries bekommen!

    Wir hatten am Boot rote Schläuchen die man bei Problemen mit Luft füllen soll damit sie oben Bescheid wissen, waren aber leider zuwenig für alle Taucher an Board! Auch Bänder mit Nummern waren zuwenig da, also gings ohne Nummer rein!
    Ein älteres Paar tauchte das erste mal am Vortag eine halbe Stunde im Pool und ging tags darauf auf 14 Meter am Aussenriff!
    Noch vor Ankunft am Riff hieß es schon Flaschen umschnallen und fertig machen!
    Also bei meiner CMAS Ausbildung vor langer Zeit gabs soetwas nicht, erst wird das Boot verankert und dann gehts ans Tauchgerät!

    [Edit: Reefjet-Link entfernt]

    Würde nie wieder den Spinnern mein Leben anvertrauen! Aber Hauptsache ein Shop ist an Board!
    War schon einige Monate zuhause da las ich über das vergessene Paar, hat mich nicht gewundert weil ich selbst erlebt habe was dort abgeht.
    Dort geht es nur ums Geldmachen!!

  2. Muschelschubserin Montag, August 2, 2010 um 04:44 #

    Hallo,

    danke fuer deine Erfahrungen. Ich habe solche Erfahrungen zum Glueck in ca. 25 Tauchgaengen am Great Barrier Reef und weiteren 10 in Western Australia bisher nicht gemacht. Ich glaube daher nicht, dass das hier unten ueblich ist. Trotzdem natuerlich mehr als aergerlich, dass es so etwas ueberhaupt gibt.

    Den Direktlink hab ich mal entfernt, das ist mir zu riskant hier im Blog. Aber ich denke wer sucht, der findet auch jetzt noch…

Trackbacks/Pingbacks

  1. Signalmittel für Taucher | Fluid° - Mittwoch, Mai 5, 2010

    […] passiert es immer wieder, dass Taucher abgetrieben, oder sogar zurückgelassen werden. Der Film Open Water ist leider nicht reine Fiktion, auch wenn solche Vorfälle zum Glück nicht an die […]

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