Archiv für die Kategorie ‘Abgetaucht’

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Tauchen im Roten Meer? Eher nicht.

Donnerstag, Oktober 2, 2008

Puh, da läuft gerade eine Doku auf Phoenix über die Schäden, die der Tauchtourismus in einigen Teilen Ägyptens anrichtet. Ich war noch nie in Ägypten und im Roten Meer und nachdem ich das gerade sehe, muss ich da auch nicht hin. Dass so viele Touristen, auch Taucher (die von Beginn der Ausbildung an beigebracht bekommen, wie sie sich umweltgerecht verhalten), so verantwortungslos handeln hätte ich nicht gedacht. Da werden Korallen abgerissen, Schildkröten für ein Foto massiv bedrängt, hunderte oder tausende Taucher und Schnorchler beschädigen bestimmte Gebiete durch ihre schiere, gleichzeitige (!) Anwesenheit, Wracks werden geplündert… Von den Umweltschäden an Land ganz zu schweigen.

Offensichtlich fehlt es da an Aufklärung und Ausbildung. Ich stand einem Tauchurlaub am Roten Meer schon immer skeptisch gegenüber. Ich hab zu viel gehört, das nicht abschreckend gemeint war, auf mich aber absolut so gewirkt hat. Südlich von Hurghada gibt es der Sendung zufolge eine „Öko-Bucht“, in der auch die Tauchtouristen explizit auf die Umwelt achten und strenge Regeln einhalten müssen. Das wäre vielleicht noch was. Ansonsten steht für mich fest: An die völlig überlaufenen Standard-Spots krieg mich kein Mensch. Dann verzichte ich lieber ganz aufs Rote Meer.

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„So’n Zacki zum 300. wäre schon schön“ (Tamariu-Reisebericht Teil 3)

Donnerstag, August 7, 2008

„Ob es an den Boots-Tauchplätzen auch Zackis gibt“, fragte ich mich eines Tages auf dem Boot. Wir hatten so ziemlich alles gesehen, was typisch für das Mittelmeer ist (Conger, Muränen, Oktopusse und Co.) und eigentlich fehlten nur noch Zackenbärsche, mit die größten Bewohner des Mittelmeeres, denen man halbwegs wahrscheinlich begegnen kann. Schon vor ein paar Tagen hieß es, wir würden an der „Cala Nova“ tauchen gehen. Der Tauchgang fand jedoch spontan woanders statt, weil „Cala Nova“ bereits von einem anderen Tauchboot belegt war. Irgendwie hatten wir – Niko, Ursula und ich – das Gefühl, dass „Cala Nova“ ein schöner Tauchplatz sein muss. Drei parallel verlaufende Canyons hatte man uns beschrieben, unterschiedlich tief, zum Teil stark mit gelben und blauen Gorgonien bewachsen und mit verschiedenen Routen zur Auswahl. Zu meinem 300. Tauchgang sollte es allerdings doch noch die „Cala Nova“ werden. Und wir wurden nicht enttäuscht.

Zackiiiii!

Beim Briefing vor der Riffkarte sah ich, dass es an einer bestimmten Stelle des Riffs „Zackis“ geben soll. Allerdings waren die an einem Riffteil eingezeichnet, den wir nicht betauchen würden. „So’n Zacki zum 300. wäre schon schön“, meinte ich noch. Wir hatten uns entschieden, uns zu meinem 300. Tauchgang einen Guide zu leisten. Weil ich dann erstens statt zu navigieren gemütlich jemandem hinterher tauchen könnte und weil der Guide zweitens mit Niko und Sebastian, die vermutlich mehr Luft verbrauchen würden als Ursula und ich, eher auftauchen könnte und wir zu zweit noch eine Zusatzrunde drehen könnten. Ich war nicht ganz sicher, ob es die richtige Entscheidung war, als ich erfuhr, dass wir insgesamt zu acht in einer Gruppe tauchen würden. Trotzdem blieben wir dabei.

