Erinnerungsfetzen zum Milchkaffee

5 Dez

Da steh ich nichts ahnend vor der Türe des Büros an der Uni, um endlich meine Studienarbeit anzumelden und plötzlich steht er vor mir. Guckt mich verwirrt an, es rattert und rattert. Ich ziehe erwartungsvoll die Augenbrauen hoch und grins mir innerlich schon einen. „Sonja!“ ruft er plötzlich. Und wir umarmen uns. Fast so wie früher. Wir haben uns zwar seit bestimmt zwei Jahren – vermutlich eher mehr – nicht mehr gesehen, aber irgendwo schlummert da noch alte Vertrautheit. Später gehen wir einen Kaffee trinken und tauschen uns über Uniprobleme und den ganz normalen Alltagswahnsinn aus. Dabei kommen mir immer wieder alte Dinge in den Kopf.

Zum Beispiel die Tarotsessions, die wir früher abgehalten haben. Wir waren zwar nicht grad die Profis, aber lesen konnten wir die Karten immer irgendwie. Und jedes verfluchte Mal, wirklich immer, kam dabei heraus, dass ich in ihn verliebt sei. Krümelig gelacht haben wir uns darüber. Dabei haben wir etliche Stunden in dem selben Unicafé gesessen, wo wir auch heute wieder den obligatorischen Milchkaffee schlürften und ich hab ihm dabei die Ohren vollgejammert wegen meines damaligen Liebeskummers. Ich erinnere mich daran, wie wir uns verabredet hatten, um meine damalige Wohnung zu streichen, weil ich bald aussziehen wollte. Statt dessen hab ich hier und da alibimäßig an der Wand rumgepinselt, ein paar Löcher gestopft und wir haben den Nachmittag auf den Farbtöpfen sitzend mit Gequatsche verbracht. „Scheiß auf den Anstrich, hier is doch gar nix verfärbt! Dat sieht man doch gar nicht, ob du da jetzt nochmal drüber streichst oder nicht“, hieß es. Und so haben wir’s einfach gelassen. Der Vermieter hat’s jedenfalls wirklich nicht gemerkt.

Ich erinnere mich auch daran, dass ich auf seinem Geburtstag seinen Bruder kennen gelernt habe. Das heißt, ich habe mich vielleicht eine halbe Stunde mit ihm unterhalten. Dabei kamen wir irgendwie auf die Idee, er (der Bruder) könne mir ja nach Spanien nachfahren zum Urlaub machen und Tauchen lernen. Und das hat er dann auch wirklich gemacht. Ich weiß noch, wie ich ihn vom Flughafen abgeholt habe und dachte, dass ich ihn ja gar nicht kenne und wie der Urlaub wohl wird. Wie hibbelig und gestresst er war und wie er gar nicht mehr aufhörte zu reden auf der Fahrt. Ich dagegen war schon seit zwei oder drei Wochen in Spanien und entsprechend mediterran gelassen und entspannt. Ich dachte, wenn der so weitermacht, halt ich das nicht aus. Keine 24 Stunden später war jedoch auch er „angekommen“ und es wurde ein super lustiger Urlaub. Und wir sahen uns nie wieder.

So ziehen Gedankenfetzen und Erinnerungen an mir vorbei, während wir zwischen all den anderen Studenten sitzen. Viel Zeit ist seit damals vergangen. Mein ganzes Leben hat sich in den letzten Jahren so oft um 180 Grad gewendet. Manchmal war es zu viel auf einmal. Wir haben uns in der schwierigsten Phase meines Lebens kennen gelernt und er war mir lange Zeit eine große Stütze. Jedoch war der Umgang mit mir auch sehr anstrengend. Mir ging es einfach zu schlecht. So eine Belastung hält kaum eine Beziehung, egal welcher Art, lange aus. Es gab keinen Streit oder so. Es verlief sich einfach irgendwie. Und es war schön, sich heute so zufällig und unvermittelt wiederzutreffen.

2 Antworten to “Erinnerungsfetzen zum Milchkaffee”

  1. Stromfrau Donnerstag, Dezember 6, 2007 um 11:01 #

    Hach – wat ne schöne Geschichte… *schluchz*

    und? bleibt da jetzt weiterer „Kontakt!“…

  2. Muschelschubserin Donnerstag, Dezember 6, 2007 um 12:20 #

    Wäre schön. 🙂

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