Tag Archives: Australien

Nebenan: Umfangreiche Informationen zu Zyklon Yasi

3 Feb

Ich bin mal kurz furchtbar selbstreferentiell. Weil ich hier im Blog so viel zu und über Australien berichtet habe, ein Hinweis: Drüben, bei Stift und Blog, habe ich zum Zyklon Yasi, der die australische Ostküste gestern getroffen hat, eine umfangreiche Liste mit Quellen, Hintergrundinfos, Augenzeugen, Zitaten etc. zusammengestellt.

Die Liste ist ein Beispiel dafür, was man bei aktuellen Ereignissen selbst vom anderen Ende der Welt an Infos bekommen kann – ohne dabei auf hier heimische Quellen zurückzugreifen. Die Mischung aus traditionellen Medien und Social Media bringt verlässliche und authentische Informationen von vor Ort. Würden doch mehr Medien diese Möglichkeiten nutzen, anstatt Agenturmeldungen haufenweise zu kopieren und zu veröffentlichen…

Zum Beitrag bei Stift und Blog.

“Mein” Australien – Interaktive Reisekarte & Reisetipps

20 Sep

In zwei Australienreisen hab ich von diesem riesigen Land einiges gesehen und über fast alle Aufenthaltsorte gebloggt. Mit Hilfe von Google Maps habe ich nun eine Karte gebastelt, die einen Überblick über meine Reisen 2007 und 2010 zeigt. So sind die Geschehnisse auch geografisch schnell nachvollziehbar. Damit lässt sich auch ein bisschen spielen: Klickt man Anker oder Ortsmarken an, erscheinen fast immer Links zu meinen dazugehörigen Blogbeiträgen sowie Fotos. Mit den Navigationsfeldern lassen sich verschiedene Kartenansichten einstellen und wenn man in der vergrößerten Version das gelbe Männchen (über der Größenskala) anklickt und auf die Karte zieht, kann man per Google Street View Realansichten aus Augenhöhe sehen und sich eingschränkt im Raum bewegen. So stand ich vorhin zum Beispiel vor der Baustelle, auf der mittlerweile mein Hostel in Sydney steht. :D

Meine Reiseroute von 2007 ist anhand der gelben, die von 2010 anhand der blauen Ortsmarken zu erkennen. Von mir betauchte Spots sind mit blauen Ankern markiert.

Viel Spaß beim Fummeln! (Am besten geht das in der großen Ansicht im neuen Fenster.)

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Außerdem habe ich mittlerweile ein bisschen Reise- und Australien-Erfahrungen gesammelt. Vielleicht kann wer damit was anfangen. Im Folgenden ein paar subjektive Hinweise zum Reisen in Australien, mit Schwerpunkt auf das Reisen an Ost- und Westküste (und ohne Gewähr auf Vollständigkeit):

Reiseführer:

Wo man sich online gut in Sachen Reisevorbereitung informieren kann, hatte ich ja schon einmal aufgelistet. Beim Australien-Blogger hab ich außerdem noch einen sehr ausführlichen Überblick gefunden. Zusätzlich sind gute Reiseführer unterwegs und zur Vorbereitung ein Quell an Nutzwert und Wissen.

Die Ostküste habe ich mit dem Lonely Planet bereist und war damit zufrieden. Vorteile sind die detaillierten Auflistungen von Unterkünften und Restaurants, Snackbars, Museen und Kneipen. Sicher gibt es aber andere gute Alternativen. Wer sich auf den Lonely Planet verlassen will, der sollte sein Exemplar Down Under kaufen. Das ist wesentlich günstiger. Außerdem lohnt es sich nur, die (unglaublich dicke und schwere) Ausgabe “Australien” zu kaufen, wenn man das ganze Land bereisen will. Ansonsten gibt es zum Beispiel Ausgaben zu den einzelnen Staaten oder zum Tauchen am Great Barrier Reef. Die behandeln das jeweilige Gebiet ausführlicher.

Die Westküste habe ich mit dem großartigen Reiseführer “Westaustralien und das Top End” von Janine Günther und Jens Mohr bereist. Er ist  erschienen im Juni 2009. Auf diesen Führer konnte ich mich immer und überall verlassen. Wertvoll ist er vor allem für Selbstfahrer, da dort teilweise Campingplätze und Campgrounds aufgelistet und Straßenverhältnisse berücksichtigt werden. Außerdem enthält er ausführliche Infos zu Flora und Fauna sowie Geologie und Geschichte und ist daher für alle wissbegierigen Reisenden empfehlenswert. Von mir eine uneingeschränkte Empfehlung.

