Von Knöpfen, Männerfreundschaften und technischen Hinterlassenschaften

27 Sep

Mein Männe ist ein Technik-Junkie. Was auch immer Neues auf den Markt geworfen wird, es dauert nicht lang, bis er es besitzt. Hauptsache es hat möglichst viele Knöpfe und blinkt oder leuchtet irgendwo. Von Vorteil ist, wenn Geräusche raus kommen oder man damit sprechen kann oder ein Menü animiert ist. Und wenn dann noch irgendwo „Limited Edition“ draufsteht, sind alle vorher genannten Punkte egal, dann darf’s sogar das Vulkangestein-Duschbad oder das neue Herren-Antifalten-Peeling sein. computer-bot.jpg

Ich zucke vor lauter Hilflosigkeit ob dieser Techniksucht nur noch mit den Schultern. Hat er sich neues „Spielzeug“ gekauft, wird es stolz präsentiert. Dann bleibt nichtmals mehr Zeit, meine Jacke auszuziehen – ich werde sofort zur Couch bugsiert, hingesetzt und mir wird wiederholt eingeflößt, dass ich in wenigen Minuten ein absolutes Highlight erleben werde, dass ich aus dem Staunen nicht mehr rauskommen werde. Was auch ab einem bestimmten Zeitpunkt zutrifft. Nämlich dann, wenn ich den Preis höre.

Mich lässt der ganze Schnickschnack ziemlich kalt, während seine männlichen Freunde sofort herbei geeilt kommen, wenn er ihnen von seiner neuen Errungenschaft erzählt. Dann gibt’s lauter Ooohhhs und Uuuuhs und Boooaaahhs und riesengroße Augen. Es ist ein ganz besonderes Naturschauspiel, zu beobachten, was für große Emotionen ein paar teure Knöpfe auslösen können. So ein neues Gerät schweißt zusammen, es vertieft Männerfreundschaften. Früher, also ganz früher, wurden dafür Geweihe aneinander gerieben oder verhornte Stirnknochen gegeneinander gedonnert.

Ich finde es dagegen nicht wichtig, dass ich nun Dvds in Blue-Ray-Qualität gucken kann. Oder dass ich mit diesem Gerät gleichzeitig Spiele zocken, Dvds gucken und im Internet surfen könnte. Ich hab ja selber nichtmals mehr nen Fernseher. Ich höre auch keinen Unterschied in der Tonqualität dank dieses neuen tollen Kabels. Ich fühle mich nicht gleich ins Mittelalter zurück versetzt, wenn ich ein Hörspiel über einen normalen Cd-Player höre anstatt über den IPod. Mein Computer läuft. Dass er dabei nicht schneller ist als jeder andere Computer interessiert mich nicht. Und im Urlaub fahre ich lieber in südländischer Hitze Boot als im klimatisierten Zimmer Autorennen zu zocken. Im Auto höre ich – ich muss wirklich direkt der Steinzeit entflohen sein – Kassetten! Dieses Wort hat er schon vor Jahren aus seinem Gedächtnis verbannt. Und außerdem brauche ich nur ein einziges Handy mit einem einzigen Vertrag.

Trotzdem muss ich zugeben, dass ich von dieser Technikbegeisterung profitiere. Zum Beispiel muss ich mich nie mit Computerproblemen rumschlagen. Und ich habe ein DVD-Laufwerk von ihm übernommen. Völlig ungefragt wurde es eines Tages eingebaut. Gleich daneben liegt ein hochwertiges Headset für die Internettelefonie. Beide Geräte sind bis heute unbenutzt. In der Ecke steht ein DVD-Player, den er auf Grund einer Neuanschaffung nicht mehr brauchte. Meine technische Entwicklung war nämlich beim Videorekorder stecken geblieben. Ohne TV brauche ich natürlich beides nicht mehr, aber wen kümmert das. Dieses Phänomen zieht sich nach unserer fünfjährigen Beziehung durch meine ganze Wohnung.

