Meine Lust auf Sydney hatte sich in Darwin noch in Grenzen gehalten. Nach unserer Reise die Westkueste hoch kam mir schon Darwin mit seinen etwa 100.000 Einwohnern wie eine Grossstadt vor. Wie sollte es mir da in Sydney gehen, der Stadt, die fuer verstopfte Strassen und Menschenmassen bekannt ist? Wer in Sydneys Central Business District (CBD) einfach stehen bleibt, wird garantiert angerempelt, weil er damit irgendwem den Weg versperrt. Ich selbst habe es immer gehasst, wenn Leute dort ploetzlich stehen blieben. Andererseits sollte Sydney noch einmal ein Highlight sein – schliesslich hatte ich dort 2007 drei Monate lang gelebt und diese Stadt hat mein Herz damals im Sturm erobert. Drei Jahre lang hab ich mich danach gesehnt, hierher zurueck zu kommen.
Noch im Anflug jedoch war alle Skepsis wie weggewischt. Sydney, meine Freundin. Ganz warm wurde mir ums Herz, als ich aus dem kleinen Fenster im Flugzeug deutlich Opernhaus und Harbour Bridge erkennen konnte. Direkt unter mir. Endlich zurueck!
Nach der Landung rein in den Zug, an der Station “Wynyard” mitten im CBD wieder raus. Routine. Wohl hunderte Male bin ich 2007 hier ein- und ausgestiegen. Durch bekannte Strassen, ueber bekannte Kreuzungen, im bekannt schnellen Sydney-Tempo. Nicht eine Minute musste ich mich umgewoehnen, obwohl ich mir im Norden den “tropischen Gang” angewoehnt hatte, eine quasi durch Hitze bedingte Bewegungs-Zeitlupe. Ich hatte mich im fast nagelneuen YHA im historischen Viertel The Rocks eingebucht. Hostel-Luxus. Mit tollen Zimmern und Baedern, vorbildlich ausgestatteter Kueche und bequemen, menschenfreundlichen Betten. Und mit fantastischem Blick von der Dachterasse. Dafuer zahlt man in den grossen Hotels hunderte Dollar pro Nacht.
Die Betten kamen mir wie gerufen – ich war hundemuede nach dem naechtlichen Flug und gerade einmal zwei Stunden Schlaf. Sydney musste warten, ich musste erstmal schlafen.
Anschliessend hinaus in die Stadt. Alles so bekannt. Als waere ich nie weg gewesen. Wo sind bloss die letzten drei Jahre hin? Wozu habe ich ueberhaupt nen Stadtplan eingesteckt – ich brauche ihn gar nicht! Ueberall Erinnerungen, an meinen Arbeitsweg damals, Ausfluege, Bekanntschaften. Sofort nervt die Schnelligkeit der Stadt wieder ein wenig, trotzdem fliesse ich selber mit im 24 Stunden lang hoerbaren, summenden Rhythmus dieser Stadt.
Ich friere mir allerdings einen ab. Waehrend sich die Sydneysider ueber den spuerbar nahenden Fruehling freuen, komme ich auf 20 Grad ueberhaupt nicht mehr klar. Liege nachts mit drei dicken Decken, langer Hose, langem Shirt und Socken im Bett. Nur meine Nase guckt noch raus. Ich habe nicht genug warme Sachen dabei. Nun, es geht ja nicht anders, ich will ja eigentlich gar nicht, aber ich fuerchte… ja… ich muss wohl gezwungener Massen ein bisschen shoppen gehen. Dazu eignen sich die Innenstadt und wie ich feststelle ganz besonders der am Wochenende stattfindende Paddington Market sowie die Modemeile Oxford Street ganz wunderbar. Und obendrein muss ich natuerlich gut essen, damit mir warm wird.
Ich verbringe aber nur knapp zwei Tage in der Innenstadt. Ich kenne sie ja schon und finde ausserdem, dass der CBD nicht gerade Sydneys Glanzseite ist. Es ist wie ueberall in den Weltstaedten: Wolkenkratzer, dazwischen historische Gebaeude, viel Verkehr, viele Menschen, ueberall Konsumtempel, viel Schatten und Wind und viele Abgruende. Die wirklich sehenswerten und schoenen Dinge liegen nicht direkt im CBD. Damit meine ich neben den zig Straenden die Cliff – und Harbourwalks, einige davon gehoeren zu den schoensten der Welt. 2007 hatte ich die Klippenwanderung von Coogee nach Bondi im Blog vorgestellt. Dieses Mal habe ich zwei nachgeholt, die ich damals nicht geschafft hatte: Die Hafenwanderungen von Manly zur Spit Bridge und die Wanderung von Manly durch den anliegenden Nationalpark und auf die Landspitze, die den Eingang vom Ozean in den 20 Kilometer langen Hafen von Sydney (Port Jackson) bildet.
Wer es nicht weiss, der ahnt es nicht: Nur maximal eine halbe Stunde muss man vom CBD aus mit der Faehre fahren (alleine die Fahrt bietet neue Sichtweisen der Stadt), um in ruhigen, teils luxurioesen Wohngegenden zu landen – von denen aus wunderschoene Wanderwege mitten in den australischen Busch oder in Reste schattiger, subtropischer Regenwaelder fuehren. Einen Tag wandere ich vier Stunden lang von Manly zur Spit Bridge (auch die fuer mich eine “alte Bekannte”), am naechsten Tag wieder knapp vier Stunden lang von Manly aus in die andere Richtung. Vorbei an grossen und winzigen Straenden (darunter Schnorchelparadies Shelley Beach), Hauesern, in die ich ohne Zoegern einziehen wuerde (in die alten, schon etwas schiefen, nicht die hochmodernen, sterilen neuen).