→ Tipps: Nur die während der Reise wichtigen Infos mitnehmen, als Kopien – spart Gewicht (bei doppelseitigen Kopien kann das locker ein halbes Kilo sein) und sobald man Ziele “abgereist” hat, kann man die Seiten wegwerfen. Somit wird der Reiseführer während der Reise immer leichter. Noch ein Tipp: In Australien gibt es in fast jedem Kaff und Nationalpark Visitor Centres. Service und Hilfsbereitschaft schwanken stark, aber überall liegen kostenlose Prospekte zur Reiseroute aus. Außerdem gibt es dort zum Beispiel Broschüren, die Campingplätze für die gesamte Küste auflisten, inklusive Ausstattung, Adresse, Telefonnummer und Preisen. Selbstfahrer brauchen dann nur noch eine Straßenkarte – die gibt’s zum Beispiel in Perth für 7 AU-Dollar im Gebrauchtbuchladen (man braucht kein Luxusexemplar, zumindest an der Westküste gibt es meist nur eine, maximal zwei Straßen zur Auswahl – sich verfahren ist da fast unmöglich).

Reisezeit:

Beste Reisezeit: Das ist recht einfach. In Australien sind die Jahreszeiten umgekehrt zu unseren. Während unserem Sommer ist dort unten Winter und andersrum. Wichtiger zu wissen ist aber, dass die Tropen und Subtropen in der Nordhälfte des Landes (grob gesagt alles nördlich von Exmouth und Brisbane) im australischen Sommer Regenzeit und im Winter Trockenzeit bedeuten. Beste Reisezeit für die nördliche Hälfte ist die Trockenzeit im australischen Winter / deutschen Sommer, da hier die Straßen befahrbar und die Sehenswürdigkeiten erreichbar sind. Außerdem sind Temperaturen und Luftfeuchtigkeit in der Trockenzeit aushaltbar. Für den Süden gilt das umgekehrt: Das mediterrane Klima sorgt im Winter für stellenweise viel Regen und kaltes Wetter inklusive Frost und eisigem Wind. Beste Reisezeit für den Süden ist daher der australische Sommer / deutsche Winter. Ausführliche Klimatabellen hier.

Entfernungen: Sein europäisches Verständnis und Gefühl von Entfernungen kann man getrost “in die Tonne kloppen”. Das gilt in Australien nicht. Google Maps ist keine verlässliche Quelle! Wir haben Leute losfahren sehen, die dachten dank Google Maps, es seien 5.000 Kilometer von Darwin nach Sydney, über die Westküste! Wer sich so verschätzt, bekommt nicht nur irgendwann ein Zeitproblem, sondern muss mit erheblichen Mehrkosten beim Sprit (und verlängerter Automiete) rechnen. Zweitens: Hat man die richtige Kilometerzahl herausgefunden, handelt es sich um Direktverbindungen. Darauf kann man oft locker 50-75% draufrechnen, wegen Umwegen zu Sehenswürdigkeiten, die mehrere hundert Kilometer ausmachen können. Beispiel: Unsere Route von Perth nach Darwin beträgt auf direktem Wege ca 4.000 km. Gefahren sind wir 7.300 km.

Transportmittel:

Die Ostküste habe ich mit dem Greyhound-Bus bereist. Man kann viele unterschiedliche Pässe kaufen (nach Reiseroute, Zeit oder Kilometern) und die Busse sind eine recht kostengünstige und an der Ostküste praktische Fortbewegungsmöglichkeit. Alle bekannten und wichtigen Orte werden angefahren, oft befinden sich die Hostels in Laufnähe zur Haltestelle. Es gibt noch eine günstigere Alternative zum Greyhound, Premier Motor Service, aber ich habe damit keine Erfahrungen gemacht.

Auch an der Westküste verkehren Busunternehmen. Allerdings ist die Westküste ideal für Selbstfahrer und ich würde im Rückblick dazu raten, das auszunutzen. Mit dem Bus zu fahren heißt die besten Reiseziele zu verpassen, wie zum Beispiel den Karijini Nationalpark. Alternativ bieten sich durchorganisierte Gruppen-Busreisen an oder eben das Mieten oder noch besser Kaufen eines Autos oder Bullis. Noch bevor man über Preise und Anbieter nachdenkt, sollte man sich im Klaren sein über Zwei- (2WD) oder Allradantrieb (4WD – 4 Wheel Drive) . Westküste heißt viel Schotter- und Waschbrettpiste, wie man sie hier in Europa nicht kennt. Viele Straßen sind nur mit Allradantrieb befahrbar. Außerdem verlieren gemietete 2WD-Fahrzeuge den Versicherungsschutz bei Unfällen und Schäden verursacht auf Gravel Roads. Wer auf einen Allradantrieb verzichtet, kommt billiger davon und muss sich nicht mit kniffligen Fahrsituationen auseinandersetzen, wird aber auch nicht das ganz große, hier mögliche Abenteuer erleben können. Wir waren mit Zweiradantrieb unterwegs, auch “illegal” offroad. Aber wir mussten einiges auslassen, zum Beispiel die nördlichen Kimberleys sowie die Gibb River Road. Mein Traum wäre es, eines Tages mit einem 4WD ins Nichts zu düsen, mit sämtlichen Vorräten und Swags auf dem Dach. :) Gesehen haben wir solche Autos oft.

