Gegen das Vergessen: Free Burma (Teil 2)

16 Okt

Die Militärjunta in Myanmar (Birma / Burma) weiß ganz genau, wo sie ansetzen muss und wie das heutzutage funktioniert im Westen: Geschehnisse, die nicht in den Medien vorkommen, existieren quasi nicht. Somit ist es nur logisch, diejenigen zu verfolgen, die die Medien mit Informationen füttern: Journalisten, Hobbyjournalisten, Übersetzer, einheimische Informanten, Fotografen, Blogger und sonstige Privatpersonen, die vor allem über das Internet Informationen aus dem Land in die Welt getragen haben. Mindestens ein Todesopfer, den japanischen Fotografen Kenji Nagai, hat diese Vorgehensweise bereits gefordert. Jedoch könnten es weit mehr sein – nichts genaues weiß man nicht aus einem Land, indem jeglicher Informationsfluss nach außen mit Gewalt gekappt werden soll. Zeugen der Erschießung von Kenji Nagai sprechen jetzt von einer „Menschenjagd“ und einer „gezielte(n) Hinrichtung“. forgetburma.jpg

Internetleitungen wurden gekappt, Emails werden nicht mehr zugestellt, Nachrichtenseiten und Blogs sind von Myanmar aus nicht zu erreichen. Bei uns kommen somit kaum neue Informationen an, also haben die Medien nichts zu berichten. Es besteht die Gefahr, dass Myanmar somit nicht mehr Teil der Nachrichten ist und schlichtweg aus unseren Köpfen verschwindet – gerade so, als sei dort alles wieder in Ordnung. Weiter geht’s also, der Nächste bitte!

Nicht ganz neu sind all diese Infos, aber daher nicht weniger brisant wie ich finde. Fotos und Videoaufnahmen von den bis zur Niederschlagung gewaltfreien Demonstrationen werden genau durchsucht nach Journalisten, Fotografen, als Touristen getarnte Reporter. Eine Einreiseerlaubnis nach Myanmar bekommen ausländische Journalisten nämlich schon lange nicht mehr. Diese Menschen werden strategisch gesucht, gejagt, aufgespürt und ihre Häuser durchsucht, eins nach dem anderen.

Ich habe ja bereits geschrieben, für wie gefährlich ich so eine Lage halte und die aktuellen Berichte bestätigen meine Einschätzung. Mein Eindruck ist jedoch, dass die Hoffnung des Militärs, Myanmar würde aus unseren Medien und damit unseren Köpfen verschwinden, bisher nicht erfüllt wurde, zumindest was Deutschland angeht. Da ich keinen Fernseher habe, weiß ich nicht, wie viel Beachtung die Geschehnisse dort noch bekommen, aber zumindest bei Tagesschau.de, Spiegel Online, Welt.de und Sueddeutsche.de gab es heute und zum Teil auch in den vergangenen Tagen aktuelle Berichterstattung zum Thema Myanmar. Die Reporter ohne Grenzen berichteten vor einer Woche von fünf verhafteten Journalisten, während einer bereits frei gelassen worden sein soll.

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2 Antworten to “Gegen das Vergessen: Free Burma (Teil 2)”

  1. Klaudia Dienstag, Oktober 16, 2007 um 21:20 #

    Finde ich gut, dass du diese Aktion und auch das Thema Burma wieder aufgreifst. „Aus den Augen aus dem Sinn“ trifft’s natürlich wieder, insbesondere bei so schwierigen und unzugänglichen Themen. Danke für die Linksammlung zur „aktuellen“ Situation.

    Liebe Grüße aus Oberhausen & Danke für die Verlinkung 🙂

Trackbacks/Pingbacks

  1. Skepsis und vielleicht ein Hoffnungsschimmer? - Free Burma (Teil 3) « Muschelschubserin - Freitag, November 16, 2007

    […] aus Myanmar zusammen zu tragen. Da ich selber vor etwa drei Wochen dazu aufgerufen hatte, Myanmar nicht zu vergessen, will ich aufpassen, dass mir das nicht letzten Endes selber passiert. Wenn es fast unmöglich ist, […]

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