Archiv für die Kategorie ‘Zeitgeschehen’

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Noch 8 Tage - Die besten Infos zur Loveparade 2008

Donnerstag, Juli 10, 2008

Ich beobachte es seit einiger Zeit in meinen Blog-Statistiken: Die Loveparade 2008 rückt näher, die Betten in Dortmund und Umgebung werden knapp und somit landen auch mehr und mehr Leute auf diesem Blog, um sich über die Loveparade und vor allem den Streckenplan zu erkundigen. So war es wohl auch auf der Website der Stadt Dortmund, die durch unzählige Anfragen (laut Ruhr Nachrichten über 70.000 allein in der ersten Juliwoche) mittlerweile lahm gelegt wurde. “Aufgrund von Wartungsarbeiten ist diese Seite vorübergehend nicht verfügbar“, ist dort derzeit zu lesen. Das hat es meines Wissen nach noch nicht einmal während der Fußball WM 2006 gegeben, die ja unter anderem in Dortmund ausgetragen wurde.

Das heißt allerdings nicht, dass Wissbegierige, die nach Infos zur Loveparade suchen, sich gedulden müssen, bis diese Wartungsarbeiten beendet sind. Vor allem drei virtuelle Anlaufstellen versorgen Suchende mit Infos, Links und Tipps und schreiben schon jetzt die ersten Wettbewerbe aus:

  • Erste Anlaufstelle sollte natürlich die Website der Loveparade sein. Jede Menge Infos für Besucher, Fans und Anwohner, Neuigkeiten, Bilder und Hinweise zu Strecke, Zeitplan, Sicherheit und Sauberkeit werden hier gemischt mit Partyfeeling und Musik präsentiert. Jedes Mal, wenn ich diese Seite besuche, hab ich anschließend nen Ohrwurm von der diesjährigen Hymne. Keep rollin’, rollin’, rollin’!
  • Loveparade.dortmund.de ist die Dortmunder Website zum Mega-Event. Hier gibt es aktuelle und ältere News, es werden Helfer und Teilnehmer gesucht, Tickets verlost und Fotowettbewerbe ausgeschrieben. Allgemeine Infos zum Konzept und den Veranstaltungsorten im Ruhrgebiet bieten quasi den theoretischen Hintergrund. Und natürlich gibt’s auch Infos zur Wegstrecke, zum Straßenverkehr, zu den Liveacts und DJs, zum Programm und zum Dortmund-Float, für den es übrigens nur noch bis heute Tickets zu gewinnen gibt! Auch Anwohner, die sich wie in an den Suchanfragen dieses Blogs sehen kann, langsam Sorgen um Krach, Müll, genügend Toiletten und Parkplätze machen, werden auf dieser Seite informiert. Wer noch eine Unterkunft sucht - und diese sind kaum noch zu haben - findet hier die Nummer zu den mittlerweile vermutlich heiß gelaufenen Drähten von Dortmund Tourismus.
  • Auch die Ruhr Nachrichten haben ein Special zur Loveparade zusammen gestellt. Hier werden zum Beispiel zehn Love-Reporter gesucht, die per Handy-Schnappschuss berichten, wo was abgeht. Es gibt News und Hintergrundberichte, Fotos auch aus längst vergangenen Loveparade-Tagen, einen Foto-Wettbewerb zum coolsten Outfit (der Gewinner fliegt nach Ibiza!), Termine und Locations zum Love-Weekend und Verkehrshinweise.

Wer noch immer nicht genug hat, kann sich außerdem noch im etwas versteckten Special von Der Westen umsehen oder dieser Community für feierfreudige Anhänger beitreten.

Viel Spaß beim Surfen! Wer noch mehr Surf-Tipps hat: Her damit! Der Countdown läuft… :)

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Vergessene Taucher gerettet

Dienstag, Mai 27, 2008

“Hast du’s schon gehört?” Diese Frage hörte ich in den vergangenen Tagen mehrere Male. Am Great Barrier Reef hatte ein Tauchboot zwei Taucher “vergessen”, die nach langen 19 Stunden in haireichem Freiwasser nur mit viel Glück entdeckt und gerettet wurden. Ja, ich hatte schon davon gelesen, dank eines lieben Hinweises meines Brücherchens. Wer den Film “Open Water” gesehen hat (und ich gehöre als alte Taucherin natürlich zu diesen Zuschauern), dem kommt diese Szene bekannt vor. Tatsächlich beruht dieser Film auf einer wahren Begebenheit von 1998, die vor einigen Jahren in Australien passiert ist. Ein Pärchen kam nach einem Tauchgang am Great Barrier Reef aus irgendwelchen Gründen nicht wieder zurück an Board, die Crew bemerkte das Fehlen der beiden nicht. Erst zwei Tage später fiel in dem Hostel oder Campingplatz, wo die beiden gewohnt hatten, auf, dass ihr Heim seit wenigen Tagen unberührt war. Eine groß angelegte Suchaktion blieb erfolglos - die beiden tauchten nie wieder auf. Lediglich wenige Ausrüstungsgegenstände wurden gefunden.

