Tot, billig und minderwertig kommt mir nicht mehr in den Kühlschrank

10 Okt

Hab heute eine wie ich finde tolle Entdeckung gemacht: Bei mir um die Ecke gibt es eine Natur-Metzgerei, die auf Umwelt- und Tierschutz achtet, keine Zusatzstoffe verwendet und die Einstellung propagiert, man solle lieber weniger, dafür aber qualitativ besseres Fleisch essen. Klasse! Das entspricht genau meinen Ernährungsgewohnheiten und ich hatte schon nach sowas gesucht.

Bisher hab ich Fleisch nur im Supermarkt gekauft, zwar gerne auch mal an der Theke, aber ich war nie in einer Metzgerei. Da ich wirklich nicht viel Fleisch esse, kenne ich mich nicht allzu gut aus und scheute mich immer irgendwie vor Metzgereien. Ich hatte bisher immer Angst, dumme Fragen zu stellen oder nicht genau zu wissen, was ich eigentlich haben will. Ich stand zum Beispiel schonmal mitten im Sommer an der Fleischtheke und wollte Wild haben, woraufhin mich die Verkäuferin angeguckt hat, als käme ich von einem anderen Planeten und meinte: „Wild gibt’s nur zu Weihnachten.“ Das klang so dermaßen selbstverständlich, dass es sich anfühlte wie ne Ohrfeige. Na klasse, dachte ich, das weiß vermutlich jedes Kind und ich bin die einzige dämliche Person, die mitten im Sommer danach fragt. (Ich frage mich bis heute, warum es im Sommer kein Wild geben soll, wo es doch auf allen Speisekarten steht und zu jeder Jahreszeit im Wald rumrennt.)

Jedenfalls musste ich heute Morgen zum Bäcker, weil ich keine Frühstücksbrötchen mehr hatte. Der Bäcker direkt gegenüber hat jedoch zu gemacht und somit musste ich zu einem anderen. Tausend Mal bin ich schon an dieser kleinen Metzgerei vorbei gelaufen, die wie ein Tante-Emma-Laden anmutet. Heute bin ich endlich mal rein. Und dort fand ich nicht nur leckere, fertig vorbereitete Kohlrouladen, die mich immer an die alten Zeiten zu Hause erinnern, die ich aber nie selber mache, weil es sich für eine Person nicht lohnt. Zu Hause stellte ich anhand der Tüte obendrein fest, dass es sich um eine Naturmetzgerei handelt. Eine kurze Internetrecherche überzeugte mich nun komplett und ließ auch die letzten Zweifel verschwinden. Die Metzgerei gehört zum Thönes Natur-Verbund, um mal ein bisschen Werbung zu machen. Und die Kohlrouladen waren leckofatzi!

Bei mir wird’s zwar weiterhin nur sehr wenig Fleisch geben, aber es wird mir umso besser schmecken, wenn ich weiß, dass die Tiere nicht leiden mussten und wenn ich weiß, dass auch wirklich das drin ist, was draufsteht. Da zahle ich sehr gerne ein paar Euro mehr. Fehlt nur noch das Gleiche für Meeresfrüchte und Fisch.

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15 Antworten to “Tot, billig und minderwertig kommt mir nicht mehr in den Kühlschrank”

  1. temasektorian Mittwoch, Oktober 10, 2007 um 18:30 #

    Hat nicht letzten Monat irgendeine Stiftung schieß mich Tod ganz besonders bedenkliche Messwerte in „BIO“ Fleisch festgestellt? Naja was solls. Ist doch eh alles Giftig heut zu Tage.

    Bei mir gibts Wild auch im Sommer dank toller Verwandten die es töten und meiner Mutter die es einfriert. So viel dazu, aber wenigstens haben sie glücklich gelebt.

    Ich glaube den glücklich gestorbenen Fisch kann man lange suchen. Ich schätze da muss man sich mit selbst geangeltem abfinden oder so. Hauptsache kein Tun der eh am rande des Aussterbens steht.

    Ist sterben ohne leid überhaupt möglich? Vorallem bei den deutschen Schlachtverordnungen?
    Naja der Mensch braucht Fleisch so ist das halt und ich würd auf Fleisch auch nicht verzichten. Habs schon mehrmals Vegetarisch versucht aber es ist schwer.