Generell würde ich heute sagen, das Autofahren lohnt sich finanziell erst so richtig ab drei oder vier Personen und vor allem mit gekauften Autos – zumindest solange keine größeren Schäden auftreten, für die man dann voll zahlen muss. Pro Liter Benzin muss man meiner Erfahrung nach (an der Westküste und im Norden, über den Osten weiß ich dazu nichts) zwischen 1,35 und 1,75 AUD zahlen. Im Outback kann das auch schonmal mehr sein (ich hörte von über zwei Dollar pro Liter). Spritgeld ist auf Grund der immensen Entfernungen ein nicht zu unterschätzender finanzieller Faktor beim Selbstfahren! Ausführliche Tipps zum Thema Reisen mit Allradantrieb in Australien gibt’s bei Australien-Info.de.

Handynutzung & mit Deutschland telefonieren:

Deutsche Handys funktionieren in Australien. Allerdings lohnt es sich für eine längere Reise, sich eine australische Prepaid-Karte zu kaufen. Die drei größten Anbieter sind Vodafone, Telstra und Optus. Ich habe bei beiden Reisen Vodafone genutzt, würde für Western Australia und das Northern Territory Telstra oder Optus (beide etwas teurer als Vodafone, aber mit deutlich größerer Netzabdeckung) empfehlen, da man dort mit Vodafone nur sehr selten Empfang hat. Das kann zwar ganz angenehm sein, nervt aber, wenn man Buchungen über Handy machen oder sich mal kurz zu Hause melden möchte. Tarife kann ich hier nicht empfehlen, weil sie sich ändern und weil es drauf ankommt, ob man zum Beispiel mehr Sms schreibt oder telefoniert und wohin man telefoniert.

Wer in Australien über einen Festnetzanschluss verfügt, kann sich dort täglich für 30 Minuten umsonst von Deutschland aus anrufen lassen. Das funktioniert mit “Peter zahlt” (ich hatte schonmal drüber gebloggt) und zwar so, wie hier beschrieben. Das hab ich 2007 genutzt und toll gefunden. Wer keinen Festnetzanschluss zur Verfügung hat, sollte sich auf öffentliche Telefonzellen verlassen. Von hier aus kann man erstaunlich günstig nach Deutschland telefonieren. Es gibt etliche Anbieter, am besten lässt man sich in einer News Agency, wo man die Telefonkarten (International Calling Cards) kaufen kann, beraten (allerdings kennen sich nicht alle Verkäufer gut aus). Manchmal ist das Einwählen kostenlos, manchmal muss man dafür einen geringen Betrag bezahlen, auch wenn niemand abhebt.

Mehr Infos zum Thema Telefonieren gibt’s bei Reisebine (hier zusätzlich noch “Insider-Tipps“) und bei Australien-Info.de.

Internet:

Wer einen Laptop mitnimmt, braucht sich um all die Nachteile, die Internetcafes mit sich bringen (Kosten, wo ist das nächste?, teils langsame Verbindungen und schlechte Ausstattung, Gefahr von Viren und Datenrisiken etc) nicht zu kümmern. Man sollte trotzdem zwei Mal überlegen, denn ein Laptop heißt zusätzliches Gewicht und ist ein für Diebe attraktiver Wertgegenstand. Leider haben längst nicht alle Hostels Locker, in die man Wertsachen einschließen kann. Ich habe die Leute mit Laptop immer beneidet, aber ich bin auch auf meiner letzten Reise extrem beklaut worden und hab mich gefragt, wie unwohl einem in vielen Situationen mit Laptop sein muss.

Internetcafes gibt’s in allen größeren Städten zuhauf und dort auch zu günstigen Preisen. Diese varriieren je nach Ort und Cafe von 1,50 AUD bis 8 AUD pro Stunde. Auch viele Hostels und manche Campingplätze haben Internetplätze, dies sind aber wohl nie die günstigsten. Manchmal kauft man Karten, manchmal muss man sich registrieren, manchmal wird die Zeit einfach aufgeschrieben. An der Ostküste findet man überall Cafes, im Westen und Norden nicht und vor allem nicht zu bezahlbaren Preisen und in nutzbarer Qualität. Deshalb hat hier im Blog während meiner letzten Reise lange Zeit Funkstille geherrscht. In Büchereien und Bibliotheken ist das Surfen übrigens meist – wenn auch zeitlich oder datenmengenmäßig beschränkt – kostenlos.

Wie an sein Geld rankommen?

Empfehlenswert ist eine Kreditkarte, für Notfälle und weil man sie für sehr viele Buchungen von Touren, Bussen, Flügen etc. braucht und damit auch bezahlen kann. Wer keine “richtige” Kreditkarte hat, kann versuchen, bei der DKB oder der comdirect Bank eine zu bekommen. Diese Karten funktionieren im Zahlungsverkehr wie Kreditkarten, bei der Abrechnung aber wie EC-Karten, das heißt, das Geld wird direkt abgebucht vom Konto. Abhebungen im Ausland sind kostenlos, ebenso wie die Kontoführungsgebühren. Hier ein Überblick beziehungsweise Vergleich der beiden Anbieter. Die DKB bekommt regelmäßig Auszeichnungen.

