Begegnung mit Jesus: Malta-Reisebericht Teil 2

9 Sep

Er zählte keine Fenster ohne Scheiben, sondern tat das, was Männern größtes Vergnügen bereitet: Playstation spielen. Was gibt es auch Schöneres im Urlaub, bei 36 Grad, einer leichten Brise, strahlend blauem Meer und Himmel und der Möglichkeit, auf ein traditionelles Fischerboot zu steigen, als im klimatisierten Zimmer auf dem Bett zu liegen und Knöppe zu drücken?

Ich für meinen Teil wählte das Boot. Der gelb, blau, rot und grün angemalte Kahn mit den für Malta typischen Augen der Osiris am Bug, entspricht genau meiner Idealvorstellung von einem Boot. Ich mag so Kähne, die tuckern, Charakter haben und auf denen man sich fühlt wie ein Fischer. Nach der Erledigung des Papierkrams wurde mir an der Basis mitgeteilt, dass mein Eintauch-Tauchgang auf etwa 42 Metern stattfinden würde, der zweite auf maximal 34. Mein Auflachen und „Ja, klar“ wurde mit einem „Im Ernst“ beantwortet und somit musste ich kurz umdenken. Ich hatte damit gerechnet, dass man sich erstmal unter Wasser davon überzeugen wolle, dass ich auch für größere Tiefen geeignet bin. Außerdem klang es noch von Australien in meinen Ohren: „Dekotauchgänge sind verboten.“ Aber ich bin da ja flexibel.

Beim Sprung ins Wasser wurde ich gleich von zwei Dingen überrascht. Erstens hat das Mittelmeer hier um diese Jahreszeit Badewannentemperatur – nämlich etwa 25 Grad und das runter bis auf 32 Meter – was für eine Wohltat! Von Abkühlung keine Spur, von Kopfhaube und Eisweste auch nicht. Zweitens war die Sicht nicht halb so gut wie für Malta typisch. Statt 50 Metern hatten wir geschätzte 15 Meter Sichtweite.

Nach wenigen Minuten erreichen wir das Wrack der „Imperial Eagle“, welches auf maximal 42 Metern Tiefe liegt. Massig ragt uns der Bug des aufrecht stehenden Wracks entgegen. Reling, Toiletten, Steuerstand und Maschinenraum sind voll erhalten und aus nächster Nähe zu besichtigen. Über dem Bug tummeln sich Schwärme von Mönchsfischen, eine kleine Gruppe Barrakudas umschwimmt das Wrack als seien die Tiere seine Wächter. Eine Schnecke begnügt sich am Algenbewuchs und wir gleiten über das pelzige Schiff zurück in etwas flacheres Wasser.

Was ihr nun lest, meine ich so, wie es da steht: Dann begegnete uns Jesus. Nicht weit von der „Imperial Eagle“ entfernt steht nämlich eine riesige, vier bis fünf Meter hohe Jesusstatue. Mit ausgestreckten Armen und nach oben geöffneten Handflächen blickt er allmächtig gen Wasseroberfläche. Gegen diese beeindruckende und mystische Erscheinung fühlte ich mich buchstäblich wie ein richtig kleiner Fisch.

Der zweite Tauchgang findet am „Qawra (gesprochen Aura) Reef“ statt. Große Felsüberhänge, die wie kleine Höhlen anmuten und betauchbar sind, zeigen, wie bunt das Mittelmeer sein kann. Im Lampenschein erstrahlen organge- und gelbfarbene Schwämme, Gorgonien und Anemonen. Auf dem Rückweg tauchen wir oberhalb der Überhänge durch viele kleine aufsteigende Luftblasen – die Atemluft, die wir in unter der Decke in den Überhängen gelassen haben, entweicht durch kleine Löcher und Risse. Unser Aufstieg und die Dekopausen fühlen sich an wie ein Tauchgang durch ein sprudelndes Sektglas.

Leider fühlt sich auch meine Haut etwa eine Stunde nach unserer Rückkehr zum Hotel so an. Offensichtlich haben die Dekopausen für mich nicht gereicht. Obwohl alles planmäßig und ohne Zwischenfälle verlaufen ist, hab ich eine Dekokrankheit. Der nicht abgeatmete Stickstoff perlt unter der Haut aus, verursacht Rötungen an Bauch, Beinen und Rücken begleitet von Kribbeln, Juckreiz und Druckschmerzen. Damit steht fest, dass mein zweiter Tauchtag ausfallen muss. Welch eine Enttäuschung, wo ich doch sowieso nur zwei Tage gehabt hätte!

Trotzdem: Die beiden Tauchgänge waren schön, ich hatte bis auf die Dekokrankheit und relativ schlechte Sicht einen 30. Geburtstag nach meiner Vorstellung und finde Malta gar nicht mehr so übel. 🙂

Wie gestaltet man nun auf Malta ein Alternativprogramm ohne Tauchen, so mitten im Krisengebiet? Ob wir uns die nächsten zwei Tage um die Playstation zanken mussten? Ich erzähle im dritten Teil, wo es auch allgemeine Reiseinfos gibt (Hotel, Flug, Tauchbasis)… Zum ersten Teil hier lang.

