Nein, ich fummel nicht gerne an meiner Poperze rum. Ich habe auch noch nie meine Popel genüsslich verspeist. Ganz zu schweigen von anderen, hier nicht näher zu bennenenden Körperflüssigkeiten und -ausscheidungen. Ich züchte keine Avokadokerne, um sie mir sonstwo reinzustecken. Ich habe mich noch nie von einem fremden Mann rasieren lassen, schneide mir kein Loch in meine Unterhose, damit ER bei der ersten Fummelei bemerkt, dass ich das, was wir gerade tun, und mehr schon von langer Hand geplant habe und ich war noch nie im Puff - möglichst früh am Abend, um die Männer nicht durch die Anwesenheit einer Freierin zu verstören. Und das, obwohl ich schon 30 Jahre alt bin.
Aber ich heiße auch nicht Helen, liege nicht im Krankenhaus, weil ich mir beim Rasieren am empfindlichsten
Teil des Hinterteils ne ganz böse Schnittverletzung zugezogen habe, die nun operiert werden musste. Ich habe auch keine Hämorrhoiden, die ich liebevoll als “Blumenkohl” bezeichne und die gleich mit wegoperiert werden. Nicht ohne, dass ich mir das ganze abgeschnippelte Gezuppel (”Gulasch”) nach der OP noch einmal genauestens angucke - auf dem Deckel meines Pizzakartons ausgebreitet. Wie das aussieht, und wie Helen den Glibberkram anschließend wieder von ihren Fingern abkriegt - Leute, das kann ich beim allerbesten Willen nicht aufschreiben. Wenn ich hier genauer ausführe, was die so denkt und gerne tut, wird mein Blog in Windeseile die erste Adresse für Google-Nutzer auf der Suche nach Schmuddelkram werden.
Klar: Ich lese Charlotte Roches “Feuchtgebiete”. Das Buch ist nicht nur, wie es Helen ausdrücken würde, “gar nicht mädchenhaft”, sondern das mit Abstand abstoßendste Buch, dass ich je gelesen habe und hoffentlich je lesen werde. Es dauerte keine 20 Seiten, bis ich mit hochrotem Kopf und flauem Gefühl im Magen im Bett lag und mich stellenweise fragte, ob ich diesen Satz gerade wirklich richtig gelesen habe. Das fragt man sich ja manchmal beim Lesen. Ist auch nicht weiter schlimm. Nur ist dieses Buch so ekelerregend, dass ich mich nicht traute, diese Sätze noch einmal zu lesen und zu gucken, ob das wirklich so da stand.
Ich hab nix gegen Bücher, die die Fantasie anregen. Meinetwegen sollen es auch erotische Bücher sein. Warum nicht. Ich mag es außerdem, wenn Menschen direkt sind. Ich finde es mutig und bewundernswert, wie plakativ Charlotte Roche dieses Buch geschrieben hat und wie konsequent sie dies durchzieht. Ich würde es bewundernswert ehrlich nennen, wenn ich nicht hoffen würde, dass mindestens 80 Prozent von dem, was in diesem Buch steht, bitte bitte nicht ehrlich ist. Dieses konsequent Plakative, dieses bis ins kleinste, ekelhafte Detail Beschreibende hat jedoch dazu geführt, dass ich das zweite Drittel eher gelangweilt gelesen habe, nachdem der Schock über das erste Drittel abgeklungen war. Natürlich steckt Helen sich auch in den gänsehautigsten Momenten die schmutzigen Finger in den Mund und natürlich putzt sie sich nach dem Pinkeln nicht ab - nein, sie liebt dreckige öffentliche Toiletten und stellt dort die unaussprechlichsten Dinge an. Ich fürchte, von nun an wird mich gar nichts mehr schockieren. Hab ich mir alles schon bis ins ausführlichste in meinem Kopf ausgemalt.
Also für mich ist das Buch nix. Ich finde die Beschreibung solcher - ja was eigentlich? erotischer? perverser? - Auswüchse nicht sonderlich interessant und ich finde es in dieser Quantität auch nicht mehr provokativ oder lustig. Für mich hat das Buch kaum Unterhaltungswert und irgendwie erschließt sich mir damit auch nicht der Sinn. Aber ein paar Seiten hab ich ja noch. Die nur zweieinhalb Sterne bei über 300 Bewertungen bei Amazon scheinen mir jedoch gerechtfertigt.
Ich weiß jedenfalls nicht, ob ich die gute Charlotte Roche jemals wieder ohne fiese Bilder im Kopf angucken kann. Uaaäähh, ich will das nicht! Geht weg, ihr Bilder! Verschwindet aus meinem feuchten Hirn!
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Das Buch spaltet die Kritiker. Was andere darüber schreiben: