Klein Sonja und die „Dicke Berta“

23 Sep

Muscheln schubsen im Tegernsee

„Alles ok?“ Ja, alles ok. „Abtauchen.“ Hinein ins Vergnügen – endlich! Das kühle Nass läuft mir beim Abtauchen den Rücken hinunter und verursacht eine Gänsehaut. Oder kommt diese doch von der Vorfreude? Ach, wisst ihr was, ich brauche heute keine Fische, keine gute Sicht und erst recht kein warmes Wasser. Alles egal, Hauptsache endlich wieder Stickstoff in der Birne.

Ganz schön neblig hier. Aber wenige Meter tiefer sehe ich schon mehr. Mein Buddy hatte Recht, fünf Meter beträgt die Sicht ungefähr, also gar nicht mal so schlecht. Irgendwie ja witzig, klein Sonja taucht mal wieder mit zwei männlichen Tauchhasen, die natürlich alle beide trocken tauchen. Und ich mal wieder im Halbtrocki. Kenn ich ja schon aus der Vergangenheit. Mein Trocki liegt zu Hause in Dortmund…. Und ich frage mich gerade, ob ich ihn nicht doch besser mitgenommen hätte. Brrr! Achtung, Achtung! Fiese Sprungschicht auf 10 Metern. Tausend Nadelstiche im Gesicht. Und sind eigentlich meine Fingerspitzen noch da?! Egal, weiter machen.

Was man so alles findet im Tegernsee… Die Waschmaschinentrommel, die ich vor ein paar Jahren mal gesehen habe, wird heute noch getoppt werden. Von einem Klo. Ja… fragt mich nicht, ich war’s nicht! Kleine Wägelchen, ein Stuhl, ein Fahrrad, Eimer, jede Menge Balken und Flaschen. Sieht aber alles irgendwie auch nett aus mit diesem flauschig-bräunlichen Bezug und den ganzen Muscheln drauf. Hin und her gerissen zwischen „Is ja witzig“ und „So ne Verschmutzung“ gleite ich über den Sand und die halb versunkenen „Schätze“. Die Sonne schickt von oben ein paar Strahlen hinunter. Mystik pur, also genau das richtige für so ne dunkle Seele wie mich, harr harr! Es geht weiter nach unten. Bitte immer schön schräg am Abhang hinunter. Zwischendurch passe ich meine Lage dem Abhang an und schwimme selber leicht schräg durch die Gegend. Nächstes Mal lache ich nicht, wenn ich ne Garnele mit dem Kopf nach unten an einer Höhlendecke sitzen sehe. Is ja doch ein wenig verwirrend, wenn man so ne volle Dimension mehr zur Auswahl hat.

Die nächste Sprungschicht hatte ich schon erwartet. Dass sie mit dieser Wucht kommt, allerdings nicht. Puh, issat kühl hier, denke ich ruhrpöttisch. Dabei müssen wir noch etwa sieben Meter weiter runter bis zum Ziel. Bloß nicht mehr viel bewegen, nicht, dass das Wasser im Anzug noch ausgetauscht wird gegen neues, kaltes. Meine beiden Buddys natürlich total souverän, trocken, warm. Ach, stell dich net so an und halte durch, mache ich zu meinem Motto.

Plötzlich besteht die Tiefe vor uns nur noch aus Schwärze. Uhuhuhuuuuuu! Gespenstisch! Und wir tauchen genau drauf zu. Die nächste Gänsehaut kündigt sich an, kommt… und bleibt. Und da sind sie auch schon, die beiden kleinen Boote auf dem Grund, halb versunken im Sand, die als Ziel angekündigt wurden. Gut 20 Meter tief, also nix weltbewegendes, bis auf die Kälte. Die mir langsam doch in alle Knochen und den hinterletzten Winkel kriecht. Nach dem Tauchgang erfahre ich, dass es fünf Grad kalt war da unten. Aber hier sollen Aalrutten (s. Foto) sein, inklusive der „Dicken Berta“. Also muss ich noch ein wenig durchhalten, hatte ich mir doch vorgenommen, so ein Vieh noch heute vor die Linse zu kriegen.

aalrutte.jpgBeide Buddys leuchten unter die Boote, suchend. Ich denke mir, lass die mal machen, die wissen schließlich im Gegensatz zu mir, wonach wir suchen. Hab nämlich noch nie ne Aalrutte gesehen. Und plötzlich sehe ich so Verwirbelungen im Augenwinkel, kurz bevor der Buddy woanders hinleuchtet. Hä? Wat’n dat? Ach, bestimmt nur Sand. Wieder weggeguckt. Aber da schlängelt immer noch was… verdächtig gleichmäßig. Zu gleichmäßig für sandige Verwirbelungen. Also krame ich doch meine Lampe raus (und hole mir damit ne frische Ladung Wasser in die Pelle), und leuchte mal drauf. Und tatsächlich, da isse, die Rutte! Hehe, Leute! Ich hab sie! Hia, hia! *Leucht*, *zeig*. Und es ist direkt die „Dicke Berta“. Fein, cooles Vieh, finde ich. Eine Mischung aus Aal und Wels, ca. 50 Zentimeter lang. Und sie zieht ne Ehrenrunde durch das Ruderboot, so dass ein Buddy noch ein paar Fotos schießen kann, bevor wir so viel Sand aufgewirbelt haben, dass man gar nix mehr sieht.