Bis dahin viel Spaß beim Ansehen des Videos von einem Tauchgang an der „Imperial Eagle“ und der „Statue of Christ“ 🙂 :

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13 Antworten to “Begegnung mit Jesus: Malta-Reisebericht Teil 2”

  1. Stromfrau Sonntag, September 9, 2007 um 21:05 #

    Krass – dat Filmchen … echt beeindruckend! Also so macht sich eine Dekokrankheit bemerkbar… uff 😦

    Ich hab beschlossen, Ende September noch mal ne Woche nach Athen abzudüsen hehehehe. Für eine Woche darf ich ;O) sagt Frank! Muss wieder mal ne neue einarbeiten!!! hihihihi… Bei dem Wetter hier kann man ne Woche Sonne auch gut gebrauchen!!!

    Guten Start in die Woche! Bussi :-*

  2. Sebastian Montag, September 10, 2007 um 11:05 #

    Will auch endlich tauchen… hoffentlich klappt das nächstes Frühjahr mit Cadaques… beneide dich so sehr. 🙂

    Aber die Dekokrankheit hört sich ja mal gar nicht gut an… O_o hoffentlich wird das wieder oder noch besser es ist schon weg.

  3. Torsten Montag, September 10, 2007 um 11:55 #

    Herzlichen Glückwunsch nachträglich,
    ich hoffe, die Taucherflöhe wirst du bald wieder los. Das Video ist echt beeindruckend und macht mich so richtig heiß darauf, mal wieder Stickstoff zu fangen. Wäre schön mit euch mal wieder abzutauchen
    Gruß,
    Torsten

  4. Muschelschubserin Montag, September 10, 2007 um 12:53 #

    Ja, Torsten, das wäre was!

    @Seba
    Wäre schön und ich glaub langsam auch, dass du reif bist. 😀

    @Mel
    Freut mich für dich. 🙂
    Dekokrankheit kann sich auf vielerlei Arten bemerkbar machen, das ist nur eine davon.

  5. Sebastian Dienstag, September 11, 2007 um 10:22 #

    Ich wäre derzeit sogar reif für die „Insel“ Malta… oder jede andere Insel… aber schon wieder ein Jahr ohne Urlaub. Boah… ich kann bald nicht mehr.

  6. Mic Van Askal Mittwoch, September 12, 2007 um 13:54 #

    Hehe. Ich bin zurück. 😀 Hatte kurzweilig mit Internetpause zu kämpfen.
    Und so hab ich auch alles verpasst, aber zum Glück hast Du hier ja schön geschrieben. Deine Berichte haben mir, wie so oft, gut gefallen und ich konnte mir vieles davon vorstellen.

    So, und nun nach nachträglich ‚alles Gute‘ zum Geburtstag. Heile angekommen bist Du ja wieder, also wünsch ich Dir viel Energie und so Kram für die kommende Zeit Deines Lebens.

    *knutsch*
    Micha

  7. Muschelschubserin Donnerstag, September 13, 2007 um 10:49 #

    Danke! Kann ich gebrauchen.
    Dir auch alles Gute! 🙂

  8. Sven Donnerstag, September 13, 2007 um 11:41 #

    meine rekorde im wipeout hast du gar net erwähnt o.O frauen … keinen blick für die WIRKLICH wichtigen dinge im leben … =) …(eines mannes der halbnackt auf dem bett liegt und sich den südwind um die lenden wehen lässt) *flöt*

  9. Sebastian Donnerstag, September 13, 2007 um 15:03 #

    Hauptsache es war nicht der eigene Südwind der dir um die Lende wehte… ;-P

  10. spinpoint Freitag, September 14, 2007 um 18:52 #

    … wirklich nettes Filmchen, macht mal wieder Lust auf meh(e)r…..

    Hoffe, dass diese blöden kleinen Viecher wieder Deine Haut verlassen haben und Du den Rest des Urlaubs trotzdme noch genießen konntest.

    BTW: Ist ja noch ne Tek-Kombo unterwegs, oder hab ich mich da verguckt? Bei 40m schon 4 Buddeln? Gabs da in der Nähe noch nen Loch im Boden oder haben die da übernachtet 🙂

  11. Muschelschubserin Samstag, September 15, 2007 um 16:47 #

    Hab ich mich auch gefragt! *g* Das Video ist von niemandem, den ich kenne, deshalb kann ich dazu nix sagen. Es ist nicht von unserem Tauchgang.

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    […] interessiert mich nicht. Und im Urlaub fahre ich lieber in südländischer Hitze Boot als im klimatisierten Zimmer Autorennen zu zocken. Im Auto höre ich – ich muss wirklich direkt der Steinzeit entflohen sein – Kassetten! Dieses Wort […]

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