Sehenswerter Beton: Malta-Reisebericht Teil 3

14 Sep

Über das Alternativprogramm waren wir uns schnell einig. Und zwar zu viert. Wir haben nämlich an der Tauchbasis ein sehr nettes Ehepaar kennen gelernt. Und da die beiden auch nicht mehr tauchen konnten, haben wir unsere Tagesplanung zusammen gelegt. Am Freitag stürzten wir uns ins Abenteuer Busreise und stiegen in einen der gelb bemalten Kult-Busse.bus.jpg Die Busfahrer scheinen mir ebensolche Individuen zu sein wie in Sydney. Die Fahrerkabinen sind individuell ausgestattet, mit Aufklebern, Ventilatoren, Fähnchen – und alle mit der Mutter Gottes oder Jesus in Klebeform, mitten auf dem Rückspiegel zum Beispiel. Die Fahrer telefonieren mit Vorliebe am Steuer und geben natürlich passend zum südländischen Temperament ordentlich Gas. Die Busse sind liebevoll bemalt, mit Schnörkeln, den auch an den Booten angebrachten Osiris-Augen und Blümchen. Und die meisten sind uralt. Eine besondere Herausforderung war für mich die Fahrt im hoffnungslos überfüllten Bus, direkt an der Eingangstüre stehend. Nur, dass es da gar keine Türe gab! Naja, dafür musste ich nicht so schwitzen wie die anderen Insassen, so mitten im Fahrtwind.

Unser Ziel war Mdina. Es ist eine kleine, schnuckelige Mittelalterstadt und wird auch die „stille Stadt“ genannt, da dort keine Autos fahren. Zumindest so gut wie keine, ein paar hab ich nämlich doch gesehen. Bevorzugtes Touri-Verkehrsmittel sind jedoch traditionelle Kutschen. Mdina gasse2.jpgbesteht aus kleinen und noch kleineren Sandstein-Gässchen und ist in einer Stunde locker zu durchlaufen. Dieses lohnt sich aber, vor allem zum Essen oder was Trinken in einem der verwinkelten und empfehlenswerten Cafés und Restaurants in einem der vielen schattigen Hinterhöfe. Wer Souvenirs aus Spitze, Porzellan oder Glas sucht, oder einen der landestypischen Türklopfer, wird hier ebenfalls fündig. Mdina hat mir gut gefallen, eben gerade weil es so klein und uralt ist.

Am nächsten Tag fuhren wir wieder mit Bussen, dieses mal zur Hauptstadt Valletta. Das ist der Ort, bei dessen Anblick mir im Flugzeug vor lauter Betonschluchten eine Gänsehaut über den Rücken läuft. Es sei aber unbedingt sehenswert, ein Besuch auf Malta wertlos, ohne in Valletta gewesen zu sein, wurde uns gesagt. Und es stimmt. Valletta ist die flächenmäßig kleinste EU-Hauptstadt und wurde 1980 als Gesamtmonument in das UNESCO-Weltkulturerbe eingetragen. Es hat einen schönen, aus vielen kleinen Buchten bestehenden natürlichen Hafen und ist von einem Ring aus Basteien umgeben. Damit gilt Valetta als die bestgesicherte Stadt der Welt. Überall finden sich kleine Gassen, wunderschöne Häuserfronten mit liebevoll gestalteten Details, Minibalkone, kulturelle Sehenswürdigkeiten, Treppchen und Stüfchen, die bergab und -auf durch die vielen engen Gassen führen. Wer den wahren Charakter Vallettasfassade2.jpg kennen lernen will, sollte sich abseits der Shoppingmeile bewegen und sich seinen Weg durch die kleinen Schluchten zum Hafen schlängeln, zu Fuß oder mit einer der auch hier zahlreich vertretenen Kutschen. Museumsfans werden hier ebenso auf ihre Kosten kommen wie der einfache Schlenderer oder Architekturliebhaber. Von so manchem erhöhten Standpunkt aus bietet sich ein eindrucksvoller Blick auf diese Stadt, den Hafen und den zahlreichen alten und detailreichen Bauten. Valletta ist sehenswert, für mich blieb keinerlei Zweifel. Und ich bin nicht der große Stadtbesichtigungs-Fan. Ein besonderes Leckerli ist übrigens Valletta bei Nacht. Das hab ich mir fürs nächste Mal vorgenommen, nachdem ich Bilder davon gesehen habe.

Was einem in Malta überall auffällt sind neben dem Dreck und den vielen verfallenen Gebäuden vor allem zwei Dinge. Erstens: Malta ist „very british“. Man spricht perfekt Englisch, egal ob Alt oder Jung, auf den Speisekarten finden sich neben mediterranen und typisch maltesischen auch englische Gerichte, die Beschilderung ist Englisch, man fährt auf der linken Seite und überall laufen einem sonnenverbrannte Engländer über den klopfer.jpgWeg. Dagegen versteht man vom Maltesischen so gut wie nichts, so merkwürdig ist diese Sprache. Noch schlimmer ist es schriftlich, denn die Hälfte der Buchstaben scheinen nur zur Dekoration des Wortes da zu sein und werden nicht ausgesprochen. Was einem außerdem auffällt ist Folgendes: Die Malteser sind ein äußerst freundliches und zuvorkommendes Volk. Mehrere Male sind wir an Bushaltestellen von den dort Wartenden darauf hingewiesen worden, dass wir auf der falschen Straßenseite stehen oder man reagierte auf unsere verwirrten Blicke mit der Frage, ob man uns helfen könne – von sich aus. Zwar sind Malteser temperamentvoll wie man die Südländer so kennt und können auch schonmal grummelig drein blicken, ich habe aber nie außer in Australien eine so große Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erfahren.

