Darwin – Durchatmen, fast eineinhalb Monate lang

5 Sep

Von Darwin hatten wir nur Gutes gehoert. Es sei eine junge, flippige Stadt mit alternativem Flair, tollen Maerkten und relaxtem Lebensstil. Wir waren also gespannt, was uns erwarten wuerde. Gleichzeitig war ich als Fahrerin voellig vereinnahmt von mehrspurigen Highways, Baustellen, zu vielen Schildern und anderen Autos. Darwin bedeutete das Ende unserer gemeinsamen Reise (Sabine ist nach einem ganz schoen traurigen Abschied weiter zur Ostkueste gereist) sowie Rueckkehr zum typischen Backpacker-Leben nach 50 Tagen im Auto.

Der Vorteil daran, ein total vermacktes, schon etwas herunter gekommenes Auto verliehen zu bekommen, wurde schnell klar: Bei all den Macken und Schrammen fiel die von uns verursachte Riesenschramme gar nicht auf – der Bulli ging ohne Einspruch durch die Abnahme. Ein letztes trauriges Winken und er war auf dem Weg zur Inspektion. Das war allerdings das einzige, was nach unserer Ankunft in Darwin wirklich gut lief. Wir hatten zweieinhalb Stunden Gerenne durch bruellende Hitze hinter uns. Saemtliche Hostels schienen ausgebucht. Gelandet sind wir in einem Drecksloch, in dem sich Unmengen von niemand gehoerendem Zeug im Zimmer stapelte, die Kueche schlecht ausgestattet und saumaessig dreckig war und mir innerhalb von 12 Stunden mehrere Teile aus meiner Lebensmitteltasche geklaut wurden. Von der Unterlage, die als Matratze auf meinem Bett lag, hatte ich mir die Huefte blau gelegen, so durchgelegen war das Teil in der Mitte… Wir konnten es kaum erwarten, zwei Tage spaeter ins YHA umzuziehen. “YHA” – quasi Garant fuer ein vernuenftiges, sauberes Heim. Nicht in Darwin. Hier wurde fleissig weiter geklaut und fuer ein YHA ist dieses Hostel erschreckend schlecht ausgestattet.

In Darwin haben wir wenige Minuten nach unserer Ankunft direkt die ersten Reisenden wiedergetroffen, die wir schon von unterwegs kannten. Tausende Kilometer hatten wir ihnen einen Kochtopf hinterher transportiert. Und dann sitzen die direkt da, wo wir parken – kurz bevor wir das Auto samt Topf abgegeben haetten. Darwin ist Treffpunkt der Reisenden, vor allem der Backpacker. Die Hauptstrasse ist voller Hostels, ueberall tummelt sich das Backpacker-Volk. Da faellt es leicht, Bekanntschaften zu schliessen und Leute wieder zu treffen. Dabei scheinen sich erstmal alle, die von Sueden nach Norden gereist sind, gleich zu fuehlen: Nach dem Roadtrip wollen alle das Erlebte sacken lassen, laenger an einem Ort bleiben als zwei oder drei Naechte, in richtigen Betten schlafen, Teil der Konsumgesellschaft sein und sich darueber klar werden, was als naechstes ansteht. Darueber war ich mir so gar nicht klar. Ich war wegen Sabine vier Wochen schneller gereist als urspruenglich geplant und hatte daher Zeit uebrig. Ich wollte nichts uebereilen und hab auf die richtige Eingebung gewartet. Wie schon in Perth, als Sabine auf einmal vor mir stand und mir erzaehlte, sie suche Reisepartner fuer exakt die Route, die ich vor mir hatte, kam die Eingebungvon ganz alleine. Im Hostel hing eines Tages ein Aushang. Es werde noch jemand fuer Freiwilligenarbeit bei einem Schildkroetenprojekt gesucht. Einen Tag lang hab ich das nicht mehr aus dem Kopf bekommen und mich dann angemeldet. Es sollte eines der schoensten Erlebnisse meines Lebens werden. Aber dazu ein andermal mehr.