    Was für ein Luxus sich über so etwas Gedanken machen zu können

    MFG
    Temasektorian

  2. Yvi Mittwoch, Oktober 10, 2007 um 19:16 #

    Hey Du!

    Weißt aber schon noch über welche lustigen Ecken wir hier in Deiner alten Heimat miteinander verwandt sind, oder?!

    Lass Dir/Euch schmecken!

  3. Muschelschubserin Mittwoch, Oktober 10, 2007 um 19:35 #

    Hehe, ja, ich weiß. Metzger-Ecken. 😀

    @temasektorian
    Das mit dem Bio-Fleisch hab ich nicht mitbekommen. Ganz geschützt vor solchen Sachen ist man leider nie. Selbst ohne den Verzehr von Fleisch, dann geht’s halt um Pestizide. Ich hab noch nie jemanden getroffen, der über die Bedrohung des Tunfisches Bescheid wusste. Das freut mich ehrlich gesagt, dass das endlich mal passiert ist. Den esse ich mittlerweile gar nicht mehr, auch, wenn es manchmal schwer fällt.

    Es ist ein Luxus, über sowas nachzudenken, stimmt schon. :/

  4. romanmoeller Mittwoch, Oktober 10, 2007 um 23:15 #

    Mhmmm … ob man sich das so sicher sein kann, das die Tiere nicht leiden mussten? Ich will dir gar nicht widersprechen – ich bin sogar genau deiner Meinung. Aber wo fängt Bio an und wo hört Bio auf? Wer kontrolliert das alles und wie gut?

    Ich will jetzt nicht mehr mit dem blöden Fleischskandal kommen, aber der beweist doch, das auch gute Kontrolle (hier im Sinne von: Öko, nicht von Haltbarkeit) nicht hundertprozentige Sicherheit gibt …

  5. Muschelschubserin Donnerstag, Oktober 11, 2007 um 16:27 #

    Sicher sein kann man sich nie, es sei denn man zieht selber groß und schlachtet selber. Ob da genug Kontrollen stattfinden weiß ich auch nicht. Aber ich persönlich glaube nicht, dass es auf dem BIO-Markt schon großartig nötig ist, zu mauscheln. Dafür halte ich ihn – noch – für zu klein. Aber ich mag mich auch täuschen.

    Ich will auch gar nicht sagen, dass das Fleisch in Supermärkten generell minderwertig ist (auch, wenn man die Überschrift so verstehen könnte). Hab bisher nur gute Erfahrungen gemacht.

    Aber ich denke schon, dass ich mit dieser Metzgerei sicherer fahre als vorher. Ob ich da nun unbedingt auf 100 Prozent komme, bezweifle ich selber. Ich glaube aber, dass sich ein Umdenken lohnt. Ich schrieb es schon im Fisch-Post: Wenn ich erwarte, dass die Fleischregale immer voll sind, auch wenn ich um 20 Uhr auf nem Samstag in den Supermarkt komme (und das tun wir heute so ziemlich alle), und wenn ich alles möglichst günstig kaufen will, weil ich meine, jeden Tag Fleisch essen zu müssen, dann sollte ich mir überlegen, ob ich mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben will.
    Wundern muss man sich doch eigentlich gar nicht darüber, dass da Schindluder betrieben wird. Wie soll so ein Konsumentenverhalten sich noch lohnen oder wirklich durchsetzbar sein für die Betriebe?

    Im Grunde haben wir ja alle unseren Teil dazu beigetragen…

  6. Clara Klar Sonntag, Oktober 14, 2007 um 02:14 #

    Hallo, du hast echt ne gute Entscheidung getroffen! Wenn es denn unbedingt Fleisch sein muß ist Supermarkt-Fleisch dass aus normaler Tierzucht stammt immer mit Qualen für die Tiere verbunden, zumindest was die Aufzucht und den Transport zum Schlachter betrifft.