Je nachdem, wo man die Einzelheiten dieser Geschichte nachforscht, bekommt man andere Versionen zu hören. Die besten gibt’s wohl in Australien selbst. Warum kamen sie nicht wieder zurück an Board? War es ein Hostel oder Campingplatz? Welche Ausrüstungsteile wurden gefunden? In Australien hab ich die wildesten, absurdesten und spannendsten Versionen dieser Geschichte gehört. Sie geistern dort noch immer durch die Tauchszene. Überall, wo man hinkommt, weiß jemand, was damals passiert ist. Die beiden wurden von Haien gefressen, hörte ich anfangs. Dies legt auch das Ende des Films “Open Water” nahe. Stimmt alles gar nicht, sagte jemand anderes. Man hätte in ihrem Gepäck Hinweise auf horrende Schuldenberge gefunden, ebenso einen Hinweis darauf, dass der Mann depressiv und selbstmordgefährdet gewesen sein soll. In einem Tagebuch hätte gestanden, dass er sterben wolle, und zwar unter Wasser und dass er seine Frau mitnehmen werde. Selbstmord also? Wieder andere Australier erzählten, die beiden hätten sich abgesetzt in die USA, wegen den Schulden. Sie säßen sicherlich gerade Cocktails schlürfend an einem amerikanischen Strand - oder im Kino, um sozusagen sich selbst in “Open Water” zu bewundern. Es hätte viel zu viele Ungereimtheiten gegeben. So hätte man zum Beispiel an einem Strand das Jacket von einem der beiden gefunden. Das Jacket ist jedoch so ziemlich das letzte Ausrüstungsteil, das man ablegen würde, wenn man mitten auf dem Ozean rumirrt. Und das Jacket war völlig heile. Nix mit Haibissen oder so. Außerdem sei ein weiteres Tauchboot, welches in der Nähe des Bootes der beiden Vermissten geankert hätte, mit zwei Leuten zu viel an Board wieder an Land gegangen. Man sei der Sache nicht weiter nachgegangen, nach dem Motto “Besser zwei zuviel als zwei zuwenig”.

Was auch immer die Wahrheit ist, diese Geschichten regen die Fantasie an und so manch Australien-Reisende wird sich vielleicht auch aktuell wieder fragen, ob das Tauchen am Great Barrier Reef wirklich sicher ist und ob man dort Gefahr läuft, einfach mitten auf dem Pazifik vergessen zu werden. Ich weiß nicht, was das für eine Tour war, die die beiden da gebucht haben, aber ich kann nur Positives berichten in Sachen Sicherheit auf dem GBR. Seit dem damaligen Unfall wurden die Sicherheitsstandards enorm verbessert. Auf sämtlichen Booten, auf denen ich war, wäre niemals jemand im Wasser vergessen worden, da bin ich sicher. Besonders auf dem dreitägigen Trip mit Pro Dive Cairns waren die Bestimmungen, um den Verlust von Tauchern zu vermeiden, extrem hoch. Jeder bekam eine Sicherheitsnummer, sobald er einen Fuß an Board gesetzt hatte. Vorm Sprung ins Wasser musste man seinen Namen nennen und in eine Liste eintragen, nach dem Tauchen wurden noch auf der Plattform sowohl Finimeter, als auch Tauchcomputer abgelesen und die Ergebnisse aufgeschrieben, man musste unterschreiben und an Board seine Sicherheitsnummer nennen. Es wäre sicherlich sofort aufgefallen, wenn jemand gefehlt hätte.

Im aktuellen Fall war es laut Tauchen.de jedoch wohl so, dass das Buddyteam durch eine starke Strömung an der Oberfläche abgetrieben worden war und von der Bootscrew auch auf Grund des relativ hohen Wellengangs nicht mehr gefunden wurde. Die Suchaktion wurde scheinbar sofort eingeleitet - im Gegensatz zu dem Fall von 1998. Laut Heute.de wurde eine Untersuchung des Falls eingeleitet.