Ich hatte nun knapp zwei Wochen Wartezeit bis zum Projektstart. Gross rumreisen wollte ich mir in der kurzen Zeit nicht mehr antun. Ich entschied mich, in Darwin zu bleiben. Daraus ist mittlerweile ein ganzer Monat geworden und Darwin wurde fuer mich eher unerwarteter Weise nach Sydney so eine Art “zweites zu Hause” in Australien.

Ich weiss gar nicht mehr, wie oft ich den etwa zwanzig Minuten langen Weg von der Mitchell Street zum Mindil Beach sowie den beruehmten Sunset Markets hin- und zurueck gelaufen bin. Ich mag die Waterfront-Lagune am anderen Ende des Stadtkerns noch lieber als den Strand. Ich liebe die asiatischen Take-aways und das Seafood ueberall. Wenn ich am Shenannigans vorbei gehe, muss ich gleichzeitig laecheln und mir wird schlecht – Erinnerungen an eine Partynacht. Im Supermarkt kenne ich Preise und Angebote. Ich habe Lieblings-Takeaways und Buchlaeden und habe in drei Hostels gewohnt. Weiss mittlerweile, was Backpacker alles tun, um Geld zu sparen und hab mich beklauen lassen, dass es mich Tage gekostet hat, die Wut darueber zu verarbeiten. Ich habe so unterschiedliche Menschen kennengelernt, dass es mich nur noch fasziniert hat. Habe endlich das John Butler Trio live gesehen, auf dem Darwin Festival und am Tag vor meinem Geburtstag.

Und ich habe unerwarteter Weise nachts am Strand zum ersten Mal ueberhaupt einen Dingo gesehen, mitten in Darwin. Auch im Bicentennial Park suchen sie nachts nach Futter. Das Foto ist schlecht, aber ich war so perplex, ich konnte nicht schnell genug reagieren.

Um mir den Tag zu vertreiben, war ich heute in einer der Haupt-Touriattraktionen vor Ort, Crocosaurus Cove. Seit meiner Arbeit auf der Insel habe ich durchaus eine spezielle Beziehung zu Salzwasserkroks entwickelt, denn die lauerten jede Nacht und oft auch tagsueber im Wasser vor uns. Manchmal waren die nur durch Warnschuesse zu verjagen. Manchmal half nicht einmal das. Und es gab jede Menge Geschichten ueber diese Tiere, dass man nur staunen kann. Ich find’s ja immer wieder beeindruckend, wie gross die sind (hier ein Weltstar aus “Crocodile Dundee”, der heute in Darwin lebt):

Crocosaurus Cove ist ueberteuert wie so ziemlich alles in Darwin, aber gute Fotomotive geben die Kroks allemal ab.

Heute Morgen habe ich endgueltig ausgecheckt, denn heute Nacht geht nach ueber einem Monat in Darwin und Umgebung mein Flug nach Sydney. Mir bleiben nur noch zehn Tage in Australien. Somit ist das Blog endlich auf aktuellem Stand. Es fehlen noch meine Tagestour zu einer Aborigine-Community auf den Tiwi Islands sowie meine Zeit als “Schildkroeten-Rangerin” auf der Insel. Beides sind unvergessliche Erlebnisse. Im Moment sollen sie aber ungebloggt bleiben. Vielleicht hole ich das einmal nach. Jetzt gilt es, mir noch irgendwie den Abend sowie die aufkommende Wehmut zu vertreiben und morgen frueh Ortszeit heile in Sydney anzukommen.

See ya later, alligator! ;)

Mehr Fotos gibt’s, ihr ahnt es, im Album.

Litchfield Nationalpark – Schoen, aber laengst kein Geheimtipp mehr

5 Sep

Der Litchfield Nationalpark kommt uns sehr gelegen. Hier geht’s ums Baden. Den ganzen Tag lang. Von einem Pool in den Fluss in den naechsten Rockpool, unter einen Wasserfall und von da in den naechsten Pool. Bis sich meine Haut wellt und ich – kaum zu glauben bei den Aussentemperaturen – zu frieren anfange.

Die Wangi Falls sind umgeben von ein wenig Regenwald, in dem sich die Flughunde ankeifen.