Trotz anfänglichem Schock und einem sehr durchwachsenen Eindruck der Insel hat es uns am Ende noch sehr gut gefallen. Die beiden Städte sind wirklich sehenswert und die Malteser ein nettes Völkchen. Dem Kurzurlaub würde ich eine Gesamtnote von 2- geben, wobei sowohl Tauchbasis als auch Hotel und die Städte wesentlich besser abschneiden würden, läge alles in einer gepflegteren Umgebung.

Für weitere Fotos besucht bitte mein Flickr-Album.

Zum Reisebericht Teil eins und Teil zwei.

Infos zur Reise:

Flug: Wir sind mit Air Malta geflogen, haben etwa eine Woche vor Abflug gebucht und pro Person 130 Euro bezahlt (für Hin- und Rückflug zusammen). Die Preise können aber je nach Buchungszeit und -tarif stark variieren. Eine Gepäckversicherung wird von der Air Malta empfohlen und kostete mich für diese eine Reise 11 Euro (gebucht über den ADAC).

Hotel: Wir waren im Ambassador Hotel im Ort Xemxja (abseits der Party- und typischen Touristätten), zu welchem die Tauchbasis gehört. Es ist einfach, aber sauber und sehr freundlich. Ein Doppelzimmer kostete für vier Nächte 76 Euro – pro Person, nicht pro Nacht! Im Preis sind Frühstück und der Transfer vom / zum Flughafen inbegriffen. Gebucht wurde über die Tauchbasis (ich weiß nicht, ob die Preise über das Hotel selber gleich sind). Das Hotel hat einen Salzwasserpool, ein Restaurant, eine Bar und man kann bis 23 Uhr auf der Terrasse noch etwas trinken, während über dem Meer der Mond aufgeht.

Tauchbasis: Mad Shark Diving Malta wird von einem deutschen Ehepaar, Annette und Lothar, sowie Hund Max geführt und liegt direkt unterhalb der Hotelterrasse in der St. Paul’s Bay. Bootsausfahrten auf dem traditionellen Fischerboot finden wochentags statt, Kapitän Sammy (ein absolutes Individuum) verkauft Getränke und seine legendären Sandwiches, das Boot hat eine Toilette, eine Leiter und ein Sonnensegel. Am Wochenende finden Ausfahrten mit Jeeps oder dem basiseigenen Bulli statt. Betaucht werden neben normalen Tauchplätzen vor allem Höhlen und Wracks. Offensichtlich erkundet man dabei gerne mal größere Tiefen. Wer vorher bucht, bekommt’s billiger, Tauchpakete sind im Angebot, Leihwagen werden vermittelt. Großes Lob von mir für die Pflege der Ausrüstung: Nach der Rückkehr zur Basis hängt jeder seinen Kram auf einen Ständer und alles wird von der Basis abgespült und weggeräumt – sowas hab ich noch nie gesehen! Die Atmosphäre ist professionell und sehr persönlich, gemeinsames Bierchen oder Käffchen trinken inklusive. Auch als Fremder fühlt man sich schnell willkommen.
Weitere Infos und vor allem viele, viele Links zu weiteren Tauchbasen (auch auf Gozo) findet man hier. Über 70 Bewertungen der Tauchbasis Mad Shark Diving finden sich hier.

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5 Antworten to “Sehenswerter Beton: Malta-Reisebericht Teil 3”

  1. Babs Samstag, September 15, 2007 um 07:58 #

    Und wer hat an der Playstation nun gewonnen? Doch nicht Sven?!?!

  2. Muschelschubserin Samstag, September 15, 2007 um 16:45 #

    Als ob ich das Dingen anrühren würde! Ich fass doch nicht alles an! *g*

  3. Zaubermaus Samstag, September 15, 2007 um 18:19 #

    Na dann hattet Ihr ja doch noch einen shönen Kurzurlaub!
    Ich hab aber schonmal gehört,das Malta ziemlich dreckig und grau sein soll… scheint ja was wahres dran zu sein!

  4. Muschelschubserin Montag, Oktober 15, 2007 um 21:32 #

    Eine Ergänzung hab ich noch etwas verspätet zu machen, und zwar zur Tauchbasis Mad Shark. Die Basis gewann bereits zwei Mal den beliebten Award der Zeitschrift „Tauchen“ in der Kategorie „Beste Tauchbasis Mittelmeer“: 2003 belegte Mad Shark den zweiten und 2005 den ersten Platz. Der „Tauchen“-Award 2007 läuft, ich bin gespannt!

    Außerdem wird sie in der aktuellen Zeitschrift „Unterwasser“ (Oktober 2007) als eine der besten Tauchbasen weltweit, Kategorie Mittelmeer, aufgeführt.

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