Bei der Ankunft am Tauchplatz wurde klar, dass uns eine recht starke Strömung erwarten würde, die jedoch unter Wasser nachlassen sollte. Also nach dem Sprung ins Wasser möglichst zügig zur Ankerleine und direkt abtauchen. Nun war ich froh, nur hinterher tauchen zu müssen, denn Strömung flößt mir immer Respekt ein. Zwar hab ich zum Beispiel am Wrack der „SS Yongala“ in Australien schon viel extremere Strömung erlebt, als sonderlich strömungserfahren würde ich mich dennoch nicht bezeichnen. Wie angekündigt ließ das Ziehen und Drücken jedoch auf 15 bis 20 Metern nach und obwohl es von einer Sprungschicht, auf die kaltes Wasser folgte, abgelöst wurde, freute ich mich einfach nur noch auf meinen 300. So ein Jubiläum wird unter Tauchern gerne gefeiert, zumal seit meinem 200. Tauchgang bereits fünf Jahre vergangen sind.

Wir tauchten kurz durch einen der Canyons und bogen dann um einen Felsen herum ab. Dieser war dicht bewachsen mit blauen, gelben und schwarzen Gorgonien. Um uns herum Schwärme von Mönchsfischen und Fahnenbarschen. In der Tiefe löchrige Felsen, Spalten und Canyons. „Na, kein Wunder, dass in diesem Gebiet Zackis leben, bei dem Gelände“, dachte ich. Wir hatten den Felsen gerade einmal umrundet, da zeigte Sebastian nach links. Ich ahnte, was dort sein sollte, wagte es aber kaum zu hoffen. Und dann sah ich ihn. Sofort musste ich an meinen letzten Tauchgang in Australien denken, bei dem Neptun mir unerwarteter Weise meinen geheimen Wunsch erfüllte und zwei Mantas zu uns schickte, die eine ganze Weile direkt vor unserer Nase kreisten. Tatsächlich erfüllte er mir erneut meinen Wunsch.

Der Zacki beobachtete uns mindestens genauso neugierig wie wir ihn. Zugegeben, ich hab schon wesentlich größere Exemplare gesehen, die mich selbst an Körperlänge und -umfang deutlich übertrafen. Aber ich freute mich wie ein kleines Kind und tanzte und jubelte unter Wasser. Er kam einfach genau zum richtigen Zeitpunkt, schwamm schön frei und gut zu erkennen seitlich von uns. Von Zackis sieht man nämlich manchmal kaum mehr als eine graue Silhouette. Kurz nach dieser Begegnung zeigte die Tauchlehrerin an, dass sie mit den weniger Fortgeschrittenen auftauchen würde. Ich übernahm die Führung für uns übrig gebliebenen vier Taucher. „Ich will den nochmal sehen“, dachte ich. Zackis sind bekannt für ihre Neugierde und ich wusste, dass es durchaus sein kann, dass das Tier uns noch immer von irgendwo beobachtet. Also noch eine Runde um den Felsen, entschied ich.

„Er muss einfach hier irgendwo sein“, dachte ich und guckte mich suchend um. Ich hatte den Eindruck, dass die beiden Taucher hinter uns den Zacki gar nicht gesehen hatten und wollte auch für sie, dass wir ihm noch einmal begegnen. Links, rechts, nichts. 24 Meter zeigte mein Tauchcomputer an. Tiefer wollte ich nun nicht mehr gehen, also hoffte ich, dass er nicht weiter abgetaucht war. „Komm schon, wo bist du?“ Ich drehte mich zu Ursula um, doch auch sie schien ihn nicht zu sehen. Doch als ich mich wieder nach vorne umdrehte, schwebte der Zacki vielleicht zehn Meter vor uns von oben den Felsen hinunter – fast so, als hätten wir ihn dabei erwischt, wie er uns von oben beobachtete. „Juhuuu“, freute ich mich innerlich und zeigte für alle sichtbar in seine Richtung. Danke, Neptun, schon wieder.

Durch erneut heftige Strömung tauchten wir langsam auf, kämpften uns aufs Boot und schipperten zurück. Niko, Ursula und ich hatten ein breites Dauergrinsen im Gesicht. Nur Sebastian konnte die Bootsfahrt nicht ganz so erfreut auskosten, denn er war kreideweiß im Gesicht. Sein Magen wollte nicht Boot fahren. Noch vom Boot aus zeigte ich den an Land Wartenden an, dass wir einen Zacki gesehen hatten. Babsis Kinnlade klappte gen Boden. :) Sie und die anderen begrüßten mich mit einer Flasche Sekt und Glückwünschen – danke, ihr Lieben! – und ich war einfach nur happy und bereit für den 301. Tauchgang am Nachmittag…

Zu Teil 2.

