Charlotte Roche: „Feuchtgebiete“

14 Apr

Nein, ich fummel nicht gerne an meiner Poperze rum. Ich habe auch noch nie meine Popel genüsslich verspeist. Ganz zu schweigen von anderen, hier nicht näher zu bennenenden Körperflüssigkeiten und -ausscheidungen. Ich züchte keine Avokadokerne, um sie mir sonstwo reinzustecken. Ich habe mich noch nie von einem fremden Mann rasieren lassen, schneide mir kein Loch in meine Unterhose, damit ER bei der ersten Fummelei bemerkt, dass ich das, was wir gerade tun, und mehr schon von langer Hand geplant habe und ich war noch nie im Puff – möglichst früh am Abend, um die Männer nicht durch die Anwesenheit einer Freierin zu verstören. Und das, obwohl ich schon 30 Jahre alt bin.

Aber ich heiße auch nicht Helen, liege nicht im Krankenhaus, weil ich mir beim Rasieren am empfindlichsten Teil des Hinterteils ne ganz böse Schnittverletzung zugezogen habe, die nun operiert werden musste. Ich habe auch keine Hämorrhoiden, die ich liebevoll als „Blumenkohl“ bezeichne und die gleich mit wegoperiert werden. Nicht ohne, dass ich mir das ganze abgeschnippelte Gezuppel („Gulasch“) nach der OP noch einmal genauestens angucke – auf dem Deckel meines Pizzakartons ausgebreitet. Wie das aussieht, und wie Helen den Glibberkram anschließend wieder von ihren Fingern abkriegt – Leute, das kann ich beim allerbesten Willen nicht aufschreiben. Wenn ich hier genauer ausführe, was die so denkt und gerne tut, wird mein Blog in Windeseile die erste Adresse für Google-Nutzer auf der Suche nach Schmuddelkram werden.

Klar: Ich lese Charlotte Roches „Feuchtgebiete“. Das Buch ist nicht nur, wie es Helen ausdrücken würde, „gar nicht mädchenhaft“, sondern das mit Abstand abstoßendste Buch, dass ich je gelesen habe und hoffentlich je lesen werde. Es dauerte keine 20 Seiten, bis ich mit hochrotem Kopf und flauem Gefühl im Magen im Bett lag und mich stellenweise fragte, ob ich diesen Satz gerade wirklich richtig gelesen habe. Das fragt man sich ja manchmal beim Lesen. Ist auch nicht weiter schlimm. Nur ist dieses Buch so ekelerregend, dass ich mich nicht traute, diese Sätze noch einmal zu lesen und zu gucken, ob das wirklich so da stand.

Ich hab nix gegen Bücher, die die Fantasie anregen. Meinetwegen sollen es auch erotische Bücher sein. Warum nicht. Ich mag es außerdem, wenn Menschen direkt sind. Ich finde es mutig und bewundernswert, wie plakativ Charlotte Roche dieses Buch geschrieben hat und wie konsequent sie dies durchzieht. Ich würde es bewundernswert ehrlich nennen, wenn ich nicht hoffen würde, dass mindestens 80 Prozent von dem, was in diesem Buch steht, bitte bitte nicht ehrlich ist. Dieses konsequent Plakative, dieses bis ins kleinste, ekelhafte Detail Beschreibende hat jedoch dazu geführt, dass ich das zweite Drittel eher gelangweilt gelesen habe, nachdem der Schock über das erste Drittel abgeklungen war. Natürlich steckt Helen sich auch in den gänsehautigsten Momenten die schmutzigen Finger in den Mund und natürlich putzt sie sich nach dem Pinkeln nicht ab – nein, sie liebt dreckige öffentliche Toiletten und stellt dort die unaussprechlichsten Dinge an. Ich fürchte, von nun an wird mich gar nichts mehr schockieren. Hab ich mir alles schon bis ins ausführlichste in meinem Kopf ausgemalt.

Also für mich ist das Buch nix. Ich finde die Beschreibung solcher – ja was eigentlich? erotischer? perverser? – Auswüchse nicht sonderlich interessant und ich finde es in dieser Quantität auch nicht mehr provokativ oder lustig. Für mich hat das Buch kaum Unterhaltungswert und irgendwie erschließt sich mir damit auch nicht der Sinn. Aber ein paar Seiten hab ich ja noch. Die nur zweieinhalb Sterne bei über 300 Bewertungen bei Amazon scheinen mir jedoch gerechtfertigt.

