Es gibt seit heute ein traumatisches Erlebnis mehr in der Kette traumatischer Erlebnisse meines Lebens.
Ich stapfe mit gezückter EC-Karte in die Bank und möchte Geld abheben. Ich komme von der Uni, letzte Sprechstunde vor der Abgabe meiner Diplomarbeit. Es gab lauter gute Nachrichten, mir ist ein Stein vom Herzen gefallen. Außerdem hab ich seit Wochen mal wieder etwas Luft geschnappt, war ein paar Minuten draußen. Und ich verdränge den Diplomstress an einem Müslibrötchen knurpsend. Alles gut also. Ich steuere auf den einzigen noch freien Geldautomaten zu – und sehe im Schlitz ein dickes Bündel bunter Scheine stecken!! Das Bündel war sicher einen Zentimeter dick, größtenteils 50er-Scheine, ein paar kleinere oben drauf. Ich denke: WHAT THE FUCK!? Oder sowas ähnliches. Gleichzeitig bricht in meinem Kopf im Bruchteil einer Sekunde ein Blitzlicht-Gewitter an Gedanken aus.
Ich drehe mich suchend um, mit offenem Mund, will jemanden ansprechen, aber wen und was soll ich sagen? Ist denn hier kein Bankangestellter? Ich kann das doch nicht einfach rausziehen. Nachher werde ich beschuldigt, es mitnehmen zu wollen. Wobei – vielleicht will ich das ja! Klar will ich! Und wie ich will! Her damit! Aber… aber… das geht doch nicht! Oder doch? Soll ich? Und wenn mich einer sieht? Vor meinem inneren Auge sehe ich eine Unterwasserkamera (davon träume ich seit Jahren). Ich sehe mich in Australien. Ich sehe tütenweise Einkäufe. Ich sehe innerhalb weniger Sekunden leuchtende, paradiesische Zustände und mich mittendrin!
Ich bin wesentlich materieller eingestellt, als mir bisher klar war.
Jedenfalls: Unauffälliges Verhalten sieht sicher nicht so aus wie das, was ich da veranstalte. Wie ein Hund, der seinem eigenen Schwanz hinterher rennt, drehe ich mich um die eigene Achse, suche mit Blicken nach Hilfe. Sehe wieder zum Automaten, auf die Scheine, wieder in den Vorraum der Bank. Warum kommt denn nicht endlich der Besitzer reingestürmt und erlöst mich von dieser Qual!? Also, wenn der jetzt nicht kommt, dann muss der ja mal sowas von oberdämlich sein, der hätte es ja gar nicht anders verdient! Es wäre Gerechtigkeit! Ich MUSS das Geld ja quasi mitnehmen bei so viel Blödheit!
Und dann, während ich innerlich zerreiße an meiner frühkindlichen Erziehung zu einem ehrlichen Menschen und der mit himmlischen Engelschören frohlockenden Versuchung vor meiner Nase, macht es „zzzzzt„. Und der Automat teilt mir mit, dass er das Geld wieder einzieht. Direkt vor meinen Augen. Auf dem Bildschirm steht der denkbar brutalste Satz: „Zu Ihrer Sicherheit.“
Ich könnte schwören, dieses Einziehen hat in Zeitlupe stattgefunden. Gaaaaanz langsam. Irgendwoher habe ich auch ein dreckiges, boshaftes, wahnhaftes Gekicher gehört.
Ich werde dieses Bild niemals vergessen.
(Und ziehe mich für noch knapp zwei Wochen wieder zurück ins Blog-Päusken – um einen mordsmäßigen Endspurt hinzulegen.
)





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