Walnuss-Schubserin

1 Aug

Was ne Pamperei! Ich habe endlich meinen Färbeversuch gestartet. Mein Mittelalterkleid ist mittlerweile ohne weitere Verletzungen fertig genäht und die Walnussschalen, mit denen ich den Leinenstoff braun färben will, sind auch angekommen. Außerdem standen auf dem letzten Mittelaltermarkt am Wochenende lauter Walnussbäume rum, so dass ich dort noch zusätzlich frische Walnüsse gepflückt habe. Jetzt steht ein riesen Bottich brauner Pampe aus Alaunbeize, getrockneten Walnussschalen und frischen grünen Schalen in meiner Küche, walnuss-002.jpgdarin das Kleid. Dummerweise hab ich mir beim Schälen der frischen Nüsse keine Handschuhe angezogen und hab jetzt seit zwei Tagen sowas von braune Hände bis unter die Fingernägel! 😀

Da ich im Internet und in Büchern auf der Suche nach verlässlichen Infos zum Färben von Leinen mit Naturfarben kaum fündig geworden bin, beschreibe ich hier mal, was ich gemacht habe. Die Aussagen im Internet sind nämlich wenn überhaupt vorhanden höchst widersprüchlich. Meist geht es um das Färben von Wolle, was für mich erstmal uninteressant ist. Leinen kommt kaum mal vor, wenn doch, dann findet man Aussagen von „nimmt die Farbe überhaupt nicht an, ist nicht licht- und waschecht, kannste vergessen“ bis hin zu „lässt sich noch viel besser färben als Wolle“. Zum Färben mit Walnuss fand ich nur, dass es angeblich recht einfach geht und manche Quellen sagen auch, es ginge kalt. Was für mich praktisch ist, denn ich habe keinen Topf, der groß genug wäre, das Ganze zu erhitzen. Also ignoriere ich mal die Rezepte, in denen es heißt, man müsse den Farbsud erhitzen. Außerdem schreiben die meisten, dass man für das Färben mit Walnuss keine Beize brauche, also keine Vorbehandlung mit einem Zusatzmittel, damit der Stoff die Farbe besser aufnimmt. Das liegt daran, dass Walnüsse bereits viel Gerbsäure enthalten. Ich hab aber trotzdem etwa 100 Gramm Alaun in den Farbsud gemischt. Ich bin nämlich sehr skeptisch, dass es überhaupt was wird, denn kleinere Stoffreste von meinem Leinenstoff ließen sich im kleinen Vorversuch so gut wie gar nicht färben.

Mein Versuch sieht folgendermaßen aus: 1 Kilogramm getrocknete Walnussschalen und die Schalen von etwa einem Kilo frischen Walnüssen habe ich zwei Tage lang in viel Wasser einweichen lassen. Zum Färben benutze ich so eine richtig große Plastikwanne aus dem Baumarkt. Normalerweise sollte man Töpfe aus Emaille nehmen, den hatte ich aber nicht zur Hand und ich wollte erstmal kein Geld fürs Färben ausgehen, falls es eh schief geht. Dann 100 Gramm Alaunbeize reingemischt und das feuchte Kleid für 24 Stunden reingelegt. Da ich überall las, dass das regelmäßig Rühren und Wenden wichtig ist, damit der Stoff am Ende nicht wie gebatikt aussieht, hab ich das Ernst genommen. Das heißt ich bin auch letzte Nacht drei Mal aufgestanden zum Rühren. Komme mir langsam vor wie ne Hexe, wenn ich mit dem Besenstiel in der Pampe rumrühre…

Die 24 Stunden sind bald rum, dann werde ich das Kleid rausnehmen und so wie es ist (nicht ausgewaschen) auf die Leine hängen. Angeblich entfaltet sich die Farbe erst so richtig, wenn der Stoff an der Luft und in der Sonne hängt. Wenn es getrocknet ist, wasche ich es aus und wenn es dann wieder trocken ist sieht es hoffentlich anders aus als Naturleinen. Ich muss aber sagen, dass ich keine allzu großen Hoffnungen habe, denn bisher sieht es zwar schon braun aus, aber längst nicht so kräftig wie ich gehofft hatte. Sieht man auch auf dem Foto. Und im trockenen Zustand sieht es ja nochmal viel blasser aus.

Naja, ich bin gespannt. Wenn’s schief geht, nehm ich halt Textilfarbe. Einen Versuch war’s wert. Über das Ergebnis berichte ich dann morgen.

5 Antworten to “Walnuss-Schubserin”

  1. Anika Donnerstag, August 2, 2007 um 10:45 #

    So viel Aufwand ist ja echt bewundernswert…kann man solche Kleider auch nicht einfach kaufen?;-)

  2. Muschelschubserin Donnerstag, August 2, 2007 um 15:00 #

    Naja, mein erstes ist gekauft. Leider ist da dann aber immer was unauthentisches dran. Oder sie passen null in die Epoche, die man darstellt, vom Schnitt, der Farbe oder dem Stoff her. Das fällt unter den Darstellern auf. Es ist unglaublich, auf was da teilweise geachtet wird. Es gibt so richtige Hardcoreleute. Zu denen gehöre ich zwar nicht, aber ich find’s interessant, mal selber Hand anzulegen und ein bisschen rumzuprobieren.

  3. Sebastian Donnerstag, August 2, 2007 um 15:01 #

    Ja, kann man… macht aber nicht so viel Spaß und wenn man es dann trägt weiß man was es einem wert ist.
    Aber wenn ich das Foto sehe könnte man meinen das dein Küchenlappen mit dem du Essensreste aufwischt dringend mal wieder ausgewaschen werden müsste. 😉

  4. Muschelschubserin Donnerstag, August 2, 2007 um 15:21 #

    *lol* So ist es! Das Kleid sieht überhaupt eher aus wie ein Kartoffel- oder Kaffeebohnensack. Naja, das Färben hat nicht so funktioniert wie ich gehofft hatte. Da brauch ich gar nicht groß nachberichten. Es sah relativ gut aus (wenn auch längst nicht so kräftig wie erhofft), aber nach dem Trocknen war es kaum noch dunkler als vor der Färberei. Ich wasche es nun gar nicht extra aus, sondern färbe gleich direkt mit Textilfarbe drüber, dann kann ich es wenigstens am Wochenende auf dem Junker Markt anziehn. :/

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