Ich weiß jedenfalls nicht, ob ich die gute Charlotte Roche jemals wieder ohne fiese Bilder im Kopf angucken kann. Uaaäähh, ich will das nicht! Geht weg, ihr Bilder! Verschwindet aus meinem feuchten Hirn!

Das Buch spaltet die Kritiker. Was andere darüber schreiben:

17 Antworten to “Charlotte Roche: „Feuchtgebiete“”

  1. F2 Montag, April 14, 2008 um 18:43 #

    Juhu!
    Mir gings auch so … Also, das erste Drittel war stumpf und auf dumpfen Ekel gebaut… der Rest des Buchs war nicht mehr so dolle. Und selbst wenn 80% erfunden sind, WOHER bitte kennt datt Charlottchen solche brrrrrr… Details. Nääääh! Der Schreibstil der guten Charlotte gefielt mir auuh gar nicht wirklich…
    … Ich Glaube, dieses Machwerk wird einfach mal mein Frauenbild NICHT verändern …

  2. Marius Montag, April 14, 2008 um 19:53 #

    Mich haben einige Interviews und Beiträge mit/über Charlotte Roche über das Buch schon abgestoßen genug. Davon ab, dass mir das ganze Trara um dieses augenscheinlich vollkommen überbewertete Buch sowieso ganz schön auf den Sack geht, finde ich eh, dass nicht jeder, der mal eine Musiksendung moderiert hat, auch ein Buch schreiben muss. Das gabs inzwischen genug.

  3. Kassiopaia Dienstag, April 15, 2008 um 09:40 #

    Also, je mehr ich darüber lese, desto eher kriege ich Herpes vom Ekel, der sich bei mir dann ausbreitet. Brrr, pfui Spinne!

  4. Sven Dienstag, April 15, 2008 um 10:12 #

    @marius: roche hat vorher auch schon bücher geschrieben 😛 und ich denke die gute frau kann man mit ’ner gülschan einem pocher oder einem raab nicht in einen topf werfen. =)

    eher mit nem kafka … also … einem markus 😀 verallgemeinern ist generell ne fiese sache …

    lg

  5. Anika Dienstag, April 15, 2008 um 10:59 #

    hach, aber wenigstens schön, dass man mit seinem Ekelzittern nicht alleine ist, aber nicht so schön, dass, wenn wir uns alle jetzt auf den Frauentoiletten begegnen unwillkürlich fragen werden, ob eine von ihnen das unbedings auch mal ausprobieren musste, was die Helen da so macht.

  6. Anika Dienstag, April 15, 2008 um 11:00 #

    aber mal was ganz anderes: ist ja ein wunderbar superniedliches Lesezeichen, was Du da hast!:)

  7. Muschelschubserin Dienstag, April 15, 2008 um 11:33 #

    Also von dem Hype um das Buch hab ich gar nix mitbekommen. Ich war bei Amazon drüber gestolpert, hab kurz über die Beschreibung und die Rezis gelesen, mich dagegen entschieden – und es dann geschenkt bekommen. Ich weiß gar nicht, was Roche sich dabei gedacht hat oder ob sie sich was dabei gedacht hat. Ich finde aber auch, dass man da nicht so sehr verallgemeinern sollte. Man muss es ja nicht lesen, so wie viele andere, noch überflüssigere Bücher auch. Oder CDs oder Filme.

    @Anika
    Brrrr! Das ist wirklich eines der Bilder, die ich wieder loswerden will. Los, los! Nimm es mir weg. Ich halte das nimmer auuuuuuus! 😀
    Mein Lesezeichen mag ich auch, vor allem diesen kleinen Elefanten am Ende. 😀 Ich werde mir nur noch selber welche aus Lederbändern machen denke ich. Die fallen nicht raus und mit der richtigen Länge passen sie in jedes Buch. Und während man liest, kann man damit Lasso spieln. *g*

  8. Smartlady Dienstag, April 15, 2008 um 18:12 #

    ich habs als Hörbuch und finde es nur widerlich. selbst beim Alleinhören werde ich regelmäßig rot. dazu noch die penetrante stimme von der autorin. wenn nur 50 % von dem inhalt autobiografisch sind, sollte die sich dringend einliefern lassen. aufgehört zu hören habe ich an der stelle, als sie sich mit der freundin die gemeinsame kotze zum wiederverspeisen geteilt hat. das letzte! wie es dafür nen preis geben konnte ist mir unverständlich.

