SS Yongala – Adrenalin pur (Aktualisiert am 23.4.08: Fotos!)

19 Apr

Es gibt einen Ort an Australiens Ostkueste, da ist unter Wasser alles groesser als an anderen Orten. Mitten im Ozean, von der Oberflaeche aus nur durch eine Boje zu erahnen, liegt das Wrack der SS Yongala. Das Schiff ist 1911 auf dramatische Weise gesunken, bis heute gibt es unterschiedliche Versionen, wie das passiert ist. Fest steht, dass die Yongala mit ueber 120 Passagieren an Board in einen Zyklon geraten und so schnell gesunken ist, dass es keine Ueberlebenden gab. Da die Toten nie geborgen wurden, umgibt die Yongala eine unglaublich mystische, unheimliche Atmosphaere und schon alleine deswegen hatte ich ordentlich Respekt vor dem Tauchen dort. Beim Briefing sagte man uns, wenn man etwas sieht, das wie ein Knochen aussieht, dann sei es auch einer.

Menschliche Ueberreste haben wir zum Glueck nicht gesehen, aber auch der Rest des Briefings versprach wahre Wunder. Die Aufzaehlung, was man dort alles sehen koenne, war der pure Wahnsinn – es ging von Schildkroeten ueber Mantarochen bis hin zu drei Meter langen Bullenhaien (Aaahhh! Mit denen wollte ich niemals tauchen, die sind doch so aggressiv!!) und Napoleonfischen in gigantischen Ausmassen. Einer davon soll so gross sein wie ein VW. Der Grund, warum sich alles Meeresleben dort versammelt ist einfach: Die Yongala ist das einzige Riff in der Gegend! Die massive Stroemung kann einem buchstaeblich die Maske vom Gesicht reissen. Bloss nicht die Ankerleine loslassen, sonst ist man in Windeseile meilenweit vom Boot entfernt. Und, auf Grund der Tiefe muss man ausserdem aufpassen, dass man sich nicht massenweise Deko einfaengt und das Wrack ist extrem geschuetzt, nichtmals des Tauchers Luftblasen duerfen das Wrack beruehren, weil sie rostigen Schaden anrichten koennen.

Schon beim Abtauchen wird man von riesigen Stachelmakrelen, Schildkroeten und Barrakudas begleitet. Die Yongala liegt ziemlich schraeg, umgeben von in unterschiedliche Richtungen ziehenden Stroemungen und ist zum Teil fast bis zur Unkenntlichkeit mit Korallen, Gorgonien und Schwaemmen bewachsen. Sie liegt zwischen 14 und 27 Metern. Nach wenigen Metern angestrengtem Paddeln sieht man die ersten Kaiserfische – natuerlich ungewoehnlich gross. Ein Adlerrochen schlummert in einer geschuetzten Ecke nahe des Schiffsmotors. Neben mir schwimmt ein Barrakuda. Auf dem Sandboden sehen wir die erste Olivgrüne Seeschlange, hoch giftig aber einfach wunderschoen. Massige Zackenbarsche schieben sich ins Bild, verschwinden dann in ihren Schlupfwinkeln im Wrack. Die Cargobereiche sehen wie riesige dunkle Loecher aus, unheimlich. Hinter einer Gruppe blauer Gorgonien liegt eine Schildkroete in unglaublichen Ausmassen! Ich hab ja schon ein paar grosse gesehen am Great Barrier Reef, aber diese hier ist der Turbo unter den Schildkroeten – der Panzer ist groesser als ein kompletter Taucher und wunderschoen gemustert. Da sind auch die Napoleonfische, riesig. Auf der anderen Seite des Wracks lassen wir uns in der Stroemung treiben. Dichte Schwaerme bunter Fische versperren die Sicht aufs Blau. Ploetzlich drehen alle um, so abrupt und monoton, wie es nur Schwaerme koennen, und kommen uns entgegen, fluechtend. Mehrere kraeftige Makrelen jagen ihnen nach, knapp an uns vorbei. Der Tauchgang endet mit Schildkroeten und fast zahmen Fledermausfischen groesser als Autoreifen beim Auftauchen.

