Borat – Die größte Überbewertung des Jahres

4 Jun

Was für eine Enttäuschung! Da hat man mir monatelang einen vorgeschwärmt von diesem tollen Film. Mir permanent Filmzitate um die Ohren gehauen. Mir gesagt, ich müsse ihn unbedingt sehen. In den Medien sprang einem dieser hässliche Protagonist ständig ins Blickfeld, überall wurden die ach so komischen, aber angeblich doch dokumentarischen und somit irgendwo tiefsinnigen Szenen gezeigt und gefeiert. Wie herrlich hier die Amerikaner vorgeführt würden, wie direkt einem hier mal gezeigt werde, was wirklich Sache ist. Heute weiß ich, dass das alles überbewertet war – einen schlechteren Film hab ich schon lange nicht mehr gesehen.

„Borat“ ist nicht nur unlustig, sondern völlig geschmacklos albern. Nicht nur nicht dokumentarisch, sondern überfüllt mit völlig sinnlosen Szenen, die nichts mit irgendeinem Thema zu tun haben. Nennt mich humorlos, aber wenn sich zwei ekel erregende nackte alte und behaarte Kerle in einem Hotelzimmer raufen, sich gegenseitig ihre Genitalien durchs Gesicht reiben, rumbrüllen, aufeinander reiten und derartig schauspielerische Höchstleistungen vollbringen, weiß ich nicht, was mir das nun sagen soll. Ich will auch keinen dicken, behaarten alten Kerl beim Masturbieren sehen. Was ist daran bitte lustig? Und was hat das mit den „US und A“ zu tun oder mit Kasachstan oder mit Satire? Wie man da auch nur den kleinsten Funken Tiefsinn (der in diesem Film ja angeblich überall versteckt sein soll) sehen kann, werde ich nie verstehen. Ich finde das niveaumäßig weit unter Null und hätte ich dafür Kinoeintritt bezahlt, hätte ich mich verarscht gefühlt. Während diese auch noch unnötig in die Länge gezogenen Nacktszenen für mich der absolute Film-Tiefpunkt waren, fand ich aber auch alles andere drumherum mit fortschreitender Zeit immer geschmackloser, unglaubwürdiger, langweiliger.

Über Kasachstan und die USA oder meinetwegen jedes x-beliebige Land herzuziehen und Vorurteile vorzuführen und auf lustige Art und Weise mit Klischees aufzuräumen mag ja ganz gut sein, wenn es denn gut gemacht ist. Hier wird dagegen ohne jegliches Niveau ein ach so witziger „Schenkelklopfer“ nach dem nächsten rausgehauen („Meine Schwester ist die viertbeste Prostituierte von Kasachstan.“ – Ich lach mich tot…) und dokumentarisch ist der Film schonmal gar nicht. Er wird mit fortlaufender Zeit sogar immer unglaubwürdiger, etwa, als Borat Pamela Anderson in einen Sack steckt und dann die Flüchtende verfolgt, die komischer Weise weder vernünftig gezeigt, noch von irgendwelchen Bodyguards beschützt wird. Ja, nee, is klar. Ich glaube alles, was ich sehe! Und selbst, wenn es Pamela Anderson höchstpersönlich gewesen ist, ist dies nur eine weitere Geschmack- und Sinnlosigkeit.

Die zwei oder maximal drei Szenen, in denen man sagen könnte, dass ansatzweise dokumentarisch gezeigt wird, wie absurd Amerikaner denken können, hat wohl jeder schon in diversen Trailern gesehen (zum Beispiel die Szene im Waffengeschäft, wo der Verkäufer Tipps gibt, mit welcher Waffe man am besten einen Juden erschießen könnte oder die Szene auf dem Rodeo, wo Borat die kasachische Nationalhymne singt). Mehr Gutes kommt dann aber auch wirklich nicht vor. Mutig finde ich diesen Film nicht. Derb auch nicht. Anderen Worte in den Mund legen kann ich auch, ebenso fieseste Fragen mit einem völlig harmlosen Unterton stellen, so dass ich darauf eine normale Antwort bekomme. Das hat selbst Stefan Raab schon vor zehn Jahren in sämtlichen deutschen Fußgängerzonen gemacht. Der Film wäre wesentlich besser gewesen als ganz normale alberne Komödie, ohne diesen verfehlten Anspruch auf Dokumentation.

Gähn!

An diesen Kommentaren kann man wunderbar sehen, welch für mich erfreulicher Weise gemischte Reaktionen der Film ausgelöst hat.

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8 Antworten to “Borat – Die größte Überbewertung des Jahres”

  1. Babs Dienstag, Juni 5, 2007 um 06:35 #

    Ich fand den Film ziemlich überflüssig.

    Schön, dass du wieder „da“ bist!

  2. Stromfrau Mittwoch, Juni 6, 2007 um 07:53 #

    Jo – ich im alten Griechenland kann mich euch nur anschließen. Hab den Film allerdings nicht gesehen, aber mir haben die „Werbungen“ dafür schon gereicht, hinzu kommt, dass ich Borat selber schon pottenhässlich finde – also warum soll ich mir das antun? Ich hab für solche Filme keinen Humor und hab für die gesparten 8,- Euro + 2,50 Euro Cola + 3,50 Euro Popcorn… mir was „ordentliches“ angesehen als ich letztes Mal in D war: „Zwischen den Welten“ oder so, der war ziemlich cool!

    Finds auch schön, dass DU wieder da bist… und dass ich mit Babs auch mal wieder mit nem Käffchen im Blog anstoßen kann *zuproste*!

    Bis bald,
    Küssle eure Stromfrau

  3. Sebastian Mittwoch, Juni 6, 2007 um 14:19 #

    Kann mich den anderen beiden Kommentaren und Sonja nur anschließen.
    Ich find den Typen einfach nur nervig und überflüssig. Leider hat dieser Film mir aber auch gezeigt wie leicht manche mit Unsinn zu begeistern und zu unterhalten sind, sonst wäre er ja nicht so erfolgreich gewesen.

  4. GunGirl Mittwoch, Juni 6, 2007 um 20:03 #

    huhuu :o)

    dein beitrag untermauert meinen vorsatz, diesen film nicht sehen zu müssen.

    liebe grüße
    :o)

  5. Svorat Mittwoch, Juni 6, 2007 um 22:44 #

    ich fand ihn toll … genauso wie g8 krawalle … ! =) Ironie is niiiice …

  6. affentausch Mittwoch, August 1, 2007 um 19:38 #

    der film zeigt einfach nur die dummheit anderer menschen und hält den amis den spiegel vors gesicht…. aber der film ist geschmackssache. vor allem die Nackt-Kampf-Szene…. :-O

  7. Muschelschubserin Donnerstag, August 2, 2007 um 15:10 #

    Stimmt. Interessantes Projekt hast du da, ich drücke dir die Daumen, dass es klappt! 🙂

  8. Sasha Baron Cohen Sonntag, März 9, 2008 um 21:14 #

    Also ich fand den Film hervorragend .
    Jeder soll aber seine eigene Meinung haben

    SEEEHR NIIIICE

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