Endlich, endlich hab ich sie gefunden – die Unterwassersicht, wie sie im Bilderbuch steht! Bisher waren die
Sichtweiten am gesamten Great Barrier Reef, die ich so gesehen habe (oder auch nicht, hehe) ja eher bescheiden. Wenn man unter Wasser 15 Meter weit sehen konnte, war das schon bald ne Sensation. Zwar war das, was man sehen konnte, toll. Aber irgendwie erinnerte das Wasser doch recht stark ans Mittelmeer, teilweise sogar an schlechte Tage im Mittelmeer. Doch jetzt hab ich sie gefunden, die Bilderbuchsicht!
Versteckt hat sie sich vor Agnes Waters / Town of 1770, genauer gesagt am suedlichsten Great Barrier Reef, vor Lady Musgrave Island. Ich sag nur 35 Meter weite Sicht, kein einziges Schwebeteilchen! Das ist der absolute Hammer, und das hab ich in zehn Tauchjahren so noch nicht gesehen!
Das Wasser war wie Luft, als sei es gar nicht da – Wahnsinn! Es fuehlt sich beinahe gar nicht nass an, bei all der Durchsichtigkeit. Von unseren knapp 20 Metern Tauchtiefe aus konnten wir noch locker die Wasseroberflaeche sehen. Und das haetten wir auch noch ganze zehn Meter tiefer!
Dazu kommt, dass Lady Musgrave Island schon von oberhalb der Wasseroberflaeche einfach beeindruckend aussieht! Die Insel ist umgeben von einer leuchtend tuerkisen Lagune, die von beinahe bis zur Oberflaeche reichendem Riff umrahmt und mit Sandboden gefuellt ist. DAS ist Postkartenidylle vom allerfeinsten! Schnorchel- und
Taucherparadies (ja, die Prospekte sprechen hier tatsaechlich die Wahrheit!) und daneben gibt’s noch die Moeglichkeit, die Unterwasserwelt per Glasbodenboot zu erkunden oder die Insel zu erlaufen. Eine Umrundung dauert etwa suesse 20 Minuten. Spaetestens jetzt sollte klar sein, wovon ich hier rede – Paradies!
Wir haben einige Schildkroeten und nen Hai gesehen, neben dem ueblichen sonstigen bunten Kleinkram und den ortsansaessigen Groaper George, aber das Tauchen hier waere auch ohne jegliches Tierleben ein
Highlight. Wobei Lady Musgrave Island auch für Manta-Sichtungen bekannt ist. Berge von Korallen, unterschiedlichste Formen, massenweise Schlupfwinkel, Dächer, Terassen und das alles ohne jegliche Schwebeteilchen, die die Sicht trueben. Bei so viel Bilderbuch-Unterwasserwelt wurde zumindest mir im ersten Moment schwindelig! Ich konnt’s den ganzen Tauchgang lang nicht fassen.
Die Rueckfahrt hab ich in der Kabine mit der Tauchcrew verbracht. Sehr nette und entspannte Leute, darunter die lokale Tauchikone Don, die mich zu allem Ueberfluss gerne da behalten haetten als zukuenftiges Crewmitglied. Kein Scherz. Das tut weh, so wenige Tage vor Abreise!!!
Mehr Fotos wie immer bei Flickr.
→ Infos zur Tour:
Veranstalter: „Spirit of 1770″ / Undersea Adventures. Man wird in einem recht grossen Boot mit recht vielen Leuten drauf (ich glaube, 130 waren’s) rausgefahren. Ein Weg dauert eineinhalb Stunden. Geankert wird an einem kleinen Pontoon mitten in der Lagune mit Blick auf die Insel. Pontoon ist hier aber nicht so schlimm, wie es sich anhoert – kein Wellnesscentre oder Shopping auf dem Pontoon. Es ist nur eine kleine Plattform mit Tischen und Baenken und Einstiegstreppchen. Angeboten werden Bushwalking, Schnorcheln, Tauchen (auch Anfaengertauchen), Glasbodenboot, tolles Lunch Buffet. Man kann aber auch gar nix machen und in der Sonne sitzen (nen Sonnendeck gibts allerdings nicht). Fische werden ein bissl angefuettert und koennen dann aus aller Naehe erschnorchelt werden. Das Riff geht fast bis zur Oberflaeche, keine Haie, keine Stinger, keine Stroemung oder Wellen. Beste Sicht. Auch fuer Kinder sehr gut geeignet, Schwimmwesten werden verteilt. Die Tour kriegt ueberall nur positives Feedback.
Preis: 150 Dollar fuer die Tour, inklusive alles. Zwei Tauchgaenge fuer zertifizierte
Taucher kosten 75 Dollar extra (Equipment und Tauchguide inklusive). Einer davon findet ausserhalb der Lagune statt, wo die Sicht und Landschaft am besten sind. Der zweite findet moeglicher Weise in der Lagune statt (zeitabhaengig je nachdem, wie sich die Anfaenger anstellen), nicht allzu spannend und nicht ganz so tolle Sicht, aber dafuer umso entspannender. Von den 130 Leuten wollten genau zwei Tauchen gehen, eine davon war ich.
Ihr könnt euch vorstellen, wie herrlich das war, das Pontoon zu verlassen und mit dem fast leeren Boot auf dem Foto ein Stück wegzuschippern und ins Wasser zu hüpfen! Das war Gold wert!
Tipps: Kamera mitnehmen, am besten sogar ne kleine Unterwasser-Einwegkamera. Kraeftig mit Sonnenschutz eincremen, die Sonne brennt ohnehin und wird noch vom Wasser reflektiert. Alles Equipment wird gestellt. Wenn man zwei Tauchgaenge macht, hat man allerdings nicht mehr so die Zeit fuer Bushwalking oder viel Geschnorchel. Es sind viele Leute auf dem Boot, aber da alle was anderes machen zu unterschiedlichen Zeiten, kommt es einem nicht ganz so voll vor. Die Bootsfahrt war die ruhigste, die ich am gesamten Riff gemacht habe, dennoch wurden einige Leute seekrank. Pillen dagegen kann man auf dem Boot kaufen, aber da diese nicht sofort wirken, sollte man im Zweifel seine eigenen zum Fruehstueck nehmen.
Guckt doch einfach mal auf die Website der Veranstalter (hier klicken), da seht ihr direkt ein tolles Foto von oben.