Drei Tage leben auf dem Great Barrier Reef

14 Apr

Drei Tage auf ’nem Boot haben so ihre Nachwirkungen. Eine davon haelt bis heute an: Ich schwanke durch die Gegend und sobald ich einen geschlossenen Raum betrete, dreht sich alles. Das gipfelte darin, dass ich heute morgen, beim ueblichen halb verschlafenen Griff nach dem weckenden Handy, gepflegt ausm Bett gekullert bin! Ich war noch nie so froh, nicht oben in einem Doppelbett gelegen zu haben. Zum Glueck waren auch meine Zimmergenossen die ganze Nacht nicht da. Das waere sonst ein wenig peinlich gewesen, wenn mich jemand wild rudernd mit Wuselfrisur und dicken Augen neben dem Bett liegen gesehen haette. Hat naemlich ein paar Sekunden gedauert, bis ich die Orientierung wieder hatte. 🙂


Ich ziehe nun nach einer Woche Urlaub ein erstes Fazit und muss sagen: Ich bin platt! Platt getourt, platt getaucht, platt geshippert! 10 Tauchgaenge in zweieinhalb Tagen, von sechs Uhr morgens bis zehn Uhr abends, das hat’s in sich! Aber es hat sich gelohnt, wenn ich auch vom Great Barrier Reef mehr erwartet hatte und auf der Hinfahrt durch die Hoelle gegangen bin! Ich war so dermassen seekrank, dass ich diesen Trip fuer die groesste Fehlentscheidung meines Lebens gehalten habe und mich schon fragte, wie ich das drei Tage und vor allem Naechte durchstehen soll! Allerdings liess das „schon“ nach 3 Stunden Fahrt nach und sobald wir geankert hatten an einem ruhigen Plaetzchen war ich bereit fuer die ersten vier Tauchgaenge.

Das Wetter an sich war sehr durchwachsen, von Regen ueber Sturm bis zu Sonnenschein war alles dabei. Da ist es wohl nur logisch, dass die Sicht darunter leidet. Die ersten Tauchgaenge waren ziemlich enttaeuschend – schlechte Sicht, wenige Fische und alles so gar nicht wie in den Buechern. Mir hat’s natuerlich trotzdem Spass gemacht, aber ich hoffte doch auf eine Steigerung. Und diese kam dann auch langsam. Zwar nicht bis zum absoluten ober-WOW, aber doch so weit, dass wir ein paar richtig schoene Tauchgaenge hatten. Vor allem die beiden Nachttauchgaenge, mitten auf dem Ozean mit weder Land noch anderen Booten in Sicht, bleiben mir in Erinnerung. Schon bevor wir ins Wasser sprangen, konnten wir die durch das Licht angezogenen zahlreichen Grossfische und Haie sehen – Wahnsinn! Unter Wasser ging es dann natuerlich so weiter. Haie, Rochen, viel Kleinkram, unglaublich bunte Fische, Schildkroeten… Bei einem der Tagtauchgaenge haben wir unseren Sicherheitsstopp direkt neben einer riesengrossen Schildkroete gemacht, die voellig unbeeindruckt Korallen mampfte. Keinen Meter davon entfernt schwebte eine grosse, beige-braun gestreifte Sepia und fuchtelte mit ihren Armen in den Korallen rum. Das war der tollste Sicherheitsstopp meines Lebens! Was wir alles gesehen haben kann ich gar nicht sagen, es waren eindeutig zu viele bunte Fische, als dass wir sie anschliessend haetten bestimmen koennen.

Die Crew war super nett und lustig und hat sich wunderbar um alle gekuemmert. Was einem als bereits zertifizierter Taucher allerdings bewusst sein muss auf so einer Tour ist, dass viele Anfaenger dabei sind und daher nicht super anspruchsvolle Spots angefahren werden – was aber ja nicht unbedingt was schlechtes heisst. Ich war die erfahrendste Taucherin an Board (Crew vermutlich ausgenommen), was einen Nachteil hatte: Alle potenziellen Buddies haben viel mehr Luft verbraucht als ich. Ich bin mit minimum 90 Bar aus dem Wasser gekommen, eher mit 100 oder 110 und nach 35 bis 50 Minuten. Wenn man dann ueberlegt, was man noch alles haette sehen koennen, wenn der andere weniger Luft verbraucht haette… Aber Tauchen ist Teamsport und von daher war das schon ok so. Es hat sich jedenfalls gelohnt und war eine ganz besondere Erfahrung, denn neben dem vielen Tauchen war ueberhaupt das Leben auf dem Boot mal erlebenswert.

(UW)-Fotos von mir gibt’s bei Flickr.

