Einsamkeit einer Lernenden

28 Jan

Wenn das so weitergeht, werde ich zukünftig nicht mehr unvoreingenommen Kürbiskerne knabbern können. Es scheint mir beinah, als könne ich diese Studienarbeit gar nicht mehr ohne bewältigen. Die linke Hand greift reflexartig in das Schüsselchen, die Lippen brennen vor Salz, aber scheinbar ist das stumpfe Lesen auf Dauer dermaßen öde, dass ich sogar diese kleinen widerspenstigen Kerne, von denen jeder anders (zu öffnen) ist als der Vorgänger, als willkommene Abwechslung im Lernalltag empfinde. Genau genommen sind dies zurzeit meine besten Freunde. Positiv betrachtet sollte ich vielleicht sagen: Im Leben hab ich noch nie so viele Freunde gehabt! Und war noch nie so durstig. 😀

Im Hintergrund knattern die Baumaschinen, neben den Kürbiskernen erwärmt ein Teelicht eben diesen und mein Rücken nimmt langsam aber sicher eine leichte Lese-Krümmung ein, während die Pobacken sich von Tag zu Tag platter sitzen. Da hilft auch das Schafsfell auf dem Schreibtischstuhl nicht. Auch das unbewusste, aber dafür anhaltende Hochziehen der Schultern hat sich wieder eingestellt. Alte Vertraulichkeit. Mein Leben spielt sich auf etwa einem Quadratmeter ab, mit gelegentlichen Ausflügen aufs Klo – wahre Highlights in diesen Tagen!

Die große Frage ist jedoch: Was mache ich, wenn ich bald wirklich mit dem Schreiben anfange? Zurück zum Ein-Finger-Tippsystem, damit ich weiter Kürbiskerne futtern kann? Fest steht: Die salzigen Freundchen haben mir schon manches Mittagessen ersetzt und stellen wohl eine ewige gedankliche Verbindung zu dieser Arbeit dar. Es ist also umso wichtiger, dass ich ein gutes Ergebnis erziele und sie mit positiven Gefühlen verbinde. Nicht, dass das meine letzten Kürbiskerne sein werden… Habt ihr gehört, meine kleinen salzigen Freunde? Wehe, das fluppt nicht mit der Arbeit, dann seid IHR Schuld!

6 Antworten to “Einsamkeit einer Lernenden”

  1. Julia Dienstag, Januar 29, 2008 um 09:31 #

    Schön geschrieben und sehr lustig! Musste beim Lesen schmunzeln. Wobei man nicht unbedingt mit Dir teilen möchte, klingt eher nach harter Lernarbeit. lg, Julia

  2. Kassiopaia Dienstag, Januar 29, 2008 um 10:09 #

    Uiuiui, nicht, dass du während des lernens ganz dünne wirst, weil die Kürbiskerne dein Mittag ersetzen. Ich schlage vor zur Abwechslung mal einen ganzen Kürbis zu verspeisen.

  3. Stromfrau Dienstag, Januar 29, 2008 um 10:52 #

    … ich würde sagen: das Thema der Diplomarbeit verfehlt!

    Kürbiskerne – zum leben zu hart; zum lernen zu weich! oder so….

    Meine Fresse bin ich bräsig; der Kopf sitzt immer noch dicht, ich finde Ommmm aussprechen immer doch doof und bin aber total „entspannt“! Also tief ein- und ausatmen, schnell ein paar Sätze runtertippen und alle 5 – 10 Minuten ein kleines Päuschen mit Griff in die Kürbiskernschale einlegen – dann schaffste dat schon! Freu mich schon aufs lesen! ;o)

  4. Muschelschubserin Dienstag, Januar 29, 2008 um 17:03 #

    @Julia
    Danke schön! 🙂 Es ist relativ hart, aber noch ist es nicht zum Verzweifeln. Und solange das nicht einsetzt, will ich mal nicht allzu laut nörgeln.

    @Kassiopaia
    Hehe, keine Angst. So schnell werd ICH sicherlich nicht ZU dünn!

    @Stromfrau
    Also Ooooommm singen find ich auch noch immer doof, hab mich aber gestern lauter getraut als letzte Mal. Ich hoffe, du hast es nicht gehört. 😀
    Ansonsten freu ich mich auch aufs Lesen. Das hieße nämlich, dass ich mit dem Schreiben fertig wäre.

  5. weltkind Mittwoch, Januar 30, 2008 um 02:30 #

    ich lese gerade deinen post und habe genau in diesem moment meine schultern auch so hochgezogen;-. und noch viel hoeher. Du schaffst es. liebe gruesse, quasimodo ;-).

  6. Muschelschubserin Mittwoch, Januar 30, 2008 um 17:48 #

    Hehe, bucklige Grüße zurück! 🙂

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