    Beispiel Huhn: Für übliche Hühner zB gilt 40cm x 40cm Gitterkäfig ohne Tageslicht. Für Biohühner gilt (soweit ich das noch weiss) mind 1qm² pro Huhn auf ebenem Boden ohne Gitter und mit Möglichkeit mal auf einer Sitzstange sitzen zu können und umherflattern zu können. Nennt man dann biologische Bodenhaltung bzw biologische Freilandhaltung (HIerbei würde ich dann auf die Marken: Demeter und Bioland achten, aber im Grudne sind alle Biomarken an diese Regel gebunden). Übrigends wenn man normale Eier kauft auf denen kein „Biosiegel“ drauf ist und trotzdem dann draufsteht Bodenhaltung, da sollte man dann vorsichtig sein, weil es zwar Bodenhaltung ist aber dann wieder 2-3 Hühner auf 1qm² kommen! Die reissen sich dann gegenseitig richtige Stücke aus und kämpfen die ganze Zeit (Kanibalismus wegen Streß). Also immer schön auf das „Biosiegel“ achten!!!!

    http://www.bio-siegel.de

    Auch bei allem was mit „bio“ beschrieben wird, muss das Siegel drauf sein damit es WIRKLICH bio ist! Leider sind die Wörter „bio“ und „öko“ bis heute keine eigenständigen Markennamen und lizensfrei zu führen. Das heisst, jeder Idiot kann zB irgendwas verkaufen und „bio“ draufschreiben! Nur das Biosiegel sagt aus ob was auch wirklich streng nach allen Richtlinien der biologischen Landwirtschaft, biologischen Tierhaltung und biologischen Kosmetik hergestellt wurde.

    Viele Grüße und guten Appetit 🙂

  7. Clara Klar Sonntag, Oktober 14, 2007 um 02:26 #

    Nomma ich 😀 Wenn du auf der Seite deines Fleischverkäufers auf „Einkaufen & Genießen“ und dann auf „die Fachmetzgereien“ klickst, kannst du nach der Adresse des Metzgereibetriebes bei dir um’s Eck suchen und dann schauen ob das Biosiegel daneben links steht. Nicht alle Metzgereibetriebe von denen führen Biofleisch. *winke*

  8. Clara Klar Sonntag, Oktober 14, 2007 um 02:37 #

    Schon wieder ich, meine Güte jetzt werde ich noch zur Spammerin *lol*… wegen dem Biofisch: In Bioläden gibt es ab und zu Biofisch zu kaufen! Meistens ist es Forelle, Lachs und Sardellen oder wie die heissen. Sind alle von Bio-Fischfarmen. Beim Thunfisch gibt es im Bioladen die Firma FONTAINE , das ist allerdings von keiner Farm sondern aus’m Meer, also Wildfang :/

    http://www.fontaine-nahrungsmittel.de/i_thunfisch.html

    Naja, vielleicht helfen dir meine Tipps trotzem ein bischen weiter. Obwohl ich seit 10 Jahren Vegetarierin bin 😛

  9. Muschelschubserin Sonntag, Oktober 14, 2007 um 11:12 #

    Hallo, danke erstmal für deine Tipps! Bio-Eier kaufe ich schon lange nur noch, nur mit Siegel. Und es kommt durchaus vor, dass auch mal das ein oder andere weitere Bioprodukt im Wagen landet.

    Die Metzgerei um die Ecke ist keine Bio-Metzgerei, das schrieb ich aber auch nicht. Es ist eine Natur-Metzgerei. Wo bei Thönes genau der Unterschied zwischen „Natur“ und „Bio“ liegt, weiß ich nicht. Es gibt einen weiteren Laden in Do., der mit Bio gekennzeichnet ist, der aber in der Stadtmitte liegt, wo ich nie einkaufen gehe. Trotzdem schaue ich da beizeiten vielleicht mal rein.

    Die Sache mit dem Fisch… Ich persönlich würde nichtmals den Tunfisch aus deinem Link essen. Wildfang ist und bleibt Wildfang und trägt zur Bedrohung einer ohnehin sehr stark bedrohten Art bei. Egal, welche Wasserqualität da drunherum herrscht.

