Öfter mal das Fischfutter Fischfutter sein lassen

7 Nov

Viel zu viele Fischer fischen viel zu viele Fische. So sollte man vielleicht mal „Fischers Fritze“ abändern.

Einer meiner persönlichen Aufreger ist nämlich die Sache mit dem Fisch. Genauer gesagt dem Speisefisch. Ich esse selber gerne Meeresfrüchte und Fisch und habe in der Vergangenheit auch schon oft zugelangt. Allerdings kann ich mittlerweile keinen Fisch mehr ohne schlechtes Gewissen auf dem Teller haben. Nun bin ich als leidenschaftliche Taucherin sowieso nah dran und emotional tief drin im Fischthema. Ich bin sicherlich nicht das große Vorbild in Sachen Fischverzehrerei, aber ich denke mittlerweile um.

Fakt ist, dass sämtliche Speisefische (und das schließt die ach so beliebte Scholle, den Kabeljau, die Seezunge, den Lachs, die Garnelen, Seehechte, den Heilbutt, die Muscheln, und den Tunfisch auf Pizza oder sonst wo mit ein) vom Aussterben bedroht sind! Das sollte man sich mal ganz geschmeidig auf der Zunge zergehen lassen!fisch.jpg Denn diese Fischarten sehe ich in sämtlichen Restaurants auf den Speisekarten, überall auf Märkten und in Supermärkten, ebenso in Kochbüchern und freitags auf deutschen Tellern. Die Bestände des Tunfisches sind zusammengebrochen. Es gibt kaum noch erwachsene Tiere. Da er aber erst nach fünf bis acht Jahren geschlechtsreif wird, haben die Jungtiere keine Chance, sich zu vermehren, denn sie werden vorher gefangen. Mit Delfinen hat das in erster Linie gar nichts mehr zu tun. „Delfin-freundlich gefangen“ auf der Dose heißt nicht, dass man den Tunfisch mit gutem Gewissen essen kann.

Ich hatte letztens noch ein Fischkochbuch in der Hand, das ich mir vor ner halben Ewigkeit gekauft hatte. So gut wie alle darin zubereiteten Fische und Meeresfrüchte sind massiv bedroht, doch davon stand dort kein Wort. Greenpeace sagt ganz klar: Fisch aus dem Meer gibt’s nur noch bis Mitte des Jahrhunderts. Und hat einen Fischführer herausgegeben, aus dem zu entnehmen ist, welche Arten überhaupt noch bedenkenlos verzehrt werden können. Dass die bedenkenloseste Kategorie „Akzeptabel“ heißt und dass vor schnellen Veränderungen der Bestände gewarnt wird, sagt meiner Meinung nach schon alles.

Bekannte glubschten mich nur ungläubig an, als ich sagte, die Scholle und Seezunge seien ebenso wie der Kabeljau bedroht und zum Teil so gut wie nicht mehr zu retten. Scholle und Seezunge, unser heißgeliebtes Freitagsessen? Hier geht’s mal nicht um Haifischflossensuppe in Japan oder China, sondern um Fisch, der hierzulande auf den Tellern liegt. Plötzlich ist das ganz nah an uns dran und huch, da fällt es doch viel leichter das nicht ernst zu nehmen als sich der Verantwortung zu stellen. Wer jetzt denkt, naja, die meisten Sorten sind ja heutzutage gezüchtet, werden also nicht aus freier Wildbahn gefangen und gefährden somit keine Bestände, der irrt gewaltig! Denn was fressen Fische? Eben! Andere Fische und Meerestiere wie Krill. Deren Bestände sind ebenso gefährdet, in manchen Teilen der Meere ist Krill hoffnungslos überfischt. Tiere, die Krill als Nahrung brauchen, leiden bereits unter der nicht mehr vorhandenen Nahrung. Somit bedrohen auch Fischzüchtereien massiv den Wildbestand. Außerdem ist langfristig so nicht nur der Speisefisch bedroht, sondern sämtliche andere Arten, die sich von Fisch und Krill ernähren auch. Wer sich auch nur ansatzweise mit der Natur auskennt, sollte erahnen können, was das bedeutet und welche Dimensionen das Aussterben von Krill annehmen würde. Krill ist übrigens die größte Biomasse überhaupt und steht ganz am Anfang der Nahrungskette. Und es ist nichts Neues, dass eine Kette nur so stark ist wie ihr schwächstes Glied.