Zu Teil 1.

Fotos: © Verena G. / Barbara H.

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Tauchende Kormorane und ein Neopren-Fetisch (Tamariu-Reisebericht Teil 2)

Mittwoch, August 6, 2008

Endlich Muscheln schubsen!

Mehr noch als der Ort hat mich die (deutsche) Tauchbasis „Stolli’s Divebase“ beeindruckt, die in den Jahren 2001 und 2002 den „Tauchen“-Award als beste Tauchbasis im Mittelmeer gewonnen hat und im Oktober 2007 von der Zeitschrift „Unterwasser“ als eine der besten 100 Tauchbasen weltweit aufgelistet wurde. In vielfacher Hinsicht ist das eine der besten Tauchbasen, die ich bisher kennen gelernt habe. Schon bei der Planung des Urlaubs im Vorfeld per Email habe ich mich über die Freundlichkeit und Geduld, die mir bei all meinen Fragen und der gesamten Planung entgegen gebracht wurde, gefreut. Nahtlos setzte sich beides nach unserer Ankunft fort. Was Sicherheit, Service, Hilfsbereitschaft und Komfort angeht, wurden wir ebenfalls positiv überrascht. Wir fühlten uns willkommen, sehr persönlich behandelt (nach zwei Tagen kannte man all unsere Namen!) und bestens ausgerüstet und versorgt. So habe ich das noch an keiner Tauchbasis erlebt.

Teil des Hausriffs

Zwei Bootsausfahrten fanden jeden Tag statt, eine um 9.30 Uhr und eine um äußerst angenehme elf Uhr. Entgegen einiger Kritiker im Internet bekamen wir ohne Probleme oder Gedrängel jeden Tag Plätze auf der Elf-Uhr-Ausfahrt, trotz Hauptsaison. Die „Gabriela“ ist ein altes, wunderschönes Segelboot (s. Foto) und ich hab jede Fahrt darauf genossen. (Sebastian hat eine Fahrt nicht ganz so auskosten können, sein Magen hatte irgendwie was dagegen, aber das war wohl eher eine Ausnahme.) :) Die Bootsfahrt dauerte nie mehr als etwa 10 Minuten und da man schon fast komplett aufgerödelt aufs Boot ging, gab’s auf dem Boot auch kein Gedrängel. In fünf Tagen haben wir vier verschiedene Tauchplätze gesehen – keiner davon war langweilig, schwer zu navigieren oder fischlos, sogar eine Grotte war dabei. Alle Tauchplätze waren sowohl für Fortgeschrittene, als auch für Anfänger geeignet und interessant. Die meisten hätten durchaus noch Potenzial für weitere Tauchgänge und alternative Routen gehabt. Besser kann’s ja bald nicht sein!

Die "Gabriela"

Das Hausriff, das nachmittags betaucht wird, ist zwar nicht unbedingt spektakulär, denn es gibt im Prinzip nur eine Route und die Tiefe überschreitet 13 Meter nicht, aber überhaupt ein Hausriff zu haben, ist ja schonmal was. Zu sehen gab es außerdem auch hier Spannendes: wunderschöne, verschiedenartige Schwärme über sonnendurchflutetem Seegras, ein Seepferdchen, einen Conger, junge Barrakudas in Gruppen von bis zu 30 Stück, Plattfische, Muränen, Petermännchen, Einsiedlerkrebse, zahlreiche große und kleine Oktopusse, Schnecken, Plattwürmer und viel weiteren Kleinkram wie Gespensterkrabben.