Ich bin gespannt, ob man davon noch was hört. Würde mich schon interessieren, wie so etwas noch einmal passieren konnte. Auch, wenn ich alle Zweifelnden auf Grund meiner eigenen Erfahrung am GBR vielleicht etwas beruhigen kann.

Meine Tauchberichte, auch aus Australien, gibt’s hier.

Foto: © Muschelschubserin - Great Barrier Reef und eins der Pro Dive Cairns Boote (von einem Prospekt abfotografiert).

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Die Tibetkrise und die Rolle der Tibeter

Freitag, März 21, 2008

Seit einiger Zeit frage ich mich, ob und wie ich die Krise zwischen Tibet und China im Blog behandeln soll. Ich stehe von der Sache her eindeutig auf der Seite der Tibeter und mir ging seit Myanmar keine Krise mehr emotional so nahe. Das liegt ganz einfach daran, dass ich ein paar Bücher vom Dalai Lama gelesen habe, unter anderem seine Biografie und “Das Buch der Menschlichkeit“, von denen ich tief beeindruckt war. Vor allem das “Buch der Menschlichkeit” hat meine Art zu denken und leben in den letzten Jahren stark beeinflusst. Der Dalai Lama gehört für mich aus verschiedenen Gründen zu den Personen, vor denen ich großen Respekt habe.

Was also über den Konflikt bloggen? Eine der Fragen, über die ich mir die ganze Zeit uneinig war, war die, in wieweit die Tibeter selber gewalttätig geworden sind. Irgendwie schien es mir da keine eindeutige Antwort drauf zu geben. Die Medien berichteten zunächst von der gewaltsamen Niederschlagung friedlicher Proteste, der Dalai Lama kündigte dagegen kurz darauf die Niederlegung seines Amtes an, sollte sein Volk nicht auf Gewalt verzichten. Das schien irgendwie nicht zusammen zu passen. Deshalb machte ich mir vor ein paar Tagen auf die Suche im Internet, hatte gehofft, auf Blogger aus Tibet zu stoßen. Vor allem, wenn offizielle Nachrichtenquellen zensiert oder unterdrückt werden, gewinnen Blogs aus derartigen Krisengebieten an Bedeutung.

Die Deutsche Welle berichtete vor vier Tagen von Bloggern aus dem Krisengebiet. Und heute fand ich bei Stefan Niggemeier und dem Spiegelfechter zwei Artikel, die eine andere Sichtweise auf die Krise zeigen, als sie bisher in den Medien gezeigt wurde und die manche meiner Fragen zur Rolle der Tibeter in diesem Konflikt beantworten. Ich empfehle diese Artikel hiermit weiter (inklusive zum Teil kontroversen Kommentaren) und stimme Stefan Niggemeiers Fazit zu:

Irgendwie ist an Wagner vorbeigegangen, dass eine Gruppe von Tibetern in den vorausgehenden Tagen möglicherweise nicht damit beschäftigt war, Fliegen zu retten, sondern Chinesen und ihre Geschäfte anzugreifen. Man mag darin auch eine Form von Notwehr sehen. Man darf es nur nicht leugnen.

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Kleiner Erfolg für 29.999 Kläger - und mich

Mittwoch, März 19, 2008

Das Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung, welches am 1.1. in Kraft getreten ist, wurde durch das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe per Eilentscheid teilweise gestoppt. Wie ich berichtet hatte, ziehe auch ich die Sicherheit nicht der Freiheit vor und gehöre zu den etwa 30.000 Klägern, die sich dem Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung angeschlossen hatten, um das Gesetz zu stoppen. Ich sehe nicht ein, dass ich unter Generalverdacht stehen soll und Ermittlungsbehörden auf meine Daten Zugriff haben sollen, obwohl es keinerlei Verdacht gibt. Als angehende Journalistin, die besonders auf den Schutz von Daten und Informationen angewiesen ist, fühle ich mich erst recht von diesem Gesetz benachteiligt.

Nun bestätigte das Gericht zwar die Rechtmäßigkeit der Speicherpflicht für Kommunikationsunternehmen, so Tagesschau.de, für die Verwendung der Daten durch Ermittlungsbehörden wurden allerdings hohe Hürden gesetzt. Die Telefon-V - Gesetz zur Datenspeicherung teilweise ausgesetzterbindungsdaten dürften demnach zwar für die geplanten sechs Monate gespeichert werden. Ihre Weiterleitung an die Ermittler sei jedoch nur bei “schweren Straftaten” erlaubt. Diese Anordnung gilt erst einmal für sechs Monate, mit Möglichkeit zur Verlängerung. Die praktischen Folgen der Vorratsdatenspeicherung werden dem Gericht bis September in einem Bericht vorgelegt werden, der entscheidend für die weitere Vorgehensweise sein dürfte.

