Buchbesprechung: Ein Jahr in Australien

11 Jul

Es gibt Leute, die bewundere ich nicht nur, die beneide ich wohlwollend. Eine davon ist Julica Jungehülsing. Ihr Buch „Ein Jahr in Australien – Eine Reise in den Alltag“ entdeckte ich neulich im elektronischen Buchladen und ich war sofort gespannt wie’n Flitzebogen. Mittlerweile habe ich das Buch halb durch und bin noch immer gespannt auf die nächsten Seiten. Die Autorin lebt seit 2001 in Sydney und beschreibt in diesem Buch ihr erstes Jahr in Australien. Den ersten Grund, warum ich sie beneide, wisst ihr ja nun schon: Sie lebt in Sydney. Den zweiten habe ich eigentlich auch schon verraten: Sie ist Autorin. Und ich träume schon seit Jahren insgeheim davon, irgendwann einmal ein Buch zu schreiben. Es gibt da aber noch mehr Gründe.

Julica Jungehülsing ist nämlich außerdem Journalistin. Freie Journalistin, genauer gesagt, und sie schreibt unter anderem für deutschsprachige Medien über Australien. Ihre Artikel sind zu lesen in verschiedenen Geo-Ausgaben, dem Stern, der Brigitte, der Zeit, dem Tagesspiegel… Sie erzählt in ihrem Buch zum Beispiel, dass sie für eine Reportage einige Wochen im australischen Arnhemland verbracht hat, das noch immer von vielen mehr oder weniger traditionell lebenden Aborigines bewohnt wird und zum Großteil den Ureinwohnern gehört. Sie macht also kurz gesagt etwas, was ich mir wunderbar als mein eigenes Arbeitsleben vorstellen könnte. Und ihre Karriere begann lustiger Weise dort, wo auch ich meine berufliche Laufbahn startete: Bei den Westfälischen Nachrichten in Münster (wobei ich bei einer der untergeordneten Lokalzeitungen war).

So verbringe ich derzeit also etliche Stunden sabbernd hinter diesem Buch, bin gedanklich wieder „drüben“, kenne viele der kleinen australischen Besonderheiten, die sie beschreibt und über die sie sich wundert. Ich erkenne Ecken, Strände und Gebäude in Sydney wieder. Ich kann nachvollziehen, wie es ist, nicht mehr sofort als Deutsche erkannt werden zu wollen. Oder seine deutsche Steifheit gegen eine ordentliche Prise australischer Gelassenheit eintauschen zu wollen. Mit der australischen Freundlichkeit anfangs überfordert zu sein und sich immer wieder zu fragen, was man denn nun genau auf „How ya goin‘?“ („Wie geht’s?“) antworten soll – meine Lebensgeschichte erzählen, in einem Monolog ausbreiten, wie es mir derzeit so geht, einfach „fine“ oder wie oder was? Dann stellt man fest, dass ein „fine“ oder „good“ oder ähnliches reicht, vorausgesetzt man hängt mindestens ein „thank you“ dahinter. Bestenfalls sagt man aber „Fine, thank you. How are you?“ (Danke, gut. Wie geht’s selbst?) Was ich persönlich als so dermaßen lang empfunden hab, dass ich es kaum über die Lippen brachte. Erst recht nicht ohne mich dabei an meiner eigenen Zunge zu verschlucken oder mich total zu verkrampfen. Das Schlimmste ist, dass man dieses Minigespräch ÜBERALL führt, beim Bäcker, an der Supermarktkasse, in der Bank, am Ticketschalter, privat und geschäftlich am Telefon… Als Deutscher hat man es da schon richtig schwer, das, was man eigentlich will, solange für sich zu behalten! Wir sprudeln ja immer gleich los. „Hallo, ich hätte gerne…?“ Ohne große Umschweife immer direkt in die Vollen, so sind wa halt. Aber ich drifte ab.