Wer länger in Australien bleibt, kann dort ein Konto eröffnen. Dazu braucht man einen Ausweis und eine Adresse, an die die EC-Karte geschickt werden kann (dauert max. zehn Tage). Diese lässt sich dann auch für EFTPOS-Zahlungen (so heißt das Zahlen mit EC-Karte) nutzen und in Australien kann man in den Supermärkten damit bezahlen und gleichzeitig Bargeld abheben – eine Sache, die sich hier aus mir unerfindlichen Gründen nicht so richtig durchzusetzen scheint. Wichtig: Innerhalb der ersten vier Wochen Aufenthalt ist die Eröffnung problemlos mit Ausweis und Adresse möglich, danach muss man einen umständlichen Punktekatalog erfüllen. Man sollte sich also bald nach Ankunft darum kümmern.

Wer Schwierigkeiten hat, eine Adresse anzugeben oder nicht lange in Australien sein wird, für den könnte ein Girokonto bei der Deutschen Bank interessant sein. Mit der EC-Karte kann man nämlich an allen Westpac-Filialen in Australien kostenlos Bargeld abheben. (Geldautomaten heißen in Australien übrigens ATMs.) Filialen und Geldautomaten kann man über die Website der Bank suchen. Ich habe diese Möglichkeit bei meiner letzten Reise genutzt und hatte bis auf sehr wenige Ausnahmen in sehr winzigen Orten nie Schwierigkeiten, einen Westpac-Geldautomaten zu finden. Vorteil ist auch, dass man sich teure Überweisungen auf ein australisches Konto spart. EFTPOS funktioniert damit allerdings nicht.

Noch Fragen? Anregungen, Tipps, Kritik? Bitte in den Kommentaren melden oder per E-Mail an muschelschubserin@web.de. Bei Bedarf ergänze ich gerne.

Sydney – Die andere Seite der Stadt

14 Sep

Meine Lust auf Sydney hatte sich in Darwin noch in Grenzen gehalten. Nach unserer Reise die Westkueste hoch kam mir schon Darwin mit seinen etwa 100.000 Einwohnern wie eine Grossstadt vor. Wie sollte es mir da in Sydney gehen, der Stadt, die fuer verstopfte Strassen und Menschenmassen bekannt ist? Wer in Sydneys Central Business District (CBD) einfach stehen bleibt, wird garantiert angerempelt, weil er damit irgendwem den Weg versperrt. Ich selbst habe es immer gehasst, wenn Leute dort ploetzlich stehen blieben. Andererseits sollte Sydney noch einmal ein Highlight sein – schliesslich hatte ich dort 2007 drei Monate lang gelebt und diese Stadt hat mein Herz damals im Sturm erobert. Drei Jahre lang hab ich mich danach gesehnt, hierher zurueck zu kommen.

Noch im Anflug jedoch war alle Skepsis wie weggewischt. Sydney, meine Freundin. Ganz warm wurde mir ums Herz, als ich aus dem kleinen Fenster im Flugzeug deutlich Opernhaus und Harbour Bridge erkennen konnte. Direkt unter mir. Endlich zurueck!

Nach der Landung rein in den Zug, an der Station “Wynyard” mitten im CBD wieder raus. Routine. Wohl hunderte Male bin ich 2007 hier ein- und ausgestiegen.  Durch bekannte Strassen, ueber bekannte Kreuzungen, im bekannt schnellen Sydney-Tempo. Nicht eine Minute musste ich mich umgewoehnen, obwohl ich mir im Norden den “tropischen Gang” angewoehnt hatte, eine quasi durch Hitze bedingte Bewegungs-Zeitlupe. Ich hatte mich im fast nagelneuen YHA im historischen Viertel The Rocks eingebucht. Hostel-Luxus. Mit tollen Zimmern und Baedern, vorbildlich ausgestatteter Kueche und bequemen, menschenfreundlichen Betten. Und mit fantastischem Blick von der Dachterasse. Dafuer zahlt man in den grossen Hotels hunderte Dollar pro Nacht.

Die Betten kamen mir wie gerufen – ich war hundemuede nach dem naechtlichen Flug und gerade einmal zwei Stunden Schlaf. Sydney musste warten, ich musste erstmal schlafen.

Anschliessend hinaus in die Stadt. Alles so bekannt. Als waere ich nie weg gewesen. Wo sind bloss die letzten drei Jahre hin? Wozu habe ich ueberhaupt nen Stadtplan eingesteckt – ich brauche ihn gar nicht! Ueberall Erinnerungen, an meinen Arbeitsweg damals, Ausfluege, Bekanntschaften. Sofort nervt die Schnelligkeit der Stadt wieder ein wenig, trotzdem fliesse ich selber mit im 24 Stunden lang hoerbaren, summenden Rhythmus dieser Stadt.

