Morgens halb acht im Ruhrpott

22 Nov

Ein Dortmunder Wartezimmer, halb acht morgens. Man starrt müde vor sich hin. Ausweichende Blicke auf den Boden. Bloß niemandem ins Gesicht gucken. Nümmerchen ziehen, warten auf den Aderlass. Ich kämpfe gegen die allherbstlich wiederkehrende Übelkeit und trauere meinem Schlaf hinterher. Typisch deutsch mit unmotiviertem Schmollmund. Gleich kommt die Nadel, was freue ich mich. Die letzte ist ja schon einen ganzen Tag her, wird mal wieder Zeit. „Nummer 91“ ruft es aus dem Zimmer. Ich bin Nummer 8. Meine Augen bohren Löcher in den Boden, mein Magen traktiert meinen Rumpf. Der Typ neben mir fragt plötzlich „Und wie geht’s so!?“ Und lacht schräg. Ich blinzle verwirrt. Deplatzierter könnten Worte kaum sein in einem Wartezimmer. Hab ich das jetzt geträumt? „Dein Ring ist toll, ich hatte auch mal so einen…“ Nee denke ich, is jetzt nicht wahr. Nicht um diese Uhrzeit und an diesem Ort. Ich will nicht, lass mich in Ruhe. Ich träume nicht, denn zum Gesagten gesellt sich das Gehauchte. Seine Alkoholfahne weht mich vom Platz. Den Rest der Zeit stehe ich skurril an der Wand. Und er labert eine Omi an.

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2 Antworten to “Morgens halb acht im Ruhrpott”

  1. Zaubermaus Mittwoch, November 22, 2006 um 20:51 #

    Na hast Du den Aderlass gut überstanden?
    Ich war heute auch ganze zwei Ampullen voll! ich bin immer wieder erstaunt wie schnell das geht.

  2. Muschelschubserin Donnerstag, November 23, 2006 um 14:55 #

    Ja, hab ich. Ergebnisse sind auch gut, was ein wenig Erleichterung bringt. 🙂

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