Wir schwimmen im darunter liegenden Pool und entdecken im linken Wasserfall eine von unten unsichtbare Aushoehlung im Fels, in der man ein warmes Bad nehmen kann. Privates Spa. Ich verstecke mich darin eine Weile ungesehen von den zahlreichen anderen Touris im Pool.

Die Tolmer Falls fallen 100 Meter in die Tiefe. Baden ist hier verboten. Aber gucken darf man.

Immer wieder huepfen wir in Baeche. Ich kann nicht einmal zwei Kilometer durch den Busch laufen, ohne total zu ueberhitzen – obwohl ich weiss, dass am Ende Abkuehlung wartet. Ich laufe im Bikini zu den Florence Falls. Auf dem Weg dorthin sehen wir eine Baumschlange, unsere erste und einzige Schlange auf der gesamten Reise.

Im Pool gehen wir Schnorcheln. Die Unterwasserlandschaft ist gruenlich, am Grund liegen grosse Felsen und abgestorbene Baumstaemme, dazwischen schwimmen rabenschwarze Fische und Welse. Von unten sieht man buntes Laub auf der Wasseroberflaeche treiben.

Am zweiten Tag baden wir stundenlang in den Buley Rockholes. Toll! Ueber mehrere hundert Meter kurvt das Wasser kaskadenartig in kleine Becken, durchsetzt von Felsen, Wurzeln und Wasserfaellen. Auf Anhieb finde ich meinen Lieblingsplatz. Auf dem Bauch liege ich im flachen Wasser, stuetze die Haende auf eine Wurzelbarriere und schlafe grinsend fast dabei ein, wie mir das Wasser ueber die Schultern einen kleinen Wasserfall hinunter laeuft. Urlaub!

Im Litchfield nerven mich zum ersten Mal auf dieser Reise die australischen Fliegen so richtig an. Summend verfolgen sie einen ueber hunderte Meter, fliegen penetrant und gezielt Augen, Mund, Nase und Ohren an, in der Hoffnung auf ein bisschen Koerperfluessigkeit. Australien ist der trockenste Kontinent, das merken auch diese Drecksviecher. Ich bin bisher gut mit ihnen klar gekommen, aber im Litchfield rauben sie mir jeden Nerv. Allerdings ist dies nicht der einzige Grund, warum mir dieser Nationalpark nicht so gut gefaellt wie erwartet.

Als ich 2007 bei einem Reisemagazin in Sydney ein Praktikum gemacht habe, hatten wir den Litchfield Nationalpark als einen von 100 Geheimtipps in Australien empfohlen. Das ist er eindeutig nicht mehr oder nie gewesen. Im Vergleich zu allem, was wir in Westaustralien und im Northern Territory bisher gesehen haben, ist Litchfield (wohl auf Grund seiner Naehe zu Darwin) hoffnungslos ueberlaufen.

Alle Pools und auch die Campsites waren sehr voll. Dabei muss man sich an den Anblick von im Wasser stehenden, Bier saufenden Maennern oder mit Plastik-Wasserspielzeug, Luftmatratzen und ganzen Kuehlboxen voller Alkohol beladenen Teenager-Horden gewoehnen, die die Pools in Anspruch nehmen. Dazu Sonnenbrille und tussihafte Modenschau im Wasser. Und immer und ueberall trotz Verboten angeberisches Klippenspringen. An den Florence Falls steht den ganzen Tag lang ein Ranger, um Uebermutige von selbstmoerderischen Spruengen abzuhalten und zur Not auch des Pools zu verweisen. Und der die ueberall verteilten Zigarettenkippen einsammeln darf. Muelsammler koennten auch einige der anderen Pools gut vertragen.

Es ist vielleicht typisch deutsches Gemecker, aber man kann sich meiner Meinung nach an solchen Orten kaum unpassender verhalten als viele der Leute, die wir sehen. Ich kann nicht nachvollziehen, wie man solch eine Landschaft geniessen und sich gleichzeitig so ignorant verhalten kann. Aber ich werde in Darwin noch weitere, erschreckende Dinge hoeren, die manch Reisende so machen, um Spass zu haben oder Geld zu sparen…

Am letzten Tag im Litchfield heisst es Sachen packen. Wir koennen kaum glauben, dass wir zum letzten Mal im Auto schlafen.