Was ich mich nun frage ist, in wieweit so eine Regelung, die nur bei schweren Straftaten greift, mich wirklich schützt. Schwarze Schafe gibt es überall, Daten wandern durch dunkle, verschleierte Kanäle - jetzt schon. Ich habe große Zweifel, ob das überhaupt verhindert werden kann, selbst, wenn die “Hürden” so hoch gesetzt werden. Es ist wie mit der Schnüffelei auf privaten Computern. Diese Daten wollen doch alle haben, die Ermittlungsbehörden, die Wirtschaft, die Musikindustrie und was weiß ich, wer noch alles. Ich glaube nicht, dass man deren Weiterleitung wirklich unterbinden kann. Deshalb sollten entsprechende Gesetze meiner Meinung nach so hart wie möglich formuliert sein und keine Lücken lassen, durch die dann doch die ein oder andere Information schlüpft. Als könnten Terroristen diese Lücken nicht auch nutzen… Nur: wie hart ist hart genug?

→ Weitere Infos:

 

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Hoffnung für die “Gestohlenen Generationen”

Mittwoch, Februar 13, 2008

Ein Funken Hoffnung glüht seit heute am anderen Ende der Welt neu auf.

“Wir entschuldigen uns für den Schmerz, das Leid und die Kränkung der Gestohlenen Generationen.”

Diese Worte lösen Hoffnung und Erleichterung aus - und Missfallen. Kevin Rudd, seit Ende letzten Jahres Regierungschef Australiens, entschuldigte sich heute bei den Ureinwohnern des Landes für das Leid, das ihnen von der Regierung und der Bevölkerung angetan wurde. Viele Jahre mussten die etwafanny_cochrane_smith.jpg 450.000 heute noch lebenden Aborigines des Landes auf diese Entschuldigung warten. Ex-Premierminister John Howard hatte sich in den elf Jahren seiner Amtszeit dagegen geweigert, das Wort “Sorry” im Zusammenhang mit den “Gestohlenen Generationen” zu äußern. Auch heute noch ist sich die Regierungsopposition uneinig: Howard und andere nahmen “aus terminlichen Gründen” nicht an dieser symbolträchtigen Veranstaltung teil. Laut einer Blitz-Befragung der “Herald Sun” halten auch zwei Drittel der Bevölkerung diese Entschuldigung für unnötig. Besonders bei älteren Australiern sei dies der Fall. Kein Wunder, haben sie doch selber zu einer Zeit gelebt, in der die Unterdrückung der Ureinwohner alltäglich praktiziert wurde und sogar gesetzlich verankert war.

Die “Gestohlenen Generationen” leiden noch heute massiv unter den Folgen der damaligen Ideologie. Von 1910 bis 1970 hatten Aboriginefamilien keinerlei Anrecht auf ihre eigenen Kinder. Diese wurden ihnen größtenteils gewaltsam entzogen und zwanghaft in weiße Familien “integriert”, um die schwarze Rasse auszumerzen. Damals verstand die Regierung das als “Rettung” der Kinder aus einer durch eingeschleppte Krankheiten und systematische Ermordung zum Untergang geweihten Rasse. Noch heute gibt es Australier, die nicht von den “Geretteten Generationen” sprechen.