Mit das Lustigste, was ich je unter Wasser gesehen habe, war ein unglaublich tollpatschiger Kormoran (Seevogel), der auf etwa acht Metern Wassertiefe verzweifelt einem sich windenden und flüchtenden Schwarm Kleinfische hinterher jagte. So elegant und beeindruckend der silbrig glitzernde Schwarm aussah, der Kormoran kam mit seinen paddelnden Patschefüßen und auch unter Wasser schlagenden Flügeln nicht einmal ansatzweise an die Fische ran. Das Ganze fand beim letzten Tauchgang direkt vor unserer Nase statt und sah unbeschreiblich ulkig aus! Was haben wir gelacht! :D

Sebastians Taufe

Was das Tauchen angeht, waren alle Taucher zufrieden, geradezu befriedigt. Sebastian entwickelte einen Neopren-Fetisch und amüsierte schon nach wenigen Tagen die Basis-Crew, weil er einfach nie ohne Neoprenanzug unterwegs war. Schon vom Strand aus erschnorchelte er die gesamte Palette an Unterwasser-Viechern, die Tamariu zu bieten hat. Und seine Taucher-Taufe trug er mit Fassung (s. Foto). Niko inspizierte unter Wasser jede Spalte, kam meinem recht niedrigen Luftverbrauch für seine wenigen Tauchgänge erstaunlich nahe und ist – so glaube ich – jetzt ebenfalls so richtig auf den Geschmack gekommen. In Babsis Kopf ist nach mehreren Jahren ein dicker, fetter Knoten geplatzt und sie fühlte sich unter Wasser wieder beinahe pudelwohl – ich bin sooo stolz auf dich! Ursula hat auch nach nicht einmal zehn Tauchgängen in fünf Jahren nichts verlernt und uns souverän durch’s Hausriff geführt. Über Wasser war sie jedoch zusammen mit Astrid unentwegt damit beschäftigt, sich selbst und anderen kleine Elektro-Schocks zu verpassen, die – wer’s glaubt, wird selig – gegen Mückenstiche helfen! Jaja, doch, doch, ganz bestimmt, das hilft! :D Und Astrid hat zwei Mal geschnuppert und ist sich nun sicher, dass sie bei nächster Gelegenheit einen Tauchschein machen sollte. Das ist ohnehin längst überfällig, finde auch ich!

Nur eine einzige Kleinigkeit fand ich bedauerlich: In dieser Woche gab es außer uns leider keine Interessenten für einen Nachttauchgang. Schade, denn damit ist uns natürlich ein Highlight durch die Lappen gegangen. Vor allem Niko hätte ich’s gegönnt, weil er noch nie nachts unter Wasser war. Nunja, vielleicht beim nächsten Mal. Ich gehe nämlich einfach mal davon aus, dass wir nicht zum letzten Mal zusammen tauchen waren…

Fortsetzung folgt in Teil 3

Zu Teil 1.

Infos zur absolut empfehlenswerten Tauchbasis „Stolli’s Divebase“ gibt’s auf deren Internetseite, inklusive Fotos, Preisen und sonstigen Infos.

Fotos: © Muschelschubserin / Sebastian G. / Verena G. / Barbara H.

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Vergessene Taucher gerettet

Dienstag, Mai 27, 2008

„Hast du’s schon gehört?“ Diese Frage hörte ich in den vergangenen Tagen mehrere Male. Am Great Barrier Reef hatte ein Tauchboot zwei Taucher „vergessen“, die nach langen 19 Stunden in haireichem Freiwasser nur mit viel Glück entdeckt und gerettet wurden. Ja, ich hatte schon davon gelesen, dank eines lieben Hinweises meines Brüderchens. Wer den Film „Open Water“ gesehen hat (und ich gehöre als alte Taucherin natürlich zu diesen Zuschauern), dem kommt diese Szene bekannt vor. Tatsächlich beruht dieser Film auf einer wahren Begebenheit von 1998, die vor einigen Jahren in Australien passiert ist. Ein Pärchen kam nach einem Tauchgang am Great Barrier Reef aus irgendwelchen Gründen nicht wieder zurück an Board, die Crew bemerkte das Fehlen der beiden nicht. Erst zwei Tage später fiel in dem Hostel oder Campingplatz, wo die beiden gewohnt hatten, auf, dass ihr Heim seit wenigen Tagen unberührt war. Eine groß angelegte Suchaktion blieb erfolglos – die beiden tauchten nie wieder auf. Lediglich wenige Ausrüstungsgegenstände wurden gefunden.