Wir raeumen das Auto auf und vernichten die deutlichen Spuren unserer Reise auf Gravel Roads und unwegsamem Gelaende, das wir eigentlich nicht haetten befahren duerfen. Haben wir ja auch gar nicht, aehem. Wir sind keine Wasserloecher in gefaehrlicher Schraeglage entlang balanciert, haben das Auto nicht auf Waschbrettpisten geschunden bis an seine Grenzen, sind nicht in rostroten Staubwolken versunken, dass wir davon Schnupfen bekommen haben, haben keine Baeume halb mitgenommen mit dem Auto, haben keine riesige Schramme auf der Beifahrertuere hinterlassen – neiiiiin! Tatsaechlich: Nach unserer Waschaktion sieht man dem Bulli all das nicht mehr an. Und die Schramme, die verschweigen wir erstmal und warten ab, was passiert…

Wehmuetig fahren wir nach Darwin. Wir haben 50 Tage lang im und am Auto gelebt, geschlafen, gekocht und 7.300 Kilometer zurueck gelegt. Mit einem Kilometerstand von rund 330.000 geben wir unser zu Hause in Darwin ab.

Mehr Fotos im Album. Sabine war vom Litchfield Nationalpark mehr begeistert als ich, hat aber aehnliche Punkte kritisiert.

Edith Falls – Ueberraschend schoener Zwischenstopp

4 Sep

Manchmal gefallen einem die Fleckchen, von denen man gar nicht so viel erwartet hat, besonders gut. So war’s fuer mich bei den Edith Falls. Da wir nicht wussten, ob wir hier einen Stellplatz bekommen wuerden, haben wir nur einen mehrstuendigen Zwischenstopp auf dem Weg zum Litchfield Nationalpark eingelegt. Sabine hatte nach unserer Wanderung in der Katherine Gorge keine Lust mehr auf Laufen, also bin ich den kurzen Weg zu den Upper Pools alleine gelaufen. Mein Reisefuehrer sagte, hier sei es schoener als unten am letzten Wasserfall. Und hatte – wie immer – recht.

Die Upper Pools sind gross genug zum Schwimmen, umgeben von Felsen und werden von einem breiten, aber nur mittelhohen Wasserfall gespeist. Mehrere Pools gehen ineinander ueber. Es klingt abgedroschen, aber ich finde den Ort idyllisch. Und mindestens so schoen wie die Pools im Karijini Nationalpark.

Da nicht allzu viele andere Leute dort sind, geniesse ich meine Zeit, gehe zwei Mal ins Wasser, robbe ueber algenglatte Felsen von einem Pool in den naechsten, schwimme zum Wasserfall, beobachte ein riesiges Garnelen-Krebs-Vieh und einen Wasser-Waran aus naechster Naehe, bis er unter mir abtaucht.

Da es sich um einen Rundweg handelt, fuehrt der Rueckweg an den Pools vorbei auf einem anderen Weg Richtung Parkplatz. Kurzes Klettern, dann geht es nur noch bergab. An einer Stelle muss man ueber eine aus Brettern gebaute Bruecke einen kleinen, beinahe still stehenden Fluss ueberqueren. Rechts und links ueppiger Bewuchs. Ich bin ganz alleine. Haette ich nicht Angst vor Krokodilen und wuerde Sabine nicht auf mich warten, ich wuerde direkt noch einmal baden gehen.