Doch, da, im Halbschatten sozusagen, da sitzt noch eine unter einer Sitzbank. *grins* Prima, ich bin bedient und glücklich. Mehr wollte ich gar nicht. Außerdem…. Wird’s mal langsam Zeit anzuzeigen, dass es mir ordentlich fröstelt. *zeig*

Wir tauchen zügig in flachere Gefilde, wo es wärmer, heller und bewachsener ist. Ich komme mir vor, wie in ner Badewanne. Und könnte dem entsprechend noch ein Weilchen hier bleiben. Was ich auch tue. Wir fliegen durch pelzig beflockte Schlingpflanzen, Gras, über Sand und durch wirklich nett von der Sonne durchflutetes Wasser. Zweimal fragen mich meine trockenen Kollegen, ob ich nicht friere. Nö nicht. Hehe, da guckta, wa!? Nach 68 Minuten dann allerdings doch wieder ein wenig, aber da ist der Tauchgang eh zu Ende, denn es muss noch jemand außer mir wahnsinnig dringend mal für kleine Froschmänner.

Alles prima, fand ich. Und bin stolz wie Oskar, dass ich so lange durchgehalten habe, ohne das ganz große Frieren zu kriegen. Na gut, irgendwas ist ja immer blöd. In diesem Fall ich. Denn wie ich an Land erfahre, hab ich drei oder vier Hechte übersehen. Die mir zum Beweis auf Foto präsentiert werden. Aber davon erzähl ich jetzt nix… is ja eh nicht so wichtig. *hust*

Ich freu mich schon auf Morgen Vormittag, dann geht’s hinein zur nächsten Runde. 🙂

Foto: Achim R. Schloeffel, Wikimedia Commons.

5 Antworten to “Klein Sonja und die „Dicke Berta“”

  1. spinpoint Sonntag, September 24, 2006 um 01:19 #

    ….noch ein kurzer Kommentar, denn auf dem Weg ins Bett bin ich mal wieder im Internet hängen geblieben… und da seh ich noch Deinen Eintrag….

    Hört sich wirklich gut an, so eine kleine Portion N2 könnte ich auch mal wieder gebrauchen und wenn sich dann noch so eine Dicke Berta dazugesellt…. Aber Respekt zolle ich Dir ja für Dein Durchhaltevermögen: 68 Min im Halbtrocki bei 5 Grad…. schon bei dem Gedanken muss ich frieren… fand ich es in C. an Pfingsten in meinem Halbtrocki nach ne halben Stunde schon kalt…. Dir morgen viel Spaß, ich schick Dir die Sonne einfach unter Wasser 😉 Nächtlichen Gruß, spinpoint

  2. Babs Sonntag, September 24, 2006 um 10:36 #

    Manno… MANNOOOOO… ich will auch ;o(

    Aber bin in gut 2 Wochen in C. und egal, wie kalt, ich spring ins Wasser. So! Ätsch!

    Ach Sonni, wie lange du durchgehalten hast, ist ja der Hammer, mir war beim lesen schon so kalt.

  3. Muschelschubserin Sonntag, September 24, 2006 um 21:04 #

    Najaaaa, fünf Grad waren es ja nicht so lang, sondern nur die Zeit auf tiefster Tiefe. Der See hat oben glaube ich 16 Grad etwa.

    Heute war’s so schön, dass wir gleich zweimal gegangen sind. Nicht so tief, dafür 73 Minuten beim zweiten TG. Und heute hab ich dann auch endlich zwei Hechte gesehen. 🙂

  4. Luca Dienstag, September 26, 2006 um 16:15 #

    Wou Wou Wou … find ich ja super krass und bin begeistert !

    Wie kann ich denn mal Deine erfahrenen Buddies kennenlernen, um auch mal so spannende Tauchgänge zu erleben ?

    Gruss, Luca

  5. Muschelschubserin Dienstag, September 26, 2006 um 20:34 #

    Konkret im Tegernsee würde das am besten gehen, indem du auf den (zugegeben sehr versteckten) Link in der Überschrift gehst und die Tauchbasis kontaktierst. Nach Hans fragen oder einfach zu den angegebenen Öffnungszeiten hinfahren. Hans weiß immer Rat. 🙂

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s