Was ’ne Aufregung

26 Nov

Wenn es nix zum Aufregen gibt, dann sucht man sich halt was. Oder regt sich über Nichtigkeiten auf. Es gibt Menschen, die haben das bis zur Perfektion drauf und merken’s selbst schon gar nicht mehr. In meinem Sportverein ist so eine Dame. Sie ist geschätzte 70 Jahre alt, geht etwas gekrümmt, hat Mundwinkel, die – so scheint es – vor lauter Verbitterung nicht mehr gegen die Erdanziehungskraft ankommen. Sicherlich hat sie einiges erlebt und irgendwie scheint sie eine Stinkwut in sich zu haben, die sie nicht abbauen kann. Sobald sie die Umkleideräume betritt, regt sie sich auf.

Es dauert keine halbe Minute, bis die erste Motzerei kommt. In diese steigert sie sich dann endlos rein, hört auch nicht auf, wenn sie zum Aufwärmen auf dem Fahrrad sitzt. Heute war’s mal wieder einer der Schränke im Umkleideraum. Den kann man nämlich nicht mehr abschließen. Das geht doch nicht. Der muss doch da weg. Der kann so einfach nicht da stehen bleiben. Das ist unmöglich. Keiner kümmert sich. Da kann man doch nix reinhängen. Muss man auch nicht, drumherum stehen nämlich noch etliche andere Schränke. Die seien aber immer alle so voll, dass man sich schon zu dritt einen Schrank geteilt habe, wettert sie nach dem Training, wieder in der Umkleide. Ich persönlich hatte noch nie Probleme, einen Schrank zu finden und musste auch noch nie teilen. Man muss nur bereit sein, auch mal einen kleinen Schrank zu nehmen. Sie kommt jedenfalls gar nicht mehr runter von ihrem Aufregetrip, hat während des Trainings auch die Trainer damit genervt. Ich höre sie vor dem Training, während des Trainings und auch danach nur motzen. Über zwei Stunden lang. Und das nicht zum ersten Mal.

„Ihre Probleme hätte ich auch gerne“ liegt mir die ganze Zeit auf der Zunge und es kostet mich einiges an Selbstbeherrschung, das nicht laut zu sagen. Dann geht sie auf’s Klo, wo mal wieder – „wie immer“ – Klopapier neben dem Mülleimer liegt. Da ich grad in der Nähe bin, spricht sie mit mir und regt sich darüber auf. Und wundert sich scheinbar selbst. „Ich könnte mich da sooo drüber aufregen! Wahrscheinlich weil ich’s am Herzen hab.“ Ja, ich sehe da auch einen Zusammenhang. Allerdings andersrum. Wenn man sich ewig so aufregt, muss man’s ja am Herzen kriegen. Bei aller Liebe und bei allem Mitgefühl, ich hoffe, wir sind zukünftig nicht immer zur gleichen Zeit beim Sport, sonst platzt mir irgendwann der Kragen. Oder ich krieg’s quasi passiv auch am Herzen. So reg ich mich darüber auf…

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Eine Antwort to “Was ’ne Aufregung”

  1. Stromfrau Mittwoch, November 28, 2007 um 11:38 #

    Ach Gottchen mein Lottchen, es gibt schon schlimme Dinge! Ich glaub mit wachsendem Alter gibbet halt nicht mehr viel, über was sich ältere Herrschaften nicht aufregen! Vielleicht liegts tatsächlich am Alter, man denkt, man is nicht mehr lang und das fordert die Bitterkeit! Bitteschön: wir haben einen Nachbarn unter uns, geschätzte 75, sogenannter selbsternannter Hausmeister! Der hat mich doch vorgestern gebeten, ich solle meinen Wagen mal einen Meter weiter nach vorne parken weil: da ja sonst so ein junger Bengel steht und er ja fegen muss und der junge Bengel ihm auf die Bitte, er möge doch seinen Wagen woanders hinstellen, eine freche Antwort gegeben hat! Tja, wer kanns dem jungen Bengel verdenken! Die Autos müssen nun mal irgendwo stehen, aber meins wird ja morgens um 7.00 Uhr wegbewegt; da ist dann Zeit zum fegen – manche ältere Herrschaften haben das halt drauf! Soviel zu diesem Thema… ich hatte eigentlich auch eine „freche“ Antwort auf Lager, habs mir aber gekniffen! Nutzt nix, solche Leute haben einfach nix besseres zu tun, als sich so aufzuspielen! Et gibt aber auch andere ;o)

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