Mehr Fotos wie immer im Album. Wer gerne wandert und mit Zelt und Co. unterwegs ist, kann von der Katherine Gorge mehrere Tage lang zu den Edith Falls wandern, ohne dabei vielen Menschen zu begegnen. Naechstes Mal dann. :)

Katherine Gorge: Heiss, heiss, heiss und keine Abkuehlung in Sicht

31 Aug

Mit Wehmut verlassen wir den Staat Western Australia. Deutschland wuerde etwa sieben Mal in WA hereinpassen. Nach etwa 6.000 zurueckgelegten Kilometern ueberqueren wir die Grenze zum Northern Territory Richtung Top End. Bis Katherine reissen wir durch schoene Landschaft die bisher laengste Tagesstrecke (600 Kilometer) ab. Unsere Uhren muessen wir 1,5 Stunden vorstellen. Endlich wird es nicht mehr um halb sechs dunkel, sondern um sieben Uhr. Wir haben immer haeufiger Handyempfang und in Katherine werden wir mit mehrspurigen Strassen und zahlreichen Ampeln konfrontiert. Alles Zeichen fuer das in einer Woche nahende Ende unserer gemeinsamen Reise.

In Katherine gehen wir in den natuerlichen heissen Quellen baden, bevor wir uns aufmachen zur bekannten Katherine Gorge. Wir sind totmuede, unmmotiviert und schwitzen. Wir schaetzen eine Aussentemperatur von 35 Grad. Haben keine Lust auf wandern. Starten entsprechend schwerfaellig und ueberhitzt eine kleinere, zweistuendige Wanderung zu einem Aussichtspunkt. 200 Stufen hoch, verfolgt von Fliegen. Der Aufstieg hat sich gelohnt, aber Spass gemacht hat er nicht.

Danach kurzes Ueberlegen, ob wir zurueck oder weiter gehen. Wir entscheiden uns fuer weiter. Durch die unbeschattete Savanne. Brutal. Die zweite Haelfte der Wanderung geht zum Glueck bergab und ist teils beschattet. Ich will gar nicht wissen, wie heiss und schwuel und fliegenverseucht es hier im australischen Sommer ist. Und gewoehne mir tranceartig den “Aussie Salute” an: Regelmaessiges Haendewedeln vorm Gesicht, um Fliegen zu verscheuchen.

Fuer den zweiten Tag gehen wir eine groessere Wanderung an. Die Wege fuehren immer auf die Schlucht zu, nicht an ihr entlang. Normalerweise kann man dann am Ziel baden. Als wir in der Katherine Gorge waren, war daran allerdings nicht zu denken:

Selten, vielleicht nie zuvor, habe ich so geschwitzt wie bei dieser Wanderung. Temperatur um die 40 Grad, Baden verboten, Wegfuehrung teilweise durch die pralle Sonne mit vielen Auf- und Abstiegen ueber loses Geroell. 4,5 Liter trinke ich mal eben so weg und schwitze sie direkt wieder aus. Wir legen mehrere Pausen ein und sehnen uns jeweils nach den zwei Wassertanks im Gelaende. Bis dahin male ich mir aus, wie ich mein langaermeliges Shirt mit Wasser nass mache und es kalt auf meiner Haut klebt. Ebenso mein Kopftuch. Stelle mir vor, wie eine leichte Brise darauf weht. Ich nasse Haare habe.

Zu unserer Enttaeuschung bekommen wir unterwegs von der Schlucht selbst kaum etwas zu sehen. Dafuer waere eine Boots- oder Kanufahrt sicherlich besser geeignet gewesen. Man kann sogar mehrtaegige Kanutouren mit Uebernachtung auf einsamen Campingplaetzen machen. Ein Aussichtspunkt und ein kurzer Blick in den zweiten von 13 Schluchtabschnitten muessen fuer uns Fussgaenger allerdings reichen.

Ansonsten fuehrt der Weg durchs Gelaende abseits der Schlucht.

Etwa 15 Kilometer legen wir zurueck. Auf Grund der Hitze ist diese Wanderung unsere anstrengendste Unternehmung der ganzen Reise. Da wir sehr viel im Auto sitzen, sind wir allerdings dankbar fuer Bewegung. Und liegen abends platt wie Pfannekuchen, aber gluecklich zur Abkuehlung am Pool.