→ Infos zum Liveaboard:

Veranstalter: PRO DIVE Cairns. Pro Dive ist spezialisiert auf mehrtaegige Rifftouren und einer der wenigen Veranstalter, die diese Liveaboards durchfuehren. Preislich ist es meiner Meinung nach die beste Wahl und Pro Dive hat allgemein einen ausgezeichneten Ruf. Buchen ist Pflicht, die Touren sind sehr beliebt! Es koennen uebrigens auch Schnorchler mitfahren und alle moeglichen Scheine gemacht werden (wofuer mir persoenlich das Great Barrier Reef zu schade waere, aber das muss jeder selber wissen). Es passen etwa 30 Gäste auf das Boot. Übernachtet wird in 2-er Kabinen mit Doppel- oder Etagenbett.

Zeit, Ort und Kosten: 3 Tage, 2 Naechte auf dem aeusseren Great Barrier Reef (Milln und Flynn Reef in unserem Fall) fuer 560 AUS-Dollar (ca. 375 Euro). Essen, Uebernachtungen, Ausruestung, Ausfahrt und 11 Tauchgaenge (davon 2 Nachttauchgaenge) inbegriffen. Dazu kommen 25 Dollar Reef Tax, Getraenke und Souvenirs, die man an Board kaufen kann. Ausfahrt ist drei Mal pro Woche.

Sonstiges: Das Programm am ersten und dritten Tag ist recht strikt. Muss es allerdings auch sein, denn sonst liessen sich keine vier Tauchgaenge durchfuehren, zumal die Ausfahrt ca. 3 Stunden dauert. Die Briefings sind sehr gut, ebenso Essen und Unterkunft. Die Crew war jung, dynamisch, lustig, immer gut drauf und hilfsbereit. Pro Dive holt Gaeste an ihrer Unterkunft ab und passt auf Wunsch auch aufs Gepaeck auf waehrend man auf dem Boot ist. Der Service auf dem Boot ist genial, man muss einzig seine erste Stufe von der Flasche ab- und wieder anschrauben und sich an- und ausziehen. 🙂

Von mir gibt’s als Gesamtnote ne zwei, wobei eine eins das beste waere. Auszusetzen hatte ich folgendes: Die Kabinen waren eisig kalt, auch nachts. Hab mich gefuehlt wie Gemuese im Kuehlschrank und wirklich richtig gefroren. Es gab keine Seekrankheits-Pillen an Board, fand ich „schade“, wenn man das so nennen kann.

Weitere, nicht nur aber zumeist positive Bewertungen gibt’s im Deutschen Taucher-Net, hier klicken!

4 Antworten to “Drei Tage leben auf dem Great Barrier Reef”

  1. spinpoint Dienstag, April 17, 2007 um 15:39 #

    Holá,

    da ich gerade meinen Urlaub in C. canceln musste, hol ich mir jetzt hier die Unterwasserimpressionen. Abgesehen von dem für mich doch recht hoch erscheinenden Preis (ok, ich bin auch nur C. gewöhnt…) hört sich das eigentlich „ganz nett“ an. Sicherheitsstop mit ne Schildkröte in Reichweite, ein paar Haie und Rochen… etc. 10 bzw. elf Tauchgänge an drei Tagen ist natürlich schon ne Ansage, aber vielleicht war es da gar nicht so schlecht, dass die nicht alle über 90 Minuten und mit Deko (oh, das ist mit Sicherheit ein böses Wort auf solchen Schiffen…) waren oder nicht? Werde mir jetzt mal die restliche Unterwasser-Packung mit den Fotos auf Flickr geben…

    Lieben Gruß nach Aussi-Land,

    spinpoint

  2. spinpoint Dienstag, April 17, 2007 um 15:43 #

    … hey der Link zu Flickr ist aber unfair 🙂 . Da sind ja noch gar keine Fotos vom Reef.. Oder ich bin zu blöd das zu bedienen….

  3. Muschelschubserin Donnerstag, April 19, 2007 um 09:38 #

    Ich weiss selber auch noch nicht, ob ich oder besser gesagt wann ich nach C. fahre. Ob wir uns jemals wieder sehen? 😉

    560 Dollar fuer ALLES ausser Getraenke ist nicht viel. Wenn man das auf die elf TG hochrechnet, die inbegriffen waren, sind das ja knapp ueber 50 Dollar pro TG. Die zahlt man sonst NUR fuers Tauchen, ohne das drumherum was das Leben auf dem GBR so mit sich bringt. *g* Gerne auch mal einiges mehr…

    Liebe Gruesse zurueck!

  4. pointmouse Samstag, August 18, 2007 um 09:09 #

    tout à fait gentillement!

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