Ich friere mir allerdings einen ab. Waehrend sich die Sydneysider ueber den spuerbar nahenden Fruehling freuen, komme ich auf 20 Grad ueberhaupt nicht mehr klar. Liege nachts mit drei dicken Decken, langer Hose, langem Shirt und Socken im Bett. Nur meine Nase guckt noch raus. Ich habe nicht genug warme Sachen dabei. Nun, es geht ja nicht anders, ich will ja eigentlich gar nicht, aber ich fuerchte… ja… ich muss wohl gezwungener Massen ein bisschen shoppen gehen. Dazu eignen sich die Innenstadt und wie ich feststelle ganz besonders der am Wochenende stattfindende Paddington Market sowie die Modemeile Oxford Street ganz wunderbar. Und obendrein muss ich natuerlich gut essen, damit mir warm wird. :D

Ich verbringe aber nur knapp zwei Tage in der Innenstadt. Ich kenne sie ja schon und finde ausserdem, dass der CBD nicht gerade Sydneys Glanzseite ist. Es ist wie ueberall in den Weltstaedten: Wolkenkratzer, dazwischen historische Gebaeude, viel Verkehr, viele Menschen, ueberall Konsumtempel, viel Schatten und Wind und viele Abgruende. Die wirklich sehenswerten und schoenen Dinge liegen nicht direkt im CBD. Damit meine ich neben den zig Straenden die Cliff – und Harbourwalks, einige davon gehoeren zu den schoensten der Welt. 2007 hatte ich die Klippenwanderung von Coogee nach Bondi im Blog vorgestellt. Dieses Mal habe ich zwei nachgeholt, die ich damals nicht geschafft hatte: Die Hafenwanderungen von Manly zur Spit Bridge und die Wanderung von Manly durch den anliegenden Nationalpark und auf die Landspitze, die den Eingang vom Ozean in den 20 Kilometer langen Hafen von Sydney (Port Jackson) bildet.

Wer es nicht weiss, der ahnt es nicht: Nur maximal eine halbe Stunde muss man vom CBD aus mit der Faehre fahren (alleine die Fahrt bietet neue Sichtweisen der Stadt), um in ruhigen, teils luxurioesen Wohngegenden zu landen – von denen aus wunderschoene Wanderwege mitten in den australischen Busch oder in Reste schattiger, subtropischer Regenwaelder fuehren. Einen Tag wandere ich vier Stunden lang von Manly zur Spit Bridge (auch die fuer mich eine “alte Bekannte”), am naechsten Tag wieder knapp vier Stunden lang von Manly aus in die andere Richtung. Vorbei an grossen und winzigen Straenden (darunter Schnorchelparadies Shelley Beach), Hauesern, in die ich ohne Zoegern einziehen wuerde (in die alten, schon etwas schiefen, nicht die hochmodernen, sterilen neuen).

Von einer Bucht geht es in grossen Kurven in die naechste, manchmal durch dichten Bewuchs und Begegnungen mit Wildtieren, vorbei an kleinen geschichtlichen Sehenswuerdigkeiten, manchmal mit grandiosen Blicken auf den wenn man mich fragt weltschoensten natuerlichen Hafen und die Skyline. So liebe ich Sydney, so sollte es jeder sehen, anstatt im Konsum- und Verkehrs-Trubel der Innenstadt unterzugehen.

Waehrend der zweiten Wanderung treffe ich zwei Kiwis (Neuseelaender). Wir alle drei wissen nicht, wohin wir weitergehen muessen. Treffen einen Sydneysider. Und der, so sind die Australier und so sind – manchmal – auch die Sydneysider, macht seine Wanderung einfach noch einmal, um uns als ueberraschend informativer Tourguide die besten Ausblicke und wertvolle Infos zu Flora und Fauna zu geben. Locker zwei Stunden lang laufen wir zu viert durch die Gegend. Ich bekomme Reisetipps fuer Neuseeland (und eine weitere Visitenkarte fuer meine Sammlung, “falls ich mal vorbei komme”), gebe selber Tipps zu Western Australia und freiwilliger Arbeit im Naturschutz. Und lerne einiges ueber das Buschland in und um Sydney, werde viele Fragen los, die ich mir alleine nicht haette beantworten koennen. Ganz davon ab, dass ich den Weg durch dieses eher schlecht beschilderte Labyrinth am Nordkap niemals alleine und so Dinge wie den alten Quarantaene-Friedhof ueberhaupt nicht erst gefunden haette. Wie so oft kam die richtige Begegnung zur richtigen Zeit daher gelaufen. Wenn das mal zu Hause auch so laufen wuerde…

Heute ist mein letzter Abend in Australien. (Sydney macht mir den Abschied “leicht”: Es regnet heute in Stroemen und gerade bebt das ganze Hostel vor krachendem Donner.) Morgen Nachmittag um kurz vor vier Ortszeit geht mein Flieger und am Donnerstag Morgen in aller Herrgottsfruehe Ortszeit lande ich in Frankfurt. Ich bin in einer Art mentaler Schockstarre hab ich das Gefuehl. Ich erinnere mich, dass ich mich 2007 genau so gefuehlt habe. Ein paar Tage vor Abreise setzt dieses komische Gefuehl ein. Wie ferngesteuert. Ich mache das nicht freiwillig, das Packen, das zum Flughafen Fahren, das Einchecken und all das Zeug, sondern weil es sein muss. Ich lasse das ueber mich ergehen. Mit moeglichst wenig Nachdenken und moeglichst abgestellten Gefuehlen.