Mehr Fotos im Album. Sabine fand das Ganze ebenfalls “sehr sehr anstrengend” und fluechtete sich den Fliegen wie meistens unter ihr modisches Fliegennetz. ;)

Kimberleys (3): Halls Creek & Kununurra

30 Aug

Langsam wird uns klar, dass wir mit unserem Auto-Mietvertrag zeitlich nicht hinkommen. Wir verlaengern um zehn weitere Tage. Trotzdem stehen wir unter Zeitdruck, muessen Kilometer abreissen und kleine Nationalparks links liegen lassen. Von Fitzroy Crossing aus fahren wir durch bis Halls Creek. Dieses winzige Dorf hat nur etwa 1.200 Einwohner und ist doch die einzige groessere Ortschaft auf einer Strecke von 600 Kilometern. Wieder beinahe unbegreiflich fuer europaeische Verhaeltnisse. In Halls Creek wohnen mehr Ureinwohner als weisse Australier. Es gibt nicht viel  sehen. Der Reisefuehrer preist die so genannte “China Wall” an. Hier fuehrt eine Quarzader, deren Gesamtlaenge bisher unbekannt ist, bis ueber die Oberflaeche. Die Quarzbloecke sehen aus wie von Menschenhand zu einer Mauer aufgetuermt. Von australisch-penetranten Fliegen geplagt schiessen wir ein paar Fotos. Nette Farben, wie so oft in diesem Land.

Wir uebernachten an einem nahegelegenen, inoffiziellen Campground direkt an einem Fluss. Am “Caroline Pool” gibt es keinerlei Einrichtungen, nicht einmal eine Buschtoilette. Dafuer muss man aber auch nichts bezahlen. Abends brechen wir spontan zu einer Nachtwanderung auf. Vollmond. Drei Kilometer entfernt befinden sich Ruinen aus der Goldgraeberzeit. Die sollen unser Ziel sein. Wie schon frueher als Kinder kommen wir auf Gruselgeschichten. Termitenhuegel verwandeln sich im Zwielicht in starrende Gestalten und ein Schild, das mitten auf der unebenen und von Steinen uebersaehten Gravelroad vor Roadtrains warnt, gibt uns ein ungutes Gefuehl. Als wir bei den Ruinen ankommen, gruseln wir uns so sehr, dass wir uns gar nicht richtig hin trauen. Abweschelnd albern wir lachend herum, machen uns gegenseitig Angst und huepfen, als wir ploetzlich Autoscheinwerfer sehen, vor lauter Schiss inne Bux aneinander geklammert ins Gebuesch. Unsere winzige Funzel schwenkend hoffen wir, den bestimmt auf uns zurasenden Road Train von unserer Anwesenheit ueberzeugen zu koennen. Es kommt nur ein Pkw, der seine Fahrt deutlich verlangsamt, weil er sich wohl fragt, was diese beiden Gestalten mitten in der Nacht ohne Auto in der Einoede zu suchen haben.

Am naechsten Tag Weiterfahrt nach Kununurra. Dies soll unser letzter Stopp in Western Australia sein. Da wir die beruehmten Bungle Bungles zu meiner absoluten Enttaeuschung nicht mit unserem Campervan anfahren koennen, wollen wir ersatzweise den direkt hinter unserem Campingplatz gelegenen Mirima Nationalpark besuchen. Es ist heiss, mittlerweile auch nachts. Wir haengen erstmal faul am Pool ab. Schlafen mit geoeffneter Seitentuer und verschieben saemtliche Aktivitaeten auf den spaeten Nachmittag. In Westaustralien ist das immer eine gute Idee, denn hier bekommt man immer und ueberall zum Sonnenuntergang das beste Licht zu sehen, leuchten die Farben noch intensiver als zur Tageszeit. Passt.

Das war’s fuer uns leider auch schon in Sachen Kimberley Region. Den gesamten Norden koennen wir mit unserem Auto nicht befahren. Dabei handelt es sich sicherlich um den schoensten und urspruenglichsten Teil der Kimberleys. Wir haben sicherlich viel verpasst. Muss ich halt nochmal mit nem allradangetriebenen Fahrzeug, Swag und einem Dach voller Vorraete wiederkommen. Eines Tages…

Mehr Fotos im Album. Meine Reisepartnerin Sabine hat aus ihrer Sicht darueber gebloggt.

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