„Wetten, dass…?“ – Geplänkel, Peinlichkeiten und ein leuchtender Stern

5 Nov

Floskeln, Werbung, Anbiederung. Nach langer, langer Zeit hab ich mal wieder „Wetten, dass…?“ geguckt. Oder zumindest einen Teil davon. Den von Justin Timberlakes Auftritt bis zu der Wette mit den Brustmuskeln, um genau zu sein. Irgendwie ist mir die Sendung fremd geworden. Thomas Gottschalk wirkt steif, fragt zwei armen Timberlake-Girlyfans oberflächliche Fragen in den Bauch, die unmöglich zu beantworten sind. „Das war er jetzt, der Justin Timberlake.“ Das ist noch nicht einmal eine Frage! Was soll man denn darauf antworten, zumal in diesem ohnehin völlig aufgelösten Zustand, in dem die Mädels waren? „Was habt ihr euch gerade nicht getraut, ihn zu fragen? Kommt schon, mir könnt ihr’s sagen.“ Die beiden, total verschüchtert, wurden beinahe vorgeführt von ihm. „Wollt ihr eure Plätze tauschen, dann kann jede Mal neben ihm sitzen.“ Das muss die Hölle gewesen sein, mit Timberlake als einzigem Rettungsanker. Nur dass dieser vor den Mädels das Sofa verließ und sie somit Gottschalk hilflos ausgeliefert waren. Der Moderator machte auf mich insgesamt einen beinahe unbeholfenen Eindruck. Wüsste ich es nicht besser, würde ich vermuten, er hätte noch nicht so oft moderiert.

Dann diese ewigen leeren Floskeln zwischen den ganz großen Stars und Thomas Gottschalk… Er macht ihnen Komplimente ohne Ende, sie antworten mit Komplimenten ohne Ende, alles unendlich oberflächlich und uninteressant. Mega-Gähn-Alarm mit permanent eingeworfener Werbung zum neuen Album, Buch, Film, oder was auch immer. Und natürlich sprechen alle Amerikaner „nicht so gut deutsch“, sie lieben Germany und ganz besonders Düsseldorf, Stuttgart oder wo auch immer die Sendung gerade stattfindet. Alles wirkt irgendwie total peinlich, oder liegt das an meinem mangelnden Selbstbewusstsein als Deutsche? Ich kann die Fragezeichen und das innere Stirnrunzeln der Stars förmlich sehen. Gleichzeitig reg ich mich aber eben auch über sie auf mit ihrem nichts sagenden Geplänkel. Unterstrichen wird diese Oberflächlichkeit von den kaum vorhandenen Blickkontakten zwischen den Protagonisten.

Rod Stewart sah ich auch noch „live“. Der Begriff „live“ ist hier allerdings wie so oft nicht wirklich angebracht. Playback war’s, obendrein schlechtes. Claudia Schiffer saß bis zu ihrem vorzeitigen Abreisen anscheinend unbeteiligt da. Gut ausgesehen hat se. Das war’s aber auch. Anstatt mit Hape Kerkeling alias Horst Schlämmer, der sie immer wieder angrub, Spaß zu haben, wehrte sie ihn mit typisch deutscher Unlustigkeit und Steifheit ab. Aber auch dabei sah sie gut aus, das muss ich ihr lassen.

Der einzige, dafür umso heller strahlende Stern am „Wetten, dass…?“-Himmel und für mich der einzige Grund, überhaupt solange dran zu bleiben, war Horst Schlämmer. Wohl verdient bekam er kürzlich den Sonderpreis des Deutschen Comedy Preises. Mit nur wenigen, gezielt und doch spontan gesagten Worten brachte er das Publikum und mich wiedermal zum Gröhlen. Es ist und bleibt mir ein Genuss, diesem einmaligen Talent zuzugucken! Danke, Hape!

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11 Antworten to “„Wetten, dass…?“ – Geplänkel, Peinlichkeiten und ein leuchtender Stern”

  1. Homer Sonntag, November 5, 2006 um 12:48 #

    Das niveau der Sendung ist seit ca. 10 Jahren so tief…obwohl war es ueberhaupt schon mal besser?
    Vieleicht als es den Elsner noch gab, da war „Wetten dass“ in der Familie Pflichtprogram und die Sendung an sich machte noch Sinn und war nette Unterhaltung am Samstagabend.
    Jetzt ist es wie du richtig sagst nur noch peinlich und die „Stars“ kommen auch nur deshalb, da sie wissen, dass ca. 10-12 Millionen zugucken und soviel Menschen kann man nirgendswo sonst in der kuerze (Gespraechsdauer max. 2min) auf neue Alben/Filme etc. hinweisen.
    In meinen Augen ist „Wetten dass“ ne Dauerwerbesendung mit nem nervigen Gottschalk, In meinen Augen gehoert die Sendung (wie 90% des restlichen Fernsehprograms) abgesetzt.
    Das was im deutschen Fernsehen gezeigt wird ist einfach nur schlecht. Da ist aber so wirklick kein Niveau mehr vorhanden…in diesem Sinne ein Spiegelbild Deutschlands (?), welches in meinen Augen auch immer mehr an Niveau verliert. Die wichtigen Dinge interessieren eh keinen mehr…
    Hoffe die naechsten Samstage werden dir besser Unterhaltung bietet…suche sie halt nicht im Fernsehen.
    Kann den Film „Ein Freund von mir“ empfehlen.
    Juergen Vogel ist und bleibt einfach genial…
    Gruss Homer