„Ein Jahr in Australien“ ist unterhaltsam und amüsant, ein sehr netter Zeitvertreib, wenn man mal nicht eben mehrere hundert Euro für nen Flug parat hat. Man reist mit der Autorin, reitet mit ihr die Wellen, erlebt mit ihr das erste Stolpern in einem Land am anderen Ende der Welt. Es ist nicht nur gut geschrieben, sondern wartet mit sympathisch viel Selbstironie auf. Es zeigt wie deutsch wir sind und wie australisch wir sein können. Und es ist vor allem ein Buch wider dem deutschen Pessimismus, so eine Auswanderungs-Spinnerei solle man sich gefälligst ganz schnell wieder aus dem Kopf schlagen. Herrlich unkompliziert und „easy going“!

Text auf der Buchrückseite:

„Von diesem Moment hatte ich geträumt, seit Monaten, wahrscheinlich seit Jahren. Ich griff mein Brett, zog die Tür hinter mir zu, steckte den Schlüssel in den Klettverschluss und lief die Treppe runter. Dann ging ich barfuß mit dem Board die Straße entlang zum Strand. Ganz normal. Wie alle anderen Menschen in Bondi Beach auch.“

ISBN 978-3-451-05818-9, Verlag Herder

7 Antworten to “Buchbesprechung: Ein Jahr in Australien”

  1. Anika Lindtner Donnerstag, Juli 12, 2007 um 19:49 #

    Worüber würdest Du denn gern ein Buch schreiben? Und warum tust Dus nicht? Fang einfach an, zu schreiben. „Halte Deine Hand in Bewegung!“(Nicole Goldberg)
    Das Buch von ihr ist übrigens wahnsinnig empfehlenswert, wenn Du jemanden suchst, der Dich davon überzeugt, es wirklich einfach zu tun. Einfach zu schreiben.Einfach anzufangen und dieHhand in Bewegung zu halten. Es ist echt wunderbar: „Schreiben in Cafés“

  2. Schlacke Donnerstag, Juli 12, 2007 um 20:52 #

    Ähm sach mal … biskken offtopic ne?! aber ich frach mich wode de schlote hingehaun has‘ in dein bild oben üba dat blok. ich frach nur weil so grün kennichat nich hier in revier!

  3. Muschelschubserin Donnerstag, Juli 12, 2007 um 21:35 #

    @Anika
    Den Buchtipp sehe ich mir mal genauer an. Ich weiß nicht, worüber es sein soll. Hab mir in Australien ne Menge Sachen aufgeschrieben mit dem Buchgedanken im Hinterkopf. Man weiß ja nie. Ich warte noch auf eine Eingebung, sozusagen den Kuss der Muse. *g*

    @Schlacke
    *lol* Du Scherzkeks! Ich zeig dir bald noch ganz andere grüne Ecken ohne Schlote aus’m Revier, du!

  4. Anika Lindtner Freitag, Juli 13, 2007 um 13:41 #

    ja, mach das unbedingt, ich habe mich echt riesig gefreut, dass ich das Buch gefunden und mit nach Hause genommen habe Ich werde es aber auch nochmal bei http://buecherknabbern.wordpress.com vorstellen…:-)

  5. Muschelschubserin Freitag, Juli 13, 2007 um 14:42 #

    Prima, dann kann ich mich ja dort mal wieder näher informieren. Mutiere eh grad zum Stammleser. 🙂

  6. Patricia Freitag, September 21, 2007 um 01:19 #

    hej hej! Ich habs grade zuende gelesen das gute Stück … mich ziehts ganz schön dahin zurück, nach dem lesen noch mehr als vorher … aber was macht man da? Barista in Bondi werden beim Gusto? Dat wärs! 😀

  7. Muschelschubserin Freitag, September 21, 2007 um 11:17 #

    Hihi, lustig! Ich hab auch letzte Tage noch an euch gedacht. Was ihr wohl so macht. Wenn doch bloß schon die nächste Reise nach Down Under in Aussicht stünde. Seufz!
    Lifesaver wäre auch noch ne Alternative. *g* Wobei ich gerne das selbe machen würde wie die Autorin: Schreiben für deutsche Medien. Sie hat ja den selben Beruf wie ich und hat witziger Weise ihre Ausbildung in der gleichen Zeitungsgruppe gemacht wie ich – in Münster. Ich hatte ein Weilchen Kontakt zu ihr nach meiner Buchbesprechung. Ist ne sehr nette und ich wünscht, ich hätte schon was von ihr gewusst, als ich noch drüben war.

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