Aber: Ich freue mich auf meine Menschen. Auf nichts mehr und nichts weniger. Wie schoen, dass ich euch hab. See you very soon! :)

Viel mehr Fotos gibt’s im Sydney-Album. Mehr Blogbeitraege zum Thema Sydney gibt’s von meiner letzten Australienreise in der Blogkategorie Sydney: Tipps und Alltag. Darunter ein Beitrag mit Tipps, von wo aus man tagsueber und nachts die beste Sicht auf die Skyline hat und obendrein nett picknicken und ein bisschen spazierengehen kann.

Was ich euch noch nicht erzaehlt habe: Zwei Tage nach meiner Ankunft in Sydney war ich nochmal tauchen – in South West Rocks, am Fish Rock mit einem Dutzend Sandtigerhaien und in der Fish Rock Cave. Drei Tage war ich unterwegs fuer diese zwei Tauchgaenge – und es hat sich wieder gelohnt! Siehe dazu meine Beitraege von 2007 ueber meine ersten Tauchgaengen dort hier im Blog beziehungsweise im Reisemagazin Australian Traveller, fuer das ich damals eine Reportage geschrieben habe. Ich koennte erneut drueber schreiben, denn vor allem die Hoehle war dieses Mal ein voellig anderes Erlebnis fuer mich, toller noch als 2007. Aber mir fehlt die Zeit dazu. Nach meinem erneuten Besuch kann ich uebrigens auch die zweite Tauchbasis, Fish Rock Dive, ebenso uneingeschraenkt empfehlen wie das South West Rocks Dive Centre. Wer Interesse hat, kann sich hier ein paar grossartige Videos angucken. Mehr davon gibt’s bei YouTube. Fish Rock Cave gehoert – ich glaube, ich kann das mittlerweile ganz gut einschaetzen – zu den besten Tauchspots in Australien.

Darwin – Durchatmen, fast eineinhalb Monate lang

5 Sep

Von Darwin hatten wir nur Gutes gehoert. Es sei eine junge, flippige Stadt mit alternativem Flair, tollen Maerkten und relaxtem Lebensstil. Wir waren also gespannt, was uns erwarten wuerde. Gleichzeitig war ich als Fahrerin voellig vereinnahmt von mehrspurigen Highways, Baustellen, zu vielen Schildern und anderen Autos. Darwin bedeutete das Ende unserer gemeinsamen Reise (Sabine ist nach einem ganz schoen traurigen Abschied weiter zur Ostkueste gereist) sowie Rueckkehr zum typischen Backpacker-Leben nach 50 Tagen im Auto.

Der Vorteil daran, ein total vermacktes, schon etwas herunter gekommenes Auto verliehen zu bekommen, wurde schnell klar: Bei all den Macken und Schrammen fiel die von uns verursachte Riesenschramme gar nicht auf – der Bulli ging ohne Einspruch durch die Abnahme. Ein letztes trauriges Winken und er war auf dem Weg zur Inspektion. Das war allerdings das einzige, was nach unserer Ankunft in Darwin wirklich gut lief. Wir hatten zweieinhalb Stunden Gerenne durch bruellende Hitze hinter uns. Saemtliche Hostels schienen ausgebucht. Gelandet sind wir in einem Drecksloch, in dem sich Unmengen von niemand gehoerendem Zeug im Zimmer stapelte, die Kueche schlecht ausgestattet und saumaessig dreckig war und mir innerhalb von 12 Stunden mehrere Teile aus meiner Lebensmitteltasche geklaut wurden. Von der Unterlage, die als Matratze auf meinem Bett lag, hatte ich mir die Huefte blau gelegen, so durchgelegen war das Teil in der Mitte… Wir konnten es kaum erwarten, zwei Tage spaeter ins YHA umzuziehen. “YHA” – quasi Garant fuer ein vernuenftiges, sauberes Heim. Nicht in Darwin. Hier wurde fleissig weiter geklaut und fuer ein YHA ist dieses Hostel erschreckend schlecht ausgestattet.

In Darwin haben wir wenige Minuten nach unserer Ankunft direkt die ersten Reisenden wiedergetroffen, die wir schon von unterwegs kannten. Tausende Kilometer hatten wir ihnen einen Kochtopf hinterher transportiert. Und dann sitzen die direkt da, wo wir parken – kurz bevor wir das Auto samt Topf abgegeben haetten. Darwin ist Treffpunkt der Reisenden, vor allem der Backpacker. Die Hauptstrasse ist voller Hostels, ueberall tummelt sich das Backpacker-Volk. Da faellt es leicht, Bekanntschaften zu schliessen und Leute wieder zu treffen. Dabei scheinen sich erstmal alle, die von Sueden nach Norden gereist sind, gleich zu fuehlen: Nach dem Roadtrip wollen alle das Erlebte sacken lassen, laenger an einem Ort bleiben als zwei oder drei Naechte, in richtigen Betten schlafen, Teil der Konsumgesellschaft sein und sich darueber klar werden, was als naechstes ansteht. Darueber war ich mir so gar nicht klar. Ich war wegen Sabine vier Wochen schneller gereist als urspruenglich geplant und hatte daher Zeit uebrig. Ich wollte nichts uebereilen und hab auf die richtige Eingebung gewartet. Wie schon in Perth, als Sabine auf einmal vor mir stand und mir erzaehlte, sie suche Reisepartner fuer exakt die Route, die ich vor mir hatte, kam die Eingebungvon ganz alleine. Im Hostel hing eines Tages ein Aushang. Es werde noch jemand fuer Freiwilligenarbeit bei einem Schildkroetenprojekt gesucht. Einen Tag lang hab ich das nicht mehr aus dem Kopf bekommen und mich dann angemeldet. Es sollte eines der schoensten Erlebnisse meines Lebens werden. Aber dazu ein andermal mehr.

