Beim allerersten Hören ging mir das Lied auf den Keks. I, I, I, I, I… You, You, You, You, You… Beim zweiten Mal hören fing die hypnotische Wirkung an und mittlerweile hab ich das Stück auch dann im Kopf, wenn es nicht läuft.
Ich fand Placebo mal ganz gut. Damals. Als Black Market Music rauskam und davor. Die Platte lief bei mir rauf und runter – bis ich sie tot gehört hatte. Bis mir Brian Molkos Stimme auf den Geist ging. Immer dieses Quäken, ich konnt’s nicht mehr hören. Und bis ich zu viele schmerzhafte Erinnerungen mit Placebo verband. „Battle For The Sun“, das frisch erschienene Album von Placebo, hab ich mir letzte Woche als Mp3-Album zugelegt. Ich dachte, ich könnte ja mal… Ich wünscht, ich hätte es mit allem drum und dran gekauft.
Ich tu mich wirklich schwer damit, etwas so subjektives wie Musik zu kritisieren und mache das deshalb so gut wie nie hier im Blog, aber dieses Album gefällt mir so gut, dass ich quasi nicht an mich halten kann. Mir kommt es so vor, als hätten Placebo seit Black Market Music einen riesen Sprung gemacht. Das ganze Album halte ich für dicht und ausgereift. Es gibt so gut wie kein Stück, das mir nicht gefällt. Alle sind typisch Placebo und doch sind überall kleine musikalische Gadgets und Leckerlis versteckt. Mal ist es der etwas andere Drumbeat, mal sind es gefühlsbetonte Flächen, mal lassen mir die Streicher und andere klassische Elemente eine Gänsehaut über den Rücken laufen. Dabei gibt es nie ein zu viel oder zu wenig an Effekten. Brian Molko spielt meiner Meinung nach sehr viel mehr mit seiner Stimme als früher, setzt sie viel pointierter ein (ich mag’s ja, wenn er dunkel singt) und er singt mit einer Leidenschaft, die man hören kann. Man beachte zum Beispiel das Ende des folgenden Stückes – wer da keine Gänsehaut kriegt, der muss ein Fisch sein. Zudem kommen mir die Texte weniger kryptisch vor als früher und ich finde mich in etlichen Passagen wieder. (Wobei ich mich auch ein bisschen amüsiere: Ich habe bisher fünf Lebensweisheiten gefunden, mit denen Placebo da um sich schmeißen. Das find ich irgendwie süß. Placebo wisdom.)
Ich bin ja derzeit auf einem ziemlichen Richard Ashcroft / The Verve-Trip, aber den ersten Platz in meinem muskalischen Herzen teilen sich ab sofort zwei Bands. Hach!