Gestern kam noch ein neues Gerät hinzu: Sein Handy. Wegen mehrerer Verträge bekommt er wesentlich öfter ein tolles Angebot für ein neues Handy als ich. Und da meins kurz vorm ultimativen Zusammenbruch steht, gab er mir sein „altes“. Damit kann man übrigens nicht nur telefonieren, Emails und Sms schreiben und natürlich fotografieren. Nein, ihr ahnt es vielleicht schon, man kann es auch als Walkman benutzen. Wollte ich nur mal gesagt haben, bevor ich diese Funktion endgültig ignoriere und vergesse…

Foto: aboutpixel.de / @bot

5 Antworten to “Von Knöpfen, Männerfreundschaften und technischen Hinterlassenschaften”

  1. Stromfrau Donnerstag, September 27, 2007 um 20:57 #

    Gut – Koffer gepackt; entdecke ich eine herrliche, neue Geschichte! Und, sie hätte von mir sein können! Meiner sitzt nämlich gerade an so einer Technik; da leuchtet was und es kommen Geräusche raus – Hammer! Und kleine strahlende Kinderaugen sind ein Scheiß-Dreck gegenüber seinen Augen!

    Allerdings hatten wir gerade eine ganz andere Form der Abendbeschäftigung; ich habe ihm den aktuellen Blog vorgelesen und er hat wohlwollend gegrinst ;o) Muss wohl was dran sein! Gruß von Frank and Sven! *lächel*

    Und – nun ab ins Bett und morgen ab dafür!!! Bis baldigst… deine Stromfrau (geiler Name wa? ihr könnt euch sicher denken, wer ihn mir gegeben hat)!!!

  2. Sebastian Freitag, September 28, 2007 um 08:57 #

    Kauf ihm ein Haus… ich spreche da aus eigener leidlicher Erfahrung.😉
    Ich hab nun so viel zu tun das ich froh bin wenn ich mal alle 14 Tage einen abend in Ruhe, mit besonderer Betonung auf „in Ruhe“, vorm Computer sitzen zu können ohne mich um irgendwas kümmern zu müssen. Weil genau dann weiß ich das es grad nix gibt um das ich mich kümmern muss. Ein Gefühl der Genugtuung und Zufriedenheit…
    Ansonsten vollziehe ich den Blog auch gut nach, war ich doch bis vor einem dreivierteljahr nicht sonderlich anders. Heute bereue ich den Kauf des neuen PCs, das Geld könnte ich jetzt gut gebrauchen.😉 Oh mann… ich würd mir davon ne Angelausrüstung kaufen und mich am WE statt vor dem PC auszuruhen an den Kanal oder an die Lippe verdrücken, das Handy zuhause vergessen und mir den Tag lang die E*** kraulen. Oh Gott… ich werde alt.

  3. Kassiopaia Freitag, September 28, 2007 um 10:21 #

    Zum Thema Handy: Ich bin so stolz, dass meins echt nur zum Telefonieren und SMS schreiben taugt und dabei kleiner ist als das superduper Walkmanhandy so manch anderen.😛 Obwohl ich zugeben muss, dass so eine Fotografierenfunktion durchaus präktisch wäre.

  4. Muschelschubserin Freitag, September 28, 2007 um 11:19 #

    @Sebastian
    Wenn dieses Haus in Australien oder zumindest am Meer liegt, gerne.😀

    Ne taugliche Kamera am Handy hat schon was. Nutze ich zwar selten, aber ich hab so schon schöne Erinnerungen festgehalten. Nur wenn die Dinger noch kleiner werden, dann wird’s mir zu klein. Ich will wat zum anfassen haben, genauso wie bei meiner Digicam. Das Handy vom Schatz ist grad mal noch nen Zentimeter dick. Tasten treffen wird da zur Herausforderung!

  5. Kassiopaia Freitag, September 28, 2007 um 13:11 #

    Ich gebe zu, dass ich bei meinem kleinen Handy diese schnuckligputzig winzigen Tasten gerne mal verfluche.

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