Ich hatte nun knapp zwei Wochen Wartezeit bis zum Projektstart. Gross rumreisen wollte ich mir in der kurzen Zeit nicht mehr antun. Ich entschied mich, in Darwin zu bleiben. Daraus ist mittlerweile ein ganzer Monat geworden und Darwin wurde fuer mich eher unerwarteter Weise nach Sydney so eine Art “zweites zu Hause” in Australien.

Ich weiss gar nicht mehr, wie oft ich den etwa zwanzig Minuten langen Weg von der Mitchell Street zum Mindil Beach sowie den beruehmten Sunset Markets hin- und zurueck gelaufen bin. Ich mag die Waterfront-Lagune am anderen Ende des Stadtkerns noch lieber als den Strand. Ich liebe die asiatischen Take-aways und das Seafood ueberall. Wenn ich am Shenannigans vorbei gehe, muss ich gleichzeitig laecheln und mir wird schlecht – Erinnerungen an eine Partynacht. Im Supermarkt kenne ich Preise und Angebote. Ich habe Lieblings-Takeaways und Buchlaeden und habe in drei Hostels gewohnt. Weiss mittlerweile, was Backpacker alles tun, um Geld zu sparen und hab mich beklauen lassen, dass es mich Tage gekostet hat, die Wut darueber zu verarbeiten. Ich habe so unterschiedliche Menschen kennengelernt, dass es mich nur noch fasziniert hat. Habe endlich das John Butler Trio live gesehen, auf dem Darwin Festival und am Tag vor meinem Geburtstag.

Und ich habe unerwarteter Weise nachts am Strand zum ersten Mal ueberhaupt einen Dingo gesehen, mitten in Darwin. Auch im Bicentennial Park suchen sie nachts nach Futter. Das Foto ist schlecht, aber ich war so perplex, ich konnte nicht schnell genug reagieren.

Um mir den Tag zu vertreiben, war ich heute in einer der Haupt-Touriattraktionen vor Ort, Crocosaurus Cove. Seit meiner Arbeit auf der Insel habe ich durchaus eine spezielle Beziehung zu Salzwasserkroks entwickelt, denn die lauerten jede Nacht und oft auch tagsueber im Wasser vor uns. Manchmal waren die nur durch Warnschuesse zu verjagen. Manchmal half nicht einmal das. Und es gab jede Menge Geschichten ueber diese Tiere, dass man nur staunen kann. Ich find’s ja immer wieder beeindruckend, wie gross die sind (hier ein Weltstar aus “Crocodile Dundee”, der heute in Darwin lebt):

Crocosaurus Cove ist ueberteuert wie so ziemlich alles in Darwin, aber gute Fotomotive geben die Kroks allemal ab.

Heute Morgen habe ich endgueltig ausgecheckt, denn heute Nacht geht nach ueber einem Monat in Darwin und Umgebung mein Flug nach Sydney. Mir bleiben nur noch zehn Tage in Australien. Somit ist das Blog endlich auf aktuellem Stand. Es fehlen noch meine Tagestour zu einer Aborigine-Community auf den Tiwi Islands sowie meine Zeit als “Schildkroeten-Rangerin” auf der Insel. Beides sind unvergessliche Erlebnisse. Im Moment sollen sie aber ungebloggt bleiben. Vielleicht hole ich das einmal nach. Jetzt gilt es, mir noch irgendwie den Abend sowie die aufkommende Wehmut zu vertreiben und morgen frueh Ortszeit heile in Sydney anzukommen.

See ya later, alligator! ;)

Mehr Fotos gibt’s, ihr ahnt es, im Album.

Litchfield Nationalpark – Schoen, aber laengst kein Geheimtipp mehr

5 Sep

Der Litchfield Nationalpark kommt uns sehr gelegen. Hier geht’s ums Baden. Den ganzen Tag lang. Von einem Pool in den Fluss in den naechsten Rockpool, unter einen Wasserfall und von da in den naechsten Pool. Bis sich meine Haut wellt und ich – kaum zu glauben bei den Aussentemperaturen – zu frieren anfange.

Die Wangi Falls sind umgeben von ein wenig Regenwald, in dem sich die Flughunde ankeifen.

Wir schwimmen im darunter liegenden Pool und entdecken im linken Wasserfall eine von unten unsichtbare Aushoehlung im Fels, in der man ein warmes Bad nehmen kann. Privates Spa. Ich verstecke mich darin eine Weile ungesehen von den zahlreichen anderen Touris im Pool.

Die Tolmer Falls fallen 100 Meter in die Tiefe. Baden ist hier verboten. Aber gucken darf man.

