Der Nächste, bitte!

25 Sep

Warum benehmen sich eigentlich manche Menschen, als hätten sie Scheuklappen auf? Den Blick starr geradeaus, hören sie vielleicht noch, dass man redet. Den Inhalt des Gehörten denken sie sich aber einfach mal dazu. Zum Beispiel bei (einigen) Ärzten: Sie sehen einen Patienten vor sich, der labert irgendwas von X und Y. Und für sie steht direktxray.jpg fest, um was es genau geht, was die Hintergründe sind, und was zu tun ist. Fünf Minuten um, auf Wiedersehen. Da braucht man gar nix groß zu erzählen, die Energie kann man sich gleich sparen. Nach dem „Guten Tag“ und dem braven Hände schütteln wartet man nur noch auf das Stichwort. „Erkältung“. Oder „Grippe“. Oder „Magenschmerzen“. Oder „Kopfschmerzen“. „Ohrenschmerzen“. Das reicht schon. Alles drumherum ist überflüssig, unwichtig. Und selbst, wenn nicht, es geht einfach unter. Patient, Stichwort, Rezept, der Nächste, bitte. Da kann man froh sein, wenn man nicht von ein und derselben Person widersprüchliche Aussagen bekommt. Einmal kurz das Zimmer verlassen für eine Untersuchung und – schwupps! – ist man aus dem Speicher gelöscht. Was man kurz vorher noch erzählt hat, ist wie nie gesagt.

Ebenso ist es bei vielen anderen „Professionellen“. Sie hören nicht hin. Da kann man noch so konkrete Fragen stellen, noch so genau erklären, um was es geht, man spricht gegen Wände. Wahrscheinlich ist es völlig wurscht, welche Frage man genau stellt. Man bekommt einfach automatisierte Antworten. Als hätte man es mit einem Roboter zu tun. „G-u-t-e-n T-a-g. W-a-s k-a-n-n i-c-h f-ü-r S-i-e t-u-n?“ Da spielen Emotionen keine Rolle. Tonfall, Mimik, Blick in die Augen, Gestik… kann man sich alles sparen. Sparen! Sparen! Sparen! Geiz ist schließlich geil. Wozu noch Mühe machen, wenn man bloß eine Nummer ist? Vor der Türe sitzt garantiert schon der Nächste. Der spuckt die selben Stichwörter aus, also gibt es die selben Antworten. Kein großes Drumherum, statt dessen Endlosschleife. Wen interessiert es da noch, dass wir alle unterschiedliche Lebensgeschichten haben und unverwechselbare Individuen sind? „Individuen? Hat das was mit „nicht austauschbar“ zu tun? Ach Herrje, das ist doch veraltet! Sowas haben wir schon vor Urzeiten wegrationalisiert!“

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Eine Antwort to “Der Nächste, bitte!”

  1. Babs Mittwoch, September 27, 2006 um 18:14 #

    JAWOLL JAWOLL JAWOLL!!!!!!!!!!!

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