    Trotzdem: DANKE und guten Appetit! 😀

  10. Clara Klar Sonntag, Oktober 14, 2007 um 14:34 #

    Hallo, war auch nur mal so allgemein gedacht 🙂 Ja das mit dem Wildfang ist so eine Sache stimmt, beim Thunfisch geht das wohl bis heute nicht anders, da greifen die Läden dann sehr oft auf FONTAINE zurück, obwohl die Firma ja fast alles wild fängt. Die anderen Fischsorten gibts in Bioläden aber oft von Fischfarmen (andere Firmen), sind somit kein Wildfang.
    Obwohl man sich so oder so mal fragen sollte ob man überhaupt Fleisch essen muß. Zu mir sagte neulich eine: „Naja Kühe sind dazu da um zu fressen und gefressen zu werden“. Meine Rückantwort: „Aha, und wir Frauen um zu kochen und gef.. zu werden?!“ :S

    Liebe Grüße 😉

  11. Muschelschubserin Sonntag, Oktober 14, 2007 um 15:13 #

    Also Vegetarierin werde ich nicht, das hab ich schon längst entschieden. Aber drüber nachdenken kann man natürlich und sollte man auch.
    Fischfarmen sind allerdings auch nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Denn auch gezüchtete Fische fressen anderen Fisch oder Krill, somit wird immernoch das Futter dieser Zuchtfische aus dem Meer gefangen. Krill steht deshalb auch bereits auf der Bedroht-Liste und es gibt sogar Gebiete, wo der Bestand bestimmter Seevögel bereits gefährdet ist, weil sie nicht mehr genug Futter in Form von Fisch und Krill finden. :/

  12. Muschelschubserin Montag, Oktober 15, 2007 um 15:08 #

    So, noch ein Nachtrag. Ich war gerade in dem Biosupermarkt in der Innenstadt. Ich muss sagen, es ist schon beeindruckend. Das ist ein richtig großer Supermarkt, kein Tante Emma Laden, wo es alles gibt, inklusive Käse- und Fleischtheke sowie Kosmetika, Haushalts- und Körperpflege. Ist schon klasse und ich würde das gerne viel intensiver nutzen. ABER: Ich habe für ein paar Teile, die vielleicht für zwei Tage Abend- und Mittagessen reichen (höchstens) ganze 26 Euro bezahlt. Soviel zahle ich sonst für fast ne ganze Woche, bei 3 Mahlzeiten am Tag. Das ist schon Hammer und für mich absolut nicht konsequent realisierbar. Es wird somit eine Ausnahme bleiben. Schade.
    Trotzdem hier der Link: http://www.basicbio.de

  13. Kassiopaia Montag, Oktober 15, 2007 um 15:59 #

    Zum Thema Wild und selbstverständlich habe ich vergangene Woche auch so meine Erfahrungen gemacht. Beim Einkaufen an der Wursttheke lag ein Schweinekopf rum, was mich doch erschauern ließ. Das hat die Verkäuferin mitgekriegt und mir dann eiskalt über die Theke entgegen geblasen, dass man den sehrwohl essen könne und dass das nicht schlimm sei. „Ich kann sowas nicht essen, was noch Ohren dran hat“, meinte ich da nur zu ihr. Doofe Kuh! 😛

  14. Markus Montag, Oktober 15, 2007 um 19:41 #

    Hallo Muschelschubserin
    (bin Temasektorian hab aber Nick geändert weil zu doof und zu lang)
    Ich weiß überhaupt nicht warum die das Zuchtfisch nennen dürfen, die Fische werden nicht gezüchtet sondern schnöde vermehrt.
    Es bleiben also degenerierte, den anderen das Futter weg fressende „BIO“ Fische im Genpool während wir alle anderen langsam ausrotten. Zurück bleibt der schwache „Zuchtfisch“, der irgendwann den starken frei lebenden Fisch ersetzt selbst aber kaum noch überlebensfähig ist. Oder noch schlimmer den Freien mit seinen ganzen Krankheiten ansteckt!
    Am besten gar keinen Thunfisch oder per Hand fangen das währe fair! Die Menschen denken einfach nie langfristig.
    Das mit dem Thunfisch hat mich irgendwie inspiriert nen neuen Blog zu starten MAN MUSS DIE LEUTE JA INFORMIEREN! 🙂
    Schau mal rein.
    Vielleicht magst du ja als Autorin mitmachen.

    MFG
    Markus

  15. reviersternchen Mittwoch, Oktober 17, 2007 um 11:59 #

    Prima Tipp. Habe mir die Homepage auch gleich abgespeichert. Ich steh auch nicht auf die ganzen Zusätze und lebe – soweit wie möglich – essenstechnisch nach dem Motto: Zurück zur Natur.

    LG
    reviersternchen

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