Beim zweiten Tauchgang haenge ich ne viertel Stunde an der Boje und warte auf meine langsamen Buddies, die aus irgendeinem Grund nicht ins Wasser kommen. Mein Oktopus blaest in der Stroemung ab, meine Maske rutscht, meine Haende sind innen noch Tage spaeter vom Seil total aufgerauht, wie eine Fahne im Sturm haenge ich am Seil und frage mich, wie lange meine Arme mich noch halten koennen. So ein duennes Seil ist ja nun nicht grad der beste Ort zum Festhalten. Unglaublich, wie sehr viel staerker die Stroemung waehrend der Pause geworden ist! Den Tauchgang verbringen wir auch unter Wasser am Seil. „Too strong“ schreibt der Guide auf sein Schreibbrett. Ich denke, das will was heissen. Und da man ja nun wirklich auch vom Seil aus gut bedient wird, ist das halb so schlimm. Alles in allem war das echt mal spannendes Tauchen (und Boot fahren, denn mal wieder war die See rauh wie sonst was), und es tat mir mal wieder leid, abzureisen.

Fotos: alle © Creative Commons License / Lukes Flickr bei Flickr. Alle Fotos sind an der Yongala gemacht worden und entsprechen meinem Eindruck von dort. Ich hatte leider keine andere Möglichkeit, an Fotos heranzukommen.

→ Infos:

Townsville: Magnetic Island liegt ebenfalls direkt vor Townsville, es lohnt sich also, hier zu stoppen.

Tauchbasis: Adrenalin Dive, Townsville. Die Bootsfahrt dauert 3 Stunden, one way. 2 Tauchgaenge kosten inklusive Equipment 235 AUS-Dollar – und ja, es lohnt sich! Man sollte früh buchen und muss einen Tag vor der Ausfahrt nochmal gegenchecken, ob sie wirklich planmäßig stattfindet. Auf Grund der heftigen See auf dieser Fahrt kann sich das nämlich schonmal verschieben. Die Yongala kann man auch von Ayr, suedlich von Townsville mit einer anderen Basis betauchen. Die Anfahrt von dort aus ist kuerzer. Weitere Infos dazu unter diesem Link.

Tipps: Die Yongala sollte nur von erfahrenen Tauchern betaucht werden. Wer weniger als 15 geloggte Tauchgaenge hat, muss mit einem Guide tauchen. Ich wuerde aber einiges mehr an Erfahrung empfehlen, damit man diesen Spot richtig geniessen kann. Ich persönlich hätte mit 15 Tauchgängen arge Probleme bekommen bei den Bedingungen. Unbedingt vor der Ausfahrt Tabletten gegen Seekrankheit nehmen! Ich hab mehrere Leute gesehen, die noch nie seekrank waren und dann ueber der Reling hingen. Und diese Bootsfahrt ist garantiert mit heftigem Seegang verbunden.

Infos zur Yongala: Gibts zum Beispiel auf der Website von Adrenalin Dive, hier oder natuerlich massenweise über die Suchmaschinen. Bei YouTube gibt’s außerdem etliche Videos. 😉

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5 Antworten to “SS Yongala – Adrenalin pur (Aktualisiert am 23.4.08: Fotos!)”

  1. Genosse Sven Samstag, April 21, 2007 um 14:13 #

    ^Schade das man Deine Bilder bei Flickr net kommentieren kann. Sag ich Dir dann mal persönlich =)

    Sind ein paar sehr schöne Fotos zwischen … wobei ich dir, mit Dir druff, bevorzuge!

    LD
    Sven

  2. Muschelschubserin Sonntag, April 22, 2007 um 01:44 #

    Aaah, ja, sag es mir!!! 🙂

    Hab das extra ausgestellt, sonst hab ich noch mehr zu lesen und zu beantworten.

    Lieb dich! Noch acht Tage… *freu heul schniefz*

  3. Babs Montag, April 23, 2007 um 15:57 #

    Ich find die Fotos von dir da auch fein, wollte ich noch sagen…aber son Ameisenigelbär könntest du mir gerne mitbringen, die sind ja supersüß!

    Knutschi, bis ganz bald, oder?
    Babs

Trackbacks/Pingbacks

  1. “So’n Zacki zum 300. wäre schon schön” (Tamariu-Reisebericht Teil 3) « Muschelschubserin - Donnerstag, August 7, 2008

    […] tauchen zu müssen, denn Strömung flößt mir immer Respekt ein. Zwar hab ich zum Beispiel am Wrack der “SS Yongala” in Australien schon viel extremere Strömung erlebt, als sonderlich strömungserfahren würde ich […]

  2. Tauchen in Exmouth: Navy Pier – Top-Tauchtag mit Tuecken « Muschelschubserin - Montag, August 2, 2010

    […] Tauchen gut und schoen, es war Zeit fuer ein bisschen Adrenalin. So wie damals, als ich die SS Yongala in Queensland betaucht habe. Den Navy Pier in Exmouth hatte ich mir schon von Deutschland aus als Tauchplatz vorgenommen. Laut […]

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