Je nachdem, wo man die Einzelheiten dieser Geschichte nachforscht, bekommt man andere Versionen zu hören. Die besten gibt’s wohl in Australien selbst. Warum kamen sie nicht wieder zurück an Board? War es ein Hostel oder Campingplatz? Welche Ausrüstungsteile wurden gefunden? In Australien hab ich die wildesten, absurdesten und spannendsten Versionen dieser Geschichte gehört. Sie geistern dort noch immer durch die Tauchszene. Überall, wo man hinkommt, weiß jemand, was damals passiert ist. Die beiden wurden von Haien gefressen, hörte ich anfangs. Dies legt auch das Ende des Films „Open Water“ nahe. Stimmt alles gar nicht, sagte jemand anderes. Man hätte in ihrem Gepäck Hinweise auf horrende Schuldenberge gefunden, ebenso einen Hinweis darauf, dass der Mann depressiv und selbstmordgefährdet gewesen sein soll. In einem Tagebuch hätte gestanden, dass er sterben wolle, und zwar unter Wasser und dass er seine Frau mitnehmen werde. Selbstmord also? Wieder andere Australier erzählten, die beiden hätten sich abgesetzt in die USA, wegen den Schulden. Sie säßen sicherlich gerade Cocktails schlürfend an einem amerikanischen Strand – oder im Kino, um sozusagen sich selbst in „Open Water“ zu bewundern. Es hätte viel zu viele Ungereimtheiten gegeben. So hätte man zum Beispiel an einem Strand das Jacket von einem der beiden gefunden. Das Jacket ist jedoch so ziemlich das letzte Ausrüstungsteil, das man ablegen würde, wenn man mitten auf dem Ozean rumirrt. Und das Jacket war völlig heile. Nix mit Haibissen oder so. Außerdem sei ein weiteres Tauchboot, welches in der Nähe des Bootes der beiden Vermissten geankert hätte, mit zwei Leuten zu viel an Board wieder an Land gegangen. Man sei der Sache nicht weiter nachgegangen, nach dem Motto „Besser zwei zuviel als zwei zuwenig“.

Was auch immer die Wahrheit ist, diese Geschichten regen die Fantasie an und so manch Australien-Reisende wird sich vielleicht auch aktuell wieder fragen, ob das Tauchen am Great Barrier Reef wirklich sicher ist und ob man dort Gefahr läuft, einfach mitten auf dem Pazifik vergessen zu werden. Ich weiß nicht, was das für eine Tour war, die die beiden da gebucht haben, aber ich kann nur Positives berichten in Sachen Sicherheit auf dem GBR. Seit dem damaligen Unfall wurden die Sicherheitsstandards enorm verbessert. Auf sämtlichen Booten, auf denen ich war, wäre niemals jemand im Wasser vergessen worden, da bin ich sicher. Besonders auf dem dreitägigen Trip mit Pro Dive Cairns waren die Bestimmungen, um den Verlust von Tauchern zu vermeiden, extrem hoch. Jeder bekam eine Sicherheitsnummer, sobald er einen Fuß an Board gesetzt hatte. Vorm Sprung ins Wasser musste man seinen Namen nennen und in eine Liste eintragen, nach dem Tauchen wurden noch auf der Plattform sowohl Finimeter, als auch Tauchcomputer abgelesen und die Ergebnisse aufgeschrieben, man musste unterschreiben und an Board seine Sicherheitsnummer nennen. Es wäre sicherlich sofort aufgefallen, wenn jemand gefehlt hätte.

Im aktuellen Fall war es laut Tauchen.de jedoch wohl so, dass das Buddyteam durch eine starke Strömung an der Oberfläche abgetrieben worden war und von der Bootscrew auch auf Grund des relativ hohen Wellengangs nicht mehr gefunden wurde. Die Suchaktion wurde scheinbar sofort eingeleitet – im Gegensatz zu dem Fall von 1998. Laut Heute.de wurde eine Untersuchung des Falls eingeleitet.

Ich bin gespannt, ob man davon noch was hört. Würde mich schon interessieren, wie so etwas noch einmal passieren konnte. Auch, wenn ich alle Zweifelnden auf Grund meiner eigenen Erfahrung am GBR vielleicht etwas beruhigen kann.