Immer wieder huepfen wir in Baeche. Ich kann nicht einmal zwei Kilometer durch den Busch laufen, ohne total zu ueberhitzen – obwohl ich weiss, dass am Ende Abkuehlung wartet. Ich laufe im Bikini zu den Florence Falls. Auf dem Weg dorthin sehen wir eine Baumschlange, unsere erste und einzige Schlange auf der gesamten Reise.

Im Pool gehen wir Schnorcheln. Die Unterwasserlandschaft ist gruenlich, am Grund liegen grosse Felsen und abgestorbene Baumstaemme, dazwischen schwimmen rabenschwarze Fische und Welse. Von unten sieht man buntes Laub auf der Wasseroberflaeche treiben.

Am zweiten Tag baden wir stundenlang in den Buley Rockholes. Toll! Ueber mehrere hundert Meter kurvt das Wasser kaskadenartig in kleine Becken, durchsetzt von Felsen, Wurzeln und Wasserfaellen. Auf Anhieb finde ich meinen Lieblingsplatz. Auf dem Bauch liege ich im flachen Wasser, stuetze die Haende auf eine Wurzelbarriere und schlafe grinsend fast dabei ein, wie mir das Wasser ueber die Schultern einen kleinen Wasserfall hinunter laeuft. Urlaub!

Im Litchfield nerven mich zum ersten Mal auf dieser Reise die australischen Fliegen so richtig an. Summend verfolgen sie einen ueber hunderte Meter, fliegen penetrant und gezielt Augen, Mund, Nase und Ohren an, in der Hoffnung auf ein bisschen Koerperfluessigkeit. Australien ist der trockenste Kontinent, das merken auch diese Drecksviecher. Ich bin bisher gut mit ihnen klar gekommen, aber im Litchfield rauben sie mir jeden Nerv. Allerdings ist dies nicht der einzige Grund, warum mir dieser Nationalpark nicht so gut gefaellt wie erwartet.

Als ich 2007 bei einem Reisemagazin in Sydney ein Praktikum gemacht habe, hatten wir den Litchfield Nationalpark als einen von 100 Geheimtipps in Australien empfohlen. Das ist er eindeutig nicht mehr oder nie gewesen. Im Vergleich zu allem, was wir in Westaustralien und im Northern Territory bisher gesehen haben, ist Litchfield (wohl auf Grund seiner Naehe zu Darwin) hoffnungslos ueberlaufen.

Alle Pools und auch die Campsites waren sehr voll. Dabei muss man sich an den Anblick von im Wasser stehenden, Bier saufenden Maennern oder mit Plastik-Wasserspielzeug, Luftmatratzen und ganzen Kuehlboxen voller Alkohol beladenen Teenager-Horden gewoehnen, die die Pools in Anspruch nehmen. Dazu Sonnenbrille und tussihafte Modenschau im Wasser. Und immer und ueberall trotz Verboten angeberisches Klippenspringen. An den Florence Falls steht den ganzen Tag lang ein Ranger, um Uebermutige von selbstmoerderischen Spruengen abzuhalten und zur Not auch des Pools zu verweisen. Und der die ueberall verteilten Zigarettenkippen einsammeln darf. Muelsammler koennten auch einige der anderen Pools gut vertragen.

Es ist vielleicht typisch deutsches Gemecker, aber man kann sich meiner Meinung nach an solchen Orten kaum unpassender verhalten als viele der Leute, die wir sehen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man solch eine Landschaft geniessen und sich gleichzeitig so ignorant verhalten kann. Aber ich werde in Darwin noch weitere, erschreckende Dinge hoeren, die manch Reisende so machen, um Spass zu haben oder Geld zu sparen…

Am letzten Tag im Litchfield heisst es Sachen packen. Wir koennen kaum glauben, dass wir zum letzten Mal im Auto schlafen.

Wir raeumen das Auto auf und vernichten die deutlichen Spuren unserer Reise auf Gravel Roads und unwegsamem Gelaende, das wir eigentlich nicht haetten befahren duerfen. Haben wir ja auch gar nicht, aehem. Wir sind keine Wasserloecher in gefaehrlicher Schraeglage entlang balanciert, haben das Auto nicht auf Waschbrettpisten geschunden bis an seine Grenzen, sind nicht in rostroten Staubwolken versunken, dass wir davon Schnupfen bekommen haben, haben keine Baeume halb mitgenommen mit dem Auto, haben keine riesige Schramme auf der Beifahrertuere hinterlassen – neiiiiin! Tatsaechlich: Nach unserer Waschaktion sieht man dem Bulli all das nicht mehr an. Und die Schramme, die verschweigen wir erstmal und warten ab, was passiert…

Wehmuetig fahren wir nach Darwin. Wir haben 50 Tage lang im und am Auto gelebt, geschlafen, gekocht und 7.300 Kilometer zurueck gelegt. Mit einem Kilometerstand von rund 330.000 geben wir unser zu Hause in Darwin ab.

Mehr Fotos im Album. Sabine war vom Litchfield Nationalpark mehr begeistert als ich, hat aber aehnliche Punkte kritisiert.

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