„Das Parfum“ – Schräge Orgie von Sinneseindrücken

12 Okt

Ich habe gerade die meiner Meinung nach sinnlichste Freakshow aller Zeiten konsumiert: „Das Parfum“. Ich kenne das Buch nicht, kann also leider keine Vergleiche ziehen. Aber hören, sehen, beinahe schmecken und natürlich riechen konnte ich, was da auf der Leinwand abging. Eine wahre Orgie von Sinneseindrücken, viel intensiver und andersartiger präsentiert, als ich es je in einem Film gesehen habe. Gewürzt mit einer ordentlichen Prise krankhaftem Wahn.

parfum1.jpgSchon die Wahl des Hauptdarstellers Ben Wishaw, der mir bis dato vollkommen unbekannt war, ist grandios für diese Rolle! Er stellt die perfekte Mischung aus Wahn, Unschuld und Leidenschaft dar, so dass es wohl genau die richtige Entscheidung war, dafür einen relativ unbekannten Schauspieler zu nehmen. Auch Dustin Hoffmann in der Rolle des Giuseppe Baldini glänzte mit geradezu irrsinniger, unterschwelliger Komik, dass ich mir keinen besseren dafür hätte vorstellen können. Diese Szene, wo er mit einer einzigartigen Mimik versucht, ein neues Parfum zu kreieren, ich hätte mich bekringeln können vor Lachen. Auch Rachel Hurd-Wood als Laura Richis ist ein echter Augenschmaus, nicht nur wegen dieser absolut grandiosen Haarfarbe.

Besonders gefallen hat mir aber die schmutzig-verdrehte Ästhetik des Films. Ob die Szenen am Anfang, als Jean-Baptiste inmitten von toten, dreckigen, blutigen und schleimigen Fischresten und menschlichem Dreck geboren wird, die Nahaufnahme von der aufgeschnittenen Mirabelle oder die unzähligen Nahaufnahmen von Jean-Baptiste, als er Witterung aufnimmt oder wie er den Duft der toten Frauen konserviert. Einerseits eklig und abgedreht krank, andererseits dennoch so voller Ästethik und Schönheit, dass man nicht wegsehen mag. Bei so vielen aufregenden Bildern vermisst man nicht einmalparfum2.jpg das Sprechen der Hauptperson, das erst nach geschätzten 20 oder 30 Minuten das erste Mal zu hören ist. Mein größter Respekt gilt deshalb den Menschen, die für diese Bilder und die Atmosphäre des Films verantwortlich sind.

Das ziemlich schräge Ende sorgte für einiges Gemurmel. Es ist so schräg, dass man nicht ganz weiß, ob es eher komisch, tragisch oder tiefsinnig ist. Man muss sich jedoch auch nicht entscheiden wie ich finde, und das ist gut so.

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5 Antworten to “„Das Parfum“ – Schräge Orgie von Sinneseindrücken”

  1. Sven Samstag, Oktober 14, 2006 um 15:13 #

    Das kann ich ähm … nur so unterschreiben … 🙂

    Feiner Film … ! Das ich das Buch gelesen habe liegt bereits über 10 jahre zurück. Na ja Schule halt …

    Ich habs liegen wenn Du magst 😀

    LG
    Sven

  2. Muschelschubserin Samstag, Oktober 14, 2006 um 15:15 #

    Ach!? Is ja witzig, ich hatte das ewig auf meinem Wunschzettel bei Amazon. *g* Hab ja im Moment noch ein anderes, aber
    gut zu wissen auf jeden Fall. 🙂

  3. rotwang Donnerstag, Oktober 19, 2006 um 09:51 #

    Hallo Samsa,
    ich war auch begeistert von dem Film. Ich habe wir Sven das Buch so vor ca. 10 Jahren gelesen und denke, es war eine recht genaue Verfilmung. Eigentlich hatte ich an dem Montag garkeine Lust ins Kino zu gehen und auf das Parfüm irgentwie auch nicht. Aber Nicole wollte gern ;-). Ich war in höchstem Maße angenehm überrascht. Dustin Hoffman und Alan Rickmann als Topschauspieler waren natürlich wieder göttlich aber auch die schauspielerische Leistung von Ben Wishaw war hervorragend. Lediglich sein Äußeres war zu „hübsch“. Im Buch wird er meiner Erinnerung nach als nichtssagend oder sogar häßlich beschrieben, aber Kino ist schlisslich ein visuelles Medium…
    Ansonsten war mein Eindruck wie bei dir, überwältigende Bilder und tolle Darstellung des Drecks der gßen Städte. Wer mal in Großstaädten von Schwellenländern war hat eine Ahnung, wie es dariecht. Das ist etwas, was man aus keinem Reiseführer oder Doku erfährt, das ist unmittelbar 🙂 und damit höchst autentisch (mein Erlebnis in dieser Hinsicht war Bangkok.
    Glückwunsch übrigens noch zu Sidney.
    Liebe Grüße,
    Marcus

  4. Muschelschubserin Donnerstag, Oktober 19, 2006 um 12:08 #

    Huhu!

    Danke schön. 🙂

    Das glaube ich wohl, dass man in solchen Städten eine Ahnung davon bekommt.

    Ich finde es sehr interessant, wie unterschiedlich die Meinungen zu dem Film sind. Hier jetzt nicht, aber in nem Forum hab ich die unterschiedlichsten Sachen gelesen. Das Buch wäre viel tiefgehender und detailreicher, der Film ein „billiger Abklatsch“. Wo ich mich allerdings frage, ob da jemand nicht hingeguckt hat, denn egal, wie toll das Buch ist, der Film ist sicherlich kein billiger Abklatsch. So viel Gefühl und Atmosphäre wie da drin ist. Andere, wie du auch, sagen, der Film hielte sich sehr wohl an das Buch (bis auf die Buckligkeit von Jean-Baptiste). Und wieder andere finden den Film nur noch schlecht und albern…

    Sehr interessant jedenfalls, wie unterschiedlich vermutlich GERADE so ein visueller Film auf die Leute wirken kann. 🙂

    LG,
    Muschelschubserin

Trackbacks/Pingbacks

  1. DVD-Wochenende: Kurze Film-Reviews « Muschelschubserin - Montag, Oktober 8, 2007

    […] eine Zwei, jedoch mit einer Eins plus für Gaspard Ulliel. Er hat mich ähnlich beeindruckt wie Ben Wishaw in “Das Parfum”. Und das nicht nur, weil er einfach toll […]

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