  2. Muschelschubserin Sonntag, November 5, 2006 um 13:16 #

    Naja, der Zuschauer vergisst nur leider permanent, dass er mit Schuld trägt an dieser Entwicklung. So läuft das nunmal. Wenn alle Mist sehen wollen, dann gibt es Mist. Und wenn sich die Zuschauer mit Geplänkel, Werbung und Playback zufrieden geben, dann kriegen sie das eben. Schade für die, die Wert auf Qualität legen.
    Ich sehe mich selber als Teil von beiden Gruppen. Mir gelingt es auch nicht immer, dem Mist zu widerstehen. Deshalb jammere ich zwar auch gerne übers Fernsehen, aber ich bin mir bewusst, dass ich mit meinem Verhalten so manchen Unfug unterstütze.

  3. Marius Sonntag, November 5, 2006 um 16:13 #

    Ich hab das auch gesehen. Ich weiß bei solchen Sendungen vorher, was mich erwartet, daher rege ich mich hinterher auch eher selten auf. Allerdings kann ich dabei auch nicht verleugnen, dass ich eine ziemliche Affinität zu belangloser wochenendlich-abendlicher Fernsehunterhaltung habe, wo ich gar nicht erst drauf warte, dass mir irgendwo Niveau begegnet, da ich sehr gerne abends einfach über Belanglosigkeiten lache, wenn ich tagsüber schon aktiv war. (Woher wohl auch die Tatsache rührt, dass ich kaum Filme sehe und fast nie den Tatort kapiere.)

    Hape war ein Highlight, das stimmt. Der hat sich gut gehalten über die Jahre und ist nach wie vor sehr sehr unterhaltsam!
    Gottschalk ist in meinen Augen aber nach wie vor eine Koryphäe in der Fernsehlandschaft – ich kann mich bei seinen Moderationen zugegebenermaßen nach wie vor amüsieren.

    Was mich allerdings seit jeher bei der Sendung geärgert hat: Die Hälfte der Gäste bleibt nur die Hälfte der Zeit… Die beiden Mädels fand ich aber ziemlich putzig – und das sag ich, der Kinder im Fernsehen sonst bekanntermaßen echt schlimm findet. 😉

  4. Muschelschubserin Sonntag, November 5, 2006 um 16:25 #

    Geht mir genauso mit der allabendlichen Unterhaltung. Mal nicht denken ist auch nett. Wenn es auch nicht immer so sein muss.
    Die Mädels fand ich prima, nicht, dass das hier anders rüberkommt. Sie taten mir nur leid, weil Gottschalk sie geradezu löcherte und für die beiden alles noch peinlicher machte, als es sich vielleicht eh schon anfühlte. Ich war ja auch mal 14 und erinnere mich noch gut daran, wie sämtliche Timberlakes auf einen wirken können. 😀

  5. paschendale Sonntag, November 5, 2006 um 16:33 #

    Als Kind fällt einem die ständige Werbung und so weiter in Wetten Dass gar nicht so stark auf. Deswegen wirkt die Sendung, wenn man sie jetzt sieht, subketiv schlechter obwohl sie nie besser war.

  6. Muschelschubserin Sonntag, November 5, 2006 um 16:40 #

    Neu ist das sicherlich nicht, dass die Sendung so ist. Aber ich hatte damals noch kein Weblog, um mich drüber aufzuregen. Deshalb komme ich damit erst jetzt um die Ecke.

  7. hinterhofbubi Sonntag, November 5, 2006 um 20:55 #

    Bin seit einigen Monaten gezwungermaßen ohne Fernseher und habe nicht das Gefühl irgendetwas zu verpassen. Die Brustwackler hab ich aber bei YouTube gesehen und die haben mich dann doch noch begeistert 🙂

  8. Andy Montag, November 6, 2006 um 10:22 #

    Der Brustwackler war irgenwie cool, nicht zuvergessen der Auftritt der Scisser Sister. In allem wars das ganz normale Wetten dass, wie die davor.

  9. Muschelschubserin Montag, November 6, 2006 um 12:11 #

    Als die Brustwackler auf die Bühne kamen, hab ich weggeschaltet.
    „Ganz normal, wie immer.“ Trotzdem heißt das nicht, dass man das so hinnehmen muss. Ich finde das nicht ok, auch, wenn das schon immer so war und immer so bleibt.

  10. Andrea Dienstag, November 7, 2006 um 08:17 #

    ich habe auch weitergezapped. die letzten male (geschätzte 8 jahre) waren dämlich und peinlich genug, sich diese sendung bis auf weiteres zu verkneifen. gottschalk selbst wirkt übersättigt, lustlos und gelangweilt. er spult nur ab. lässt sich auf kein gegenüber mehr ein.

    da schau ich mir lieber nacht-cafe oder 3nach9 an. da reden wenigstens „menschen“ miteinander.

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  1. MissInformations Zentrale - Sonntag, November 5, 2006

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