Aborigines wurden zeitweise buchstäblich zum Abschuss freigegeben - zum Spaß der weißen Jäger. Die zum Teil noch sehr kleinen Kinder landeten in Heimen und Erziehungslagern, um später als Hauspersonal bei reichen weißen Familien zu arbeiten. Sie wurden oftmals misshandelt, vergewaltigt und ausgenutzt. Sie wurden ihrer Identität beraubt. Diese Entwurzelung zeigt ihre Folgen bis in die heutige Zeit hinein. Aborigines haben wie keine andere Bevölkerungsgruppe mit sozialen Nachteilen und dem Verlust der eigenen Zugehörigkeit zu kämpfen. Etwa 100.000 Kinder gehören zu diesen “Gestohlenen Generationen”. Sie wissen nicht, wo sie hingehören und was es eigentlich heißt, Aborigine zu sein. Die Überlebenden sind heute längst erwachsen. Nur ein Teil von ihnen hat seine Familien jemals wiedergesehen. Die Wunden des erlebeten Traumas heilen ein Leben lang nicht.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Aborigines liegt deutlich unter der der australischen Restbevölkerung. Demnach werden sam_watson_indigenous_activ.jpgAborigine-Frauen nur 62, die Männer sogar nur 57 Jahre alt. Die Kindersterblichkeitsrate ist doppelt so hoch wie im australischen Durchschnitt. Erst 1967 erkannte die Regierung die Ureinwohner als Bürger des eigenen Landes an. Ihre medizinische Versorgung und ihr Sozialstatus sind von allen Bevölkerungsgruppen am schlechtesten, die Arbeitslosenquote unter Aborigines ist drei Mal so hoch wie unter den anderen Australiern. Depressionen, Alkohol- und Drogenprobleme, soziale Verwahrlosung und Selbstmorde sind häufiger Bestandteil der modernen Aborigine-Geschichte.

Rudds Entschuldigung ist zumindest heute noch rein symbolisch. Auch er weigerte sich wie sein Vorgänger Howard dagegen, einen Entschädigungsfonds für die Gestohlenen Generationen einzurichten. So einen Fonds gibt es bisher nur im Bundesstaat Tasmanien. Grund ist die Angst vor horrenden Entschädigungsforderungen. Dieses Verhalten stieß auf die Kritik einiger Aborigine-Verbände. Doch für viele Zuhörer erglomm auch ein neuer Hoffnungsfunken. Nach all den Jahren des Wartens flossen Tränen der Erleichterung. Zum ersten Mal seit der Entdeckung des Kontinents und somit dem Beginn des Rassismus gegen die Aborigines vor über 200 Jahren hat der australische Staat offiziell die Geschichte der Aborigines anerkannt und betätigt.

Bleibt zu hoffen, dass längst überfällige Taten und Reformen folgen, die die Aborigines auf eine Stufe mit anderen Australiern setzen. Aus meinen eigenen Erfahrungen in Australien weiß ich, dass dieser Weg noch lang sein wird. Der Rassismus vor allem gegen die Aborigines ist überall im Alltag spürbar - nicht versteckt, sondern aus deutscher Sicht erschreckend offen. Ich will nicht den Finger erheben. Aber ich möchte gerne mithoffen, dass es mit dem Regierungswechsel nun endlich darum geht, wirklich etwas zu verändern und nicht nur symbolische Bereitschaft zu zeigen.

Quellen:

Außerdem empfehle ich zwei Bücher zur Thematik:

  • Sally Morgan - My Place. Ich glaube, die deutsche Version heißt “Ich hörte den Vogel rufen”. Das Buch ist ein australischer Klassiker. Sally Morgan gehört zur “Stolen Generation” und erzählt von ihrem Leben und der Suche nach der eigenen Identität.
  • Banjo Clarke (as told to Camilla Chance) - Wisdom Man. Soweit ich weiß, gibt es dieses Buch nicht auf deutsch. Banjo Clarke, mittlerweile verstorbener, aber zur Berühmtheit gewordener Aborigine, erzählt seine Lebensgeschichte. Ein tiefer Einblick in die Kultur der Aborigines und ihre Gegenwartsprobleme.

Fotos:

Fanny Cochrane Smith, Tasmanische Aborigine mit einem Gürtel aus Wallaby-Fellen. Wikimedia Commons. Copyright verjährt. / Sam Watson, Aborigine-Aktivist auf dem “Invasionstag”, wie der Australische Nationalfeiertag “Australia Day” von den Aborigines genannt wird. Fotografiert von cultureboy, ebenfalls Creative Commons License.

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Verfassungsbeschwerde rückt näher (aktualisiert)

Montag, Dezember 31, 2007
todestag2007.png

Offenbar geht es mit großen Schritten auf eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zu. Und es freut mich sehr, das noch so kurz vorm Jahresende zu lesen. Denn ich habe dazu eine der 25.000 Unterschriften und Vollmachten gegen das neue Gesetz zur Datenspeicherung, welches morgen hoffentlich nur vorläufig in Kraft tritt, abgegeben. Die Ankündigung des “Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung” zur Pressekonferenz, die wohl der erste offizielle Schritt in Richtung Beschwerde ist, lässt Hoffnung aufkeimen für eine hoffentlich richtige und gute Entscheidung gegen die Vorratsdatenspeicherung in Deutschland. Denn wie bereits gesagt: Ich ziehe die Sicherheit nicht der Freiheit vor!