Das Buch landete natürlich im Müll. Und genau dieser wäre einen weiteren Aufreger wert: Müll im Meer. Aber ich hör mal lieber auf für heute.

Ich erhebe hier nicht besserwisserisch den Zeigefinger. Wie gesagt, ich „übe“ selber noch. Die letzte Pizza mit „kritischen“ Sardinen hatte ich vorgestern. Aber ich werde zukünftig noch mehr darüber nachdenken, ob es die Tunfisch- oder Sardinenpizza sein muss oder wenigstens vor dem Einkaufen mal einen Blick auf den Einkaufsführer werfen.

 

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8 Antworten to “Öfter mal das Fischfutter Fischfutter sein lassen”

  1. Frank Dienstag, November 7, 2006 um 21:35 #

    Ich hoffe das buch landete im altpapier und nicht im restmüll, obwohl diese hochglanzdrucke nicht so unproblematisch sind.

    Schon recht bald werden wir keine probleme mehr mit gefährdeten meeresbewohnern haben, liest man doch schon häufig die magische formel „krebsfleischimitat aus fischmuskeleiweiss“, die vermutlich bald in „fischmuskeleiweissimitat aus holzspanzubereitung“ abgeändert wird. Lecker und gesund wegen der vielen ballaststoffe.

  2. Andrea Dienstag, November 7, 2006 um 21:43 #

    hm. schon wieder etwas, über das man nicht nachgedacht hat, was? und jetzt weiß man es und da sind wir wieder beim thema „konsequenz“. 😉
    den film „we feed the world“ gibt’s demnächst übrigens im handel. da wird auch auf industriellen fischfang eingegangen. und auf hühnerküken-„ernte“ 😦
    seit diesem film esse ich kein konventionell produziertes fleisch mehr. der letzte tritt in den hintern war es wohl.
    da ist konsequenz auch nicht sooo einfach. und ein wenig aussätzig wird man auch behandelt. *g* da machen sich soziale konflikte breit, nur weil du in der kantine auf einmal das heißgeliebte frikassee ablehnst. mit (!) begründung versteht sich. das ist echt unglaublich…
    aber wir halten durch, gell mädel?! 😉

  3. Muschelschubserin Dienstag, November 7, 2006 um 22:28 #

    Ja, hast Recht, Frank mit den Imitaten. Wenn das Ganze dann Surimi heißt, denkt man echt, das wär ne Fischart. :/
    @Andrea
    Ja, machen wir weiter. 😉 Ich bin gestern beim Surfen zufällig auf irgendeine recht fanatische Tierschutzseite gelangt. Von irgendwelchen Veganern. Nicht alles war nachvollziehbar von der Argumentation her, aber dort gab es etliche Bilder von Befreiungsaktionen, Legebatterien, Zuchtanstalten, Schlachthöfen etc. Das war extrem eklig und schockierend.
    Dummerweise tu ich mich was Fleisch angeht schwer. Ich esse nur wenig und eher selten Fleisch, weil ich’s schnell nicht mehr sehen und schmecken kann und nicht gerne zubereite. Aber ganz davon los komme ich auch wieder nicht.
    Naja, ich bleib dran.

  4. Muschelschubserin Dienstag, November 7, 2006 um 22:32 #

    Das hier ist die angesprochene Seite mit den Fotos: http://maqi.de/
    Wie gesagt, mir gehts gar nicht um das Veganerdasein, sondern nur um die Fotos. Nur Vorsicht, die sind echt fies teilweise.

  5. Andrea Dienstag, November 7, 2006 um 22:54 #

    danke für den link. in bewegten bildern ist das noch übler. 😦

    du hast mich aber falsch verstanden. ich verzichte ja nicht auf fleisch und wurst. das würde ich nicht hinbekommen. ich kaufe eben nur keines aus konventioneller „herstellung“ mehr. und mehr als herstellung ist das nicht. sprich, ich kaufe nur bio.

    das verhindert zwar nicht das töten der tiere, aber gewährt ihnen ein artgerechtes leben und ein „angemessenes“ schlachten. besser als nix.

    mit eiern halte ich es ja schon länger so. aber, dass bio-eier kaufen auch bedeutet auf den (käfig-)eiersalat in der kantine zu verzichten, wurde mir auch erst später bewusst. versteckte fallen eben.

    mit dem bio ist das aber auch so eine sache. die supermärkte springen ja langsam auf den zug auf. für mich ist es bequemer und billiger, als zum bauern um die ecke zu fahren. nur wenn die bio-produkt-herstellung auch in einen preiskampf verfällt, leidet vielleicht auch die qualität der produktion der bio-produkte, damit man überlebt? anders ist es ja bei den üblichen tiefpreis-produkten derzeit auch nicht.

    schwierig das alles… auf jeden fall legst du nen euro drauf. ist mir aber egal. ich hab in der tat schon ekel-gefühle, wenn andere in ihre bratwurst an der frittenbude beißen. (und ich liebe bratwurst!)

  6. Muschelschubserin Dienstag, November 7, 2006 um 23:13 #

    Das ist ja auf jeden Fall schonmal ein Schritt in die richtige Richtung. Bei Eiern kaufe ich auch nur Bio. Ich schätze, der Biomarkt ist noch gar nicht richtig ausgereift und ausgeglichen. Gegen normale Produkte kommen Biosachen preislich nicht an. Und dann soll natürlich alles ganz makellos sein, schön glänzen und riesige Ausmaße annehmen. Da kommt Bio auch nicht gegen an. Ist also gar nicht so einfach, da konsequent zu sein. Vielleicht entwickel ich auch mal mehr Sympathie für die krumme Tomate und den kleinen Apfel. *g*
    Die Sache mit dem Preiskampf würde genauso einschätzen wie du.
    Es ist ja auch ne Trainingsfrage, hinter dem Schnitzel oder Kotelett wirklich das Schwein oder Ferkelchen zu sehen. Und man kann auch ruhig mal drüber nachdenken, ob man unbedingt jeden Tag oder dreimal die Woche oder was weiß ich Fleisch haben muss. Wenn ich in den Supermarkt gehe und auf nem Samstag Abend, 19.30 Uhr, erwarte, dass die Regale voll sind, dann muss ich mit den entsprechenden Konsequenzen rechnen.

Trackbacks/Pingbacks

  1. Tot, billig und minderwertig kommt mir nicht mehr in den Kühlschrank « Muschelschubserin - Mittwoch, Oktober 10, 2007

    […] Bei mir wird’s zwar weiterhin nur sehr wenig Fleisch geben, aber es wird mir umso besser schmecken, wenn ich weiß, dass die Tiere nicht leiden mussten und wenn ich weiß, dass auch wirklich das drin ist, was draufsteht. Da zahle ich sehr gerne ein paar Euro mehr. Fehlt nur noch das Gleiche für Meeresfrüchte und Fisch. […]

  2. Das “Gold der Nordsee” - Viel Schotter für die Einen, Lebensraum für die Anderen « Muschelschubserin - Dienstag, November 20, 2007

    […] Wer den informativen Bericht sehen möchte, klicke hier. Wer den Text dazu lesen möchte, kann dies hier tun. Weitere Informationen zum Thema gibt es beim WWF, bei Greenpeace und beim NABU (PDF). Über die Überfischung habe ich mich schonmal aufgeregt. […]

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