Meine Tauchberichte, auch aus Australien, gibt’s hier.

Foto: © Muschelschubserin – Great Barrier Reef und eins der Pro Dive Cairns Boote (von einem Prospekt abfotografiert).

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Begegnung mit Jesus: Malta-Reisebericht Teil 2

Sonntag, September 9, 2007

Er zählte keine Fenster ohne Scheiben, sondern tat das, was Männern größtes Vergnügen bereitet: Playstation spielen. Was gibt es auch Schöneres im Urlaub, bei 36 Grad, einer leichten Brise, strahlend blauem Meer und Himmel und der Möglichkeit, auf ein traditionelles Fischerboot zu steigen, als im klimatisierten Zimmer auf dem Bett zu liegen und Knöppe zu drücken?

Ich für meinen Teil wählte das Boot. Der gelb, blau, rot und grün angemalte Kahn mit den für Malta typischen Augen der Osiris am Bug, entspricht genau meiner Idealvorstellung von einem Boot. Ich mag so Kähne, die tuckern, Charakter haben und auf denen man sich fühlt wie ein Fischer. Nach der Erledigung des Papierkrams wurde mir an der Basis mitgeteilt, dass mein Eintauch-Tauchgang auf etwa 42 Metern stattfinden würde, der zweite auf maximal 34. Mein Auflachen und „Ja, klar“ wurde mit einem „Im Ernst“ beantwortet und somit musste ich kurz umdenken. Ich hatte damit gerechnet, dass man sich erstmal unter Wasser davon überzeugen wolle, dass ich auch für größere Tiefen geeignet bin. Außerdem klang es noch von Australien in meinen Ohren: „Dekotauchgänge sind verboten.“ Aber ich bin da ja flexibel.

Beim Sprung ins Wasser wurde ich gleich von zwei Dingen überrascht. Erstens hat das Mittelmeer hier um diese Jahreszeit Badewannentemperatur – nämlich etwa 25 Grad und das runter bis auf 32 Meter – was für eine Wohltat! Von Abkühlung keine Spur, von Kopfhaube und Eisweste auch nicht. Zweitens war die Sicht nicht halb so gut wie für Malta typisch. Statt 50 Metern hatten wir geschätzte 15 Meter Sichtweite.

Nach wenigen Minuten erreichen wir das Wrack der „Imperial Eagle“, welches auf maximal 42 Metern Tiefe liegt. Massig ragt uns der Bug des aufrecht stehenden Wracks entgegen. Reling, Toiletten, Steuerstand und Maschinenraum sind voll erhalten und aus nächster Nähe zu besichtigen. Über dem Bug tummeln sich Schwärme von Mönchsfischen, eine kleine Gruppe Barrakudas umschwimmt das Wrack als seien die Tiere seine Wächter. Eine Schnecke begnügt sich am Algenbewuchs und wir gleiten über das pelzige Schiff zurück in etwas flacheres Wasser.

Was ihr nun lest, meine ich so, wie es da steht: Dann begegnete uns Jesus. Nicht weit von der „Imperial Eagle“ entfernt steht nämlich eine riesige, vier bis fünf Meter hohe Jesusstatue. Mit ausgestreckten Armen und nach oben geöffneten Handflächen blickt er allmächtig gen Wasseroberfläche. Gegen diese beeindruckende und mystische Erscheinung fühlte ich mich buchstäblich wie ein richtig kleiner Fisch.

Der zweite Tauchgang findet am „Qawra (gesprochen Aura) Reef“ statt. Große Felsüberhänge, die wie kleine Höhlen anmuten und betauchbar sind, zeigen, wie bunt das Mittelmeer sein kann. Im Lampenschein erstrahlen organge- und gelbfarbene Schwämme, Gorgonien und Anemonen. Auf dem Rückweg tauchen wir oberhalb der Überhänge durch viele kleine aufsteigende Luftblasen – die Atemluft, die wir in unter der Decke in den Überhängen gelassen haben, entweicht durch kleine Löcher und Risse. Unser Aufstieg und die Dekopausen fühlen sich an wie ein Tauchgang durch ein sprudelndes Sektglas.