Worum geht’s? Das erfährt man hier und hier.

Edit, 1.1.08: Die Verfassungsbeschwerde wurde bereits eingereicht. Ich hatte das irgendwie nur als Ankündigung dessen verstanden. Aber es ist bereits geschehen. Umso besser. :)

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Das “Gold der Nordsee” - Viel Schotter für die Einen, Lebensraum für die Anderen

Dienstag, November 20, 2007

An der Nordseeküste,
Am plattdeutschen Strand,
Sind die Fische im Wasser
Und selten an Land.

Schön wär’s! So wirklich viele Fische sind da nicht mehr im Wasser. Die Nordsee gibt nämlich nicht mehr viel her. Das hat so viele, teilweise unglaubliche Gründe, dass ich langsam ernsthaft am Verstand einzelner Verantwortlicher zweifle. So auch gestern Abend, als ich den “Report Mainz” im Ersten sah.

Die Nordsee beherbergt das größte und artenreichste Wattenmeer der Welt. Dazu kommt eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensräume wie Steil-, Fels- und Sandküsten, Salzwiesen, Flussmündungen, Freiwasser und Meeresboden. Um letzteren ging es bei “Report Mainz”.

Der Meeresboden beherbergt nicht nur die größte Artenvielfalt der Nordsee, sondern sorgt scheinbar bei bestimmten Verantwortlichen für Eurozeichen in den Augen. Anders kann ich mir das, was sie da tun, jedenfalls nicht erklären. Auf dem Boden liegen unzählige Tonnen Sand und Kies, auch das “Gold der Nordsee” genannt. Und das kann man gutfernweh_mipa_200052.jpg gebrauchen, zum Bauen, für den Küstenschutz und zur Aufschüttung von Stränden. Alles, was man tun muss, ist einen riesigen Staubsauger über den Meeresboden führen.

Was unseren miesen Umgang mit dem Ozean angeht, habe ich immer das Gefühl, als werde jeder Schaden gleich bis zum Gipfel getrieben. So auch in Sachen Sand und Kies. Eine deutsche Behörde genehmigte nämlich den Abbau mitten in einem nach EU-Recht naturgeschützten Gebiet! Und das auf einer Fläche von 1.350 km². Abgesaugt wird alles, inklusive der Lebewesen. Dieser Raubbau bedroht unzählige Tierarten, darunter laut Experten 41 Arten, die auf der Roten Liste der geschützten Arten stehen, wie Schweinswale, Seehunde und Kegelrobben. Ihnen werden Laichgebiete und Nahrungsgrundlage genommen. Aufnahmen zeigen in dem Fernsehbericht, wie der Meeresboden nach dem Absaugen aussieht: tot. Die Reporter sprechen von 80.000 abgebauten Tonnen im vergangenen Jahr. In Zukunft solle sogar die 12-fache Menge abgesaugt werden! Thilo Maack von Greenpeace nennt das alles einen “riesigen Skandal”. Die Umweltschutzorganisationen BUND, Nabu und WWF haben Beschwerde eingelegt.

Wie die Verantwortlichen auf die Fragen der Reporter reagierten, spottet jeder Beschreibung. Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie naiv sich das für mich anhört und wie sehr mich solch unverschämte Antworten aufregen. Klaus Bäätjer, Geschäftsführer der belgisch-deutschen Kies-Abbau Firma OAM-DEME Mineralien GmbH, rechtfertigt den Schaden beim Abbau damit, dass die Firma einen Naturschutzausgleich zahlt. Nach Angaben von “Reportkutter_lusa58.jpg Mainz” beträgt dieser Ausgleich weniger als einen Prozent der Einnahmen der Firma. Der Verlust der Natur sei jedoch ohnehin mit Geld nicht wieder gut zu machen, egal in welcher Höhe. Ich finde es unfassbar, dass ein erwachsener Mensch so argumentiert, egal, ob er aus der Wirtschaft kommt oder nicht. Selbst ein kleines Kind würde bezweifeln, dass eine Tüte Bonbons ein guter Ausgleich für ein zerstörtes Spielzimmer ist. Ich an seiner Stelle könnte nicht mehr ruhig schlafen.