  9. Chikatze Mittwoch, April 16, 2008 um 02:14 #

    puh, dann weiß ich also jetzt, was ich ganz bestimmt NICHT lesen muß! danke!!

  10. Babs Mittwoch, April 16, 2008 um 08:39 #

    Ich fand die gute Dame bislang ganz klasse, hab sie z.B. vor längerer Zeit mal bei „Zimmer frei“ gesehen und fand sie erfrischend offen und schlagfertig. Auch ihre Tour durchs Land, in der es um das Lesen einer Promotionsschrift über Staubsauger im Hintern (naja, im Original ein anderer Titel, aber so ähnlich) ging, war super lustig.
    Alles, was ich jetzt höre, find ich auch ziemlich heftig. Werde mir das Buch wohl nicht antun, wenn ich in gut 8 Tagen wieder „frei“ bin und normale Sachen lesen kann/darf. Manche Sachen sind einfach grenzwertig…vielleicht ist das der Sinn des Buches? Dass man seine Grenzen erkennt? (mal ganz philosophisch gedacht?)

  11. rotwang Mittwoch, April 16, 2008 um 11:32 #

    Hallo Samsa,

    da bist du ja topaktuell. In der Süddeutschen war gerade eben ein Artikel zu dem Buch. Dort wird es auch in Zusammenhang mit ihrer Lesereise „Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern“ gestellt und als Antipode des Sauberkeits- und Schönheitswahns gesehen.
    Hier der Link:

    http://www.sueddeutsche.de/,tt4m1/kultur/artikel/873/169381/

    Gruss,

    Marcus

  12. Sven Mittwoch, April 16, 2008 um 11:34 #

    hm das buch ist ein spiegel der gesellschaft … und nichts neues …

    einfach mal in die videothek gehen 😉 selbst kotze und kot naschen ist keine neue praktik

    das einzige was sie mit diesem buch versucht hat ist, den menschen einen spiegel vor ihr bigottes gesicht zu halten…

    lg

  13. Muschelschubserin Mittwoch, April 16, 2008 um 11:45 #

    Ja, hab ich mittlerweile auch gelesen. Es ist auch definitiv eine Antipode gegen den Keimfrei-Wahn. Ich musste das aber erst irgendwo lesen, aus dem Buch selber ist mir diese „Message“ nicht klar geworden, und das, obwohl es die ganze Zeit um nix anderes geht als Dreck und Keime. Irgendwie wurde mir der Schwerpunkt des Buches nicht klar, obwohl die ganze Zeit drauf rumgeritten wird. Vielleicht bin ich auch zu blöde für solch Tiefgründigkeit. 😀

    @Babs
    Ich hab nix gegen Charlotte Roche, im Gegenteil. Gegen dieses Buch aber schon. 😉

  14. Babs Mittwoch, April 16, 2008 um 16:39 #

    Huhu Schnubbel,

    kam bei mir auch gar nicht so an, alles gut!
    Buchinhalt und Autor IMMER trennen, hab ich schon im Kindergarten gelernt, als es um Grimms Märchen ging ;o)

  15. -egal- Donnerstag, Oktober 8, 2009 um 16:25 #

    @all : also ich find euer gespräch ziemlich dumm…
    mein gott stimmt dat in dem buch einige szenen sin die total eklig sin…aber mein gott dann lest ed doch net wenn ed euch net gefällt…

    ansonsten is ed doch echt jedem selber überlassen ed zu lesen oder net…

    also ich find dat buch gut…wenn jungs sich pornos angucken is dat da gar nix dagegen…^^

  16. Muschelschubserin Donnerstag, Oktober 8, 2009 um 19:20 #

    Und ich find deinen Kommentar dumm. Der lohnt nicht einmal die Mühe, mehr dazu zu schreiben.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Hat schonmal einer von den Frauen hier… « Muschelschubserin - Montag, Dezember 8, 2008

    […] Roman gelesen? Kommt mir jetzt nicht mit Feuchtgebiete von Charlotte Roche, hab ich durch, fand ich schlecht und beim besten Willen nicht erotisch. Ich hab letzte Tage mal gestöbert. Gibt ja einiges im […]

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