Leider fühlt sich auch meine Haut etwa eine Stunde nach unserer Rückkehr zum Hotel so an. Offensichtlich haben die Dekopausen für mich nicht gereicht. Obwohl alles planmäßig und ohne Zwischenfälle verlaufen ist, hab ich eine Dekokrankheit. Der nicht abgeatmete Stickstoff perlt unter der Haut aus, verursacht Rötungen an Bauch, Beinen und Rücken begleitet von Kribbeln, Juckreiz und Druckschmerzen. Damit steht fest, dass mein zweiter Tauchtag ausfallen muss. Welch eine Enttäuschung, wo ich doch sowieso nur zwei Tage gehabt hätte!

Trotzdem: Die beiden Tauchgänge waren schön, ich hatte bis auf die Dekokrankheit und relativ schlechte Sicht einen 30. Geburtstag nach meiner Vorstellung und finde Malta gar nicht mehr so übel. :)

Wie gestaltet man nun auf Malta ein Alternativprogramm ohne Tauchen, so mitten im Krisengebiet? Ob wir uns die nächsten zwei Tage um die Playstation zanken mussten? Ich erzähle im dritten Teil, wo es auch allgemeine Reiseinfos gibt (Hotel, Flug, Tauchbasis)… Zum ersten Teil hier lang.

Bis dahin viel Spaß beim Ansehen des Videos von einem Tauchgang an der „Imperial Eagle“ und der „Statue of Christ“ :) :

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Wolf Rock Dive – Eigentlich sollte es ja ein Geheimnis bleiben…

Donnerstag, August 23, 2007

Es gibt einen einzigen Tauchbericht aus Australien, den ich nicht geschrieben, sondern nur angedeutet habe. Weil es ein Geheimtipp ist und ich es dabei belassen wollte und weil die Erlebnisse dort für mich so unglaublich waren, dass ich das niemals in die richtigen Worte fassen könnte. Nun habe ich vergangene Woche ganz tolle Post bekommen. Sam aus Belgien, mit dem ich an diesem allerletzten Urlaubstag in Australien hai7.jpgtauchen war, hat bei allen drei Tauchgängen Unterwasserfotos gemacht. Und wie versprochen hat er mir eine Cd mit allen Fotos drauf geschickt. Da diese Fotos klasse sind und neben den Fotos aus Sydney und dem Liveaboard ab Cairns die einzigen Unterwasserfotos sind, die ich habe, will ich sie euch nicht vorenthalten. Sie sind einfach eine tolle Erinnerung und mir läuft noch heute eine dicke Gänsehaut über den Rücken, wenn ich sie angucke.

Da das jetzt vollkommen unvollständig wäre ohne die Nennung des Tauchreviers, verrate ich nun dieses Geheimnis. Wer tauchbegeistert ist und sich in die Nähe von Fraser Island wagt, dem sei geraten, sich in Rainbow Beach einzuquartieren. Schon alleine dieser Ortsname lässt einen einen Gang runter schalten (wenn man das nicht eh schon längst getan hat in Down Under). Dort gibt es eine Tauchbasis, Wolf Rock Dive, die sowohl das Wrack der HMAS Brisbane, als auch den so genannten Wolf Rock ansteuert. Dieser liegt unweit der Basis, zehn Bootsminuten vom weißen Sandstrand entfernt, von dem aus man Delfine beobachten kann. Das Besondere daran: Ähnlich wie der Fish Rock in South West Rocks handelt es sich um ein geschütztesmanta1.jpg Gebiet, in dem die weltweit, aber vor allem an der australischen Ostküste stark bedrohten Sandtiger-Haie vorkommen – ohne Anfütterung oder sonstigen Touri-Schnickschnack. Mit denen bin ich ja schonmal getaucht und war mehr als begeistert. Deshalb stand für mich sobald ich vom Wolf Rock erfahren hatte (ich bekam einen Insidertipp an einer anderen Tauchbasis) fest, da will ich hin!