Der Pressesprecher des niedersächsischen Landesamtes für Bergbau, welches den Abbau genehmigte, redet sich in dem Bericht meiner Meinung nach um Kopf und Kragen und scheint schlecht informiert. Es habe ein langes Genehmigungsverfahren gegeben, mit dem Ergebnis, dass es “keine Beeinträchtigungen” durch den Abbau gäbe. Es gäbe “kein Bild der Verwüstung” auf dem Meeresboden. Darüber müsse man jedoch ohnehin nicht reden, denn nach so einem ausführlichen Genehmigungsverfahren “stellt sich später bei der Gewinnung nicht mehr die Frage, ob das eine Spur der Verwüstung ist”. Aha. Frei nach dem Motto: Wir haben entschieden, dass es da keine Verwüstung geben wird, also ist da auch keine. Er persönlich gehe aber ohnehin davon aus “dass sich die meisten Lebewesen (…) rechtzeitig in Sicherheit bringen können”. Ich kann noch immer nicht glauben, dass er das tatsächlich gesagt hat und womöglich auch noch glaubt!

Dieselbe Firma hat übrigens während der Genehmigung darauf hingewiesen, dass es zum Beispiel an der belgischen Nordseeküste ähnliche Kiesvorkommen gibt, die abgebaut werden könnten. Sehr ähnlich sogar: Nämlich mit einer ebenso großen Artenvielfalt und daher unter dem gleichen EU-Recht geschützt. Der einzige Unterschied ist, dass es die Genehmigung für einen Abbau des Meeresbodens in solch einer geschützten Region nur in Deutschland gegeben hat…

Wer den informativen Bericht sehen möchte, klicke hier. Wer den Text dazu lesen möchte, kann dies hier tun. Weitere Informationen zum Thema gibt es beim WWF, bei Greenpeace und beim NABU (PDF). Über die Überfischung habe ich mich schonmal aufgeregt.

Fotos: © mipa (Strand) und lusa58 (Kutter) / Pixelio.de.

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Skepsis und vielleicht ein Hoffnungsschimmer? - Free Burma (Teil 3)

Freitag, November 16, 2007

“Sozialismus, Demokratie? Darum ging es hier doch gar nicht. Das hört sich nur für euch Westler so romantisch an. Wir wollen essen. Drei Mahlzeiten am Tag, ganz bescheiden, buddhistisch.” So zitiert der Stern online einen anonymen Mann aus Myanmar, der sich verdeckt mit Journalisten getroffen hat. Dieser berichtet weiterhin von Spionen der Militärregierung, die auf öffentlichen Plätzen und in Restaurants rumlungern, spitzelnd und lauschend. Kaum jemand traue sich noch, seine Meinung zu sagen. In der Propagandazeitung “New Light of Myanmar” war zu lesen, die Todesopfer nach den Demonstrationen und Verhören seien “an Fieber gestorben oder gestürzt”. Ein Mönch, ebenfalls anonym, schildert im gleichen Bericht Verhöre, die mit Schreien, Schlägen und Tritten durchgeführt wurden, spricht von blutenden Mönchen. Zwei Tage haben sie nach seinen Angaben in der Hocke verbringen müssen, mit einer Flasche Wasser für 50 Menschen, jegliche Bewegung wurde mit Prügeln bestraft. Nichtmals die Toilette durften die Verhörten aufsuchen. Die misshandelnden Soldaten schlichen sich nach Dienstschluss zu den Mönchen und bettelten weinend um Vergebung.

Ich habe gerade eine ganze Weile damit verbracht, aktuelle Informationen aus Myanmar zusammen zu tragen. Da ichforgetburma.jpg selber vor etwa drei Wochen dazu aufgerufen hatte, Myanmar nicht zu vergessen, will ich aufpassen, dass mir das nicht letzten Endes selber passiert. Wirklich top-aktuelle Neuigkeiten gibt es zwar scheinbar nicht - was unter den oben geschilderten Umständen nur logisch erscheint - aber das Thema ist erstens nicht vollständig untergegangen und zweitens lese ich mehr oder weniger zwischen den Zeilen einen kleinen Hoffnungsschimmer, auf den ich später näher eingehen werde.