Von einer Bucht geht es in grossen Kurven in die naechste, manchmal durch dichten Bewuchs und Begegnungen mit Wildtieren, vorbei an kleinen geschichtlichen Sehenswuerdigkeiten, manchmal mit grandiosen Blicken auf den wenn man mich fragt weltschoensten natuerlichen Hafen und die Skyline. So liebe ich Sydney, so sollte es jeder sehen, anstatt im Konsum- und Verkehrs-Trubel der Innenstadt unterzugehen.
Waehrend der zweiten Wanderung treffe ich zwei Kiwis (Neuseelaender). Wir alle drei wissen nicht, wohin wir weitergehen muessen. Treffen einen Sydneysider. Und der, so sind die Australier und so sind – manchmal – auch die Sydneysider, macht seine Wanderung einfach noch einmal, um uns als ueberraschend informativer Tourguide die besten Ausblicke und wertvolle Infos zu Flora und Fauna zu geben. Locker zwei Stunden lang laufen wir zu viert durch die Gegend. Ich bekomme Reisetipps fuer Neuseeland (und eine weitere Visitenkarte fuer meine Sammlung, “falls ich mal vorbei komme”), gebe selber Tipps zu Western Australia und freiwilliger Arbeit im Naturschutz. Und lerne einiges ueber das Buschland in und um Sydney, werde viele Fragen los, die ich mir alleine nicht haette beantworten koennen. Ganz davon ab, dass ich den Weg durch dieses eher schlecht beschilderte Labyrinth am Nordkap niemals alleine und so Dinge wie den alten Quarantaene-Friedhof ueberhaupt nicht erst gefunden haette. Wie so oft kam die richtige Begegnung zur richtigen Zeit daher gelaufen. Wenn das mal zu Hause auch so laufen wuerde…
Heute ist mein letzter Abend in Australien. (Sydney macht mir den Abschied “leicht”: Es regnet heute in Stroemen und gerade bebt das ganze Hostel vor krachendem Donner.) Morgen Nachmittag um kurz vor vier Ortszeit geht mein Flieger und am Donnerstag Morgen in aller Herrgottsfruehe Ortszeit lande ich in Frankfurt. Ich bin in einer Art mentaler Schockstarre hab ich das Gefuehl. Ich erinnere mich, dass ich mich 2007 genau so gefuehlt habe. Ein paar Tage vor Abreise setzt dieses komische Gefuehl ein. Wie ferngesteuert. Ich mache das nicht freiwillig, das Packen, das zum Flughafen Fahren, das Einchecken und all das Zeug, sondern weil es sein muss. Ich lasse das ueber mich ergehen. Mit moeglichst wenig Nachdenken und moeglichst abgestellten Gefuehlen.
Aber: Ich freue mich auf meine Menschen. Auf nichts mehr und nichts weniger. Wie schoen, dass ich euch hab. See you very soon!
Viel mehr Fotos gibt’s im Sydney-Album. Mehr Blogbeitraege zum Thema Sydney gibt’s von meiner letzten Australienreise in der Blogkategorie Sydney: Tipps und Alltag. Darunter ein Beitrag mit Tipps, von wo aus man tagsueber und nachts die beste Sicht auf die Skyline hat und obendrein nett picknicken und ein bisschen spazierengehen kann.
Was ich euch noch nicht erzaehlt habe: Zwei Tage nach meiner Ankunft in Sydney war ich nochmal tauchen – in South West Rocks, am Fish Rock mit einem Dutzend Sandtigerhaien und in der Fish Rock Cave. Drei Tage war ich unterwegs fuer diese zwei Tauchgaenge – und es hat sich wieder gelohnt! Siehe dazu meine Beitraege von 2007 ueber meine ersten Tauchgaengen dort hier im Blog beziehungsweise im Reisemagazin Australian Traveller, fuer das ich damals eine Reportage geschrieben habe. Ich koennte erneut drueber schreiben, denn vor allem die Hoehle war dieses Mal ein voellig anderes Erlebnis fuer mich, toller noch als 2007. Aber mir fehlt die Zeit dazu. Nach meinem erneuten Besuch kann ich uebrigens auch die zweite Tauchbasis, Fish Rock Dive, ebenso uneingeschraenkt empfehlen wie das South West Rocks Dive Centre. Wer Interesse hat, kann sich hier ein paar grossartige Videos angucken. Mehr davon gibt’s bei YouTube. Fish Rock Cave gehoert – ich glaube, ich kann das mittlerweile ganz gut einschaetzen – zu den besten Tauchspots in Australien.





Registrierung freiwillig, man muss nix extra installieren, es gibt keine versteckten Kosten, die Gespräche tauchen nicht einmal auf der Telefonrechnung auf. Man gibt seine eigene Nummer und die des Angerufenen ein, kurz darauf klingeln beide Telefone – und losgequatscht. Einzige Bedingungen: Die Gespräche haben eine Maximaldauer und beim Anrufer öffnet sich ein Werbefenster, welches während des Gesprächs nicht geschlossen werden darf. Aber das heißt ja nicht, dass man die ganze Zeit davor hocken muss. 

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