Mir hätten ja schon die Sandtiger gereicht, um mich unendlich glücklich zu machen. Aber es gab noch so viel mehr! Nicht alles davon ist auf den Bildern zu sehen, aber die absoluten Höhepunkte. Drei Tauchgänge waren es, jeder davon steigerte sich noch im Vergleich zum vorangegangenen. Und als hätte Neptun meinen heimlichen Wunsch gehört, sah ich bei meinem bis heute letzten Tauchgang die einzigen Tiere, die ich auf meiner Reise noch nicht gesehen hatte, aber unbedingt sehen wollte: Manta-Rochen, mit vier Metern haiundich.jpgSpannweite. Nichts hat mich unter Wasser jemals mehr berührt. Ich war gerade so begeistert von all den anderen Dingen, dass ich dachte „Scheiß auf die Mantas, besser als das hier geht’s gar nicht“ als die Teufelsrochen um die Ecke kamen. Ich konnt’s nicht fassen!

Aber nun die Liste: Schwarmfische ohne Ende (zum Teil auch auf den Bildern zu sehen), Sandtiger-Haie (zwei bis drei Meter lang und wahnsinnig nah), vier Meter große Mantas, nur wenige Meter von uns entfernt, ein klitzekleiner Steinfisch, Wobbegongs, Stachelrochen, ein riesiger Queensland Groper, Napoleon, ein ich schätze drei Meter langer wunderschöner Leopardhai, ein Adlerrochen, der minimum drei Meter Spannweite hatte, eine Schildkröte und und und… Das erstaunliche daran ist, dass dieser Tauchplatz weit ab des Great Barrier Reefs liegt und recht nahe am Strand. Landschaftlich erinnert er ans Mittelmeer, auch ist es hier etwas kühler als im Norden. Ich war und bin absolut begeistert und beeindruckt und hoffe, dass ich eines Tages noch einmal dort hin komme.

Mehr Bilder gibt’s bei Flickr – es lohnt sich! Mein Dank geht an Samuel. :)

Weitere Infos:

Anreise: Rainbow Beach ist bequem mit dem Greyhound Bus oder natürlich dem Auto erreichbar, denn es liegt nicht allzu weit abseits des Bruce Highway, etwa drei Autostunden nördlich von Brisbane. Es liegt am Festland gegenüber des südlichsten Zipfels von Fraser Island.

Tauchen: Wolf Rock Dive ist die einzige Tauchbasis, die den Wolf Rock betaucht. Wolf Rockschildi.jpg selber wird als einer der zehn Top Spots des Tauchens in Australien angesehen. Trotzdem ist dieser Spot recht unbekannt. Die Basis wird von einem sehr netten australischen Ehepaar geführt, welches am liebsten Taucher bewirtet, die wirklich tauchbegeistert und bereits erfahren sind. Aber auch Anfänger kommen voll auf ihre Kosten (wenn auch nicht unbedingt am Wolf Rock selber). Wenn ich mich recht erinnere, habe ich für drei Tauchgänge inklusive Equipment etwa 215 AUS-Dollar bezahlt (Mittagssnack am Strand inbegriffen). Das Equipment ist gepflegt, das Briefing ausführlich, trotzdem hat die Basis einen irgendwie alternativen Hauch, nicht zuletzt weil der Besitzer Berufstaucher ist und diese Tätigkeit auch beim Militär ausgeübt hat. Man packt selber ein bisschen mit an beim Be- und Entladen des Bootes und beim ins Wasser lassen und wieder rausholen und es wird erwartet, dass man mitdenkt und weiß, was man tut.

Unterkunft: Ich war im Backpacker Resort Dingo’s. Der Greyhound hält direkt vor der Türe, es gibt eine Bar, einen Pool, sehr saubere Zimmer mit tollen Badezimmern, die Preise sind normal, es gibt tolle Angebote zum Frühstück, ein Reisebüro (spezialisiert natürlich auf Campingtouren auf Fraser Island), Internet… Allerdings ist es das absolute Partyhostel und massenweise belagert von jungen Reisenden. Wer das nicht mag, sollte lieber ein anderes Hostel oder eine Pension nehmen. Neben dem Dingo’s sind noch zwei Hostels, die mir etwas ruhiger vorkamen. Auf der Website der Tauchbasis gibt es auch ein paar weitere Adressen.

Fotos: © Sam