Einige werden mitbekommen haben, dass UN-Menschenrechtsbeauftragter Paulo Sergio Pinheiro mittlerweile nach Myanmar gereist ist, wozu er das erste Mal in vier Jahren von der Militärregierung die Erlaubnis bekommen hatte. Dort führt er Gespräche und ermittelt unter anderem in der Frage, ob Gefangene bei ihren Verhören gefoltert wurden. Ende kommender Woche werde Pinheiro sich laut österreichischem Kurier zu seinem Besuch in Myanmar äußern. Außerdem gibt es Berichte, dass die Militärjunta sich um Demokratie bemühe - diese Berichte stammen jedoch aus dem bereits genannten Propagandablatt der Regierung Myanmars. Unter anderem der Stern berichtet davon, dass die unter Hausarrest stehende Oppositionelle Aung San Suu Kyi das erste Mal seit mehr als drei Jahren die Erlaubnis bekommen habe, sich mit anderen Oppositionspolitikern zu treffen. Im selben Bericht des Stern steht jedoch auch, dass die prominente und seit August vor den Militärs flüchtende Regierungsgegnerin Su Su Nway in Ragun bei dem Versuch, ein Flugblatt mit bisher unbekanntem Inhalt in die Öffentlichkeit zu bringen, festgenommen wurde. Tagesschau.de berichtete schon vor ein paar Wochen darüber, dass die Militärjunta an einem Entwurf für eine Verfassung arbeite, die den Weg zur Demokratie bereiten solle. Die Nationale Liga für Demokratie (Opposition) sei jedoch von der Arbeit an diesem Entwurf ausgeschlossen. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch beschuldigte die Militärjunta etwa zur selben Zeit, immer häufiger Kindersoldaten für ihre Zwecke zu rekrutieren. Grund dafür seien Schwierikeiten, die Truppenstärke aufzubauen beziehungsweise aufrecht zu erhalten.

Die Neuigkeiten sind also sehr durchwachsen, können die Skepsis gegenüber der Entwicklung in Myanmar leider nicht ausräumen. Bleibt abzuwarten, was genau Pinheiro nach seinem Besuch vor Ort zu berichten hat. Die restlichen Berichte hören sich meiner Meinung nach sehr danach an, dass die Regierung auf Propaganda setzt.

Spiegel Online veröffentlichte vor knapp zwei Wochen einen Bericht des 24-jährigen burmesischen Mönchs Ashin Ven Kovida. Dieser Mönch war einer der Initiatoren der Demonstrationen im September in Rangun und lebt derzeit als Flüchtling illegal in Thailand. Ich möchte ein paar Auszüge aus diesem Bericht übersetzt zitieren:

“(…) Jemand rief mich um etwa vier Uhr morgens und sagte, dass die Polizei das Mingalayama Kloster gestürmt habe. (…) Normaler Weise leben dort mehr als 200 Mönche. Ihre Quartiere waren durchwühlt, Bücher und Möbel lagen zerstreut auf dem Boden, überall waren zerrissene Mönchsroben und Blut. Soldaten und Polizei hatten alle Brüder von dort weggeschafft. (…) An diesem Morgen entschlossen wir uns, noch früher als sonst aufzubrechen [zu den Demonstrationen, Anmerk. v. mir]. (…) Unsere Gruppe bestand aus 300 Mönchen und Nonnen. Wir liefen Richtung Downtown Rangun, aber Soldaten versperrten uns den Weg. (…) Ein Beamter sagte: Ihr könnt nicht in die Stadt marschieren, aber wenn ihr auf die Lkw steigt, bringen wir euch hin. Es war natürlich eine Falle. Wir setzten uns auf die Straße und fingen an, religiöse Lieder zu singen. Die Soldaten wussten nicht, was sie tun sollten. Dann griffen sie uns an. (…) [Am nächsten Tag] stoppten uns die Sicherheitskräfte nahe der Kyaik Ka San Pagode (…). Nehmt sie fest, rief ein Beamter, aber seine Soldaten standen dort wie gelähmt. Der Beamte, kochend vor Wut, begann, Soldaten in der ersten Reihe zu schlagen. Dann griffen sie wieder an. (…) Auch ich rannte davon.”

Und nun komme ich zu dem weiter oben angedeuteten Hoffnungsschimmer. Ich weiß nicht, wie groß er ist und ob es dazu wirklich Berechtigung gibt. Das kann ich schlecht beurteilen. Aber drei kleine Sätze in all den Berichten lassen mich als Außenstehende weiter hoffen: Weinende Soldaten, die die verhörten und womöglich gefolterten Mönche nach Dienstschluss um Vergebung bitten; Eine Militärjunta, die - so menschenverachtend, wie das ist - es scheinbar nötig hat, Kindersoldaten zu rekrutieren, weil sie ihre eigene Truppenstärke sonst nicht aufrecht erhalten kann; Soldaten, die offensichtlich Zweifel an der Ausübung ihrer Befehle haben.

Ich bin sehr gespannt auf das Fazit von Pinheiro und hoffe für die Bevölkerung von Myanmar, trotz meiner ansonsten großen Skepsis.