Krisengebiet ohne Krise: Malta-Reisebericht Teil 1

6 Sep

Erstmal ist es ein Schock. Jegliche Farbe und alles Leben scheint von diesen Inseln gefegt worden zu sein. Bis auf ein sandiges Beige und seltenes, ausgetrocknetes Grün fehlt jegliches Bunt. Betonschluchten und Einöde, mehr hat Malta mit seinen beiden Nachbarinseln Gozo und Comino aus der Luft nicht zu bieten. Ob die Wahl dieses Urlaubsziels wirklich richtig war? Erste maltaaussicht.jpgZweifel machen sich bereits im Flieger breit und ich sehe sie auch in den Augen meines Schatzis. Oje, was hab ich getan, ich hab uns in die totale Einöde verfrachtet! Will ich wirklich hier 30 werden? Zu den Zweifeln schleicht sich ein schlechtes Gewissen. Irgendwie hatte ich wesentlich mehr Grün und wesentlich weniger Beton erwartet. Das fehlende Grün mag ja an der Jahreszeit liegen. Eigentlich kein Wunder, dass auf dieser Insel mitten im Meer bei noch ganzen 37 Grad im Spätsommer kaum noch was wächst. Der Beton jedoch ist jawohl um jede Jahreszeit hier, all diese Häuser, beige an beige – das hatte ich bei einer Insel, einem Staat, mit knapp über 400.000 Einwohnern nicht erwartet.

Aus der Nähe verwandelt sich der Schock in Unglaube. Malta sieht wenn man genauer hinsieht in etwa so aus, wie man sich den Kosovo vorstellt. Krisengebiet ohne Krise. Zu fehlender Farbe kommen völlig verkommene Häuser. Massenweise. Ob die nun gerade gebaut oder demoliert werden, ist nicht zu erkennen. Überall kann man durch die Gebäude hindurch blicken, überallmaltatankstelle.jpg Ruinen, überall abblätternder Putz, bedrohlich der Sonne entgegen ragende Stahlträger, Baukräne, einfallende Dächer und Plastikflaschen. Von Umweltschutz keine Spur. Ich hab’s noch nie dreckiger gesehen. Und das so nahe am Meer – traurig!

Das Hotel ist wie gewünscht einfach, aber vollkommen ok, vor allem für einen Preis von 76 Euro für vier Nächte inklusive Flughafentransfer und Frühstück. Pro Person, nicht pro Nacht wohlgemerkt! Das ist fast Jugendherbergspreis und dafür ist das Hotel toll. Ein Pool läd zum Baden ein, das Zimmer ist sauber und hat entgegen der Buchung sogar einen Balkon und Meerblick (der eigentlich extra kostet). Das Personal ist super freundlich und die Atmosphäre persönlich. Die Tauchbasis liegt direkt unter der Hotelterasse, die Sonne brennt, der Himmel ist blau, eine leichte Brise weht – ich bin zufrieden! Naja, bis auf die Tatsache, dass ich auch hier vergebens nach Grün suche. Im Pflanzkasten auf dem Balkon trocknet ein verkümmerter toter Stengel vor sich hin, dem man nichtmals mehr ansehen kann, was er mal war. Oder OB ermaltaaussicht2.jpg jemals irgendwas war.

Keine Pflanzen, keine Erde, keine Bäume bis auf wenige Palmen, kein natürlicher Strand. Im Meer baden kann man zwar direkt vorm Hotel, aber mit einer absolut verdreckten, verkohlten, beschmierten und runtergekommenen Ruine DIREKT im Rücken und Beton unterm Hintern. Nunja, sind ja nur dreieinhalb Tage und das tauchen hier soll einfach toll sein. Der Rest kann mir damit egal sein. Was mein Schatzi allerdings die ganze Zeit machen soll, während ich die Nase unter Wasser halte, ist mir ein Rätsel – Fenster ohne Scheibe zählen vielleicht?

Wie es weiterging, schreibe ich im zweiten Teil. Vielleicht war ja alles doch nicht so schlimm, vielleicht hat das Tauchen ja alles wieder wett gemacht, vielleicht ist doch noch eine Krise ausgebrochen oder vielleicht ist Grün ja auch völlig überbewertet…?

Und es gibt auch noch einen Teil drei, inklusive allgemeiner Infos zur Reise.

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5 Antworten to “Krisengebiet ohne Krise: Malta-Reisebericht Teil 1”

  1. Stromfrau Samstag, September 8, 2007 um 11:15 #

    Malta stand bei uns auch mal in der engeren Auswahl – gut, dass wir dort nicht hingeflogen sind; es ist dann Teneriffa geworden und von dieser Insel waren wir sehr begeistert! Die Gegend um den Teide (Vulkan) ist wie Marslandschaft, dann gibts Schluchten – da verschlägts einem den Atem und Wälder – das ist der Hammer! Kein Vergleich zu diesen Fotos!

    Aber wie immer ein super Reisebericht bisher und macht wie immer Spaß zu lesen; da wird sogar alles schlechte gut, da du trotz Negativeinflüssen eine positive Art hast zu schreiben!

    Schönes WE-Grüßi vonne Stromfrau :o)

  2. Muschelschubserin Samstag, September 8, 2007 um 11:46 #

    Danke für das Lob! 🙂 Auf Teneriffa war ich auch schonmal vor etlichen Jahren, war ganz nett. Begeistert war ich damals vor allem von dem Kellner an der Bar im Hotel. *g*
    Damals… Ich war 14 oder so. 😀

  3. Anika Dienstag, September 11, 2007 um 01:15 #

    ja, daher hat es mich bis jetzt auch noch nicht nach Malta gezogen: ich war so abgeschreckt von dem wenigen Grün und den vorherrschenden Bauten

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